Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 22 (2.6.1905)
- Date
- 1905-06-02
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 22 Seite 261 L JÜDISCHE RU 'Bremen. Die hiesige Ortsgruppe hat in ihrer letzten Ver- Sammlung zu dem Programm des Zcntral-Komitccs Stellung genpinmen und sich diesem in der Majorität angcschlossen. Verbar.dstag der Zion. Studentenkorporationen Oesterreichs PROGRAMM des zweiten Verbandstages der zionistischen Studentenkorporationen Österreichs (1. und 2. Juni 1905 in Wien). 31. Mal, abends 8 Uhr: Erste Zusammenkunft im Kongressburcau. Begriissung. Vortrag des MUO. Hugo Braun (Prag): «Das Entartungsproblcm und die Juden“. I. und 2. Juni: Tagung des Verbandes. T agesordnune: I. Allgemeiner Teil. 1. Programmatische!'ragen. Referent: S. Kaplansky- Kaplan (Wien). 2. Palästina, dessen jüdisch-nationale Entwickelung auf dem der Erziehung und der Kolonisation. Referent: Rabb. Wilhelm Reich (Baden). 3. Kulturarbeit des jüdischen Studenten. Referent: mcd. Josei Reizes (Lemberg). 2. Geschäftlicher Teil. 1. Wahl eines Bureaus. 2. Rechenschaftsbericht der Prüsidial-Korporatioii. 3. Kassabencht. d. Das jüdische Studentenwesen und seine Reformen. Referent: pliil. Viktor Freud (Prag), f«. Wahl der Leitung für das nächste Yerbandsjahr. 7. Freie Anträge. Die Tagung beginnt am 1. Juni tun 9 Uhr früh. Am Abend des 1. Juni findet in den Verbandssälei: Königseggasse ein Kommers statt. Der Zutritt zu den Sitzungen ist jedem Zionisten gestattet. Die geladenen Gäste sind bei den Besprechungen des allge* meinen Teils debattefähig: stimm- und debattenfähig sind ausschliesslich die Delegierten, deren jede Korporation zwei entsendet. ־sm1 Rundschau Die Gemeindestube in der Berliner Repräscntantenversammlung vom 28. Mai gab zu Beginn der Sitzung der Vorsitzende bei den geschältliehen Mitteilungen u. a. auch bekannt, dass ein Schreiben der ״Zionistischen Vereinigung” cingelaufeu sei, enthaltend eine Resolution gegen Professor Geiger, wegen dessen in der ״Stimme der Wahrheit” veröffentlichtem Aufsatz. Den Wortlaut der Resolution v o r z 111 e s e n f ii 1111 e sich der Herr Vorsitzende nicht b cm ft s s i g t. Da keiner der Herren Repräsentanten nach dem Inhalt der Resolution fragte, muss man annclmtcn, dass sic den Inhalt kannten. Und es bleibt alsdann nur der weitere Schluss übrig, dass die Reprüscntaiitenvcrsammlung sich mit dem schmachvollen Vorschläge Geigers identifiziert, einem grossen Teil der deutschen Juden die Staatsbürgerrechte zu entziehen. Aber schliesslich hat eben jede Gemeinschaft die ״Repräsentanten“, die sic sich gefallen lässt. — Weiter wurden in der Sitzung zwei Anträge des Repr. Prof. Bla sch ke angenommen, deren einer die Herausgabe gedruckter Jahresberichte über alle Schulen der Jüdischen Genieindc^ Berlin fordert, während der andere die Anfertigung einer Statistik aller privaten Religionsvcrcine verlangt. Hin Antrag auf Aendcrung des § 1-1 der Geschäftsordnung der R.-V., betreffend die Teilnahmeder Rcpräsentantcu-Stellvertreter und der einem Ausschuss nicht augehörendeu Reprüscutauten au den Ausschuss-Sitzungen wird zurückgezogen. Fine längere Debatte entspimit sich gelegentlich eines Antrages auf Zulassung der Wahl weiblicher Personen in die Verwaitiingskommissioueu der jüdischen Gemeinde. Besonders Justizrat Simon setzt sich in längerer Rede für den Antrag ein, der aber schliesslich hauptsächlich aus formalen Gründen abgelehnt wurde. Aus den weiteren Beschlüssen ist zu nennen die Bewilligung einer Subvention von 9700 Mark au den Rehgionsverein W e s t c n, die Bewilligung eines Beitrages von 2500 Mark zu den Kosten für das ״Gesamt-Archiv der Juden Deutschlands" und die Bewilligung von 1200 Mark als Jahresgelialt für eine neu aiizustellciidc Oberin für das Hospital. Mit dem letzteren Beschluss ist ein peinlicher Konflikt zwischen N DSC HAU den Ehrcndameii und der Verwaltung des Hospitals aus der Welt geschafft, der zu sehr viel Klatsch Anlass gegeben hat. Es folgte eine geheime Sitzung. — Im Anschluss daran müssen wir noch unsere Verwunderung darüber aussprechen, dass in einem hiesigen jüdischen Blatt sehr durchsichtige Andeutungen über die geheime Sitzung enthalten waren, die der Vcrsammlung vom 21. Mal folgte. Abgesehen davon, dass diese Mitteiluugen nur durch Indiskretion eines Repräsentanten erlangt sein können, bedauern wir eine solche Winkcl-Publikation als den Gepflogenheiten vornehmer Journalistik wenig cutsprechend. Vielleicht interpelliert einer der Herren Rcpräscntauten lieber einmal darüber, statt sich über schlimmstenfalls schlechte Witze eines Berichterstatters aufzurcgei». Aus Russland - Das russische Ministerium des Innern oder vielleicht, aus naheliegenden Gründen, das Finanzministerium erlässt wieder einmal durch die für solche missbräuchliche Benutzung eigens bestimmte ״Petersburger Tclcgraplien-Agcntur" eine Kundgcbu'ng an das Ausland, die folgendermasscn lautet: Kiew, 24. Mai. (Pctersb. Tcl.-Ag.) In auswärtigen Blättern war gemeldet worden, aus Anlass der Unruhen in Shit()- mir habe das Polizeidcpartement den Gencralgouverneur Kleigels beauftragt, entschiedene Massnahmen zur Unterdrückung der Unruhen zu ergreifen, und daraufhin sei unverzüglich die Ausweisung der Israeliten aus Kiew criolgt, um die israelitischen Familien gegen die Erbitterung der Menge zu schützen. Diese Meldungen entbehren, wie amtlich mitgeteilt wird, jeder Begründung und sind offenbar durch ein Missvcrstünduis hervorgeruien. Einer Anordnung des Polizcidcpartetneuts bedurfte cs gar nicht, da die nötigen Massnahmen zur Unterdrückung der Unruhen in Shitomir von der Verwaltung rechtzeitig ergriffen worden waren. Auch ein Beichl zu einer Massenausweistuig von Israeliten aus Kiew ist nicht erteilt worden. Es handelt sich im angegebenen Falle um die A!1wendung von Sondergesetzen, d i c i ü r Kiew gelten, ohne jeden Zusammenhang mit den Vorgängen in Shitomir. Die Härte der Gesetze über das Aufcnthaltsrccht der Israeliten in Kiew wird aut der Grundlage der dem Generalgouverneur erteilten Gewalt auf Ansuchen der Israeliten bcständig gemildert. Ausserdem klingt die aus unbekannter Quelle geschöpfte Meldung geradezu unglaublich, ein gewisser Teil der Bevölkerung solle, um ihn gegen eine mögliche Gefahr zu schützen, irgendwohin ausgewiesen werden. Die vom Gencralgouverneur z~״-elasseuc Milderung der Beschränkung des Aufcnthaltsrechts von Israeliten in Kiew und anderen Orten des Südwcstgebicts und die Erteilung des Rechts zum Besuch von Lehranstalten seitens israelitischer Kinder beweisen am besten, dass die Meldung der ausländischen Blätter auf tendenziäser Erfindung beruht. Was die Sicherheit der Person und des Eigentums betrifft, so gemessen die Juden gleich den übrigen russischen Staatsbürgern den Schutz des Gesetzes und der Obrigkeit. Aus dieser gewundenen Erklärung gebt zunächst als nicht mehr anzuzwcit'elnde Tatsache hervor, dass in Kiew in der jüngsten Zeit zahlreiche Juden ausgewiesen worden sind, nur sind diese Ausweisungen, wie die russische Regierung mitzutcilen sich veranlasst findet, nicht als Folge der Judenhetzen von Shitomir zu betrachten, sondern sic erfolgten auf Grund der für die ״heilige Stadt" Kiew geltenden Ausnahmegesetze. Der letzte Satz der Kundgebung, wonach die Juden gleich den übrigen russischen Staatsbürgern den Schutz des Gesetzes und der Obrigkeit gemessen, ist grotesk in seiner Naivität, schon weil er Russland als einen Rechtsstaat darzustellen sucht. Unbegreiflich ist nur, wozu mau solche amtlichen Telegramme an das Ausland sendet, wo sich doch niemand durch sie täuschen lässt. Vielleicht würde es sich besser etnpfelilen, sie einfach brieflich den Leitern der grossen Finanzinstitute zuzusenden. Der VORWÄRTS überschreibt denn diese Meldung auch ganz richtig: ״Zur Beruhigung der Geldjuden", fügt aber in Erinnerung an jüngste Vorkommnisse gleich hinzu: ״Die Mcudclsöliiic bedürfen dieser Beruhigung nicht. Sic leihen dem System von Kischinew׳ und Shitomir auch Geld, wenn man sich das Geld für derartige Telegramme ersparen würde." Leider wahr! Über die Zustände in Kischinew wird dem RUSSKOJE SLOWO telegraphiert: Die Stadt befindet sich tatsächlich im Belagerungszustände; die Einwohner verlassen die Häuser nur im Notfälle. Tag- und Nacht werden Oberfälle verübt, selbst im Zentrum der Stadt bekommt mau verzweifelte Hilferufe zu hören. Auf der Kupetscheskajastrassc wurde ein Mann von einer hundertköpfigen Masse misshandelt, eiiie Frau, die •unfreiwillige Zuschauerin war, rief der Horde zu: ״Ihr Tiere, ihr tötet ja einen Menschen!‘‘ worauf ein Beaipter sic gewaltsam wegführte und ihr dringend anriet, das נ I < ו .« ן י U i l I j , I 1 i 1 f I 1, י I i tj N | * fc * J f j Waal■״