Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 22 (2.6.1905)
- Date
- 1905-06-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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r V Seite 254־ zu erörtern. Der Erfolg wird lehren, ob der deutsche Zionismus die Kraft hat, der Bewegung mit jener Begeistenmg voranzugellen, die notwendig i^st, um das grosse Ziel zu erreichen, das wir uns vorgesteckt haben. Aber neue grosse Pflichten erwachsen gerade den deutschen Zionisten aus dieser Neugestaltung der Dinge. Denn wenn Adel verpflichtet, so sollte eine Ehre, die man nicht aus eigener Kraft zu erringen vermochte, tausendfältig verpflichten. Und nicht aus eigener Kraft. nicht um unserer besonderen TüchtigKcit willen, wendet siclr der Schwerpunkt der Bewegung jetzt zu deutschen Juden. Umsomehr müssen wir uns bestreben, hinter unsern neuen Führern Mann für Mann zu stehen, um, eine einzige einmütige Schar, mit ihnen zu vollbringen, wozu der erste Kongress den Grund gelegt hat. 1! ln diesem Bemühen werden wir dadurch unterstützt, dass unser deutsches Zentralkomitee erst kürzlieh ein so schönes Beispiel der Einmütigkeit gegeben h|1t in einer Erklärung, die geeignet ist, die Grundlage einer Verständigung aller Zionisten auf dem Kongresse zu werden. Ulme denen, die es für notwendig erachteten, ein Angebot für eine Notstandsaktion nicht ungeprüft aus den Händen zu geben, cutgegenzutreteu, hat es einstimmig konstatiert, dass Palästina auch das ein• zige Gegenwartsprogramm der, Zionisten ist, wie es das Ziel der zionLtischeu Bewegung immer war. Es ist eine Anerkennung seines ernsten Strebciis, dass das Grosse Aktionskomitee nach Anhörung der Ustafrikaexpedition zu keinem andern KesuUat kam, als die Zentrale der deutschen Zionisten. Aber trotz alledem sind die neuen Pflichten der deutschen Zionisten keine leichten. W enn der neue Ausschuss nicht in seinen Woluisitzen allein stehen will, wenn er mächtigen Malt haben muss, so muss auch die Bew egung am allermeisten dort weiter um sich greifen, wo die neuen Männer ihren Wohnsitz haben. Nicht in unnützen und kleinlichen Kritikastereien dürfen wir die Zeit verlieren, es heisst alle Mann auf Deck, um der Bewegung freie Bahn zu schaffen. Kaum eine andere Zeit ist mehr zur Agitation geeignet: Es ist die Zeit vor dem Kongress, es ist die Zeit des Schekelsanimeins. Der Schekel ist das sichtbare Zeichen der Zugehörigkeit zum Die Judenbuche Ein Slltengemäide aus dem gebirgigten Westfalen von Annette Freiin von Droste- Hülshoff. 8J . Er schnitzte Löffel, ass auf dem Schlosse und machte Botengänge für den gnädigen Herrn. Im ganzen ging's ihm leidlich; die Herrschaft war sehr gütig, und Herr von S. unterhielt sich oft lange mit ihm über die Türkei, den österreichischen Dienst und die See. ״Der Johannes könnte viel erzählen,־‘ sagte er zu seiner Frau, ״wenn er nicht so griuideimaltig wäre." — ״Mehr tiefsinnig als einfältig," versetzte sie; ״ich fürchte immer, er schnappt noch über." — ״Ei bewahre!" antwortete der Baron, ״er war sein Leben lang ein Simpel; simple Leute werden nie verrückt." Nach einiger Zeit blieb Johannes auf einem Botengange über Gebühr lange aus. Die gute Frau von S. w׳ar sehr besorgt um ilm und wollte schon Leute aussenden, als man ihn die Tneppe heraufstelzen hörte. ״Du bist lange ausgeblieben, Johannes,‘‘ sagte sie; ״ich dachte schon, du hättest dich im Brederholz verirrt.“ No. 22 Baseler Programm. W'cim jetzt die Wahlen zum Kongross vorgcnommeii werden, so muss die Zahl der Schekelzuliler, die aut Grund des Baseler Progranniics in Deutschland zu uns gehören, eine so grosse sein, dass die Uebertragmig der Leitung nach dem Norden und Westen weniger experimentierend erscheint, Das Ergelniis der Sitzung des Grossen Aktionskomitees ist für uns deutsche Zionisten die Schaffung der neuen Fiilirung, der wir Folge leisten werden, wie wir sie unserm geliebten Führer Hcrzl geleistet haben. Ein zweites Resultat ist die endgiltige Erledigung der Ustafrikafrage. Für uns im besonderen aber ist die wichtigste Folge der Tagung unsere neu erwachsende alte Pflicht, mit ungebrochenem Eifer für unser Volk w eiterzuarbeiteii. Wir wollen die neue Führung mit irischer Arbeit für den Zionismus begriissen. Die Abrechnung der Sclickekpiitumgcn stellt umnittelbar bevor. Es gilt zu zeigen, da$0 der Zionismus in Deutschland auch der Zahl nach an Bedeutung und Einfluss dauernd zunimmt. Es ist die Pflicht jedes deutschen Zionisten, seinerseits dafür zu sorgen, dass gezeigt werde, wie sehr die Zahl der Zionisten zugeiiomnieii hat, d. 11. derer die den Schekel gezahlt haben auf Grundlage des Baseler Programms. H e i 11 r i c 11 S a c h s e. Mitteilungen des Zentralbureaus der Zionistischen Vereinigung für Deutschland 1. Wir bitten nochmals die eingegangenen Schekelgelder und Sehekelblocks baldgcfälligst abzufiihrcn, damit wir spätestens am 10. Juni im Besitz aller Schekelgelder und Schekelblocks sind. Wir weisen nochmals daran!‘ hin, dass zur Zahhing des Schekels jeder verpflichtet, der auf dem Boden des Baseler Programms steht. Es ist daher nicht ausreichend, wenn, w ie dies bisher vielfach geschehen ist, nur das Familienoberhaupt den Schekel entrichtet. Geldsendungen sind ausschliesslich an unseren Schatzmeister, Herrn Max W o 11 s t c i 11 c r t N.W. 23, Holsteiner Uicr 10 zu richten. ״Ich bin durch den Föhrengrund gegangen.“ ״Das ist ja ein weiter Umweg; warum gingst du nicht durchs Brederholz?" Er sah trübe zu ihr aui: ״Die Leute sagten mir, der Wald sei gefällt, und jetzt seien so viele Kreuz- und Querwege darin, da fürchtete ich, nicht wieder hiiiauszuküinmeii. Ich werde alt und duselig," iügte er langsam hinzu. — ״Sahst du wohl," sagte Frau von S. nachher zu ihrem Manne, ״wie wunderlich und quer er aus den Augen sah? Ich sage dir, Ernst, das nimmt noch ein schlimmes Ende." Indessen nahte der September heran. Die Fehler waren leer, das Laub begann abzufallen und mancher Hektische fühlte die Schere an seinem Lebenstaden. Auch Johannes schien unter dein Einflüsse des nahen Aequinoktiums zu leiden; die ihn in diesen Tagen sahen, sagten, er habe auffallend verstört abgesehen und unaufhörlich leise mit sich selber geredet, was er auch sonst mitunter tat, aber selten. Endlich kam er eines Abends nicht nach Hause. Man dachte, die Herrschaft hatte ihn verschickt; am zweiten auch nicht; am dritten ward seine Hausfrau ängstlich. Sic ging ins Schloss und iragte nach. — ״Gott bewahre,“ sagte der JÜDISCHE RUNDSCHAU v״*׳*■׳ ■•׳*■׳* t®,״1 "י״יוי ‘ummmmmoFT’ ר