Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 21 (26.5.1905)
- Date
- 1905-05-26
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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No. 21 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 2*17 (gcz. von Sir Clement Hill, erster Vorsteher der Abteilung für die Schutzgebiete in! Ministerium des Äusscrn), welches ich in (!landen hatte, und das sich Jetzt in den Archiven des zionistischen Aktionskomitees befindet, heisst es mit Bezug auf diesen Funkt wörtlich: ״Die Gewährung eines ansehnlichen Stückes Land. Die Ernennung eines jüdischen Beamten zum Oberhaupt der örtlichen Verwaltungsbehörde und die Gewahr- Icistung voller Bewegungsfreiheit an die Kolonie für Munizipalgesetzgebung und für die Ordnung der religiösen und ausschliesslich inneren •VcrwaUungsangcIogcnheiten’ Dieses ortliehe Schuuvcrwaltungsrecht muss indes das Recht Sr. Majcstat Regierung unberührt lassen, eine allgemeine Oberaufsicht zu üben."“ Duisburg. Am 15. d. M. fand eine Mitglicdcrvcrsammlung der Zionistischen Vereinigung' statt. Der erste Teil des Abends war dem Andenken Moses Hess’ gewidmet. Sodann wurde nach langer Erörterung unter Ablehnung des Antrags Dr. Epstein, der der Erklärung des Zcntalkomitccs zuzustimmen bat, auf Antrag des Herrn Salomon Lcvy folgende Resolution angenommen: .,Die Zionistische Vereinigung Duisburg ist vorläufig nicht in der Lage, ihre Zustimmung zu der vom Z.-K. erlassenen Erklärung zu geben, da ihr die Gründe, die das Z.-Kzu seiner Erklärung veranlasst haben, nicht bekannt sind. Die Zionistische Vereinigung Duisburg ist selbstredend der Ansicht, dass es Gründe schwerwiegender Natur sind, die dem Z.-K. in seiner Erklärung Veranlassung gegeben haben, über das Ostafrikaprojekt einfach zur Tagesordnung überzugehen. Die hiesige Vereinigung würde es aber iür z.weck- ,mässig erachtet haben, wenn diese Gründe gleichzeitig mit der Erklärung den deutschen Zionisten bekannt gegeben warden wären, um diesen zu ermöglichen, sich ein eigenes Urteil zu bilden. War es aber nach Ansicht des Z.-K. nicht angängig, diese Gründe zur Zeit bekannt zu geben, so hätte man auch mit der Veröffentlichung der Erklärung bis zu dem Zeitpunkt warten sollen, an dem der Bekanntgebung der Gründe nichts mehr im Wege stand. Mainz. Am 17. Mai fand eine Grupeaversammlung statt mit einem Referate des Herrn Julius Simon aus Mannheim: *,Der Zionismus vor dun 7. Kongress“. Den Hauptgegenstand des Referats bildeten die in Köln gefassten Beschlüsse, die Herr Simon sehr eingehend erläuterte und begründete. An seine Ausführungen schloss sich c:ne längere Diskussion, samtliehe Redner stimmten den Kölner Beschlüssen zu und es wurde folgende Resolution einsvimmig angenommen: ״Die zionistische Ortsgruppe in Mainz stimmt der in No. IS der .IUED1SCHEN RUNDSCHAU veröffentlichten Erklärung des Z. Kder Zionistischen Vereinigung für Deutschland voliinhaltlieh zu utid gibt gleichzeitig ihrer Genugtuung darüber Ausdruck, dass diese Erklärung der zionistischen Leitung' in Deutschland einmütig erfolgt ist.“ Freiburg L B. Unter recht erfreulichen Auspicz.ien begann der ״Verein Jüdischer Siudcntcn“ (im B. J. C.) au der Univcrsitüt das Sommersemester. Die am 13. d. Mts. veranstaltete Scmcstcr-Antrittskucipc verlief glänzend.. Nicht allein der starke Zuwachs, der in diesem' Semester zu verzeichnen ist, war der Erfolg dieses Abends, auch d:c zahlreich vertretene Jüdische Bürgerschaft Freiburgs gab ihre Sympathien für den Verein Jüdischer Studenten in mehreren Ansprachen zu erkennen.. Der Verein Jüdischer Studenten darf also mit Recht von der*Zukunft das Beste erwarten. — Die Chargcnwahl für dieses Semester ergab folgendes Resultat: cand. med. dent. Nussbaum X, cand. med, Sceligmann XX־ cand. med. Krönhe m XXX. Karlsbad. Der Einzelvc/ciu ״Zioi!" in Karlsbad gibt hiermit allen Gesinnungsgenossen und jüdischen Kurgästen bekannt, dass er jeden Mittwoch im Gartenzimmer des Hotel T r a u t w e i 11 um 8 Uhr Abends seine Zusammenkünfte abhält. Gäste herzlich willkommen! Basel. Der Schweizerische Z i o n i s t c n v c rband hat den diesjährigen Dclcgicrtcntag auf den 4. Juni nach Luzern cinberufcn. Bralla. Das Komitee der Rumänischen Zionistischen Ecderation hat in seiner Sitzung vom 2. d. Mts., an der auch mehrere hervorragende Parteigenossen, die nicht zum Komitee gehören, tcilgciionimcn haben, sich im wesentlichen der Erklüruug des Zentralkomitees der Zionistischen Vereinigung für Deutschland aitgcschlossen. Volksküche in Jerusalem. Ueber die Volksküche in Jerusalem geht uns von zuverlässiger Seite folgender Bericht zu: Ich begab mich mich in die dortige Anstalt um S Uhr morgens und fand dort etwa 40 Personen anwesend. Ich kostete die Speisen und fand sie in gleicher Qualität wie in einem einfachen Speisehause. Die Räume dort sind klein. Jedoch sauber, ebenso erweisen sich die Geiässe als reinlich und in guter Ordnung'. Die Preise für die verabreichten Speisen sind durchaus massig; man bezahlt für eine Suppe 1 Metaüik. etwa 5 Pfg.. iür eine Portion Fleisch 2 Metallik. etwa 10 Pig., ohne Brot, das die Besucher selbst mitzubringen pflegen. Für das ganze Passahfest konnte man um eine Mcggidie. etwa 350 Mk״ dort speisen. Die Anstalt ist von etwa 200—300 Leuten täglich besucht und von S Uhr bis 2 Uhr mittags geöffnet. Vorsteher sind die Herren Rabbiner Leib Dajan und Ascher Levy, die unbesoldet sind. Im Jahre 1904 wurden für Miete (2 Zimmer und Küche) 600 Eres., iür Bedienung und Feuerung 3200 Frcs.. Zuschuss auf Speisen 10 500 Frcs., zusammen 14 300 Fracs. verausgabt, sudass sich das Budget auf die vorstehende Summe von 14 3w Frcs. stellte. Momentan hat die Anstalt ein Deficit von etwa 3000 Frcs. Fischten mich auf aus dem Bosporus,“ versetzte Johannes. Der Baron sah ihn befremdet an und hob den Finger warnend aut; aber Johannes erzählte weiter. Auf dem Schiffe war cs ilun nicht viel besser gegangen. ״Der Skorbut riss ein; wer nicht ganz elend war, musste über Macht arbeiten, und da3 Schiffstau regierte ebenso streng wie die türkische Peitsche.“ ״Endlich,“ schloss er, ״als wir nach Holland kamen, nach Amsterdam, Hess man mich frei, weil ich unbrauchbar war, und der Kaufmann, dem das Schiff gehörte, hatte auch Mitleiden mit mir und wollte mich zu seinem Pförtner uachen. Aber“ — er schüttelte den Kopf — ״ich bettelte mich lieber durch bis hierher.“ — ״Das war dumm genug,“ sagte der Gutsherr. Johannes seufzte tief: ״O Herr, ich habe mein Leben zwischen Türken und Ketzer! zubringen müssen, soll ich nicht wenigstens auf einem katholischen Kirchhofe hegen?“ Der Gutsherr hatte seine Börse gezogen: ״Da, Johannes, nun geh und komm bald wieder. Du musst mir das alles noch ausführlicher erzählen; heute ging es etwas konfus durcheinander.“ ״Du bist wohl noch sehr miide?“ — ״Sehr müde,“ versetzte Johannes; ״und,“ er deutete auf seine Stirn, ״meine Gedanken sind zuweilen so kurios, ich kann nicht recht sagen, wie cs so ist.“ — ״Ich weiss schon,“ sagte der Baron, ״von alter Zeit her. Jetzt geh. Hülsineyers behalten dich wohl noch die Nach't über, morgen komm wieder.“ Herr von S. hatte das innigste Mitleiden mit dem armen Schelm; bis zum folgenden Tage war überlegt worden, wo man ihn cinmictcn könne; essen sollte er täglich im Schlosse, und für Kleidung fand sich auch wohl Rat. — ״Herr,“ sagte Johannes, ״ich kann auch noch wohl etwas tun; ich kann hölzerne Löffel machen, und Ihr könnt mich wohl auch als Boten schicken.“ Herr von S. schüttelte mitleidig den Kopf: ,Das würde doch *nicht sonderlich ausfallen.“ — ״O doch. Herr, wenn ich erst im Gange bin — es gellt nicht schnell, aber hin komme ich doch, und cs wird mir auch nicht sauer, wie man denken sollte.“ — ״Nun,“ sagte der Bai011 zweifelnd, ״willst du's versuchen? hier ist -ein Brief nach P. Es hat keine sonderliche Eile.“ Am folgenden Tage bezog Johannes sein Kämmerdien bei einer Witwe im Dorfe. (Schluss folgt.)