Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 21 (26.5.1905)
- Date
- 1905-05-26
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 246 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 21. liehen Gewände durchaus nicht so schrecklich aussicht und sich auf dem friedlichen Wege der wirtschaftlichen Eroberung des Landes. Schritt um Schritt, lösen lassen wird. Was die Gewohnheit speziell der Mohammedaner, betrifft, uns zu verachten, so irrt sich auch hierin Herr Zangwill. Es ist erstens geschichtlich nicht richtig, denn die Mohammedaner lebten mit den Juden im Einverständnis dort, wo sic zusammentrafen, und zweitens entspricht cs auch nicht dem gegenwärtigen Zustande. Ich gehöre zwar nicht zu denjenigen, die die Behauptung amstellten, dass der Araber von der Erkenntnis durchdrungen sei. dass Palästina den Juden gehöre, und dass er schier bereit wäre, den ankommenden Juden das Land abzutreten. Aber ich muss hervorheben, dass von einer Verachtung gegenüber den Juden nur in den Städten die Rede sein könnte^ wo die Juden die ärmste Bevölkerung ausmachen und häufig als solche schutzlos sind. Dagegen verstanden cs die neu ankommenden europäischen Juden, die die Kolonien gegründet hatten, sich eine achtunggebietende Stellung unter der Bevölkerung zu verschaffen. Und je inchr produktive, gesunde Elemente das Land bewohnen, desto geachteter wird die Stellung der Juden. Dass cs nicht an Feindseligkeiten auf wirtschaftlichem Gebiete fehlen wird, die dort entstehen müssen, wo die Interessen zusammenstosscu, braucht nicht hervorgeiioben zu werde.׳:. Aber diese Feindseligkeiten sind vorläufig nicht bedeutend. Sic werden sich später vermehren, je mehr Einfluss w ir im Lande gewinnen. Diese Feindseligkeiten brauchen uns nicht zu erschrecken, denn sie sind natiirnotwendig. Wir müssen ihnen dadurch begegnen, dass wir Herren der Situation werden. Dies können wir in Palästina angesichts seiner Bevulkcrungsverliältiiisse mit Leichtigkeit werden. Ich habe in dieser Richtigstellung nur diejenigen!Momente I (.sprechen, die Herr Zangwill gegen Palästina amiihrte. Dass damit das Problem nicht erschöpft ist, ist ausser Zweifel. B e r I i n . den 12. Mai 1905. Dr. S. S o s k i!1. —I Aus der Beweguijg ן— Die Schekelblock-Iuhaber werden auf die am Schlüsse des redaktionellen Teiles, vor dem Nationalfond, befindliche Notiz ..Z u r dringend e n B c a c h 11111 g" aufmerksam gemacht. Berlin. Am Donnerstag, den IS. Mai. referierte in einer äusserst zahlreich besuchten Mitgliedcr-Versatiimlung der B. Z. V. Rechtsanwalt Dr. H a n t k c über die Sitzung des Zentralkomitees vom 23. und 2-1. April. Von allen Diskussions־ rednern sprach nur Herr Dr. Citron gegen die vom Zentralkotnitce publizierte Erklärung. Eine Resolution, die zu der Erklärung ihre volle Zustimmung und ihre Freude über diese einmütige Kundgebung des Zentralkomitees ausspricht, wurde mit allen gegen drei Stimmen angenommen. Posen. In ihrer Sitzung am 13. Mai fasste die Ortsgruppe, bei ungewöhnlich starker Präsenz, nach langer Diskussion ׳ einstimmig folgende Resolution: ״Die Poscncr Ortsgruppe j nimmt, unter Protest gegen die vorzeitige Veröffentlichung, mit Bedauern von der Unausführbarkeit des OsfaTriEa-Projcktes j Kenntnis. Sie hält jedoch fernerhin mit dem Baseler Programm fiir wohl vereinbar, vor de־׳ Erlangung der öffentlich-rechtlich ׳ gesicherten Heimstätte in Palästina, ausserhalb des palästincn- : sischcn Landeskreises jüdische Orossknlonisation bei zugcsicher* י tcr Autonomie durch politische und organisatorische Beihilfe j seitens unserer Bewegung zu fördern. Ihr Endziel sieht sie * nach wie vor 1(1 Palästina und lehnt deshalb alle davon ahj sehenden (״territoriaJistischcn“) Pläne ab. Vorbedingung fiir; jede Zionistische Kolonisationsarbeit in Palästina muss das Vor- ' liandciiseiii ausreichender rechtlicher Garanticcn bleiben.! Diesem Grundsatz widerspricht unter dem gegebenen Verhält-! nissen sowohl das Verlangen nach Landerwerb wie jede Iki giiiistigung der Einwanderung in Palästina, auch soweit sie gc- I sctzlieh gestattet ist. Die Ortsgruppe wünscht vor allem:! 1. Aufrcehteihaltmig und Ausbau der angckiiiipftcu politischen! •Beziehungen. 2. Wissenschaftliche Erforschung Palästinas und ן seiner Verhältnisse. 3. Schaffung von Industrien lind Förderung j des Gcwerbcffcisscs unter «Jen Juden Palästinas. 4. Nationa- | Msicrtmg der gesamten Judcnhcit, namentlich auch der in I Palästina ansässigen. 5. Leitung der jüdischen Emigration nach [ den Nebeuländeru Palästinas, soweit sie Rechtsschutz bieten. I Der Erklärung des Zentralkomitees stimmt die Ortsgruppe im | übrigen insoweit bei als darin die Prinzipien des politischen! Zionismus zum Ausdruck gelangen. j If.onbiirg. Noch immer halte!! es auch anständige . Zeitungen rieht fiir unter .ihrer Würde die merkwürdigsten! Berichte über den Zionismus und seine Erfolge zu bringen. So; hat die NEUE HAMBURGER ZEITUNG eine Mitteilung als j Londoner Depesche gebracht, in der das Angebot der engf fischen Regerutig als eine Mythe hingesteüc wurde. Die NEUE j HAM BURGER ZEITUNG hat nunmehr folgende Berichtigung j gebracht: I ״Der Zionismus und die englische Regierung. | In No. 214 d. Bl. brachten w ir nach der Londoner RHEINi HOLD NEWS PAPER eine Mitte ilung. wonach eine aus zionisti- * sehen Kreisen stammende frühere Meldung, dass die engi lischc Regierung den Zionisten in BritisclnOst- * afrika grosse I.äuderstreckcu zur Gründung eines autonomen , Staatswesens angeb(steil habe, uiizutrcnend sei usw. Hierzu i geht uns vo!1 dem Vorsitzenden des Jewisli Colonial 1 Trust (Jüdische Kolonialbaiik) Limited in London. Herrn Dr. Wolffsohn, mit der Bitte um Aufnahme folgende Erklärung zu: ..Die Mitteilungen der Londoner RHEINHOLD NEWS PAPER entsprechen nicht der Wahrheit. Es ist Tatsache, dass die britische Regierung dem Zionistischen Aktionskomitee ein Territorium für eine jüdische Ansiedelung in Osta f r i k a in Vorschlag gebracht hat. unter Bedingungen, die; vollkommen einer * Autonomie entsprechen. Mit einer jüdischen; Verwaltung, mit jüdischer Lokalregierung und einem jüdischen Oberbeanitcu an ihrer Spitze. Ahes natürlich unter britischer oLerhoheitlieher Überwachung. In dein Anerbietungsschreiben Holzgeschiehten. Simon hatte so allerlei Oeschätc; mir I sagte man nichts davon, aber 'ich glaube nicht, dass alles war, wie es sein sollte.“ —- ״Was hat denn Friedrich dir gesagt?“ — ״Nichts, als dass wir laufen müssten, sie wären hinter uns her. So liefen wir bis Heerse; da war es noch dunkel und wir versteckten uns hinter das grosse Kreuz am Kirchhofe, bis es etwas heller wurde, weil wir uns vor den Steinbriichen am Zellerfelde fürchteten, und wie wir eine Weile gesessen hatten, hörten wir mit einem Mal über uns schnauben und stampfen und sahen lange Feuerslrahlen in der Luft gerade über dem Hecrser Kirchturm. ״Wir sprangen auf und liefen, was wir konnten, in Oottcjs Namen gerade aus, und wie es dämmerte, waren wir wirklich auf dem rechten Wege nach P.“ Johannes schien noch vor der Erinnerung zu schaudern. und der Gutsherr dachte an seinen seligen. Kapp und dessen Abenteuer am Hecrser Hange. — ״Sonderbar!" lachte er. ״so nab wart ihr einander! aber fahr fort." — Johannes erzählte nun, wie sie glücklich durch P. und über die Grenze gekommen. Von da hatten sie sich als wandernde Handwerksburschen durchgebettclt bis Freiburg im Breisgau. ״Icli I hatte meinen BroVack bei mir,“ sagte er, ״und Friedrich ein Bündelellen so glaubte man uns." — In Freiburg hatten sie sich von den Oesterreichern an werben lassen: ifm hatte man nicht gewollt, aber Friedrich bestund darauf. So kam er unter den Train. ״Heu Winter über blieben wir in Freiburg,“ fuhr er fort, ..und es ging uns ziemlich gut׳ mir auch, weil Friedrich mich oft eriunerte und mir half, wenn ich etwas verkehrt machte. Im Frühling mussten wir marschieren, nach Ungarn, und im Herbst ging der Krieg mit den Türken los. Ich kann nicht viel davon nachsagen, denn ich wurde gleich in der ersten Atfaiic gefangen und bin seitdem sechstmüzwanzig Jahre in der türkischen Sklaverei gewesen!" - ״Gott im Himmel! das ist doch schrecklieh sagte Frau v. S. — ״Schlimm genug, die Türken halten uns Christen nicht besser als Hunde; das schlimmste war, dass meine Kräfte unter der harten Arbeit vergingen; ich ward auch älter und sollte noch immer tun w ie vor Jahren." Er schwieg eine Weile. ״Ja," sagte er dann, ״es ging über Menschenkräftc und Mcnschcngeduld; ich hielt es auch nicht aus. ״״ Von da kam ich auf ein holländisches Schiff.“ — ״Wie kamst du denn dahin?“ fragte der Gutsherr. — ״Sie ״ ״׳׳