Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 21 (26.5.1905)
- Date
- 1905-05-26
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 2t JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 245 kerung von nur 26 Mann pro Quadratkilometer. Während wir in Palästina ein mehr oder weniger gleichmässig schwach besiedeites Land haben, welches nur einige stärker bevölkerte Städte!besitzt, bestehen die Vereinigten Staaten aus zwei grossen Gebieten, deren Bevölkerungsverhältnisse gänzlich ver- Schieden sind und die ein Mittel ergeben, welches keine Beweiskraft haben kann. Wir können also Herrn Zangwill trösten. Wir werden nicht gezwungen sein, nach dem Beispiel unserer Väter die Stämme, die Palästina besitzen, mit dein Schwert in der Hand aus dem Lande zu jagen. Land gibt es genug in Palästina. Allerdings muss es erworben und angebaut werden, um eine stärkere Volksdichte zu gestatten. Bei den modernen Hilfsmitteln der Agrikultur und der Wassertechnik werden wir imstande sein, auf dem fruchtbaren Boden Palästinas bei seinem milden, subtropischen Klima das Fünffache an Bevölkerung zu ernähren. Nimmt mau an, dass Palästina nur 29 000 Quadratkilometer gross ist (ich halte es aber mit dem Ostjardanland und Haurau für mindestens 35 000 Quadratkilometer gross), so hat cs Jetzt bei seinen 650 000 Seelen Bevölkerung nur IS Seelen pro Quadratkilometer. Ueber drei Millionen Menschen können gctrost auf dieser Fläche ein materiell sorgenfreies Dasein führen. Uebrigcns ist Herr Zangwill mit seinen eigenen Angaben im Widerspruch. Kr sagt, dass wir im Lhva Jerusalem nicht einmal 25 Prozent der Bevölkerung aiismaelicn. Wenn wir! die Jüdische Bevölkerung Jerusalems sogar mit 50 000 und : diejenige Jaffas mit 10 000, die Hebrons mit 2000 und die der : anderen Orte und der jüdischen Kolonien i:! diesem Liwa mit 3000 Seelen in Knclmmig bringen, so erhalte!! wir hier eine : jüdische Gesamt!-,evölkerung von etwa 65 00׳J Seelen, was in 1 der Tat bei 320 000 Seelen Gesaimbevölkeruiig etwa 20 Prozent, i also ״nicht einmal 25 Prozent״ ausmacht. Sollte aber das 1 Liwa laut Zaiigwiüs Angaben eine Bevölkerung von 52 Seelen i pro Quadratkilometer haben, so müsste es von 6000 10־ Menj sehen bewohnt sein (d. 11. von der Bevölkerung des ganzen! Landes), und die Juden wurden 10 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Nun gibt es aber in der Tat noch etwa 20 000 י Juden (Safed mit zirka 11 000, Tiberits mit zirka dOOCr, die ' Kolonien und das übrige Land mit noch etwa 500C) in Palästina! ausser den zirka 65 000 in Judäa wohnenden, und die bilden etwa 1Prozent der Gesamtbevölkcrung des Landes, lind i so gibt es auch Herr Zangwill an, indem er sagt: j -Jetzt machen wir bloss 12 Prozent der Bevölkerung aus.” י Wic gelangt er aber dam! zu seinen Angaben von 52 Seelen! pro Quadratkilometer im Liwa Jerusalem und von 25 Prozent ' indischer Bevölkerung in diesem Liwa, was zirka 160 0000 I Juden für das Liwa allein austnachcn würde? Noch eine Behauptung defl Herrn Zangwill entspricht nicht 1 ganz der Wirklichkeit. Er sagt nämlich, ״dass ein grosser Teil des heiligen Bodens stell in den Händen von Privatbesitzen» befindet und könnte nicht sogleich unser werden, auch wem! wir bereits den Charter hätten, dagegen seien die Länder der Krone, die dem Sultan gehören und somit ganz abgekauft werden könnten, leider Ebenen, die von! Bodcnausdünstungen und Fieber nicht so frei sind. Und sogar diese sind bereits zum Teil okkupiert durch Mohammedaner aus der Berberei und ü^m Balkan.” Dass ein grosser Teil des palästincnsischen Bodens, ja bei weitem der grösste Teil, mag er re:!1crPrivatbesitz(Mulk) oder der erbberccht gtenNutznicssung von Privaten überlassener staatlicher Boden (Mine) sei, seine Besitzer hat, Ist vollständig richtig. Und da wird auch in der Tat kein Charter darüber hinweghelfen. Der Boden Palästinas muss auf privatwirtschaftlichem Wege des Kaufes zu uns gclangen. Mit dieser Tatsache müssen wir nun einmal rechnen. Unrichtig ist es aber, dass die Länder der Krone g!e chsam im Gegensätze zu den anderen Besitzkategorien ganz abgekauft werden können. Der 5ulta!1 verkauft nicht seine Besitzungen, sondern verpachtet sic an Bauern, die sich als Pächter der Krondornäne noch ani besten in der Türkei fühlen. Denn die Abgaben sind hierbei erträglicher (die Krondomäncnpüchter zahlen keinen Zehnten, sondern nur 20 bis 25 Prozent des Bruttoertrages als Pachtzins), und die Behandlung seitens der Beamter, der Liste civile ist eine durchwegs gute. Die Pachtung von Krondornäne!» kommt für unsere Ziele sehr in Betracht und wir müssen darauf bedacht sein, diesbezügliche Konzcssinnen von der Administration der Liste civile zu erlangen. Es ist auch nicht richtig, dass diese Ländereien grösstenteils okkupiert wäret». Mohammedaner aus dem Baikau gibt es in Palästiua nur an einem einzigen Orte und zwar die seit 1SS-1 gegründete bosniakisclic Aasiedlung in Cäsaräa auf Boden, der nicht dem Sultan gehört. Maghrebiucr gibt es an einem Orte, der den» Sultan gehört, nämlich im Dorfe Samach an! Ostliter des Jordans unmittelbar nach seinem Austritt aus dem Tiheriassee. Dem Sultan gehört der gröstse Teil der irucht־ baren und wasserreichen Jordanebene, deren nördlicher Teil in der Tat sumpfig ist und von harmlosen Beduinen (Ghawarinc) bewohnt st. Dieses Gebiet Messe sich aber nach Trockenlegung der Sümpfe ausgezeichnet kultivieren und könnte eine grosse Bevölkerung ernähren. (Vgl F u r r e r in Nr. 2 von ALTNEULAND 1905.) Wir selten also, dass es mit der Einwanderung von Mohammedanern aus der ,Berberei und den! Balkan nicht so schrecklich aussieht. Viel wichtiger für uns ist die Einwanderung von Tscherkessen, auf die Herr Zangwill hinzuweisen hätte, die bei Scdschcra ein blühendes Dorf. Kafr-Kama. und jenseits des Jordans um Kunetra im Norden und bei Dscherasch im Süden eine Anzahl von Dörfern gegründet haben. (Das aussterlende Tscherkessendorf bei!Hedera ist belanglos.) Diese Einwanderung wird besonders vom Mutessarii von Kcrak gefördert. Zv.ar sind uns die Tscherkessen wirtschaftlich nicht gewachsen, aber immerhin sind sic bei dem momentanen Kulturstande des Landes ein nicht zu verachtender Konkurrent für uns. Daun sagt Herr Zangwill: ״Wir werden mit dem Problem einer fremden Bevölkerung zu kämpfe!! haben, die zum grössten Teil aus Mohammedanern ,besteht und sich Jahrtausende hindurch gewöhnt hat, uns zu verachten.“ Wir haben gesehen, dass das Problem der fremden Bevölkerung in seinem eigentverbreitet hatte, um den Fleck von Mergels Namen zu lößdien. — ״Also ganz umsonst,“ sagte er nachdenkend, ״ganz umsonst so viel ausgestanden!“ Er seufzte tiei imd fragte nun seinerseits nach manchem. Simon war lange tot, aber zuvor noch ganz verarmt, durch Prozesse und böse Schuldner, die er nicht gerichtlich belangen durfte, weil es, wie man sagte, zwischen ihnen keine rechte Sache war. Er hatte zuletzt Bettelbrot gegessen und war in einem fremden Schuppen auf dem Stroh gestorben. Margret tger gelebt, aber in völliger Geistesstumpfheit. Die Leute 1r.» Dorf waren cs bald müde geworden, hatte la ihr beizustchen, da sie alles verkommen liess, was man ihr gab, wie es denn die Art der Meuchen it, gerade die Hilflosesten zu verlassen* solclte, bei denen der Beistand nicht nachhaltig wirkt und die der Hilfe immer gleich bedürftig bleiben. Dennoch hatte sie nicht eigentlich Not gelitten; die Gutsherrschaft ,sorgte sehr für sie, schickte ihr täglich Essen und liess ihr auch ärztliche Behandlung zukommen, als ihr kümmerlicher Zustand in völlige Abzehrung übergegangen war. In ihrem Hause wohnte jetzt der Sohn des ehemaligen Schweinehirten, der an jenem unglücklichen Abende Friedrichs Uhr so sehr bewundert hatte. — ״Alles hin, alles tot!“ seufzte Johannes. Am Abend, als e.s dunkel geworden war und der Mond schien, sah man ihn im Schnee auf dem Kirchhofe ummhcrhumpcln; er betete bei keinem Grabe, ging auch an keines dicht hinan, aber auf einige schien er aus der Ferne starre Blicke zu heften. So fand ihn der Förster Brandes, der Sohn des Erschlagenen, den die Gutsherr- Schaft abgeschickt hatte, ihn ins Schloss zu holen. Beim Eintritt in das Wohnzimmer sah er scheu umher, wie vom Licht geblendet, und dann auf den Baron, der sehr zusammengefallen in seinem Lehnstuhl sass, aber noch immer mit den hellen Augen und dem roten Käppchen auf dem Kopfe wie vor aclitundzwanzig Jahren; neben ihm die gnädige Frau, auch alt, sehr alt geworden. ״Nun, Johannes,*' sagte der Gutsherr, ״cr/ähF mir einmal recht ordentlich von deinen Abenteuern. Aber.“ er musterte ihn durch die Brille, ״du bist ja erbärmlich mitgenommen in der Türkei!“ — Johannes begann: wie Mergel ihn nachts von der Herde abgerufen und gesagt, er müsse mit ihm fort. — ״Aber warum lief der dumme Junge denn? Du weisst doch, dass er unschuldig war“ — Johannes sah vor sich nieder: ״Ich weiss nicht recht, mich dünkt, es war wegen