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Jüdische Rundschau · 1905-05-26 · Heft 21 (26.5.1905) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 21 (26.5.1905)
Date
1905-05-26
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 244 JI ÜD 1 SCHE RUNDSCHAU No. 21 betriebe, sofern er nur modern-rationell wirtschaftet, ein sorgenfreics, gesundes und zufriedenes Leben führen könnte. Mit Schmerz und Trauer muss diese Landflucht diese Scheu vor der ״Beschäftigung mit dem Urquell alles Lebens, der Natur, denjenigen erfüllen, der Gelegenheit hatte, in einer langen Tätigkeit die physischen und psychischen Wohltaten dieses Berufes in segensreicher Weise kennen zu lernen und dem sie nach langen Jahren noch freundliche Bilder friedlichsten Glücks vor die Seele zaubern. Wenn der Laie, der niemals mit einer Krume Erde in tätige Berührung kam, der nicht weiss, wie man ein Samenkorn dem Boden anvertraut, gegen den Ackerbau als Beruf für Juden argumentiert, so ist dies sehr bedauerlich, wenn aber Zionisten, also Juden, die ihrem Volke die Wohltat eines Landes wiedergeben wollen, in dasselbe Horn blasen, so ist das geradezu ciu erschreckender Mangel an Nachdenken, denn wo in aller Welt soll nur das ackerbauende Mcnschcnmaterial für unser altes, neu zu erwerbendes Vaterland he.Fommcn? Wenn wir nicht einma! für Schul-Qärten und landwirtschaftliche Anstalten sorgen? Da ist eine Gcgeuwartsarbeit für uns! Mit was und mit wem sollen unsere Hoffnungen sich erfüllen, wenn wir nicht für Regeneration unserer Jugend sorgen? — Und dass dazu auch tiiehtige mit persöniieher Arbeit vertraute F rauen nötig sind, wird wohl niemand bestreiten. - - Indessen auch sonst überall wird gt jetzt der Ruf ,Zurück zur Scholle** vernommen. Im Süden und Norden des Deutschen Reiches werden bereits von Y r a u e n für brauen Gartenbau- und Wirtschaftsschulen errichtet, und diese Anstalten haben teilweise bereits den günstigsten Eriolg zu verzeichnen. Deshalb, ihr jüdischen Mütter, zögert nicht länger, den Sinn eurer Töchter bei der Wahl des Berufes auf dieses Arbeitsgebiet zu lenken, öffnet ihnen schon frühzeitig den Blick für die Schönheiten der Natur, lasst sic den sittlichen Ernst, die Ordnung und Pünktlichkeit, die der Garten- und Landbau verlangt, führt sic wieder diesem Jungbrunnen zu — und ihr werdet sein die Stammutter eines neuen Geschlechts und die Pioniere einer neuen Epoche im Leben unseres Volkes! Elise Gutmann־Mannheim. einen halberfrorenen Menschen ein, der aus der tiirkischen Sklaverei kommt!“ — Geflüster in der Küche. ״Geht ins Wirtshaus,“ antwortete eine andere Stimme; ״das fünfte Haus von hier!“ — ״Um Gotten Bannherzig־ keit willen, lasst mich ein! ich habe kein Geld.“ — Nach einigem Zögern ward die Tür geöffnet und ein Mann leuchtete mit der Lampe hinaus. — ״Kommt nur herein “ sagte er dann, ״Ihr werdet uns den Hals nicht abschneiden.“ In der Küche befanden sich ausser dem Manne eine Frau in den mittleren Jahren, eine alte Mutter und fünf Kinder. Alle drängten sich um den Eintretenden her und musterten ihn mit scheuer Neugier! Eine armselige Figur! mit schiefem Halse, gekrümmtem Rücken, die ganze Gestalt gebrochen und kraftlos; langer?, schnce״ weisses Haar hing um sein Gesicht, das den verzogenen Ausdruck langen Leidens trug. Die Frau ging schweigeud an den Herd und legte frisches Reisig zu. — ״Ein Bett können wir Euch nicht geben,“ sagte sie; ״aber ich will hier eine gute Streu machen; Ihr müsst Euch schon so behelfen." — ״Gott’s Lohn!“ versetzte der Fremde; ״ich bin’s wohl schlechter gewohnt." — Der Heiingekehrte ward als Johannes Niemand erkannt, und er selbst Zangwill über die Bevölkerungsverhältnisse Palästinas Herr Zangwill batte in seinem Artikel in Nr. 17 I. J. der WELT aus einigen von ihm auigeführten Zahlen die Schlussfolgcrung gezogen, dass Palästina schon stark bevölkert sei und dass ״die wirkliche Schwierigkeit für die Besitzergreifung des Landes in der nicht jüdischen Einwohnerzahl läge.” Mit diesem Argument operieren häufig auch unsere Gegner, und so ist cs doppelt wichtig, mit dieser babcl einfiir allemal auf/iiräumen. Ich komme deshalb der Aufforderung der Redaktion (der WELT, der wir diese Ausführungen unseres ver- | ehrten Gesinnungsgenossen entnehmen. Red. d. J. R.) gerne . nach, die ZangwiU'scheu Zahlen zu rektifizieren. t j Herr Zangwill behauptet, dass das Raschalik von Jeru-; saleni zweimal so dicht bewohnt sei, als die Vereinigten Staaten. Es wohnten dort 57 Menschen aui einem Quadratkilonicter. Dieser Behauptung muss ich folgende Tatsachen ge- : geniil erstellen: Das Liwa Jerusalem umfasst den ganzen Süden Palästinas. Es begüint nördlich von Jaffa 1111 d zieht sich bis au die Grenze von Aegypten hin. Es ist somit im Norden von einer Linie begrenzt, die zwischen Jaffa und N’abulus läuft, im Süden ist die ägyptische Grenze ebenfalls die Grenze des Liwa Jerusalem. Im weiteren hat es das Mittelländische Meer zur Grenze und im Osten den Jordan und das Tote Meer. Dieses Gebiet umfasst über 12 •י״י) Quadratkilometer und hatte i!n Jahre 19• >0 eine Bevölkerung von 320o1׳*j Seelen. Demnach ist 1 seine Volksdichte mit der Zahl 2( ausgedrückt, also genau der Hälfte der von Zangwill angeführten Zahl. Es liegt in der Tat kein Grund vor, anzuuehmen, dass seit 1900, also in kaum fünf Jahren, die Bevölkerung sich in diesem Liwa verdoppelt 1• hätte. Eine Vermehrung hat nur in den Städten Jerusalem und | Jaffa staugefunden. l'״d hiermit streifen wir den prinzipiellen | Fehler der Angaben des Clerrn Zangwill sowohl fiir das Liwa Jerusalem, wie auch für die Vereinigten Staaten. Herr Zangwill hat im ersten Falle bei der geringen Fläche des Liwa die Bevölkerung der grossen Städte mit hineingerechnet (auch dann ist seine Zahl doppelt so gross als die wirkliche), und erhält eine verhältnismässig hohe Bevölkerungsziffer pro Quadratkilonietcr. Rechnen wir für die drei Städte Jaffa, Gaza und Jerusalem ihre Bevülkeiuagszahl mit zirka 135 000 Seelen von der der ganzen Liwa ab. so erhalten wir als Bevölkerung für das platte Laiid (mit Einschluss der kleineren Städte) 1S5 000 Seelen, das sind zirka 15 U pro Quadratkilometer. Dies entspricht auch den tatsächlichen Verhältnissen. Wer Palästina kennt, musste über Herrn Zangwills Angabe staunen. Andrerseits operiert Herr Zangwill mit der Bevölkerungszahl der Vereinigten Staaten, zwar äusscrlich nach demselben Prinzip, dem Sinne nach aber in entgegengesetzter Richtung. Er wirft die Bevölkerungsziffer des gut bevölkerten Ostens der Vereinigten Staaten mit derjenigen des schwach bevölkerten Westens zusammen und erhält auf diese Weise eine Bevölbestätigte, dass er derselbe sei, der einst mit Friedrich Mergel entflohen. Das Dorf war am folgenden Tage voll von den Abenteuern des so lange Verschlöllencn. Jeder wollte den Mann aus der Türkei sehen, und man wunderte sich beinahe, daau er noch aussehc wie andere Menschen. Das junge Volk hatte zwar keine Erinnerungen von ihm, aber die Alten fanden seine Züge noch ganz wohl heraus, so erbärmlich entstellt er auch war. ״Johannes, Johannes, was seid Ihr grau geworden!“ sagte eine alte Frau. ״Und woher habt Ihr den schiefen Hals?“ — ״Vom Holz- und Wassertragen in der Skiaverei,“ versetzte er. pUnd was ist aus Mergel geworden? Ihr seid doch ן zusammen fortgelaufen?" j ״Freilich wohl; aber ich weiss nicht, wo er ist, wir | sind voneinander gekommen. Wenn Ihr an ihn denkt,! betet für ihn,“ iügte er hinzu, ״er wird es wohl nötig haben.“ Man fragte ihn, warum Friedrich sich denn aus dem Staube gemacht, da er den Juden doch nicht erschlagen? — ״Nicht?“ sagte Johannes und horchte gespannt auf, I als man ihm erzählte, was der Gutsherr geflissentlich;יי <> ׳־/ מיי־

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