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Jüdische Rundschau · 1905-05-26 · Heft 21 (26.5.1905) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 21 (26.5.1905)
Date
1905-05-26
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 242 JÜDISCHE RUNDSCHAU Wird er tun müssen, ohne irgendein Kompromiss einzugehen, in logischer Fortführung der Leitsätze des ״Baseler Programm s“. Es ist nicht richtig, dass es da der Wege viele gibt. Das müsste ein grundschlechtes Programm sein, in dessen Rahmen etwa Chowcwc Zion-Kolonisation und territorialistischc Pliine gleicher Weise, je nach der Interpretation, Raum fänden. Und unser Baseler Prograinni ist ein selten gutes, knappes und klares Progranim. Es ist wirklich von ,.granitener Fügung“. Das wird wohl mancher noch schmerzhaft empfinden müssen. Es kann in logischem Ausbau seines Zieles, in ehrlieber, gerader Durchführung seiner Mittel nur auf eine n Weg weisen. Und den eben wird der Kongress mit aller nur möglichen Deutlichkeit nach rechts und nach links markieren müssen. Das ist die grösste Aufgabe, ist die Aufgabe dieses siebenten Kongresses. Nur wenige Wochen noch trennen uns von ihm. In diesen Tagen läuft die letzte Frist für die diesmalige Zahiuit, unserer Scharen ab. Möge jeder ein- 7. e I n c Zionist d a f ti r s o r g cn, d as .י keiner, der z 11 11 n s gehört, ungezählt bleibt! Unsere Zülihmirke ist der Schekel, der in seiner historischen Bedeutung mit dem Zionismus wieder aufztilcben beginnt. Traget Sorge, ihr Zionisten, dass unsere diesmalige Zahlung ein Resultat habe, auf das wir mit Stolz werden hinw eisen können! ib. Mitteilungen des Zentralbureaus der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Wir bitten nochmals, die eiligezogenen Schekelg e I d c r und S c h c k c I bl o c k s baldgciülligst abzuführen und die noch ausstchendcn Schekclgelder tun* gehend einzukassieren, damit wir spätestens ain 10. Juni im Besitz aller Schekclgvlder und Schekelblocks sind. Wir weisen nochmals darauf *1in, dass zur Zahlung des Schekels jeder verpflichtet ist, der auf dem Boden des Baseler Programms steht. Et ist daher nicht ausreichend, wenn, w ie dies bisher vielfach geschehen ist, nur das Familienoberhaupt den Schekel entrichtet. Die Judenbuche Ein SittengemSIde aus dem gebirgige!, Westfalen ton Annette Freiin von Droste -Hülshoff. n Etwa ein halbes Jahr nachher 1ימ der Gutsherr einige eben erhaltene Brieie in Gegenwart des Amts- Schreibers. ״Sonderbar, sonderbar!“ sagte er. ״Denken Sie sich, Kapp, der Mergel ist vielleicht unschuldig an dem Morde. Soeben schreibt mir der Präsident des Gerichtes zu P.: ,Lc vrai!Test nas toujours vraiscmblablc;‘ das erfahre ich oft in meinem Berufe und jetzt neuerdings. Wissen Sie wohl, dass Ihr lieber Getreuer. Friedrich Mergel, den Juden mag ebensowenig erschlagen haben, wie ich oder Sic? Leider fehle: die Beweise, aber die Wahrscheinlichkeit ist gross. Ein Mitglied der Schlcmmingseheu Rande (die wir jetzt, nebenbei gesagt, grösstenteils unter Schloss und Riegel haber.L Lumpcmnoiscs genannt, Hat im lenztet: Verhöre ausgevagt, dass ihn nichts so seür gerctic, ais der Mord eines Glaubensgenossen, Aaron, den er im Walde erschlagen und doch nur seeln Groschen hei ihm gefunden habe. Mo. 21. Geldsendungen sind ausschliesslich an unseren Schatzmeister, Herrn Max Wollstciner, Berlin NW., Holsteiner Ufer 10, zu richten. Das Recht auf Arbeit Eine der besten Gabe״, die dem Menschen mit fiir das Leben gegeben ward, (st die Arbeit und eine der schwersten Versündigungen, mit der sich Menschen gegen ihresgleichen vergehen, ist die Verkümmerung des Rechts au! Arbeit, die gewaltsame Entziehung der individuellen Selbstbestimmung. -- Es ist ein Teil der menschlichen Freiheit selbst, den man hier aufs Brutalste zu unterbinden sucht - und an der Hälfte der Menschheit, den Frauen, ebenso wie an e'iiern ganzen Volke, den .luden, übt man schon Jahrtausende lang diese schmähliche Vergewaltigung. — Hochmütige Selbstüberhebung einerseits und durch rücksichtslose :!arte eingeimpfte Gewohnheit audererseits haben nun beide Meuschengruppen durch ein Meer von Zurücksetzung und Mnssregehmg bis an eine Grenze geführt, an der sie die ganze Härte einer aussichtslosen Zukunft endlich irme wurden und an der sie sich sagen mussten, ״bis hierher und nicht weiter. - l nd das haben sie nun getan und — wunderbarer Weise — beinahe zu gleicher Zeit getan. Als oh da• Mitleid seihst, an das ja alles Unterdrückte ein heiliges Recht hat, ihnen, den Frauen wie den Juden, endlich den ganzen uferlosen Tiefstand ihrer Mcusckenwtirdo gezeigt und sie auch zugleich auf das cinz'gc Higsmittd. die Selbsthilf e hingewiesen hätte, hat die Frau an die Arl-eitstiirc des Mannes geklopft und mit lauter Stimme ihren '1 atigkeitsauteil verlangt. Die Juden aber, des Betteins und Kriechens müde, fingen an, sich auf sich selbst zu besinnen und mi! dem Rückblick auf ihre grosse Vergangenheit siel! aufs Neue ihres Volkstums und der Kraft desselben bew usst zu werden. -- Und in der Tat. die Forderung ״Geben Sie Gedankenfreiheit", eines der vielen schönen Worte, die in der jüngsten ..Schiilerzeit־־ wieder so aktuell geworden, ist derselben menschlichen Willeiiseinsehränkung entsprungen, als die heutige Bitte ״Gebt uns unser Sclbstbestimmungsrecht'’. Aber gebt uns auch die Möglichkeit, es zu utisenn und der Menschheit Nutz und Frommen in Taten umsetzen zu könneu; denn noch findet die Frau auf der Suche nach iudividueller Betätigung versperrte W ege und verschlossene Türen. Und erst die jüdische Frau - bei der ja bekanntlich die Be- ״Leider ward dar> Verhör durch die Mittagstunde unterbrochen, und während wir tafelten, hat sich der Hund von einem Juden an einem Strumpfbnnde erhängt. Was sagen Sic dazu? Aaron ist zwar ein verbreiteter Name usw.“ — ״Was sagen Sie dazu?“ wiederholte der Gutsherr: ״und weshalb wäre der Esel von einem Burschen dem! gelaufen?“ Der Amtsschreiber dachte nach. — ״Nun, vielleicht der Holzfrevcl wegen, mit denen wir ja gerade in Untersnclmag waren. Heisst es nicht: der Bö^c läuft vor seinem eigenen Schatten? MergeB Gewissen war schmutzig genug auch ohne diesen Flecken." Dabei beruhigte man sich. Friedrich war hin, vor- Schwunde» und - Johannes Niemand, der arme, unbeachtete Johannes, am gleichen Tage mit ihm. - — F.iue schöne lauge Zeit war verflossen, acht undzwanzig Jahre, fast die Hälfte eines Menschenlebens; der Gutsherr war sehr alt und grau geworden, sein gutmutiger Gehilfe Kapp längst begraben. Menschen. Tiere und Pflanzen waren entstanden, gereift, vergangen, mir Schloss B. sah immer gleich grau und voruelim auf die Hütten herab, die wie alte hektische Leute immer fallen zu wollen schienen und immer standen

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