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Jüdische Rundschau · 1905-05-19 · Heft 20 (19.5.1905) · page 15

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 20 (19.5.1905)
Date
1905-05-19
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Seite 2.35 No. 20 _JÜDISCHE RUNDSCHAU Ilr. Max Mamklstamm (Kiew), Präses. Rechtsanwalt Isidnr Jassinowsky (Warschau), Rabbiner Reines (Lida), Pr. J. A. Stein (Elisabethgrad), Dr. Dorfmami (Odessa), Ingenieur Roncs (Odessa), Journalist Paper!» (Bialystok), Dr. Rosen- Matt (Lodz). Dr. Awinowitzki (Odessa) bestand. Diese Konferenz hat folgendes Programm hcschlosscn: 1. Der Zionismus erstrebt als Endziel — eine rechtlich gesicherte Heimstätte in Palästina. 2. Der Zionismus hält cs für not■ wendig, sich gleichzeitig nach Territorien umzuscliauen, welche vorläufig geeignet wären, autonome, national-jüdische Zentre.« zu schaffen. 3. Die Mittel der Nationalbank und des Nationalfonds müssen laut Statuten dieser Institutionen verwendet werden. 4. Line z.weckmässigc, kolonisatorische Arbeit in Palästina ist auf rechtlicher Grundlage fernerhin anzustreben. Der Zionismus befasst sich mit der Organisation und Vereinigunß des ganzen Judentums, mit der diesem Zwecke dienenden Beschaffung örtlicher und allgemeiner Bin* richtimgen. entsprechend den jeweiligen Landesgesetzen. 0. Festigung des jüdischen Nationalguiilils und Selbstbewusstseins. 7. Vorbereitende Schritte zur Erlangung der Binwilligtmg der Mächte, damit das Endziel des Zionismus erreicht werde. Das Bureau der Konferenz hat sich als Gruppe konstituiert und sielt in Odessa einen Mittelpunkt geschaffen. ~~ Unsere Stellungnahme zu diesem Programm ist einmal dadurch gegeben, dass wie jede Fraktionierung innerhalb des Zionismus für einen Fehler halten, und diese unsere Meinung dürfte gerade in der gegenwärtigen Situation ganz besonders beherzigenswert sein. Über das Verhältnis dieses Gruppen- Programms zum ״Baseler^ Programm“ brauchen w ir uns hier nicht zu verbreiten. Die ,.Zionistische Vereinigung für Deutsch-, laitd‘* hat ihre Auffassung von Zionismus in der Erklärung d c s Z eit t r a I k o in i t e c s. die wir in No. ls der Jü D1SCHFN RUNDSCHAU zum Abdruck brachten, klar und deutlich genug präzisiert . ** Rundschau ■*« Aus Russland Immer neue Nachrichten über F. x 7. esse gegen die Juden laufen aus Russland ein. Fs werden Ausschreitungen gemeldet aus Simferopol, Krukow (Gouvernement Poltawa) und M c I i t o p o 1 (Taurisches Gouvernement). Ausfiihrlichc Mitteilungen liegen vor fiber die Krawalle in D u s s i a t y und In M e 1 i t o p 0!. Charakteristisch wie immer »st — neben der Roheit des Pöbels — die Pgile. die Polizei und Militär spielen; sic erscheinen entweder gar nicht oder zu spät oder verhalten sich vollkommen passiv, als gingen sie Mord und Totschlag und Brandstiftung garnichts an. In Dusslaty spielten sich die Vorgänge 1111 einzelnen folgendermassen ab: Fine zahlreiche Menge von Bauern, die aus den benachbarten Dörfern kam, überfiel, als sie aus der Kirche ging, einen Fiseuladen und begann alsdann, mit Beilen und Äxten bewahret, die jüdischen Häuser und Läden zu plündern und zu zerstören. Fs sind ungefähr 40 Läden und 50 Häuser zerstört. 60 Familien haben Schaden erlitten. Die Verluste betragen 60 000 bis 70 000 Rubel. In einem Galantcriewarengescliäft wurden 3000 Paar Galoschen I n Stücke zerschnitten, in einem Tucligescliüfi wurde die sämtliche Ware zerschnitten. In den Häusern ward selbst die Stuckatur zerstört, Möbel. Kleider. Kissen und das übrige häusliche Inventar vernichtet, zerrissen und geraubt. 1Die Fxzesse dauerten nur drei Stunden, während dieser kurzen Zeit iedoch wurde die ganze jüdische Bevölkerung des Ortes ruiniert. Leider sind auch ..Menschenopfer zu beklagen. Da weder seitens der Juden, die siel» vor der Mehrzahl der Angreifer auf Böden und in Keller flüchteten, noch seitens der Polizei Widerstand geleistet wurde, so überfielen die Plünderer das zweistöckige Haus des dort allgemein bekannten alten Abram Baron. Der Alte sowie seine vier Söhne wehrten sich nach Möglichkeit und verteidigten sich so lange gegen den Andrang der Menge. Diese stellte jedoch eine Leiter au den Balkon, drang Ins Haus ein und begann eine furchtbare Metzelei. Dem Vater w urde die Hand a u s g c d r e 111, der ältere Sohn — Isak Baron — ward vom Balkon des oberen Stocks auf das Pi 1 a s t c r 111 n u 111 c r g e s c 111 c u d c r t. wo die tierische Menge ihm den Kopf ab hackte, die Rippen zerbrach und alsdann die Leiche mit Füssen trat. Der Unglückliche hiutcrlässt eine Frau mit acht kleinen Kindern. Die übrigen Söhne sind schwer verwundet und befinden sich Im Krankenhaus. — Allen Anzeichen nach waren die Fxzesse vorher organisiert un?! vi>r'bcrcii t c t. Noch schrecklicher waren anscheinend die Jiidenveri olgungen im Gouvernement Taurien. speziell •n Mclitopot. wo die russische Finwohucrschaft die jüdische direkt beraubte und die geplünderten Sachen in aller Ruhe in Sicherheit brachte. Die Polizei verhinderte wiederholt das Löschen brennender Häuser, die Juden gehörten. Ganze Strassen wurden vollständie demoliert, darauf die Wohnungen mit Petroleum begossen und niedergebrannt. Insgesamt brannten 42 Magazine mit Vorräten von über einer Million Mark Wert nieder. Auf den Strassen wurden regelrechte Schlachten geliefert. Besonders beteiligten sich daran die Fabrikarbeiter und Bauern, t'nler Rufen: ״Tod den Juden!” zogen sie mit Beilen und Brecb- Stangen bewaiinet durch die Stadt. Die .Bürger wollten diese!Horden abwclireu, an einigen Stellen traten sie ihnen auch mit Erfolg entgegen, und auf diese Weise gelang es. der Zer- Störung der Synagoge vorzubeugen. Ueber die Zahl der Opfer dieser Ausschreitungen liegen noch keine genauen Daten vor. Uchcrall, wo derartige Ausschreitungen stattfandeii, wurden sic ermöglicht oder doch erleichtert durch die schimpfliche Untätigkeit der staatlichen Sichcrlieitsorgane, die sich zum Fingrcifeii immer erst dann entschliessen. wenn das Unglück bereits geschehen :־.׳ t. Fs wird dabei!ungeteilt, dass d e K r o n s - We i n I ä d c n offen waren obgleich die Notwendigkeit, dieselben zu scbliessen. augenscheinlich war. Ais man siel! deswegen an die örtliche Accisebcliördc wandte, antwortete diese dass sie auf Grund der existierenden Zirkulare kein Recht hatte‘, eigenmächtig die Mniiopollüdeii zu schLi-svi. Daraufhin sandte׳!: das Stadiliaupt und der örtliche Chef der Polizei eine Denesclic au den Verwalter der Accisesteueru mit der Bitte, per Telegramm den Befehl zu gehen, angesichts der Unruhen sofort ehe WeinläJcn zu sch'iesscn. Die Depesche blieb ohne Antwort. Petersburg, 1!, Mai. Im Flecken Jarzowo. Gouvernement Smolensk, plünderten Arbeiter der örtlichen .Manufaktur alle j i) d i s c 11 cn L ä d e!1 und zerstörten die 'meisten von ihnen. Die jüdische Bevölkerung floh In voller Pan’k. Lemberg, 12. Mai.. Nach Meldungen aus Kowno sind auf behördliche Weisung in der Ortschaft Odaschati. wo eine verheerende Feuersbrunst grossen Schaden angcrichtet hat. sämtliche Juden in der Synagoge versammelt worden und haben schwören müssen, dass sie an dem Brande nnschuldig sind. Mittlerweile drangen Bauern In die Läden der Juden ein, plünderten dieselben und deniol'crtc״ die Hau*er und Wohnungen, wobei 2 Juden getötet. 50 schwer und 10 leichter verletzt wurden. Auch ln den Orten C z c 1 a d z und in W i n n J c a kam es zu Judenhetzen, die von Militär untcrstQtzt wurden. Shltomir. 12. Mai. Unter der Bevölkerung in der Umgegend herrscht noch immer Erregung. In Trojanow sind zehn Israeliten erschlagen worden. Lemberg. 13. Mal. Nach Berichten aus Mcl’ltopol wurden die dortigen blutigen Krawalle erst nach Verstärkung der Garnison und nach dem Eintreffen des Gouverneurs Trepoxv und des Vizegouverneurs Grafen Murawiew unterdrückt. Der von den Exzedenten angcrichtete Schaden wird auf eine Million Ruhe! geschützt. Vielen Hauseigentümern gelang cs. sich von der Bande, welche mordete, raubte und die Häuser demolierte, loszukaufen. An der Spitze der Bande standen fünfzehn aus Jo/owka cineetroücnc Strolche. Planmässlg sollte der Überfall bloss der jüdischen Bev ö l k c r u 11 g gelten: derselbe nahm aber lnfolge der Habgier des Pöbels einen allgemeinen Cliaraktcr an. Es wurden zwciimdvierzig Kaufläden medergebraniit. wodurch nicht bloss Juden, sondern auch Russen und Armenier ihr Hab und Gut voHso'mhI;.׳ Aus Odessa wird <Je׳o M ILK N'OVY gemeldet, dass in Rostow antisemitische Hetzer zahllose Proklamationen verteilen, welche die Aufforderung enthalten, oie Jude 11 t o t z u s c 111 a g c n. Zur Verhütung der befürchteten Auscbreitungmi durchstreifen Kosakenpatmuillcn dm Strassen der Stadf. Allein die Soldaten selbst lassen siel! Misshandlungen wehrloser Juden zu Schulden kommen. Moskau, 14. Mai. ln Rastowsk verbreiten antisemitische Hetzer massenhaft Proklamationen, in welchen die Bevölkerung aufgefordert wird, alle Juden zu erschlagen. Zur Verhütung von Unruhen wurde die Garnison verstärkt. Patrouillen durchziehen die Strassen der Stadt. In J 0 z o w k a überfiel der russische Pöbel die dortige Baptistenkolonic und richtete ein förmliches Blutbad an. Mohilcw. hi der Gon vcrnciirsüruckcrci hergestellte Masscnproklamatiouen, welche zu Plünderung und Mord gegen die Juden aufmfen״ werden in der Stadt

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