Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 20 (19.5.1905)
- Date
- 1905-05-19
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 234 No. 20 von Waffeiigebraticlt bei Zusammenrottungen. Sofort wurden die, Schandtaten eingestellt und die Hauern stoben auseinander. So wenig war dazu nötig und so lange Mess mau uns morden, ohne dies einfache Mittel zu gebraucchn. Ks hicss, man warte auf einen Befehl aus Petersburg! Inzwischen flüchteten Frauen und Kinder aus der Stadt und drückten sich auf dem Bahnhof beinahe tot. Mehrere Ziice g'ngcn vollgestopft täglich ab und die Leute waren giiickl'ch. wenn sic lebendig auf den Bahnhof und in die M agen kanten. Verschiedene wurden auf dem Wege dahin durch Steine und Schüsse getötet. Man versteckt sich auch jetzt noch auf Hoden und in Kellern und fährt beim le'sesten Geräusch zusamtne.i. Ks herrscht beinahe Hungersnot. Die Geschäfte!)leiben geschlossen, kein Mensch wagt, sie zu öffnen. N'ur mit Mühe und Not kamt man Brot auftreiben. Den ganzen Tag wir׳.' um Brot gebettelt, die Tür wird kernen Moment geschlossen. Abends s’nd d'c Strassen wie ausgestorben. UeberaU nur Soldatenjx*'•־ten und herumzieliende Patrouillen. Wozu die nur die ganze Zeit da waren! Sie bähen tüchtig gesorgt, damit die Hauern nicht gestört wurden. Wo man mir hinsieht, erblickt man!־iüchtbnge. m't Kissen beladen: der ganze Reichtum, der. sie zu retten haben. Man drängt sich scharenweise in ein Zimmer zusammen, bis es keine Luft mehr zum Atmen gibt und d:e Frauen :ןן Ohnmacht 1\.!k:׳. Du kennst die Lage und die Armut hier. Jetzt w rd d:.sc traurige Vergangenheit ein heissersehnter Ziotaud im Vergleich mit der Gegenwart. Fs sind hi Tote und k<• Schwerverw־uiulcte da. von denen viele im Sterben i'egc:1. W'e viele leichter Verwundete mögen in den Häusern liegen! Fl'eii. vor einer Stunde v‘.•!leicht. sind cif von den Frschh'gencn in die Lide gebettet worden. Tausende v״n Leuten stände:־, atu Krankenhaus, doch nur wenige gingen aufs Totenfehl hinaus. .Man befürchtete neue Unruhen und verh'clt sich vorsichtig. Aber Bäche von Tränen wurden vergossen und Männer wurden ohmnächtig mitten auf der Strasse. Der Jam- 111er nimmt kein F.nde. Und wie lange w ird man noch in dieser Angst leben?! Der Hass, ist geschürt, die Leidenschaften geweckt. Aus zuvcrläss’ger Quelle wird mitgeteiit, dass der Staatsanwalt beim Ausbruch der Feindseligkeiten nach Petersburg depeschierte, die Unruhen seien ausvbrnchc!!, weil jüdische Jungen aui einem Kahn das B 1J des Zaren zerschossen haben. Hin .Märchen, das absolut erlogen ist. So kämmt man gegen uns nit allen möglichen und tutmöglichen Waffen! . . . PS. Aus Burdytschew eilten ungefähr 20 Juden in Wagen herbei und mehrere kamen mit der Eisenbahn, um den Brüdern hier zu helfen. Die in den Wagen wurden von vielleicht zweihundert Bauern unter Anführung eines Uradnik (Dorfpolizisten) überfallen und vier von ihnen wurden grausam verprügelt. Der eine, ein zufällig dabeisitzender Kaufmann, ist seinen Wunden erlegen. P• D. Aus anderen Briefen: Ks gehen Kxtrazügc der Privathalm ah. Man schlägt sich um die Plätze. Deutsche und Engländer und andere Christen nehmen jüdische Kinder in den Schutz ihrer Häuser auf. Kein Brot ln der Stadt! Aus allem geht deutlich hervor, dass auch diesmal die ,.Unruhen“ von oben beföhle:! sind. Aber man soll ja nicht sa״cn. das Volk sei unschuldig! Ks ist seiner Regierung durchaus würdig. Die Untertanen tuen gehorsnmst. was ihres Väterchens Regierung wünscht. Und Kuropa steht drohend an den Grenzen der Türkei, um sie jederzeit zu strafen, wenn ihre christlichen Untertanen allzu’.icbcvoll um Mazedonien aneiiiander gerate!:. —I Aus der Beweguijg ן— Berlin. Die ...1 ü d i s e h - n a t i o n a 1 c Fraucnvcreilt! gung'‘ veranstaltet am Sonntag, dem 21. d.׳ Mts., einen Au sii u g nach tt ז ו $ c h g a r t e n. Abiahrt 2Ve Uhr vom Balmhof Alexanderplatz. Treffpunkt für Nachzügler: Restaurant Aussichtsturm. Der Ausflug findet auch hei weniger schönem Wetter statt. Gäste sind herzlich willkommen. Berlin. Die Vorlesung des Herrn Dr. Kl c c über ״Gcschichte und Staatsverwaltung des osmanischcn Reiches“ muss, wegen einer Sitzung d״׳s grossen A.-K. am Sonntag, dem 21. Mai, ausfallcn. Die nächste Vorlesung findet Sonntag, den 28. Mai, vorm. 10 Uhr, im Lokal der ״Hasmonac.U‘ N. Linicnstr. III, statt. Berlin. Hebräisch- Literarisch er Verein ..Sapha Bcrurah". 1. Versammlung des neuen Semesters Donnerstag, den IS. d. M., abends 9’c Uhr, Linicnstr. 111 part. Gäste willkommen. Hamburg. Am Donnerstag, dem II. Mai, fand eine stark besuchte!Mitgliederversammlung der Ortsgruppe statt, in der im Aufträge des Vorstandes Herr bist ermann über die Proklamation des Zentralkomitees referierte. Der Referent sprach seine Verwunderung darüber aus. dass das Zentral- Komitee das Ostafrika-Projekt als unausführbar bezeichne, ohne initzuteilcn, welches Ergebnis die Expedition gehallt habe. So sei es doch n'c!1t Aufgabe der Lxpeditioti gew esen, einen Bcscbluss zu fassen, sondern lediglich Tatsachen festzustellen.. Hin Urteil über diese Tatsachen zu füllen, stehe weder den Expeditionsmitgliedern, r.oeh dein Zentralkomitee zu. sondern sei einzig und allein Sache des Kongresses. Die Krkkirung des Zentralkomitees bedeute einen Rückfall in den Chowcwc- Zionismus. Bis ׳zu Hcrzls Tode habe der Grundsatz allgemeine Geltung gehabt, dass mit der Kolonisation in Palästina nicht begonnen werden dürfe, bevor nicht ausreichende rechtliche (iaratitieea nir dieselbe vorhanden seien. Infolge der türkischen BeamtenwillKiir und des herrschenden, Be>techungssystcm> >eiei1 die rcchtüclieuVerhältnisse in Palästina zur Zeit so unsicher, dass eineKohui'sation-tätigke:־ mir Fiasko machen würde.Ls sei Hcrzls Verdienst mul ein Beweis für seinen r׳!iüscl!e:1 Weitblick gewesen, dass er mit diesem aussichtslosen System brach und die Ansiedhing in Palästina nur auf rechtÜcher Grundlage in die Wege leiten wollte. Der Referent beantragte nieraut namens des Vorstar.des die folgende״ Res־׳'u:ion. die er eingehend begründete: ״Die Hamburg-Alt«•;!aer Ortsgruppe hat mit Bedauern davon Kenntnis genommen, dass nach Ansicht des Zentralkomitees das Ostafrika-Projekt unausführbar sei. Sie stimmt der Krklärung des Zentralkomitees insoweit bei. als darin die Grundsätze des politischen Zionismus zum Ausdruck gelangen. Das Vorhandensein ausreichender ׳ rechtlicher Garantieeti muss Vorbedingung für die Zi< •aistische Kolonisationsarbeit in Palästina bleiben. Diesem Grundsätze widerspricht jedoch unter den gegebenen Verhältnissen sowohl das Vcrlangen nach Landcrw crb. als auch jede Begünstigung der Kitt- Wanderung in Palästina. Die Ortsgruppe wünscht vor allem: 1. Aufrechterhaltung imd Ausbau der angeknfipiten politisehen Beziehungen. 2. W i s s c n s c h a f 11 i c h e Krforschung Palästinas imJ seiner Verhältnisse. 3. Nationalisierung der gesamten Judenhcit, namentlich auch der in Palästina ansässigen. -I. Leitung der jüdischen Auswanderung nach den Neben ländern Palästinas, soweit sic Rechtsschutz bieten, und plan massige Ansiedelungen daselbst.“ In der Diskussion bekannten sich die Herren S i tu o n und Joel als Ugaitdageguer. traten aber den Ausführungen des Referenten über die Palästiiiakolouisation völlig bei. Die von den Herren Michael. Israel. Stichel und P r i c d c nhcDn gestellten Anträge auf Verschärfung der Resolution wurden nach Ausführungen der Herren Kstcrmann, Dr. Kalmus. Dr. B csscr und Dr. V i c t o r zurückgezogen. Hierauf gelaugte die Roolution des Vorstandes einstimmig zur Annahme. ־ Der Vorstand hat sich wie folgt konstituiert: Gustav O. Cohen, wie bisher. Khrcnpräsideiit. P־r. Kalmus I. Vorsitzender. Kstcrmann 2. Vorsitzender, Rechtsanwalt Dr. Victor 1. Schriftführer. Dr. Besser stellvertretender Schriftführer. M a r c u 1 i c s Kassierer. Dr. H u I d s c h i 11 e r und Herr San!!. C o!! n Beisitzer. Mannheim. In der Zionistischen Ortsgruppe in Mannheim referierte der Vorsitzende, Herr Julius Simon, über die .Sitzung des Zentralkomitees vom 23. und 2-1. ApriL Die Diskussion war eine r.chr eingehende um! würdigte vollkommen die Bedeutung der entschiedenen Stellungnahme der deutschen Führung. Wim Vorstand war folgende Resolution vor geschlagen: ..Die Zionistische Ortsgruppe Mannheim stimmt der in No. IS der JCDISCHKX RUNDSCHAU veröffentlichten Fr- Klärung des Zentralkomitees der Zionistischen Vereinigung für Deutschland vollinhaltlich zu und gibt ihrer Genugtuung darüber Ausdruck, dass diese Krklärung der zionistischen Leitung in Deutschland einmütig erfolgt ist.“ Diese Resolution fand schliesslich einstimmig Annahme. Schluss der Sitzung nachts :V:12 Uhr. Freiburg I. Br. Am 30. April d. Js. referierte Herr Dr. K a u t tu a!1 n in einer Mitgliederversammlung über die Sitzung des Zentralkomitees, der er persönlich beigewohnt hat. F.r legte insbesondere die OriiuJe dar. welche das Zentral- Komitee veranlasst habe;., die in der JODlSCIlliX RUNDSCHAU publizierte Krklärung zu erlassen. Die Krklärung fand den einmütigen Beifall der A n x\־ esende n. Warschau. Hier hat am 27. und 2S. März dieses Jahres eine Konferenz stattgefundon, deren Bureau at!5 den Herren