Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 20 (19.5.1905)
- Date
- 1905-05-19
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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No. 20 Erziehung ist durch die Erfahrung ia unzweifelhaft erwiesen. Es haben sich nun seit Erschliessung der Universitäten für die Krauen, welche den Lchreriimenberui ergreifen wollen, neue Aussichten eröiinct. Durch Besuch des Gymnasiums und daran ansch!5•essendes Uivversitätsstudium können sie sich eine vertiefterc Bildung aneignen, ähnlich der des akademisch gcbildcteil Oberlehrers. In Prcussen sind besondere Oberlehre rin ne n -Kurse eingerichtet worden, die auf sendnarfstischer Vorbildung beruhen. In Berlin, Königsbere. O ö 11 i n g c n Bonn bestehen solche Kortbildungskttnse an den Universitäten, wie auch in Baden und einigen anderen Bundesstaaten zu diesem Studium Gelegenheit boten?st. Indessen für dfe Jüdische Oberlehrern» Ircten sich geringe »,der gar kerne Chancen. Ausser, w ie bisher, au jüdischen höheren Lehransta’ten deren cs nur wenige gibt, an Pensionaten oder als Privat- und Hauslehrerin wird sie in absciibarcr Ze.t kaum Aussicht haben, eine Steilung zu erhalten. Das ist leider eine Wahrheit, die auf Tatsachen beruht, der wir als/» ins Auge sehen müsse!׳. Dieses Sclrcksa! teilt s׳c mit den akademisch gebildeten Oberlehrern, d e seit Jahrzehnte:׳ unter dieser Ungerechtigkeit leklc-n. ohne doch bislang eine Acnderiiag erzielt zu haben. Empfehlenswert für solche junge Mädchen, de nicht das volle Lehreriimencxnmen ablegen wollen, und die besondere Neigung und l'alent für fremde Sprachen bähen, ist cs. das Examen als Sprachlehrern! zu absolvieren. Vor?־.!- ziehen ist cs allerdings, dasselbe in dem Lande, dessen Sprache man lehren will, abzulegeu, was bei entsprechenden Vorkennt־!rissen (etwa die Absolvierung einer zehitklassigcn höheren Mädchenschule) mindestens ein Jahr in Anspruch nehmen xvürde. Für junge Mädchen, die das Sprachlelirerinnenexamen an einem deutschen Seminar abgelegt haben, empfiehlt cs sich, im Auslände in der Konversation sich zu vervollkommnen. Die Sprachlehrern! wird in der Regel, besonders in der Grossstadt, he•!entsprechender Leistung ihr Auskommen haben. Ich kenne einige in diesem Berufe tätige jüdische junge Mädchen, die sehr m Anspruch genommen sind und deren Stunden ausgezeichnet bezahlt werden. Jeder Gebildete treibt eben heute fremde Sprachen, fast jeder in entern kaufmännischen Betriebe Angcstellte ist genötigt, sich fremdsprachliche Kenntnisse anzueignen. Die Frau als Künstlerin ist keine neue Erscheinung, wenn- Seite 231 gleich de Frauenbewegung der Frau auch auf diesem Gebiete bahnbrechend vorangeht, neue Wege bereits erschlossen hat. Die jüdische Frauenwelt stellt seit jeher ein ziemlich starkes Kontingent, und manches grosse Talent ging aus den Reihen der jüdischen Frauen hervor. Dem Künstleriimcnberufe. welches Gehret der Kunst es auch ser. möge aber auch ferner nur diejenige sich zu wenden, die wirklich über absolutes, u n - zweifelhaftes (nicht bloss von Freunden und Verwandten attestiertes!!) Talent, genügende materielle Mittel und Ausd a u c r verfügt. Das Angebot ist sehr gross, noch grösser womöglich jfttd die Anforderungen, die gestellt werden. Auf F.rfolg ist nur bei ungeheurem Fleissc und wirklich grorser Begabung zu rechnen, I.cxhtcr als z. B. die Konzert-Pianistin findet schon die Kl avierlchrer.ru. obgleich cs auch auf diesem Arho'tsfelJe nicht au Bewerberinnen fehlt, ihr Fortkommen. Bei tfichtivent Können enrigem pädagogischen Talent und entsprechender Gewandtheit erreicht sie fast immer ihr Ziel. Grössere Chancen hat diejenige, welche von der Natur m't einer schöne;׳. Stimme ausgestattet wurde. Ist der Andrang zu den Gesangscliulcn auch nicht gering, ein schönes Stimm-Malerial. von einer guten Schule gepflegt und geKUkt. wird immer hoch bewertet. Auch dieses Studium erfordert ausser schönen?timminUtehi musikalisches Talent, grossen Fle'ss und Ausdauer. Die Mitteimässgkeit sollte mau zum Studium nicht ar.regen. Es erwächst daraus die Gefahr, ein Kiinstlerinneuproletariat heranzubildcn. das heute schon nicht kle'i! ist. Mit der Ausbildung zur Sängerin geht übrigens diejenige als Lehrerin Hand in Hand. Die pädagogische Ausbüdung gerade h diesen: Berufe ist nicht zu unterschätzen. Leidet die Stimme infolge irgend eines unvorhergesehenen Ereignisses. so wird e:ne tüchtige, gut auseebi'.dete Gesang- 1 eh r e r i n Immer noch ihren Unterhalt finden. Eine kräftige Körperkonstitutio;׳, gesunde Organe sind für alle diese Berufe, besonders aber das Gesangsstudhmi, Vorbedingung. Etrb Malcdnne1{schu!e besteht w Karlsruhe und seit einiger Zeit lässt als erste in Deutschland, die Kunstschule .in Weimar Frauen ebenso wie Männer zum Unterrieht zu. In anderen Städten dagegen sind die Frauen immer noch auf teure Privat Kurse angewiesen. Zu hoffen ist dass auch die Pforten anderer Kunstschulen sich den Frauen in nächster Zukunft öffnen. Setrt jeher haben die jungen Jüdinnen, Frauen wie auch Mädchen, sich dem kaufmännischen Berufe zugewandt. JÜDISCHE RUNDSCHAU sogar, dass einer derselben, gemeinhin der Wucherjoel genannt, einem seiner Kunden, der ihm mehrere Hunderte schuldete und den er für einen besonders listigen Kerl hielt, Erlass der ganzen Summe angeboten hatte, falls er ihm zur Verhaftung des Mergel verhelfen wolle: demr der Glaube war allgemein unter den Juden, dass der Täter nur mit guter Beihilfe entwischt und wahrscheinlich noch in der Umgegend sei. Als dennoch alles nichts halt und die gerichtliche Verhandlung für bcendet erklärt worden war, erschien am nächsten Morgen eine Anzahl der angesehensten Israeliten int Schlosse, tun dem gnädigen Herrn einen Handel anzutrageu. Der Gegenstand war die Buche, unter der Aarons Stab gcfimden und wo der Mord wahrscheinlich verübt worden war. — ״Wollt ihr sie fällen? so mitten int vollen Laube?“ fragte der Gutsherr. ״Nein, Ihro Gnaden, sie muss stehen bleiben 1111 Winter und Sommer, solange ein Span daran ist.44 — ״Aber, wenn ich nun den Wald hauen lasse, so schadet es dem jungen Aufschlag.“ — ״Wollen wir sic doch nicht utn gewöhnlichen Preis.“ Sie boten zweihundert Taler. Der Handel ward geschlossen und allen Förstern streng eingeschärft, die Judenbuclie auf keine Weise zu schädigen. Darauf sah man an einem Abende wohl gegen sechzig Juden, ihren Rabbiner an der Spitze, in das Brcderholz ziehen, alle schweigend und mit gesenkten Augen. Sic blichen über eine Stunde im Walde und kehrten dann ebenso ernst und feierlich zurück, durch das Dorf B. bis in das Zellerfeld, wo sie sich zerstreuten und jeder seines Weges ging. Am nächsten Morgen stand an der Buche mit dem Beil Ungehalten: fui?S Iwfs«# p Mil I t’mfit Cjs 7י MW V Und wo war Friedrich? Ohne Zweifel fort, weit genug, um die kurzen Anne einer so schwachen Polizei nicht mehr fürchten zu dürfen. Er war bald verschollen, vergessen. Ohm Simon redete selten von ihm, und dann schlecht; die Judenfrau tröstete sich atu Ende und nahm einen anderen Mann. Nur die arme Margret blieb ungetröstet. (Fortsetzung folgt.) L* ץ . , י• \ * . \