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Jüdische Rundschau · 1905-05-19 · Heft 20 (19.5.1905) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 20 (19.5.1905)
Date
1905-05-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 230 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 20 Prozent pro i9CM verteilen wird. Diese Nachricht scheint aui einem Missverständnis zu beruhen. Wir sind schon zufrieden, dass wir mit dem ersten Volljahr unserer Tätigkeit den Verlust des Oründungsjahrcs decken konnien, und z.wcifeln nicht, dass wir in der Zukunft einen angemessenen Gewinn erzielen werden. In erster Linie sind wir auf die grösstmöglichc Sicherheit bedacht und verzichten gerne auf grosse Gewinne, wenn sie mit Risiko verknüpft sind Unser Bestreben ist darauf gerichtet, Handel und Industrie in gesunde kaufmännische Bahnen zu leiten, unserer Bank einen guten Namen zu erwerbcn. mit der Regierung in nähere Beziehungen zu treten, um uns eine gute Grundlage für unsere weitere Entwicklung zu schaffen, smvcl dies die Verhältnisse in einem wirtschaftlich noch wenig entwickelten Lande wie Palästina gestatten. Wenn wir in dieser Hinsicht auch noch keine grossen Erfolge zu verzeichnen haben, so können wir doch fiir 'den Anfang mit dem Erreichten vollkommen zufrieden sein. Was wird aus unseren Töchtern Von B. Leiser- Köln. IL Wenn cs sich ehedem um die Berufswahl für die Tücher bcnntielter jüdischer FaniTen handele, (allerdings war es höher noch weniger als heute die Regel, 'dass junge .Mädchen aus wohlhabendem jüdischem Hause neben wirtschaftlichen Kenntnissen sich in irgend einem Berufe eine gründliche Ausbildung erwarben), so kamen bei den Eltern bis in die neuere Zeit hinein immer mir einige wenige Berufe In Frage. Es waren in erster Linie der Beruf der I chrcrin und allenfalls der Künstlerin, wenn die NVg'uug dahin drängte. Diese Einseitigkeit ist auf mancherlei Vorurteile zurückzuiühren. die heute wohl ihre Kraft bei den wirklich Gebildeten verloren haben. De Auffassung, dass in diesen Berufen die jungen Mädchen an Achtung nichts clnhfisscn würden, dass eine mit dem Lehrerinncn-Diplom ausgezeichnete oder mit dem Nimbus einer Künstlerin umgeben* junge Dame an ihrer gescllschaftliehen Steilung ’ -״c Etnbussc crle'den würde, war hier wohl ausschlaggebend. Man vergass in solchem Falle, dass jede Arbeit, welche es auch sei» adelt, dass das Lenen fcrst durch eine ernste Tätigkeit Inhalt, c'nen höheren Wert erhält. Es wurde nicht immer Rücksicht darauf genommen, ob die Vorbedingungeu für einen von diesen Berufen auch durchaus vorhauden waren. Das zeitigte nicht gar zu selten Ucbclstäiule von einschneidendster Bedeutung, Unlust in der Ausübung des Berufes, was gerade bei der pädagogischen Laufbahn eine höchst ungünstige Rückwirkung auf d e Lehrtätigkeit im Gefolge hat. In wenig oder gar incht bemittelten jüdischen Kreisen licss man die jungen Mädchen fast ausnahmslos fu ein Geschäft oder •in wirtschaftliche Stellungen eintreten. Diese Einseitigkeit ist mau mm mit einer enormen Entfaltung von Arberts- und Willenskraft, auch auf seiten der jüdischen Frauen, bemüht, aus der Welt zu schaffen. Aber auch :1t anderen und immer weiteren Kreis bricht s;ch die Uckerzeugung Bahn, dass den Frauen der Zutritt zu allen Berufen, zur höchsten geistigen Ri!•Jung eröffnet werden, und dass t;ci voller Berücksichtigung des natiirbchcn Unterschiedes der Geschlechter den Frauen doch Gelegenheit gegeben werden muss, auch ihre geistigen, wie jedwede andere Anlagen freier entwickeln zu köttren. Nicht vergessen dürfen wir indessen, dass für uns Jüdinnen die meisten Wege dornenvoller noch st.c! als für andere Franc!?, viele Ziele und Berufe nur mit fast innibcrwitulbchen Schwierigkeiten zu erreichen sind. Das darf und so!! uns aber rieht abhr'ren. e'neni einmal gesteckten Ziele nachzustrcbcn. D'e Zähigkeit und Ausdauer, d e Intcliigen7. und der Fleiss sind bei der jüdische:! Frau in weht gerirgerem Masse vorhanden als beim Manne. Die Wirtschaftliehen und sozialen Umwälzung er. t::c gesteigerten Bedürir 's *e des ,U modernen Lebens und vor allem der statistisch nee;;gew'escnc Uehersclmss .יוד Franc!' reeenöber den Männern, der d:e EhelosVkcit vieler Frauen bedingt, der Wunsch und Wille derjenigen Mädchen endlich, die das natürVche Streben haben, s:cl1 d:c Selbständigkeit zu erringen, aus idealen und orakt'selicn Gründen zugleich, werdet; eine stets wachsende Betätigung der Frauen am* allen Gebieten, des Erwerbslebens zur Folge haben. Unter den Berufen mm, die immer schon von jüdischen Mädchen ergriffen wurden, figurierte, wie emgangs schon bcmerkt, der Leit rberuf in erster Linie. So verantwortungsreich dieser Beruf nun auch •ist. soviel Geduld und Hingabe und nimmerversagendc Arbc'tsfreudigkeit er auch fordert diejenige, welche sich in Wahrheit zu ihm berufen fühlt und mit Herzenslust mit Liebe zu der Jugend sieb dieser schwierigen und dennoch so ideal schönen Tätigkeit hingibt, wird immer neben vieler Mühe und Arbeit eine Quelle reiner Freuden in ihr iinden. Die besondere Befähigung’ der Frauen zum Unterricht und zur Beide schwiegen eine Weile. ״Mein Fuhrmann hatte sich in der Nacht verirrt,“ *hob der Amtsschreibcr wieder an; ..über eine Stunde lang hielten wir im Walde; es war ein Mordwettcr; ich dachte, der Wind werde den Wagen innreissen. Endlich, als der Regen nachlicss, fuhren wir in Gottes Namen darauf los, immer in das Zellerfeld hinein, ohne eine Hand vor den Augen zu sehen. Da sagte der Kutscher: ״Wenn wir nur nicht den Steinbrüchen zu nahe Kommen!“ Mir war selbst bange; ich licss halten und schlug Feuer, um wenigstens etwas Unterhaltung an meiner Pfeife zu haben. Mit einem Mal hörten wir ganz nah, perpendikulär unter uns die Glocke schlagen. F.t!cr Gnaden mögen glauben, dass mit fatal zu Mut wurde. Ich sprang aus dem Wagen, denn seinen eigenen Beinen kann man trauen, ater denen der Pferde nicht. So stand ich. fn Kot und Regen, ohne mich zu rühren, bis cs gottlob sehr bald anfing zu dämmern. Und wo hielten wir? dicht an der Heerser Tiefe und den Turin von Heerse gerade unter uns. Wären wir noch zwanzig Schritte weiter gefahren, wir wären alle Kinder des Tode gewesen.“ — ״Das war in der Tat kein Spass,“ versetzte der Gutsherr, halb versöhnt. Er hatte unterdessen die mitgenommenen Papiere dtirchgcschcn. Es waren Mahnbriefe um geliehene Gelder, die meisten von Wucherern. ״Ich hatte nicht gedacht,“ murmelte er, ״dass die Mergels so tief drin steckten.“ — ״Ja, und dass es so an den Tag kommen muss," versetzte Kapp; ״das wird kein kleiner Aerger * für Frau Margret sein.“ — ״Ach Gott, die denkt letzt daran nicht!“ Mit diesen Worten stand der Gutsherr auf und verliess das Zimmer, um mit Herrn Kapp die gerichtliehe Leichenschau vorzunehmen. — Die Untersuclumg war kurz, gewaltsamer Tod erwiesen, der vernmtlichc Täter entflohen, die Anzeigen gegen ihn zwar gravierend, doch ohne persönliches Geständnis nicht beweisend, seine Flucht allerdings sehr verdächtig. So musste die gerichtliche Verhandlung ohne genügenden Erfolg geschlossen werden. Die Juden der Umgegend hatten grossen Anteil gezeigt. Das Haus der Witwe war nie leer von Jammernden und Ratenden. Seit Menschengedenken waren nicht so viel Juden beisammen in L. gesehen worden. Durch den Mord ihres Glaubensgenossen aufs üusserste erbittert, hatten sie weder Mühe noch Geld ge- •spart, dem Täter auf die Spur zu kommen. Man weiss J ־”1 /«;•־*®*■*יי

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