Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 20 (19.5.1905)
- Date
- 1905-05-19
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 229 No. 20 JÜDISCHE RUNDSCHAU friedigend zu betrachten. Wir haben in Jaffa einen Gevinn von Fres. 10 782.63 erzielt, dem ln Jerusalem, woselbst unsere Branch im August 19(1-1 eröffnet wurde, ein bei der nur fünfmonatlichen Arbeitszeit erklärlicher Verlust von Fres. '1'621.71־ gcgcnübcrstcht. F.s verbleibt somit für beide Palastinabrauches ein Gewinn von 9 157.92, wovon noch die Tantieme des Herrn Levontin von 5 Prozent mit Fres. •157.90 abgeht, so dass der Nettogewinn Fres. 8700.— Pfd. Sterl. 317.6.2־ beträgt. Die üesambilanz inklusive L 011 d o 11, welche Ihnen vorliegt, zeigt, dass der vorjährige (1903) Verlust von Pil Sterl. 315.16.— gedeckt »st und dass ein Gewinnvortrag von Pid. Sterl. 15.14.־ auf neue Rechnung verbleibt. Soweit L o 11־ don in Frage kommt, habe ich Ihnen nur über den Verkauf von Jewish Colon'al Trust-Shares zu berichten. Der Besitz au Shates der Jüdischen Kolonialbauk betrug: Pro 31. Dezember 1903 P,U Sterl. 23,055.11.8 9 .4 .21,892 ״ ״ 1־190 ״ .31 ״ so dass für 1,163.6.11 ״ ״ Shares j im Laufe des Jahres 1901 abgesetzt sind.! In Jaffa und Jerusalem bestanden unsere Hauptj Operationen aus: Diskont von Wechsel und Jafia: Jerusalem: Schecks . Vorschüsse gegen Wert- Fres. 2,6*6.000 714.000 papierc . t 66.000 57.000 Vorschüsse gcg. Waren Spezialrcchnungen (das sind Kontokorrentrechnungen gegen Unterlage »» 3S 1.000 7.500 von Wechseln . . . Debet: t» 2,919,000 739.000 Kauf und Verkauf von Kredit: ff 2,613.000 507.000 fremden Münzen . . . Debet: ff 1,60S,000 660,000 Deposits und Kontokor- Kredit: »f 1,587.000 619.000 rente . Debet: ff 1,901.000 499.000 Korrespondenten auswärts Kredit: ff 2,132.000 839.000 wärts (nur Jafia) . . Debet: Kredit: ft ff 4,994.000 5,135.000 erkannt, so blass und steinern sali sic aus. ״Wo ist Friedrich?“ fragte er mit unsicherer Stimme. ״Sucht ihn,“ antwortete sie und setzte sich auf einen Stuhl. Der Gutsherr zögerte noch einen Augenblick. uHerein, herein!“ sagte er dann barsch; ״worauf warten wir?“ Man trat in Friedrichs Kammer. Er war nicht da, aber das Bett noch wann. Man stieg auf den Söller, i" den Keller, *Hess ins Stroh, schaute hinter jedes Fass, sogar in den Backofen; er war nicht da. Einige gingen in den Garten, sahen hinter den Zaun und in die Aepfelbäume hinauf; er war nicht zu finden. ־ ״Etwischt!“ sagte der Gutsherr mit sehr gemischten Gefühlen: der Anblick der alten Frau wirkte gewaltig auf ihn. ״Gebt den Schlüssel zu jenem Koffer.“ — Margret antwortete nicht. — ״Gebt den Schlüssel!“ wiederholte der Gutsherr, und merkte Jetzt erst, dass der Schlüssel steckte. Der Inhalt des Koffers kam zum Vurr schein; des Entflohenen gute Sonntagskleider und seiner Mutter ärmlicher Staat; dann zwei Leichenhemder. mit schwarzen Bändern, das eine für einen Mann, das audere für eine Frau gemacht. Herr von S. war tief erschüttcrt. Ganz zu unterst auf dem Boden des Koffers lag die silberne Uhr und einige Schriften von sehr leserlieber Hand, eine derselben von einem Manne unter¬ Der Verkehr an den Kassen in Jaffa und Jerusalem hot sich durch die Zunahme an Klienten, welche Schecks auf Europa kaufen und durch Ausdehnung unserer Verbindungen im Auslände, die uns Dokumente zum Inkasso schicken, ferner auch durch Anleihen an die Regierung, welche in Konstantin׳)- pel ausgezahlt werden, dagegen in Jaffa respektive Jerusalem zur Rückzahlung gelangen, bedeutend vergrössert. Wir waren daher nicht wie im vorigen Jahre gezwungen, so viel bares Gekl vom Auslände zu beziehen, wodurch an Kosten viel erspart wurde. Während wir in 1903 bei einem Kasscnumsatz von Francs 4,700.000 vom Auslande Francs 815.000, also zirka 17 Prozent zu beziehen hatten, haben wir in diesem Jahre bei einem Umsätze von Francs 23,000.000 in Jaffa und Jerusalern nur Francs 838.000, also zirka 2K* Prozent vom Auslande zu beziehen brauchen. Unser ganzes Portefeuille, sowohl die diskontierten Wechsel als auch diejenigen,, welche als Unterlage für die Spczialkonti dienen, bestellt mit einigen kleinen Ausnahmen aus guten kaufmännischen Wechseln. Ausser Vorschüsse•!! auf Konossementc für exportierte und importierte Ware, haben wir auch Waren selbst, wie Petroleuiii, Weizen, Holz etc., belieben. Wir sind dabei mit grösster Versieht zu Werke gegangen, indem wir aut Waren, welche dem Verderben oder starken Preisschwankungen ausgesetzt sind, keine Vorschüsse gewährten. Unsere Haupttätigkeit auf diesem Gebiete ist in Jana, dem Zentrum der Export- und Import-Geschäfte für Palästina. Es sind uns von verschiedenen Seiten Vorwürfe gemacht worden, dass wir die jüdische Kundschaft nicht genügend poussieren und unterstützen. Aber das ist nicht richtig. Wir tun alles Mögliche, um jüdische Kundschaft heranzuziehen und mit ihr In erster Reihe zu arbeiten, aber wir dürfen dabei die notwendige kaufmännische Sicherheit nicht aus dem Auge lassen und wir dürfen nicht ohne Prüfung alle Geschäfte machen, welche uns von jüdischen Kauflcutcn vorgeschlagen werden. Zu beklagen haben wir dagegen, dass die jüdischen Wohltätigkeitsgcldcr (C h a 1 u k a) nicht durch unsere Vcrmittlung überwiesen werden, respektive zur Auszahlung gelangen, wir hoffen aber, dass die betreffenden Institute mit der Zeit doch einsehen werden, dass sic am besten tun, sich damit an uns zu wenden. Einige Zeitungen brachten die irrtümliche Meldung, dass die Anglo-Palestine Company eine Dividende von 4 bis 4K* zeichnet, den inan in starkem Verdacht der Verbindung mit den Holzfrcvlern hatte. Herr von S. nahm sie mit zur Durchsicht und man verliess das Haus, ohne dass Margret ein anderes Lebenszeichen von sich gegeben hätte, als dass sic unaufhörlich die Lippen nagte und mit den Augen zwinkerte. »m Schlosse angelangt, fand der Gutsherr den Amtsschreiber, der schon am vorigen Abend heimgckommen war und behauptete, die ganze Geschichte vcrschlafen zu haben, da der gnädige Herr nicht nach ihm geschickt. ״Sie kommen immer zu spät,“ sagte Herr von S. verdricsslich. ״War denn nicht irgend ein altes Weib im Dorfe, das Ihrer Magd die Sache erzählte? und warum weckte man Sie dann nicht?“ — ״Gnädiger Herr,“ versetzte Knapp, ״allerdings hat meine Anne Marie den Handel um eine Stunde früher erfahren als ich; aber sie wusste, dass Ihre Gnaden die Sache selbst leiteten, und dann,“ fügte er mit klagender Miene hinzu, ״dass ich so todmüde war!“ — ״Schöne Polizei!“ murmelte der Gutsherr, ״jede alte Schachtel im Dorf weins Bescheid, wenn!es recht geheim zugeiien soll.“ Dann fuhr er heftig fort: ,,Dass müsste wahrhaitig ein dummer Teufel von Delinquenten sein, der sich packen Hesse!“