Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 20 (19.5.1905)
- Date
- 1905-05-19
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 228 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 20 § 16. Die Deleglertemnandate sind nicht übertragbar. § 17. Jedes Landes-Comite führt eine eigene Liste seiner Schekel- Zahler, die es ebenst» wie die Namen der gewählten Delegierten dem A.-C. wcngstens vier Wochen vor jedem Kongresse mitzuteilen hat. * ־• Nach den Bestimmungen des Organisationsstatutes müssen die Delegiertenwalilen für diesen Kongress am 29. Juni also bereits abgeschlossen sein. * Dieser Mitteilung ist hinzuzufügen. dass es im Interesse der Delegierten liegt, die Wahlen möglichst zu beschleunigen. Der Kongress wird am 27. Juli eröffnet. Die Vorberatungen dürften bereits die Woche vorher in Anspruch nehmen. Die Delegierten müssen also schon Anfang Juli ihre Reisedispositionen treffen können. Es ergibt sich daraus die Notwendigkeit, die Schekelzahlung und alle Vorberatungen für die Dclegiertenwahlen mit grösster Energie und Beschleunigung zu treffen. Termin kann unter keinen Umständen hinausgeschoben werden; wir bitten daher alle lnhaber von Schekelblocks, die Schekel-Einziehung möglichst zu beschleunigen und die Blocks im Laufe der nächsten Woche an die Ortsgruppen- Vorsteher abzuliefern. Be? dieser Gelegenheit weisen wir nochmals darauf hin, dass j’eüer Jude und jede Jüdin. die auf dem Boden des .,Baseler Programm“ steten, zur Zahlung des Schekels verpflichtet sind. Es ist daher nicht ausreichend, wenn etwa nur das Familienoberhaupt den Schekel entrichtet, wie das bisher in vielen Ortsgruppen geschehen ist. 2. Ueber die V 01 k s k ii c 11 c n in S a f i c d und Jerusalem waren uns s. Zt. ungünstige Mitteilungen Unr.ere Baseler Freunde werden wie in den vergangenen Jahren ein Empfangs- und Wohmmgskomitcc bilden. Mitteilungen des Zentralbureaus der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. 1. Nachdem der VH. Kongress auf den 27, Juli und fo'gende Tage anberaumt worden ist, machen wir darauf aufmerksam, dass nach dem Organisationsstatut der Zionistischen Partei die Wahlen am 29. Juni abgeschlossen sein müssen. Da wir auf Grund der eingegangenen Schekelgelder die Wahlkreise einteilen müssen, so sind die Schekel spätestens bis zum 10. Juni an das Zentralbureau abzuführen. Dieser! zugegangen. Ueber die Volksküche in Jerusalem haben wir nunmehr befriedigende Nachrichten erhalten, die wir im Einzelnen in dieser Zeitung veröffentlichen werden. Ueber die Volksküche in S a i i c d konnten wir leider bisher nichts erfahren. 3. Ein zionistisches Komitee in \V i l n a (Russland) sucht zur Abhaltung von Abendkursen 1'iir Handwerker, insbesondere Schuhmacher und Schneider, einen Lehrer, der imstande ist, die Handwerker in ihrem Ber.ufe zu vcrvcllkcmmen. Meldungen nimmt das Zentralbureau entgegen. Anglo-Palestine Company, Ltd. Am 17. Apiil a. c. fand die vierte ordentliche General- Versammlung der ״Anglo-Palestine Comnany" in London statt. Der Vorsitzende, Herr D. Wolffsohn, erstattete hierbei folgenden Bericht: . Das verflossene Geschäftsjahr, welches wir als erstes Jahr unserer Tätigkeit betrachten müssen, da wir erst Mitte 1903 in Jaffa zu arbeiten begonnen ha׳ben, ist im Ganzen als be- Falle werde er in B. beim Schlachter Salomoit übernachten. Als er am folgenden Tage nicht heimkehrtc, war seine Frau sehr besorgt geworden und hatte sich endlich heute um drei Uhr nachmittags in Begleitung ihres Knechtes und des grossen Schlächterhundes aut den Weg gemacht. Beim Juden Salomon wusste man nichts von Aaron; er war gar nicht da gewesen. Nun waren sic zu allen Bauern gegangen, von denen sie wussten, daos Aaron einen Handel mit ihnen im Auge hatte. Nur zwei hatten ihn gesehen, und zwar an demselben Tage, an welchem er ausgegangen. Es war darüber sehr spät geworden. Die grosse Angst trieb das Weib nach Haus, wo sic ihren Mann wiederzufinden eine schwache Hoffnung nährte. So war sie im Brederholz vom Gewitter überfallen worden und hatte unter einer grossen, am Berghauge stellenden Buche Schutz gesucht; der Hund hatte unterdessen auf eine aufiallende Weise umhergestöbert und sich endlich, trotz aüem Locken ,im Walde verlaufen. Mit einem Mal sieht die Frau beim Leuchten des Blitzes etwas Weisses neben sich im Moose. Es ist der Stab ihres Mannes, und fast im selben Augenblicke bricht der Hund durchs Gebüsch und trägt etwas im Maule: es ist der Schuh ihres 1 Mannes. Nicht lange, so ist in einem mit dürrem Laube ן gefüllten Graben der Leichnam des Juden gefunden. | Dies war die Angabe des Knechtes, von der Frau nur im allgemeinen unterstützt, ihre übergrosse Spannung hatte nachgelassen und sic schien jetzt halb ver- 1 wirrt oder vielmehr stumpninnig. ״Aug’ um Auge, Zahn 1 um Zahn!“ dies Waren die einzigen Worte, die sie zuweilen hervorstiess. In derselben Nacht noch wurden die Schützen auf- I geboten, um Friedrich zu verhaften. Der Anklage be- | durfte es nicht, da Herr von S. selbst Zeuge eines Auf-! tritts gewesen war, der den dringendsten Verdacht auf! ihn werfen musste; zudem die Gespenstergeschichte von | jenem Abende, das Aneinanderschlagen der Stäbe im Brcderholz, der Schrei aus der Höhe. Da der Amts- | Schreiber gerade abwesend war, so betrieb Herr von S. selber alles rascher, als sonst geschehen wäre. Denj riech begann die Dämmerung bereits anzubrcchen, be- 1 ver die Schützen so geräuschlos wie möglich das Haus ' der armen Margret umstellt hatten. Der Gutsherr selber { pochte an; es währte kaum eine Minute, bis geöffnet! ward und Margret völlig angekleidet in der Türe er- 1 schien. Herr von S. fuhr zurück; er hatte sie fast nicht