Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 19 (12.5.1905)
- Date
- 1905-05-12
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2651394-2651413--02361-2659242- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
No, 19 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 219 sowie das des Herrn Pollak-Wicn über Tu ™betrieb In jtldisehen Turnvereinen liv.vorgehobcn zu werden. . Die Neuwahl des Ausschusses der jüdischen Turnerschaft hatte fallendes Ergebnis: Vorsitzender Th. S c h o l e ni. Schriftführer Dr. Z i r k e r, Tufiiwari Dr. Blum. Kassenwart Frl. E g e r. Beisitzer Dr. J a l o w i c z. Dieser zweite Turntag war ohne Zweiiel überaus ergebnisreich. Wenn selbst nur ein Teil der Saat auf geht, die auf ihm gesät wurde, werden reiche Früchte Zeugnis ablegcn von seiner Bedeutung. Nicht die turnerische Vollkommenheit des j Einzelnen als Selbstzweck ist das Ziel unseres Strebens, son- < dem die Förderung der Gesamtheit durch die Erziehung des \ einzelnen. Dieses Ziel auf diesem Wege zu erreichen, haben wir gestrebt — möge GTT seinen Segen dazu geben! Dr. H, Mülisam. —I Aus der Bewegung ן— ' Die Berliner Schekelblock-Inhaber werden j dringend ersucht, die Schekelblocks nebst den | darauf eingegangenen Geldern unverzüglich | an Herrn j. H. Wagner, Berlin N. Prenzlauer Allee 9, einzusenden. Der Vorstand. Berlin. Da die für Montag, den S. er. angesetzte Ver- Sammlung nicht stattfiuden konnte, wird Rechtsanwalt Dr. A. M a n t k c am Donnerstag־, den IS. Mai, über die Sitzung des Zentralkomitees vom 23.-24. April 1905 Bericht erstatten. Der Vorstand wird beantragen, dass die Berliner Zionistische Vereinigung ihre Zustimmung zu der im Eingang der vorigen Nummer der JUEDISCHF.N RUNDSCHAU abgedruckten Erklärung des Zentralkomitees ausspricht. Lokal: Königssälc, Neue Königsstrassc 26, Eingang Wadzcckstrasse. Beginn der Versammlung: Sn» Uhr abends. Die Mitglieder werden dringend ersucht, in dieser wichtigen Versammlung recht zahlreich zu erscheinen. Berlin. Die erste Vorlesung des Herrn D r. Klee über Geschichte und Staatsverwaltung des osmanischcn Reiches in der Hasmonäa hat Sonntag, den 7. d. M., stattgeiunden und hat überaus interessante und wissenswerte Aufschlüsse gebracht. Die zionistische Oeücntlichkeit wird noch einmal au? diese Vorlesungen hingewiesen. Der nächste Vortrag findet Sonntag, 1*1. März, vormittags 10 Uhr im Lokal der Hasmemäa, N., Linienstr. 111 (Oranienburger Tor) statt. Beuthen O.-S. Als Beweis der Regsamkeit und wach־ senden Teilnahme für den Zionismus mag es bezeichnet werden, dass innerhalb 3 Wochen {5 Vorträge gehalten wurden, die das lebhafteste Interesse der recht zahlreich besuchten Versammlungen erregten. Am 25. März sprach der Schriftiührcr der Gruppe. Herr Ph. Lcwandowski. über ..Unwissen־ heit und Indiherentismhs״ mit besonderer Berücksichtigung der Forderung des Baseler Programms betr. Hebung des jiidisehen Volksbewusstseins und der Pflege alles dessen, was jüdisch ist, um dem Ausspruchc Herzl’s von der ,.Rückkehr zum Judentum vor der Rückkehr ins Judenland" zuni Siege zu verhelfen. Anlässlich des 30jührigen Todestages von Moses Hess sprach am 8. April Herr Dr. med. Stahl. Tarnowitz. indem er in interessanter Weise die Persönlichkeit des zionistiselten Vorkämpfers aus dem politischen Rahmen seiner Zeit licrausliob und auf diesem Untergründe die Bedeutung und Tätigkeit desselben beleuchtete. Am 15. April folgte alsdann der Vortrag des cand. thcolog. Herrn Herlitz. Zabrze, der cs sich zur Aufgabe gemacht hatte, den Hörern den geistigen Gehalt des Werkes ״Rom und Jerusalem" näher zu bringen, was ihm auch durch die fesselnde Art des Vortrages und die Vertiefung in den Ideengang des Verfassers gelang. Mit dieser Seite der Tätigkeit unserer Gruppe ging die Sammlung für den Nationalfond in regster Weise •Hand in Hand. Hamburg, fn der diesjährigen Generalversammlung der Ortsgruppe erstattete zunächst der Vorsitzende D r. Frank den Jahresbericht, in dem er besonders auf den glänzend veriaufenen Delegiertentag hinwies und die allwöchentlichen Donncrstag-Versammlungcn. an denen regelmässig Referate gehalten worden sind. Die Zahl der Mitglieder beträgt 275. Der vom Kassierer Margulies gegebene Kassenbericht ist hereits in der RUNDSCHAU veröffentlicht. Bei der hierauf vorgenommenen Vorstandswahl wurde Dr. Frank fast einstimmig zum Vorsitzenden gewählt und zu Mitgliedern des Vorstandes Margulies. Rstermann, Dr. Hulds c h i n c r, Dr. Kalmus. Rechtsanwalt Dr. Victor und Dr. Besser. Da Dr. Frank zu allgemeinem Bedauern mit Rücksicht auf seine Ueberlastung durch Berufsgeschäfte das Amt nicht annahm und alle Versuche scheiterten, den langjährigen Vorsitzenden In seinem Entschlüsse umzustimmen, wurde ln der am 4. Mal er. stattgehabten zweiten Versammlung Dr. Kalmus zum Vorsitzenden und Herr Saml. Cohn als weiteres Vorstandsmitglied gewählt. In seiner Programmredc würdigte Dr. Kalmus zunächst in warmen Worten die Verdi&nstc des bisherigen Vorsitzenden um die günstige Entwicklung der Ortsgruppe und bczeichncte es weiter als erste Aufgäbe derselben, das jüdische Proletariat Hamburgs und die hier sich auihaltenden zahlreichen Ausländer, die bisher der Organisation gänzlich fernstehen, für die zionistische Sache zu gewinnen. Der Vorschlag Dr. Besse rs. eine jüdische Lesehalle zu gründen, rief eine lebhafte Debatte hervor. und schien zu fühlen, dass er recht habe. — Das Geschüft war beendigt; die junge Frau hatte ihrem Manne zugetrunken, junge Spassvögel hatten durch den Dreihiss geschaut, ob die Binde gerade sitze, und man drängte sieh wieder der Tenne zu, von wo unauslösehlichcs Gelächter tmd Lärm heriiberschalltc. Friedrich war nicht mehr dort. Eine grosse, unerträgliche Schmach hatte ihn getroffen, da der Jude Aaron, ein Schlächter und gelegentlicher Allhändler aus dem nächsten Städtchen, plötzlich erschienen war, und nach einem kurzen, unbefriedigenden Zwiegespräch ihn laut vor allen Leuten um den Betrag von zehn Talern für eine schon um Ostern gelieferte Uhr gemahnt hatte. Friedrich war wie vernichtet fortgegangen und der Jude ihm gefolgt, immer schreiend: ״O weh mir! warum hab’ ich nicht gehört auf vernünftige. Leute! Haben sie mir nicht hundertmal gesagt, Ihr hättet ah Eu’r Out am Leibe und kein Brot im Schranke!" — Die Tenne tobte vom Gelächter; manche hatten sich auf den Hof nachgedrängt. — ״Packt den Juden! wiegt ihn gegen ein Schwein!" riefen einige; andere waren ernst geworden. — ״Der Friedrich sah so blass aus wie ein Tuch,“ sagte eine alte Frau, und die Menge teilte sich, wie der Wagen des Gutshcrni in den Hof lenkte. Herr vpn S. war auf dem Heimwege verstimmt, die jedesmalige Folge, wenn der Wunsch, seine Popularität aufrecht zu erhalten, ihn bewog, solchen Festen beizuwolmeu. Er sah schweigend aus dem Wagen. ״Was sind denn das für ein paar Figuren?" — Er deutete auf zwei dunkle Gestalten, die vor dem Wagen rannten wie Straussc. Nun schlüpften sie ins Schloss. — ״Auch ein paar selige Schweine aus •unserem eigenen Stall!" seufzte Herr von S. — Zu Hause angekommen, fand er den Hausflur vom ganzen Dienstpersonal eingenommen, das zwei Kleinknechte umstand, welche sich blass und atemlos auf der Stiege niedergelassen hatten. Sie behaupteten, von des alten Mergels Geist verfolgt worden zu sein, als sie durchs Brcderholz heimkehrten. Zuerst hatte cs über ihnen an der Höhe gerauscht und geknistert; darauf hoch in der Luft ein Geklapper, wie von einander schlagenden Stöcken: plötzlich ein gellender Schrei tmd ganz deutlieh die Worte: ״O weh, meine arme Seele!“ hoch von oben herab. Der eine wollte auch glühende Augen durch die Zweige funkeln gesehen haben, und beide waren gelaufen, was ihre Beine vermochten. (Fortsetzung folgt.) __ * \ '־־ ■־&