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Jüdische Rundschau · 1905-05-12 · Heft 19 (12.5.1905) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 19 (12.5.1905)
Date
1905-05-12
Page
– (sequence 10)
Language
German
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J Seite 218 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 19 bedeutend gewachsen, sondern auch die Innen-Entxvickelung — das Mäss der turnerischen Leistungen und die Pflege der national-jüdischen Idee — zeigte einen erfreulichen Aufschwung. Vor 2 Jahren konnten noch Stimmen laut werden, die die Vereinigung aller national-jüdischen Turner zu einem einzigen grossen Verbände als verfrüht• bczcichncten. und wirklich sind Mängel der Organisation nicht ausgeblicbcn. Wir haben aber in der kurzen verstrichenen Zeit gelernt, und konnten so auf dem diesjährigen Turntagc bei der Neuberatung der Organisation die gesammelten Erfahrungen fruchtbar verwerten. Die Gesamtrichtung der Aenderungen könnte man dennoch wohl am besten kennzeichnen als: ״Weniger Theorie — mehr Praxis." Es ist selbstverständlich, dass als wichtigste Bedingung der Organisation das Fundament auf das Sorgfältigste gelegt werden musste, auf dem wir den gemeinamen Bau aufrichten wollen. Wir mussten aus dem Grunde nicht nur uns selbst, unser Streben und unsere Ziele definieren, sondern wir mussten auch unser Verhältnis zu uuserii Grenznachbarn klarlcgen. HuTsprechend dein doppelten Ziele unserer Bewegung mussten wir daher Stellung nehmen einerseits zu den übrigen Turnerscharteil, andrerseits zum Zionismus. Für die Kraft und das Ziel- Bewusstsein der jüdischen Tnrncrschaft ist es ein beredtes Zeugnis, dass sämtliche auf die eben angedeuteten Fundamentalpunktc bezüglichen Beschlüsse von der Versammlung c i 11stimmig votiert wurden. Diese Versammlung selbst konnte aber durchaus Anspruch auf die Bezeichnung der Repräsenteiiz aller Interessenten der jüdischen Ttmilicwcgtmg erheben, denn sie war von den auswärtigen Kreisen, nicht bloss den deutschen, zahlreich beschickt worden. So wurde denn nach sorgfältigster Beratung folgendes Programm einstimmig gutgeheissen: ..Die indische Timierschatt bezweckt die Pflege des Turnens als Mittel zur Hebung des jüdischen Stammes im Sinne der national-jüdischen Idee. Puter National-.luJeiittim verstehen wir das Bewusstsein der Zusammengehörigkeit aller Juden auf Grund gemeinsamer Abstammung und Geschichte, sowie den Willen, die jüdische Stammesgcmcinsehait auf dieser Grundlage zu erhalten. Der Verband verfolgt keine politischen Zwecke." Mit diesem Programm haben wir kurz und klar unser Wesen definiert, unser Ziel gekennzeichnet und unsern Wirkungskrets beschränkt. Auf dieser sicheren Grundlage hotten wir. zu unserem Teil an der Wiedergeburt des jüdischen Volkes nicht unwesentlich mitarbeiten zu können. Es ist selbstverständlich, dass über die beste Art der Ausführung dieses Programms im einzelnen hier und da Meinungsverschiedenheiten zu Tage traten — und es ist gut so, dass nicht alle den gleichen Weg für den besten hielten: denn so lieferte die Debatte über das Oreanisationsstatut eine solche Fülle von brauchbaren Vorschlägen, dass wir für die Praxis ein wahres Kapitel von Anregungen zurücklcgcn konnten. Unser Verhältnis zu dem national-jüdischen Nachbarn, dem Zionismus, ist ein durchaus herzliches. Dr. Jalowirz. der das Referat über die Stellung der jüdischen Tnrncrschaft zum Zinnistnus übernommen hatte, wies darauf hin, zu welch grossem Danke die jüdische Turnbewegung dem Zionismus verpflichtet sei, von dem sie die erste Anregung zu ihrer Gründung und stete Förderung ihrer Bestrebungen erhalten habe. Eine völlige Einigkeit aller Diskussionsredner ergab sieb darüber, dass die jüdische Trncurschart mit dem Zionismus die national-jüdische Basis gemein habe, dass sic aber nach den Satzungen keinerlei politische Ziele verfolge. Von irgend welchen Beziehungen zu deutschturiierisclien Nachbarn kann natürlich nur die Rede sein, soweit jüdische Turner darunter sind. Der ״Deutsche Turnerbund" z. B.,.der den Antisemitismus satzimgsgemäss fixiert hat, hat für uns selbstverständlich ebensowenig Interesse, wie der ..Verein zur Förderung des Skatspielcs unter den Papuas". Wohl aber mussten wir Stclhmg nehmen zu der ..Deutschen Turnerschaft“, von der einzelne Kreise den Tendenzen des ״Deutschen Turnerbmtdes' sich mehr und mehr zuw enden. Iler Kreis XV der ..Deutschen l'urnersclui't" hatte den Beschluss gefasst, sich seiner jüdischen Mitglieder zu entledigen. Durch allerhand Machinationen setzten diese es durch, dass die Ttirnersebaft einen zweiten Kreis XV b konstituierte, dem das Recht, sich ..iudenrein" zu halten, nicht bewilligt wurde. Der jüdische Tinntag beschloss, seiner Meinung über dieses Benehmen iinverhnlilen Ausdruck zu geben, lind formulierte deshalb folgende Resolution: -Der jüdische Turntag gibt seinem lebhaften Bedauern Ausdruck, dass die .iiieischen Mitglieder des heutigen Kreises X\ h der Deutschen Turttersehtu trotz der• iudenfeiudlicheii Stellungnahme des Kreises XV sich nicht ihres iüdischcii \ olkstums bew usst geworden, sondern in der Deutschen Tiirncrsehaft verblieben sind." Und unsere Stellung zu den übrigen Turnvcrbäudci!. soweit Juden in ihnen vertreten «!!!׳.!. wurde fixiert durch unser Programm und den Zusatz: Der jüdische lurntac stellt fest, dass sich diese Zwecke und Ziele nur in der indischen Turuerschaft erreichen lassen. Aggressive Tendenzen liegen der jüdischen Turnerschaft fern.” \Xir haben die jüdische Turnerschaft mit Mantel, Schuh unu Stab ausgerüstet, wir hohen ihr den Weg gewiesen — sie wird am Ziele anlangen. Aus den übrigen Verhandlungen des Turntages ist die ausgezeichnete Eröffnungsrede des bisherigen Vorsitzenden der 1 urnerschaft. D r. Tuch, hervor/uheben. der einen ccdräneten und klaren Rückblick auf die Geschichte der nationnl-iüdisehen Turnbewegung seit der Gründung der jüdischen Turnerscliajt gab. \\ ir entnehmen demselben, dass dem Verbände bis fetzt 1-t Vereine angeboren, dass die Turnvereine Posen. Hamburg. München. »Hannover wahrscheinlich bald beitreten werden und auch 15 bulgarische Turnvereine mit über חחחן Mitgliedern nur aus ntmeren Gründen uns noch nicht beigetreten sind. ־ - Unter den Referaten von mehr internem Interesse verdienen wegen ihres besonders reiche״ Inhaltes u״d der vorzüeichen Bearbeitung besonders die der Heren Bcreer-Cöhi und Dr. Werner-Wien fiher äussere, resn. innere Propaganda. ■■■.— .*■ .. . 1 יי"!■.י:"■'""■"■ "י .. .. .." ־*־ Butter fiir die kommende Dürre zu sichern, und ohne daran zu denken, dass er cs, sauber in sein Schnupftu eh gewickelt, in der Tasche geborgen, war er ans Küchcnfcncr getreten, und nun rann das Fett schmählich die Rockschösse entlang. Allgemeiner Aufruhr; die Mädchen sprangen zurück, aus Furcht, sich zu beschmutzen, oder sticsscn den Dclinaucnten vorwärts. Andere machten Platz, sowohl aus Mitleid als Vorsicht. Aber Friedrich trat vor: ״Lumpenhund!“ riet er; ein paar derbe Maulschellen trafen den geduldigen Schützling; dann stiess er ihn an die Tür und gab ihm einen tüchtigen Fusstritt mit auf den Weg. Er kehrte niedergeschlagen zurück; seine Würde war verletzt, das allgemeine Gelächter schnitt ihm durch die Seele, ob er sich gleich durch einen tapfern Juchheschrei wieder in den Gang zu. bringen suchte ■— cs wollte nicht mein* recht gehen. Er war im Begriff, sich.wieder hinter die ßassviolc zu flüchten: doch zuvor noch ein Knalleffekt: er zog seine silberne Taschenuhr hervor, zu jener Zeit ein seltener und kostbarer Schmuck. ״Es ist bald zehn.“ sagte er. ״Jetzt das Brautmenuett! ich will Musik machen.‘* ״Eine prächtige Uhr!“ sagte der Schweinehirt und schob sein Gesicht in ehrfurchtsvoller Neugier vor. ..Was hat sic gekostet?“ rief Wilm Hiilsmeyer. Friedrichs Nebenbuhler. — ״Willst du sie bezahlen?“ fragte Friedrich. — ״Hast du sic bezahlt?“ antwortete Wilm. Friedrich warf einen stolzen Blick auf ihn und griff in schweigender Majestät zum Fiedclbogen. - - ״Nun. nun,“ sagte Hülsmeyer, ״dergleichen hat man erlebt. Du veisst wohl, der Franz Fbel hatte auch eine schöne Uhr. bis der Jude Aaron sic ihm wieder abnahm.“ — Friedrich antwortete nieih. sondern winkte stolz der ersten Violine, und sie begannen aus Leibes- ־krähen zu streichen. Die Gutshcrrschait war indessen in die Kammer getreten, wo der Braut von den Nachbnrfraucn das Zeichen ihres neuen Standes, die weissc Stirnbinde, umgelegt wurde. Das junge Blut weinte sehr, teils weil cs die Sitte so wollte, teils aus wahrer Beklemmung Sie sollte einem verworrenen Haushalt vorsteben, unter den Augen eines mürrischen alten Mannes, den sie noch obendrein heben sollte. Er stand neben ihr durchaus nicht wie der Bräutigam des hohen Liedes, der ״in die Kammer tritt wie die Morgensonne**. — ״Du haut nun genug geweint,“ sagte er verdrießlich: ״bedenk’, du bist es nicht, die mich glücklich macht, ich mache dich glücklich!" — Sie sah demütig zu ihm auf w g* «a ■ m-r*• p r י ין״! *■*«**״****1•» m—י■ »

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