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Jüdische Rundschau · 1905-05-12 · Heft 19 (12.5.1905) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 19 (12.5.1905)
Date
1905-05-12
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 216 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 19 wenn eine reine Neigung sie zu dem Manne zieht, der auch sie liebt, so soll sie eine glückliche und tüchtige Hausmutter, eine ideale Frau und Mutter werden. Sie soll, ehe sie in den Berui eintritt, bei der Mutter in die Lehre Rehen, kochen und nicken und nähen und stopfen lernen, sie soll eine gute, gediegene Schulbildung m'tbriugen, die ihr für den Beruf, wie für das Leben, einen mächtigen Halt gibt. Dann aber dürfen wir sie ruhig ihrer Neigung, welcher Beruf cs auch immer sei. folgen lassen. « Und nicht Konkurrenten sind und sollen Mann und Weib sein auf dem Arbeitsmarkte, nur gleichwertige Anwärter bei gleichen Leistungen. In vielen Berufen ist schon jede Konkurrenz seitens der Frauen von selbst ausgeschlossen. Ls wird immer Berufe geben, für welche die Frau sich kraft ihrer natürlichen Anlagen besser eignet, als der Mann, und solche, für die ihre physischen Kräfte nicht ausreichen, sie überhaupt nicht geschaffen ist. wie ja auch der Mann für manchen Frauenberuf nichts taugt, fc's gibt so unendlich viele Berufe u:td immer neue werden aufgetan, und es wäre ein Verbrechen an all’ der Arbeitswilligkeit und Arbeitslust, wenn wir sie hindern oder nicht zur Arbeit erziehen wollte!:.. Sagt doch schon einer der grössten, deutschen Dichter, Friedrich Schiller, so wahr: ״Das Leben ist kein Traum, sondern cs ist ein Werk, das getan sein will, tüchtig und fruclitbar.".Leiten muss uns jedoch stets bei der Wahl des Berufes die Voranlagür.g des jungen Menschen, sei es nun Knabe oder Mädchen. Und es gibt wohl keinen Menschen, dem nicht die weise, gütige Vorsehung ein Pfund mit auf den Lebensweg gegeben, das er ausnützen könnte. Wir müssen es nur ergründen, es herauszunnden suchen, sofern es sich nicht von selbst oiienbart. — Die jüdische Mutter aber soll kein Opfer scheuen, auch ihrer Töchter Talente auszubilden, genau so gut — und freudigen Herzens — wie das des Sohnes, die Tochter lernt ebenso gut für das Leben wie der Sohn. Die veraltete Ansicht, dass das Mädchen nur ״fürs Haus“ da sei, nichts zu lernen brauche, ist Gott sei Dank ein überwundener Standpunkt und nur mehr bei einigen Rückständigen in Blüte. Wir modernen Menschen aber verstehen die Zeichen der Zeit besser zu deuten. — Nicht immer schreitet das Mädchen zum Altar, nicht jedes Mädchen ist geneigt, eine Ehe ohne Liebe einzugehen, nur um verheiratet, versorgt zu sein, und es wäre unrichtig, ja geradezu unmoralisch, sie hierzu, wie es ja leider zuweilen geschieht, drängen zu wollen .... Tritt aber die halten hätte. Sie wurde scheu, saumselig, sogar unordentlich, und manche meinten, ihr Kopf habe gelitten. Friedrich war desto lauter; er versäumte keine Kirchweih oder Hochzeit, und da ein sehr empfindliches Ehrgefühl ihn die geheime Missbilligung inancher nicht übersehen licss, war er gleichsam unter Waffen, der öffentlichen Meinung nicht sowohl Trotz zu bieten, als sie den Weg zu leiten, der ihm gefiel. Er war ausserlieh ordentlich, n'üchtern, anscheinend treuherzig, aber listig, prahlerisch und oft roh, ein Mensch, an dem niemand Freude haben konnte, am wenigsten seine Mutter, und der dennoch durch seine gefürchtete Kühnheit und noch mehr gefürchtete Tücke ein gewisses Uebergewicht im Dorfe erlangt hatte, das um so mehr anerkannt wurde, je mehr man sich bewusst war, ihn nicht kennen zu lernen und nicht berechnen zu können, wessen er am Ende fähig sei. Nur eia Bursch im Dorie, Wilm Hülsmeyer, wagte im Bewusstsein seiner Kraft und guter Verhältnisse ihm die Spitze zu bieten; und da er gewandter in Worten war als Friedrich, und immer, wenn der Stachel sass, einen Scherz daraus zu machen wusste, so war dies der einzige, mit dem Friedrich ungern zusanunentraf. Vier Jahre waren verflossen; es war im Oktober; Tochter, gründlich vorbereitet, in einen Beruf ein und ist in diesem auch jahrelang ui'ig gewesen, so ist diese Arbeit, auch wenn sic heiratet, nicht umsonst gewesen. Sehen wir ganz von dem klingenden Erfolg, den sie errungen, ab, so ist sie dennoch um vieles reicher geworden. Sic hat sich Kenntnisse erworben, die sie sehr häuiig befähigen, an der Geschäftstütigkeit ihres Mannes tcilzunehmen. ihr Gesichtskreis hat siet erweitert; mit dem mehr feinfülil'gen Verstände des Weibes beleben die neuen Erfahrungen die Interessen des Gatten, folgen ihnen. Sie kann ihm nicht r.ur Gefährtin, sondern auch Mitarbeiterin sein. Und durch dieses Faktum, das der gsmc'nsamen Arbeit, ist die Möglichkeit der früheren Ehen, au; die uns doch so viele wichtige sittliche Momente, ja d׳c Nativ selbst hmweisen, gegeben. Noch kämpft ja manche jüdische Mutter, besonders die der Kleinstadt, einen bittern Kampf in;: veralteten Vorurteilen, aber auch über diese, und viel grossere Hindcrtrsse hinweg, wird die Bewegung sich siegreich Bahn brechen. Ich habe jüdische junge Mädchen darüber klagen hören, dass die Eltern, insbesondere di,• Mütter, sich den: Wunsche nach einer Betätigung schroff widersetzen, nur aus dem Angstgefühl heraus, dass die '.:eben Nächsten aus dieser Tatsache Schlüsse, die auf ihre Verhältnisse ungünstig zurückwirken möchten, ziehen könnten. Und das in Häusern, in denen es viele Töchter gab, von denen immer einige auf diese Weise ihre Zeit mit unnützen Tändeleien auszmüHe;! gedrängt wurden, die oft mehr die Sitte gefährden, ais der niedrigste Beruf. —!1 1! ־ Jedoch die Zeit wird kommet, und sie ist nicht allzu fern, da auch die jüdische Mutter \on diesen Vorurteilen bcfreit sein, da auch sie dem Appell der jungen strebenden Tochter gerecht werden und sich ihrer Erfolge freuen wird. Dieses Ziel aber zu erreichen, die Arbeitsmöglichkeit jeder Tochter zum mindesten zu gewähren, darauf hinzuwirken, dass sie alle zu ernster Arbeit erzogen werden, welche es auch immer sei, dafür müssen wir rr.it all’ unser» Kräften eintreten. — Oie Familien, die die sittlich stärksten und arbeitsfrischesten jungen Männer und Frauen entsenden, sind diejenigen, wo Litern und Kinder Arbehskameraden sind. der milde Herbst von 1760; der alle Scheunen mit Korn und alle Keller mit Wein füllte, hatte seinen Reichtum auch über diesen Erdwinkel strömen lassen, und man sah mehr Betrunkene, hörte von mehr Schlägereien und dummen Streichen als je. Ueberall gab’s Lustbarkeiten; der blaue Montag kant in Aufnahme, und wer ein paar Taler erübrigt hatte, wollte gleich eine Frau dazu, die ihm heute essen und morgen hungern helfen könne. Da gab es im Dorfe eine tüchtige, solide Hohzeit, und die Gäste duriten mehr erwarten, als eine verstimmte Geige, ein Glas Branntwein und was sie an guter Laune selber mitbrachten. Seit früh war alles auf den Beinen; vor jeder Tiirc wurden Kleider gelüftet, und B. glich den ganzen Tag einer Trödelbude. Da viele Auswärtige erwartet wurden, wollte jeder gern die Ehre des Dorfes oben halten. Es war sieben Uhr abends und alles in vollem Gange; Jubel und Gelächter an allen Enden, die niederen Stuben zum Ersticken angeiüllt mit blauen, roten und gelben Gestalten, gleich Pfandstä.'lcn, in denen eine zu grosse Herde eingepfercht ist. Auf der Tenne ward getanzt, dass heisst wer zwei Fuss Raum erobert hatte, drehte «sich da rau i immer rund um und suchte durch Jauchzen zu ersetzen, was an Bewegung fehlte. Das

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