Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 18 (5.5.1905)
- Date
- 1905-05-05
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 206 No. 18 JÜDISCHE *RUNDSCHAU Tatsächlich sind nun die Kinder erzeugenden Altersklassen in der Jüdischen Bevölkerung Osteuropas verhältnismässig geringer vertreten, als in der nichtjiidisclicn. Denn abgesehen davon, dass infolge der geringeren Kindersterblichkeit und der grösseren Langlebigkeit der .luden viel Kinder und Greise vorhanden sind, so verlieren sie unverhültnisniüssig viele Krwachsenc durch die starke Answandcrungsocwegung. Wenn auch die Jüdische Auswanderung teilweise eine Fanüiienaus- Wanderung ist, so bilden doch .weitaus das grösste Kontingent die Altersklassen von 15—35 Jahren, die Heiratsfähigen und Jungverheirateten. Aus diesen Gründen erscheint die Geburten* Ziffer der Juden Osteuropas kleiner als die der Nichtiudcn, ohne dass mau mit Ruppin anzuueiimcu braucht, dass die Vcrmchruiig der Juden weniger stark oder die Fortpflaiizungsfähigkeit geringer ist — wenn die Zahlen überhaupt zuvorlässig sind. Hätte Ruppin die Geburtenziffern der jüdischen und nicht* jüdischen Bevölkerung nicht nur auf dem europäischen Kontiueut, sondern auch in den Länden mit starker jüdischer Einwanderung mit einander verglichen, so würde er zu andern Resultaten gekommen sein. Vor der englischen Erenidencin* wanüerungskommission teilte Dr. Joseph l.nane (0. 1560- ,1559־) mit. dass im Ostende Londons die Geburtenziffer in den Distrik* teil mit überwiegend englischer Bevölkerung 31 35, in den Distrikten mit überwiegend jüdischer Bevölkerung aber 39 •IS auf 1000 der Gesamtbcvolkcruug beträgt. Dr. Slurley l'orst't Murphy•((). 3957) wies nach, dass in den Stadtvierteln Londons, in denen sich im Laufe der letzten 2 Jahrzehnte Juden in grösserer Anzahl niedergelassen haben, die Geburtsziffor nicht unbeträchtlich gestiegen, in dem Distrikt Limchouse, in dem nur wenig Juden wohnen, dagegen gesunken ist.’ Denn im Londoner Ghetto sind die kindererzeugenden Altersklassen stark vertreten. Dass die jüdische Bevölkerung auch Osteuropas sich sehr vermehrt, ergeben die folgenden Zahlen über die Bc* wegung der jüdischen Bevölkerung Galiziens, die ich dem Aufsatz von Dr. Korkis in der JÜDISCHEN STATISTIK entnehme: Zahl der Juden 1890 772 213 1900 811371 Mithin Zunahme 39 15S Zahl der Geburten 1890/1900 . . 315 073 39,8 °/״״ Zahl der Sterbeiälle 1890/1901» . . 166 966 21,1״״/״ Natürliche Vermehrung NS 107 Die Differenz zwischen der natürlichen Vermehrung (148 107) und der tatsächlichen Zunahme (39 I5S) 1 OS 949 ist der Verlust, den die Juden durch die Auswanderung erlitten haben. Trotz der enormen Auswandererzalil ־ mehr als ein Achtel der Bevölkerung innerhalb 10 Jahren! ■ diese hohe Geburtenziffer, trotzdem noch eine Vermehrung der Bc* völkerung! Die grosse Fruchtbarkeit der Juden hat auch dazu geführt, dass die Gesamtzahl des jüdischen Volkes, wie Ruppin a. a. O. S. 33 anninutit, sich seit 100 Jahren verdreifacht hat. Ich kann mich daher nicht davon überzeugen, dass die Juden eine geringere Eortpflanzungsfähigkeit haben als die sic umgebenden Stämme; die Statistik hat dies bisher nur für die wohlhabenden westeuropäischen Juden erwiesen. Also auch hierin sind die Juden nicht schwächer als andere Nationen und hoffentlich werden sic nach wie vor die geschworenen Feinde des Malthus bleiben. Hans Block. —I Aus der Bewegung r— Die Berliner Sehekelülock-Inhaber werden dringend ersucht, die Schekelblocks nebst den darauf eingegangenen Geidern unverzüglich an Herrn J. H. Wagner, Berlin N. Prenzlauer Allee 9, einzusenden. Der Vorstand. Berlin. Atn Montag, <J e n 8. M a i, abends S"‘ Uhr, wird Rechtsanwalt Dr. Hantkc in den Königs- Sälen, Nene Königstrasse 26 Eingang Wadzeckstr., über die Sitzung des Zentralkomitees vom 23.- 24. April 1905 Bericht erstatten. Der Vorstand wird beantragen, dass die Bcrlir.er Zionistische Vereinigung ihre Zustimmung zu der im Eingang des Blattes abgedruckten Erklärung des Zentralkomitees aus?sprie!1t. Die MitgHetDr werden dringend gebeten, reell( zahlreich in der Versammlung zu erscheinen. Besondere Eit ladungen ergehen nicht. Berlin, ׳lerr Br. Klee hat sich der ..Freien Verbindung Hasnioiiaea" ihr uns nächste Semester zu Vorträgen über ״Die Geschichte und Staatsverwaltung d-.s ovnaiiiscueu Reiches” in dankenswerter Weise zur Yen. ran׳’ gestellt. Die Vorträge finden jeden Sonntag. vormittags 1'י Uhr (pünktlich), im Restaurant Hnske. N.. Linienstr. 11! ptr. statt. Gesimnmgsgenossen, besonders Mitglieder der B. Z. V. sind als Gäste herzlich willkommen. Der erste Vortrag wird am Sonntag, den 7. Mal gehalten werden und die türkische Geschichte von der Urzeit bis zur Eroberung Konstantinopels (1453) behandeln, ln ähnlicher Weise sind weitere Vorträge aus verschiedenen Gebieten jüdisch-zionistischer Wissenschaft geplant. Ausser* dem wird alle 14 Tage ein Diskussinnsabend statfinden. Königsberg I. Pr. Am 10. April fand hier eine Ge* dächtnisfeicr für Moses Hess statt. Herr Dr. Pelz hielt eine ticidurchdachtc Gedächtnisrede. Posen. Bericht des Gruppenverhaudes über das abgclaufcnc Wintersemester. Der Gruppenverland trat im Septendier 1904 Ins Leben und setzte srch aus den Herren: Dr Jeremias, Lehrer Auerbach und Dr. Kollenscher als Vertreter der Ortsgruppen Posen. Schönlanke und F'ileime zusammen. Als wichtigste Vorarbeit für eine gedeihliche Distrikttätigkeit galt dem Bureau die Aktivierung der verschiedenen Schekel* zahlergriippen in der Provinz, die bisher i.er in den Schekelblocks ein verschwiegenes Dasein geführt hatten, und die Er-; langmig eines ständigen Kontaktes mit ihnen. Zu diesem Behuf litss das Bureau folgendes Zirkular an sämtliche Ortsvcr* cinigungcn des D strikts ergehen: ״Gemäss den Beschlüssen des letzten deutschen Delegfertentages ist für die Provinz Posen nebst dem Regierungsbezirk Maricnwcrdcr ein IVstriktsbureau mit dem Sitze in Posen geschaffen worden. Dasselbe hat sich jüngst kon* st'tuicrt. Ihm unterstehen sämtliche Gr::0pe:1 und Einzelschekclzahlcr in dem genannten Gebiet. Unsere erste Auf* gäbe ist es. mit den Gesinnungsgenossen t:״seres Bezirks uns über die Grundsätze ziotrstocher Arbeit zu verständigen. Für den Fortschritt unserer Klee und Bev. egurg ist der or־ ganisatorische und ge'stige Zusammenhalt und die Kleinarbeit nicht mir in den formell konstituierten Ortsgruppen, sondern gerade auch in den kleineren Gruppen mindestens ebenso wichtig wie die Propaganda in grossen Ycrsammhingen. Prinzipiell werden mir diejenigen Gruppen, welche das Bestreben mul die Eignung zeigen. Organisaf'onen und geistiges Lehen in sich zu pflegen und 7j erhaben, darauf rechnen di!rein, bei der Veranstaltung vor. öffentlichen Vor* trägen und Versammlungen von uns mittelbar öder unmittel־ har unterstützt zu werden. Unbedingte Grundlage für d e I'.rhaltuiig(' zionistischen Lebens in der Orbgruppe sind rege!- massige Zusammenkünfte, ein- bis zweimal monatlich, in denen Referate über aktuelle I־’ragen des z.ionist sehen oder allgemein jüdischen Lebens gehalten und zum Gegenstand der Diskussion gemacht, zionistische Zeitungsartikel oder Broschüren gemeinsam gelesen und debattiert werden. So-