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Jüdische Rundschau · 1905-05-05 · Heft 18 (5.5.1905) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 18 (5.5.1905)
Date
1905-05-05
Page
– (sequence 13)
Language
German
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No. 8נ JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 205 Ueber die Fortpflanzungsfähigkeit der Juden Unser Heinrich Sachse schreibt in Nr. 15 der JÜDISCHEN RUNDSCHAU: ״Das einzige, was vielleicht die Juden im Vcrgleiche mit anderen Nationen schwächer erscheinen lässt, ist die überall beobachtete geringere Fortpflanzungsfähigkeit der Juden im Vergleiche mit den sie umgebenden Stämmen, die freilich durch die grössere Fürsorge wieder aufgewogen wird, welche die Juden ihren Kindern zuwenden. Jedenfalls ist diese geringere natürliche Vermehrung kein Grund, ihnen die Lebenskraft abstreiten zu wollen." Mancher Leser wird überrascht gewesen sein. War doch im Anschluss an die bekannten Bibelstellcn seit den ältesten Zeiten die Fruchtbarkeit unseres Volkes sprichwörtlich. Und noch neuerdings nannte Bebel einmal die Juden die geschworencii Feinde des Malthus. . Da Heinrich Sachse es nicht für nötig hält, die Beweise für seine Behauptungen zu erbringen, sondern die geringere Fortpfianzungsfühigkcit der Juden gleichsam als eine bekannte Tatsache hinstelit, so möchte ich mir erlauben, sie auf ihre wahre Bedeutung zurückzuführen und einer Sagenbildung vorzubeugen. Richtig ist nämlich nur folgendes: 1. Ueberail wird bcobachtet, dass die Zahl unehelicher Geburten bei den Juden verhültnismössig weit geringer ist als bei den Niel•:;::Jen. Diese Tatsache ist aber nicht eine Folge der geringeren Fortpflanziiugstühigkeit der Juden, sondern der höheren sittlichen Anschauung. 2. In denjenigen Ländern, In welchen die Jude:: zu Wohlstand gelaugt sind, insbesondere im deutschen Reiche, ist allerdings in den letzten Jahrzehnten ein auffälliger Rückgang der Jüdischen Geburten zu verzeichnen, der zu ernsten Besorgnissen Anlass gibt Die Gründe hierfür sind teils sozialer Art, teils sind, wie sich nicht leugnen lässt, weite Kreise der Jüdischen Bevölkerung, besonders der Grossstädte, dekadent und demoralisiert. Aber diese Tatsache darf nicht verallgemeinert werden, sic gilt Insbesondere nicht für die Juden Osteuropas, für die Juden 1'n den amerikanischen und englischen Ghetii, kurz für die grosse Majorität des jüdisclicn Volkes. Eine Vergleichung der Fortpflanzungsfühigkcit der Juden mit der der sie umgebenden Völker hat eine zuverlässige Ehe- Statistik zur Voraussetzung. Zu richtigen Resultaten wird nur dann zu kommen sein, wenn die Durchschnittszahl der Kinder pro Ehe bei Juden und Nichtjuden berechnet werden kann. Eine derartige Statistik existiert aber für den oben au )geführte 11 grossem Teil des jüdischen Volkes nicht und daher wird nicht die Behauptung aufgcstcllt werden dürfen, dass die Juden eine geringere Fortpfianzuiigsfähigkeit haben als die sie umwohnenden Völker, zumal aus der vorhandenen Statistik — ihre Zuverlässigkeit vorausgesetzt — ein derartiger Schluss kaum gezogen werden kann. Ich gehe vielleicht nicht fehl, wenn ich annehmc, dass Sachse zu seiner Behauptung durch die Ausführungen des Dr. Arthur Ruppii! in seinem kürzlich erschienenen Buche ״Die Juden der Gegenwart" veranlasst ist. Ruppiu schreibt S. •15: ...... bis in die neueste Zeit galt die starke Vermebrung der Juden als eine ausgemachte Wahrheit. Die $tati'stik zeigt Jedoch, dass diese Wahrheit, soweit es auf die Geburtenziffer ankbmmt, heute wenigstens, nicht zutrifft." Es folgen sodann Zahlen, die tatsächlich ergeben, dass in einer Reihe von Ländern die Geburtenziffern der Juden, d. h. die die Ziner der lebenden Geburten aut 100h Personen der Jiidischeu Oesamtbevölkerung jedes Mal hinter der Geburtsziffer der N'ielitiudcu zuriiekbkibt, so sehr die Ziffern der einzelnen Länder von einander auch abweichen. So wurden nach Ruppiu auf 110«י Personen der Gesanubevölkcrung gleicher Konfession lebende Kinder geboren 11. a.: In bei den Juden bei den Andersglüub. Preussen (1900).19,•IS 36,27 Europ. Russland (ohne Finnland und Polen) (1&9-0 . . . 31,20 51,72 Galizien . . .38,01 45,09 Die russischen Zahlen gestatte ich mir mit einem Frage- Zeichen zu versehen. Im übrigen gewährt die Vergleichung der Gcburtszmern zweier Bcvölkerungsmassen einen Rück- Schluss auf das Verhältnis der ehelichen Fruchtbarkeit nur dann, wenn die beiden t3evölkeru»gsn1asse11 denselben Altersaufbau haben, d. h. wenn In beiden die verschiedenen Altersklassen verhältnismässig gleich stark vertreten sind, und gleich viel Ehen geschlossen werden. Denn cs ist klar, dass, wenn in einer Bevölkerung mehr Kinder und Greise vorhanden sind als in einer andern,* auch die Geburtenziffer der Gcsamtbevülkerung bei gleicher Fruchtbarkeit eine kleinere ist. Flintenlauf geklemmt, die andere geballt und die Stirn von einer Axt gespalten. Dies waren die Aussagen der Förster; nun kamen die Bauern an die Reihe, aus denen jedoch nichts zu bringen war. Manche behaupteten, um vier Uhr noch zu Hause oder anderswo beschäftigt gewesen zu sein, und sic waren sämtlich angesessene, unverdächtige Leute. Man musste sich mit ihren negativen Zeugnissen begnügen. Friedrich ward hercingerufen. Ert trat ein mit einem Wesen, dass sich durchaus nicht von seinem gewohnlichen unterschied, weder gespannt noch keck. Das Verhör währte ziemlich lange und die Fragen waren mitunter ziemlich schlau gestellt; er beantwortete sic jedoch alle offen und bestimmt und erzählte den Vorgang zwischen ihm und dem Oberförster ziemlich der Wahrheit gemäss, bis auf das Ende, das er geratener fand, für sich zu behalten. Sein Alibi zur Zeit des Mordes war leicht erwiesen. Der Förster lag am Ausgange des Masterholzes; über dreiviertel Stunden Weges von der Schlucht, in der er Friedrich um vier Uhr angeredet und aus der dieser seine Herde schon zehn Minuten später ins Dorf getrieben. Jedermann hatte dies gesehen; alle anwesenden Bauern becherten sich, cs zu bezeugen; mit diesem hatte er geredet, jenem zugcnlckt. Der Qcrichtsschreiber sass unmutig und verlegen da. Plötzlich fuhr er mit der Hand hinter sich und brachte etwas* Blinkendes vor Friedrichs Auge. ״Wem gehurt dies?“ — Friedrich sprang drei Schritt zurück. ״Herr Jesus! ich dachte, Ihr wolltet mir den Schädel eiiGchlagen.“ Seine Augen waren rasch über das tödliehe Werkzeug gefahren und schienen momentan auf einem ausgebrochenen Splitter am Stiele zu hatten. ״Ich weiss es nicht,” sagte er fest. — Es war die Axt, die mau in dem Schädel des Oben'örsters eingeklammcrt geiuttden hatte. — ״Sieh sie genau an,“ fuhr der Gerichts- Schreiber fort. Friedrich fasste sie mit der Hand, besait sie oben, unten, wandte sic tun. ״Es ist eine Axt wie andere,“ sagte er dann und legte sie gleichgültig auf den Tisch. Ein Blutfleck ward sichtbar; er schien zu schaudern, aber er wiederholte noch einmal sehr bestimmt: ״Ich kenne sie nicht.“ Der Gericht *Schreiber seufzte vor Unmut. Er selbst wusste nun nichts mehr, und hatte nur einen Versuch zu möglicher Entdeckung durch Ucbcrrasclmng machen wollen. Es blieb nichts übrig, als das Verhör zu sehliesscn. (Fortsetzung folgt.) \ \ / ß

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