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Jüdische Rundschau · 1905-05-05 · Heft 18 (5.5.1905) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 18 (5.5.1905)
Date
1905-05-05
Page
– (sequence 12)
Language
German
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,Seite 204 ־«* ”"־ז־ JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 18 NIssim Co han ow i tsc h, rcctc Cohen, ist Bankier und ״aufgeklärter“ Jude, das heisst, er bewohnt in der Landeskauptstadt ein eigenes, mit vielem Luxus ausgestattetes Haus, fühlt nur wenig für das angestammte Judentum und ist stolz auf seinen Verkehr mit hohen christlichen Beamten. Assirni- Jicrter und geradezu abstossend ist seine Gattin Esther, die am liebsten mit Juden überhaupt nichts zu tun hätte. See und ihr Manu *sind die typischen jüdischen Parvenüs, die in Unkenntn's des wahren Judentums alles Nichtjüdischc hochschätze!!, und bei jeder Gelegenheit ihren Reichtum zur Schau bieten. Mit der Erziehung ihrer Kinder Lelia und Lazar beschäftigen sie sich nicht allzu intensiv und so sind diese mehr sich selbst überlassen. Lazar ist Philosoph und Sozialdemokiat, Lelia hat eine gute allgemeine Bildung. Jüdisches ist ihnen beiden gänzlich fremd und auch ihr Verkehr beschränkt sich auf einige christliche Freunde. Vor allem sind der Richter Frunza und dessen Schwester Natalie Hausireunde. Lelia unterhält mit Frunza und Natalie mit Lazar ein Liebes- Verhältnis, wovon aber die Eltern Cohanowitsch nichts merken. — Frunza ist uns durch seine idealen Anschauungen nicht unsympathisch, seine moralischen Vorzüge werden aber mehr durch den Gegensatz zu Lelia’s aufgezwungenem jüdischen Bräutigam Emil Horn hervorgehoben. Letzterer ist ein roher, cmporgekonimencr Bauunternehmer, Materialist im schlechtesten Sinne des Wortes, ein Mann, der auf einen nichts weniger als tugendhaften Lebenswandel zurückblicken Kami. Wenn der Autor den Richter Frunza und den Geldprotzen Horn gegenüberstellt, so werden freilich die Juden durch dea letzteren recht schlecht vertreten. — Dafür cntschäd'gt uns aber die Hauptfigur Manasse, eine recht patriarchalische, Ehrfurcht gebicter.de Gestalt, ein ganzer Mann, der mit allen Eibern seines Herzens am Judenturne hängt, weil er es kennt. Bei seiner Betrachtung denken wir unwillkürlich an Lessmg's ,.Nathan“, denn auch Manasse spricht nur ernste. Worte der Wahrheit und Weisheit. Am Tage, an dem Manasse nach langer Zeit zu seinem Sohne Nissim Cohanowitsch in Begleitung des im Stücke herrlieh geschilderten Schadchens und Mäklers Selig Schor nach Bukarest kommt, entdeckt, der Richter Frunza Lelia’s E|tem seine Liebe zu ihr. — Nissim und Esther, die sonst wenig vom Judentume halten, bleiben bei dieser Eröffnung entsetzt und Nissim bcschliesst sofort, des Schadchens Selig Schor Heiratsvorschlag anzunehmen, um so seine Tochter vor der Heirat mit dem Oldsten zu retten. Lelia wird also auf der Stelle gegen ihren Willen mit Emil Horn verlobt und reist zur Besorgung ihrer Toiletten mit ihrer Mutter sogleich nach Wien, da die Hochzeit in kurzer Zeit stattfinden soll. Das Mädchen, das mit sich alles geschehen lässt, leidet furchtbar und trifft fast als Skelett am Hochzeitstage wieder in Bukarest ein. Um sich vor der Trauung mit dem verhassten Horn zu retten, will sie sch unmittelbar vorher das Leben nehmen, ändert aber im letzten Augenblick ihren Entschluss und flieht in ihrer Verzweiflung in Frunza's Wohnung. Es folgen erklärlichc Auftritte und erst beim Auseinandergehen der Hochzeitsgäste erfährt Manasse den Sachverhalt. Der alte Mann bleibt starr, denn er kann cs nicht fassen, dass ihm seine abgöttisch geliebte Enkelin Lelia diese Schande antun konnte. Um sie vom Untergänge zu retten, begibt er sich sofort zu Frunza und versucht ihn zu bewegen, Lelia freizugeben. Es entspinnt sich zwischen beiden ודס Gespräch, welches uns die Grösse und die Menschenkenntnis des alten Manasse im rechten Lichte zeigt. Aber umsonst erklärt er dem Liebhaber seiner Enkelin und ihr selbst, dass bei einer Ehe zwischen Juden und Christen au ein wahres, dauerndes Glück nicht zu denken ist; alle seine Vorstellungen bleiben fruchtlos und auch Lelia, welche ihrem Grossvater sehr zugetan ist, will nicht nachgeben. In seiner Verzweiflung fordert der alte Mar.r. den mit einem Male erscheinenden Sohn auf, von seiner väterlichen Gewalt Gebrauch zu machen und;eine minderjährige Tochtgr nach Hause zu ::ebnen. Als aber Nissim Cohanowitsch zögert, dieser Aufforderung seines Vaters Folge zu leistest, indem er sich äussert, dass .,die heutigen Zeiten dochanders seien“ wie die alten, da erkennt der arme Manasse plötzlieh, dass sein Sohn im Hinblick auf die leibliche Rettung seiner Tochter die Einwilligung zur Heirat mit dem Christen nicht versagt, und das versetzt ihm jäh den Todesstoss. Nach diesem Opfer bleibt Lelia ihrem Geliebten erhalten und so wird eher wider Erwarten die Ansicht der dritten, ״modernen‘• Generation der uns vorgcfiihrtcn Familie ״Siegerin“ über die ״veralteten“ Anschauungen des konservativen Manasse. — Das ist das Stück, durch das alles, was in Rumänien .literarische Interessen hat oder zu haben behauptet, seit Wochen in Spannung gehalten wird. Was natürlich keinen echten rumänischen Studenten hindern wird, gelegentlich mit seiner nationalen Standeswaffe, dem Knüppel, über die Juden herzufallcn, über deren Psyche er eben noch seiner neuesten Flamme so interessant vorzuschwätzen wusste. die Hände in den Taschen, gleichsam als stillschweigende Erklärung, dass sie nicht einzuschreiten gesonnen seien. Acht Forstbeamte wurden vernommen. Ihre Aussagen waren völlig gleichlautend: Brandes habe sie am zehnten Abend: zur Runde bestellt, da ihm von einem Vorhaben der Blaukittcl müsse Kunde zugekenunen sein; doch habe er sich nur unbestimmt darüber geäussert. Um zwei Uhr in der Nacht seien sie ausgezogen und auf manche Spuren der Zerstörung gestossen, die den Oberförster sehr übel gestimmt; sonst sei alles still gewesen. Gegen vier Uhr habe Brandes gesagt: ״Wir sind angeführt, lasst uns heimgehen.“ — Als sic nun um den Bremerberg gewendet und zugleich der Wind umgcschlagen, habe man deutlich im Masterholz fällen gehört und aus der schnellen Folg der Schläge geschlossen, «fass die Blaukittel am Werk seien. Man habe nun eine Weile beratschlagt, ob es tunlich sei, mit so geringer Macht die kühne Bande anzugreifen, und sich dann ohne bestimmten Entschluss dem Schlage langsam genähert. Nun folgte der Auftritt mit Friedrich. *Ferner: «nachdem Brandes sie ohne Weisung fortgeschickt, seien sie eine Weile vorangeschritten und dann, als sie bemerkt, dass das Getöse im noch ziemlich weit entfernten Walde aufgehört, stille gestanden, um den Oberförster zu erwarten. Die Zögerung habe sic verdrossen, und nach etwa zehn Minuten seien sie weiter gegangen und so bis an den Ort der Verwüstung. Alles sei vorüber gewesen, kein Laut mehr im Walde, von zwanzig gefällten Stämmen noch acht vorhanden, die übrigen bereits fortgeschafft. Es sei ihnen unbegreiflich, wie man dieses ins Werk gestellt, da keine Wagenspuren zu finden gewesen. Auch habe die Dürre der Jahreszeit und der mit Fichtennadeln bestreute Boden keine Fussstampfcn unterscheiden lassen, obgleich der Grund ringsumher wie festgestampft war. Da man nun überlegt, dass cs nichts nützen könne, den Oberförster zu erwarten, sei man rasch der andern Seite des Wnidcs zugeschritten, in der Hoffnung, vielleicht noch einen Blick von den Frevlern zu erhaschen. Hier habe sich einem von ihnen beim Ausgange des Waldes die Fiaschcnsclmur in Brombccrranken verstrickt, und als er!ungeschaut, habe er etwas im Gestrüpp blitzen sehen; cs war die Gurtschnalle des Ol erfönsters, den man nun hinter den Ranken liegend fand, grad ausgestreckt, die reelltc Hand um den N*K»**> ' ליי.*"-"

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