Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 18 (5.5.1905)
- Date
- 1905-05-05
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 199 No. 18 Sitzungsbericht des Zentralkomitees der Zionistischen Vereinigung für;Deutschland Am 28. und 24. April 1905 fand in Köln eine Plenar- Sitzung des Zentralkomitees der Zionistischen Vereiru־ gung für Deutschland statt. An derselben nahmen folgende Herren teil: Rechtsanwalt Dr. Bod en hc i me r- Köln a. Rh., Dr. Julius Moses- Mannheim, Rechtsanw alt Dr. H a n t k e - Berlin, Dr. Adler- Lübeck, prakt. Arzt M. Kauf m a n n - Freib irg i. Br., Gustav Wolf i- Köln a. R11., Assessor Dr. F r i e d c m a n n - Wiesbaden und D. W o 1! f s 0 h n - Köln a. Rh. Ferner als Gäste: Julius S i m o n - Mannheim, Dr. Edelstein- Bonn und Bcrthold F e i w e 1 ־ Berlin. Den Hauptpunkt der Verhandlungen bildete der vorstehend abgedruckte Aufruf, der nach langen Beratungen einstimmig gebilligt und angenommen wurde. Die Teilnchmer der Konferenz gingen von vornherein von der Ueberzeugung aus, dass bereits eine Klärung der vorhandenen Differenzen stattgefunden habe, und dass cs demnach angezeigt sei, eine feste Basis für die weitere Arbeit aller Zionisten zu finden. Dies ist in erfreulicher Weise gelungen. Wir gehen nunmehr aus der Phase der Erörterungen in eine Zeit der Tat über. Die programmatischen Voraussetzungen sind gegeben. Jeder, der sich auf Grund des verstellend entwickelten Programms an der Arbeit beteiligen will, wird uns hochwillkommen sein. 1111 Ucbrigcn beschäftigte sich das Zentralkomitee mit den inneren Angelegenheiten der Zionistischen Partei in Deutschland. Es wurde die Herausgabe eines A. B. C.־ Buches, einer au!klärenden Broschüre über Palästina und die Neuauflage der Nordau *sehen Broschüre ״Der Zionismus und seine Gegner“ beschlossen. Ausserdem soll ein zionistisches Adressbuch herausgegeben werden. Die Drucklegung desselben, ebenso die notwendig gewordene Neuauflage der Schckelblocks solle erst nach dem Kongress erfolgen. Die jetzigen Schckelblocks sollen insbesondere dahin abgeändert werden, das die Blocks selbst, wie die einzelnen Quittungen wieder hebräische Aufschriften erhalten. Ausserdem lagen Berichte des Zentralbureaus, des Schatzmeisters, sowie des Pressausschusses und der Literarischen Kommission vor. Von der Einberufung eines besonderen Delegiertentages vor dem 7. Kongress wurde Abstand genommen. Dagegen wurde beschlossen, dass die Landsmannschaft in Basel zwei Tage vor Eröffnung des Kongresses zusammentreten soll. Die Berliner Unterzeichner des Aufrufes ״An die Zionisten“, der vor kurzer Zeit einer Reihe westeuropäischer Zionisten zugegangen i>t. hatten seiner Zeit von der Publikation dieses Aufrufes Abstand genoinmen, da sich die Möglichkeit einer einheitlichen Kundgebung der deutschen Organisation bot. Es hat nunmehr am 23. und 24. April 1905 ,eine Sitzung des Zentralkomitees der Zionistischen Vereinigung für Deutschland stattgefunden, an der von den Unterzeichnern des ״Aufrufs“ die Herren Bcrthold F e i w e 1 ־ Berlin und Julius Simon- Mannheim tcilgenommen haben. Das Ergebnis dieser Sitzung ist die Erklärung, die in dieser •Nummer der JUEDISCHEN RUNDSCHAU publiziert wird. Die Unterzeichner des ״Aufrufs“ schliessen sich dieser Erklärung in allen Punkten an und freuen sich, dass so die feste Grundlage für eine gemeinsame Arbeit aller deutschen Zionisten gewonnen wurde. Mitteilungen des Zentralbureaus der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Wir machen hierdurch sämtliche Inhaber von Schckelblocks darauf aufmerksam, dass die Ablieferung der Schekclgelder nunmehr energisch in die Hand genominell werden muss. Wie bekannt, schliesst das Rechnungsjahr am 30. Juni d. J. Bis zu diesem Tage müssen daher sämtliche Schekel beim Aktionskomitee eingegangen sein, 7 oiern die Schekclzahlcr ein Wahlrecht zum Kongress haben wollen. Wir müssen dringend darum ersuchen, dass die Schekelgelder im Laufe des Monats Mai an unseren Schatzmeister zur Ablieferung gelangen. Moses Hess Ein Vorkämpfer der jüdischen Nationalitäts- Idee und des Zionismus. Von Dr. phil. Abraham S c h a p i r a. (Schluss.) Durch seine Identifizierung des Judentums mit den! Spino- /.'sinus beantwortet Hess auch d e vieliach aufgeworfene Frage, warum im alten Testament von Unsterblichkeit der Seele kc'ne Rede ist. Das Judentum, sagt Hess, keimt kein Seelenheil des isolierten Ind. viduums, wie nach den modernen religiösen Vor- Stellungen. Das Judentum kennt das Individuum nur im Verein* mit der Familie, die Fan/lie mit der Nation, die Nation mit der Menschheit, die Menschheit mit der Schöpfung und diese mit Gott. Das ist echt spinoz/stisch. Denn sobald es nach Spinoza nur die eine Substanz oder Gctt gibt aus dessen Wesen alles logisch notwendig folgt, so ist der menschliche Geist!in Gott und ein Teil von ihm. Man kann demnach hochstens von der Ewigkeit sprechen. Die Ewigkeit des Geistes fängt nicht erst nach unserem Tode an, sondern ist wie Gott stets gegenwärtig. Die Jenseitigkeit, d. h. die zeitliche Beveguug des Geistes zum göttlichen Leben, ist überflüssig. Wenn der Mensch die höchste Stufe der Gotteserkenntnis erlangt hat, genicsst er schon im Diesseits des göttlichen Lebens. Zwar hat auch das Christentum die Völker, die die Heiligkeit durch Entsagung und Negation des Lebens erreichen wollten, zum Geist zu erheben und für eine zukünftige, bessere gött- Lehe Welt vorzubreiten gesucht. Allein er hat diese Welt als eine jenseitige gedacht. Erst Spinoza hat dieses Jenseits in ein Diesseits umgewandelt Der jüdische Unsterblichkeitsgedanke hat nur Bezug auf die ganze Nation, d. h. er ist mit dem nationalen Messiasglauben zugleich entstanden. Da mm zur Zeit der Abfassung des alten Testaments die Nation noch fortbestand und keine Auferstcliungsgedankcn hatte, konnte die Unsterblichkeitsidee nicht atiftauchcn. Audi in der rabbinischen Literatur hat stell kein ausgeprägter Unterschied zwischen der Idee des zukfmftigert Lebens und dem Mcssiasgiauben gebildet, wie denn auch Nachmanides die Identität dieser beiden Ideen gegen Maitnuni verteidigt. Das Judentum verkörpert übrigens als historische Erscheinung die Ewigkeit des Geistes und hat daher nicht nötig, diese besonders hervorzuheben. Lange hatte man das Reich des Geistes, welches die Propheten verkünden, als ein jenseitiges gedacht. Erst Spinoza hat dieses Rech als ein gegenwärtiges aufgefasst. Das Judentum kennt nur das Ewige tu Natur und Geschichte. Der spiritualistische Ego’smus und materialistische Individualismus ist ihm fremd. Das Reich des Geistes, meint Hess, ist mit Spinoza schon angebrochen, aber es!:st noch im Keim. Au der Entfaltung dieses Heimes arbeiten zusammen mit dem jüdischen Volk die modernen Völker, Deutschland, das vornehmMch in der Philo- % 4 V f ■X y