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Jüdische Rundschau · 1905-04-19 · Heft 16-17 (19.4.1905) · page 20

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 16-17 (19.4.1905)
Date
1905-04-19
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Seite 192 JÜDISCHE Überzeugung. sich lieber dorthin wendet, wo man sic respektiert. als an eine Stelle, für die jeder Leutnant vor dem Dichter rangiert und der jeder Hnfberieht wichtiger ist als die glänzendste Kunstkritik. Vor einigen Jahren defilierte in Warschau der gesamte polnische Adel vor Heinrich Sicnkiewiez. Fontane dagegen hat sich nach den Bredows, Arnims. Kncsebccks etc. an seinem Ehrentage vergebens umgesehen, aber wer da war und die respektvolle Verbeugung vor dem Dichter machte, war Herr Cohn!“ Traurig, Herr Busse, aber wahr! Von Beerseba bis Dan . . . In der letzten Militärdebattc im Reichstag haben die antisemitischen Wortführer sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, die jüdischen Soldaten zu beschimpfen. Der Ritualmordböckler, der bekanntlich auch jüdischen Stimmen seine Wahl verdankt, die aus falschverstandcnern Patriotismus, den deutschen Antisemiten dem Polen vorzogen, der ausdriicklch seinen nichtantisemitischen Standpunkt offen aussprach, zitierte dabei auch das biblische Wort ״von Beerseba bis Dan“. Dizu erlauben wir uns eine Geschichte hier zu wiederholen, die den prcussischcn Staatsrat F r. v. Stägcmann zum Gcwahrsmann hat. ״Der Dichter A . . . v. A . . (Wir bemerken in Parantliesc. dass ein Teil seiner Werke 1S92 von Ludwig Geiger herausgegeben wurde) erschien im lahre 1S11 in einer Abendgesellschaft bei Madame S. Levy geh. Itzig (in Berlin) uncingcladcn, wurde von dem Neffen derselben, dem ältesten Sohne des Baurats Itzig. dieserhalb angeredet, beleidigte diesen und lehnte, als er später von ihm gefordert wurde, das Duell ab. weil, wie er schrieb, eine Ycrsammimg von sieben Freunden, wcchc er befragt, entschieden habe, er brauche sch mit einem Juden nicht zu schiessen. Itzig ging 1813 als freiwilliger Jäger mit zu Felde, in der Schlacht bei Lützen riss ihm eine Kanonenkugel das rechte Bein iort. er wurde nach Dessau gebracht, wo er starb und liegt dort begraben. A. v. A. hat den Krieg, obwohl damals in den rüstigen Mannesjahren, nicht mitgemacht. Auf diese Geschichte schrieb 1813 der Staatsrat Fr. v. Stägemann f״lgende Verse, welche in seiner Handschrift vorlicgen. Eine Geschichte. Der Jude fordert dett Edelmann. Der Edelmann fragt Seinesgleichen, Ob er dem Juden möcht' auswcichen? Die edle Jury also begann: Dem Juden gibt der Edelmann, Mit Kugeln nicht :Bescheid, allein mit Peitschenhieben; So steht's von Beerseba bis Dan Von Potsdam bis Berlin geschrieben. — Trotz diesem Spruch der edlen Sieben Sind alle beide doch geblieben! Wie ging das zu. das höret an: Die Kriegstrompete scholl nach hüben und nach drüben, Zu Hause blieb der Edelmann. Der Jud' ist in der Schlacht g e b 11 e b c n.“ Ob Herr Böckler. dem sein junkerlicher Gesinnungsfreund Liebermann von Sonnenberg so nahe ist, im .Reichstag oder wenigstens seinen jüdischen Wählern aucli diese Geschichte »Von Beerseba bis Dan“ und von dem Gegensatz deutscher Tapferkeit und jüdischer Feigheit in den Befreiungskriegen von 1813—1815 erzählen wird. Vielleicht holt es Liebermann nach, wenn Herrn Böckler sein Gedächtnis verlässt. Jüdisches SdDsibewusstsein Einige hiesige Tageszeitungen, die immer gut unterrichtet sind, manchmal aber über die selbstverständlichsten Dinge in Staunen geraten, regten sich kürzlich darüber anL dass in dem Warschauer ,.Polizeibefehl*• zu lesen war: ״Der Herr Oberpolizeimeister teilt mit, dass das Ministerium des Innern dem ausländischen Juden, Professor an der Universität in Berlin. Leopold Ca s per, erlaubt hat. für kurze Termine zur Behandlung Scli .verkranke nach dem Reiche zu kommen. Ich beauftrage Jeshalb die Bezirkskommissare, mich von der Ankunft dieses Juden in Warschau durch Vermittelung der drittem Abteilung unter .Beifügung seines Nationalpasses zu unterrichten.’׳ Den Blättern scheint ganz unbekannt zu sein, dass in Russland alle deutschen Juden, die nicht Handlungsreiser.de sind, derart als ״fragwürdige Individuen" behandelt werden. Kurzum, eine Berliner Zeitung liess den Prozessor C a s p e r Interviewen, und er äussertc sich wie folgt: ״Wem ich selbst auch das Glück gehabt habe, bei meinen Besuchen in Russland von den Behörden unbehelligt geblieben zu sein, so wejss ich doch, dass viele Kollegen endlosen Schikauierungen ausgesetzt sind, sobald sie, selbst im Dienste der Wissenschaft, russischen Boden betreten. Dagegen müsste sich doch von seiten unserer jy^DSCHAU >0. 16/17 I Regierung etwas tun lassen. Was der Präsident Rooscvelt meines Wissens iiir die jüdischen Bürger Amerikas durchgesetzt hat, dass s׳e nämlich in Russland ebenso wie die andere!׳ behandelt werden, das sollte doch auch Deutschland von einer .,befreundeten Macht" erlangen können. Und steht der russisehen Regierung, um auf •meinen speziellen Fall zurückztikouimen. die deutsche Wissenschaft dafür nicht hoch genug, so denkt sie vielleicht an die vielen russischen Kranken, die nun einmal Vertrauen zu den deutschen Acrztcn haben.’’ Wir wissen nicht ob Herr Professor Casper sich deutschnationa! oder jüdischnational fühlt aber der letzte Satz scheint uns weder eines Deutschen noch eines luden würdig. Noch - - -1 selbstloser ging's nicht mehr gut Herr Professor! Wissenschaft des Judentums Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums ln Bcrlu, Lindcnstr. dS'SU. Verzeichnis «1er im Sommer-Semester 19•\s zu haltenden Vorlesungen. Dr. Baneth wrd lesen: I. Talmud stat. Kiddtiscln!!. Cap. II (Forts). *I Stunden, Montags und Donnerstags 9 I! Uhr. 2. Jt re De'a (Tur und Sditiichan *Aruch 91 - 94). 2 Samden. Montags und Donnerstags 11-12 Uhr. 3. Eben ha’ezer XVII (Forts), I Stunde. Montags 12—1 Uhr. *l. Kalenderkunde. 1 Stunde. Donnerstags 12 1 Uhr. 5. More Nel ticiiim II (Forts). 2 Stunden. Dienstags und Freitags 11 12 Uhr. 6. M.sehne Thora. 2 Stunden. Montags und Donnerstags 8 9 Uhr. Dr. Ei bogen wird lesen: 1. Pentateuch mit alten hehr. Kommentaren. 2 Stunden, So: ntags und Mittwochs I 1 —11 Uhr. 2. Geschichte der Schriftauslegung. 2 Stunden. Dienstags 10 bis 12 Uhr. 3. Talmud curs^Mcgiiia Cap. II, •; Stunden. Sonntag und Mittwochs 8 10־ Ur.r. -1. Geschichte der Juden :in tannaitischen Zeitalter, 2 Stunden. Dienstags 9 I!׳. Freitags 10!1 Uhr. 5. historische Uebungen. l'e Stunde!; Freitags 11-12’-. Pro:.. Dr. M a y b a u m wird lesen: I. Midrasch Tauchuma (Forts.), 1 Stunde, Dienstags 8-9 Uhr. 2. 11״m!ietiscne L'etnmgen, 2 Stunden, Ere.tags S—10 Uhr. Dr. Yahuda wird lesen: 1. Prophetische Texte n historischer Felge, 1־ Stunden, Montags, Donnerstags II 12, Mittwocns 10—12 Uhr. 2. Das Buch der Ricnter m:t Berücks.cntigung textKntiscner Fragen, (nlr Amanger). 2 btunde.i, Montags 9—11 Uhr. 3. Granimatiscne und sul.st.scnc Ucbimgen im Hebräischen mit \crgieicmmg der anderen semitischen Sprachen, 2 Stunden, Freitags 8—10 Uhr. Die Eröffnung des Somnier-Scmcstcrs findet am 2. Mai um 11 Uhr vormittags statt. Als Zuhör-er für de Vorlesungen smd in erster Lime die rite immatrikulierten Studierenden der hies.gcn l'nivers.tat — und zwar onne Unterschied der Fakultät — in Aussicht genommen. Auch andere Personen können auf Grund besonderer r.rmächtiguug an den Vorlesungen teilnehmen. D.c Anmeldung criolgt bei dem zeitigen Vorsitzenden des Lehrer-Kollegiums, Herrn Rabb. Dr. E. Bancth, in seiner Wounung, koSeiiinaierstr. 25, täglich (mit Ausnahme der Sabbathe und jüdischen Festtage) von 3 4 Uhr. B e r I: n, im April 1995. Das Kuratorium der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums. Rundschau der Presse Dem HAZOEE vom 2S. März entnehmen wir aus einem Rundschreiben des BaUaer Rayouvorstchers folgende hochinteressante Stellen: .,L>.e Anzahl der Mitgl.edcr des grossen A.-K. soll stets hu r 23 se;n. Demzufolge wird cs der Zentral lcitung leichter sein, in bestand,ger 1 üulung mit sämtlichen Mitgl edern ze bleiben, auf Fragen prompte Antworten zu e«'־ .halten und hu Bertarf eine Versammlung einzuberufon. Fünf Mitgl.eder dieser Rörperscnait. von denen drei an e.ncni Urte und zwei in der Nahe wohnen müssen, bilden d־,e Zentrale * - das kle.ne A.-K. Diese drei an einem Orte wohnenden ״Mitglieder des kleinen A.-K. müssen alle zwe; W ochen und mit den beiden andern alle vier Wochen 2u einer Sitzung Zusammenkommen. Die Haupttätigkeit des kleinen A.-K. soll dann bestellen, die Beschlüsse der Kongresse zur Ausführung zu br.ngcn. Da diese fünf A.־K.־Mitgl eder nicht sämtliche zionistische Arbeiten, innere wie äussere, Leiern können, zumal sie noch in einer Stadt bezw. in einem Lande wohnen und sich über die Bedürfnisse der Zionisten anderer Länder nur br.cflich informieren können, ist es angebracht, von dem grossen A.-Knoch 7—8 Mitglieder zur Bildung eines ־,.Initiativorgans“ heranzuziehen. Die 7 8 Mitglieder müssen aus solchen I.än-

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