Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 16-17 (19.4.1905)
- Date
- 1905-04-19
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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No. W17 Seite 193 JÜDISCHE RUNDSCHAU dem gewählt werden. In denen .der Zionismus, sei es durch die Zahl seiner Anhänger oder politische Interessen eine grössere Tragweite besitzt (Russland. Amerika, England und die Türkei). Die Obliegenheiten «des Initiativorgans sollen darin bestehen, 1. dreimal jährlich zu einer Beratung zusanunenzukommen, 2. auf den Gang der zionistischen Arbeiten sämtlicher Länder sein Augenmerk zu richten, nämlich die Arbeiten zu erweitern und mit Hilfe der Laudcszcntralen zu regeln; 3. samtliehe zionistische fragen, die vo.n einem Kongress bis zum anderen auftreten, zu registrieren; *I. über fragen zu diskuticrcn. die der Oeffentlichkeit nicht übergeben werden können, selbst nicht den übrigen Mitgliedern des grossen A.-K.; 5. Beschlüsse zu fassen über Arbeiten, die unverzüglich vorgenommen werden müssen. Da das grosse A.-K. von jetzt ״ab nur aus 23 Mitgliedern besteht, müssen unbedingt noch 30—35 Vertrauensmänner zugezogen werden, die dann ein Komitee bilden, das die Leitung der zionistischen Gesamt- Organisation iuuehat. Diese 30—35 Vertrauensmänner werden auf dem Kongresse gewühlt. In den Jahren, in denen kein Kongress stattfiudet, werden diese 30 -35 Vertrauensmänner zu einer, Jahreskonferenz zusammenberufai. Die Wahlordnung ist demzufolge auf diese Weise vorzunelmiai. Der Kongress wählt 5O—60 Personen zur Le'tung der zionistischen Orgänisation: von diesen bilden 23 das grosse A.-K., hiervon 12 13 das ״Initiativorgau“. vo!1 diesen 5 das kleine A.-K. (aus Russland z. B. 30—35 aus den 50 be/.w. (-0 zuerst zu Wählenden, 7- 8״ zum grosreu A.-K.. hiervor, zwei zum Initiativorgan und c’neu zun! kleinen A.-K.“ Was nun den Sitz und die Persönüchkciten der neuen Leitung ar.geht. heisst es weiter: ״Am geeignetste;} wäre Berlin, und als Vorsitzender des A.-K-!,ruf. War bürg, der seit Jahren in unserer Bewegung ist lind in der Palästinakoimr'ssion Bedeutendes geheistet bat; auch er ist durch seine wi>sensc!1aft!ichcn Leistungen um! hervorragende persönliche Eigenschaften uns seit langem bekaimt. Als zweiten würde ich Dr. Tschlcnow vorschlagen. Ich hin davon überzeugt, dass er schien Wohnsitz nach Bcrlhi verlegen würde, wenn cs im Interesse der Bcwegung erforderlich sein sollte. Als drittes Mitglied schlage ich Dr. Oppenheimer vor (vorausgesetzt, dass ihn zu uns nicht nur seine Pläne bzgl. der Bodenreform geführt haben) oder ehien anderen bekannten Berliner Zion's’tcn. Ausserdem liegt Köln wo Wolfsohn und Bodcnheimcr wohnen, nur acht Stunden von Berlin entfernt. Damit haben wir die fünf Mitglieder des kleinen Komitees A.-K. E!ne bessere Kombination kenne «'ch nicht. Einen Vorschlag machte icli hei der letzten Sitzung des grossen A.-K. Es ist den Mitgliedern des grossen A.-K. bekannt, dass dasjenige, was hinsichtlich der UmuügFchkcit der Besiedelung von E1 - A r i s c h auf dem 6. Kongress gesagt wurde, sich nur auf den südlichen Teil dieses Landes bcz'cht. während man im Norden vielle'cht noch eine grössere Anzahl von Juden kolonvicrcii könnte als in Uganda. Die zu diesem Zwecke crforderbchcn Vorarbeiten waren bereits in Angriff genommen, als das kleine A.-K. diesen Punkt von der Tagesordnung absetzte -in der Erwägung, dass man in Uganda c'uc für viele Tausende unserer Brüder fruchtbi'rerc Tätigkeit entfallen könnte. Nachdem cs sich jedoch hcrausgestclit hat. dass chic Kolonisation in Uganda in Bezug' auf den ökonomischen und polit'schen Wert von geringer Bcdeutung wäre muss man sich wiederum mit dem E!-Arisch* Projekt beschäftigen. Daher echt mein Vorschlag dalrn. diese frage auf dem Kongress zu d:skt1t;crc11, den Bericht der Ex* oedit:on. die 1ms 50 0011 Rubel gekostet hat zur Verlesung zu bringen: vielleicht f'iiden es die Delegierten des 7. Kongresses für richtig in diesem Lande 111׳t der Kolonisation zu b־׳- g'nuen. Wenn ma״ auch davon überzeugt wäre, dass 5«r nuant'tativo Wert einer Besiedelung von EI-Arisch ecringer als der in Uganda ist (nach dem Bericht der Exoeditüm könnte man in EI-Arisch וחי ersten Jahre 1500 Arbeiter heschuftigen, während in Uga״da die dopneltc Anzahl kolon:»;crt werden könnte (??). so stcM doch der aualitativc Wert von El-Aricch bedeutend I1ö»1cr als der Ugandas, teils durch die geringeren Kosten der Besudelung teils durch die Nähe von Palästina. Und was den noftischcu Wert anhetrifft. so ist er b:cr wie dort etne**. D:o. R«g\evv«g sträubte sich so'ncr Zeit nur gegen d׳'e Herv^bo von Nilwns«er. aber zu ״׳,״er Kolomsation de« nördliche״ Teiles bedarf e« mcht d^s Nils. Ich halte cs für noiwmubV dass unsere Ciesinnunes- ״ennssen ihr Aueen»״crk darauf richten, bevor der 7. Kongress unmittelbar vor der T ii r steht'.’ Im februarheft des HASCHILOAH macht Bczalel Klausner den Zionö-Zion, die die Besiedelung Ugandas den anderen Gesellschaften übergeben wollen, den Vorwurf der Iukonscauenz. Er weist darauf hin, dass mit diesem ״Übergeben“ des Ugandaprojektes der Zionismus in seiner Würde herabgcsetzt wird, indem dadurch der Glaube an den endgültigen Sieg unserer Bewegung in Bezug auf eine Gesamtvertretung aller Juden bezweifelt wird. ..Der Kongress muss annchtncn. dass der Zionismus auch bei der JCA und den anderen Gesellscliaftcn Eingang finden ward, und dass alle mit der Zeit nicht für Uganda, sondern für Palästina arbeiten werden. Ohne diesen Glauben darf sich der Kongress das Attribut ״zionistischer“ nicht.beilegen. Haben doch sogar verschiedene Gesellschaften bereits mit uer Besiedelung Palästinas begönnen und können wir uns daher der Hoffnung hingeben, dass sic sich in Zukunft noch mehr damit beschäftigen werden. Wenn aber die Aussicht vorhanden ist. dass sich die verschicdenen Gesellschaften unserer nationalen Arbeit zuwenden werden, dann haben wir nicht das Recht, diesen Körperschaften einen andern Vorschlag zu unterbreiten, indem alle Gc Idc r. die für Uganda a u f g c w c n d e t würden, der P a 1 ä s t i 11 a s a c h c v c r I 0 r e 11 g e h e n. Und daher müssen alle Z'oirstei: diejenigen bckämpiai, die Uganda den anderen Gesellschaften übergeben wollen. Ein zionistischer Kongress darf dieses nicht tun. Und wenn er cs trotzdem tut. und die Ugandafragc nicht vollständig \on der Tages-• Ordnung setzt, ganz gleich, ob der Bericht der Expedition günstig oder ungünstig lautet, daun wird der siebente Kongress kein zionistischer mehr sein, sondern irgend eine jüdische Vcr- Sammlung - und nichts weiter.“ Wik. Aus den Vereinen Im Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hielt am Dienstag, dem 11. April. Dr. L11 d w i g H o 11 ä 11 d e r- München einen Vortrag über ..D i e politische und soziale Lage der Juden in Bayern“, Der Vortragende zeigte, wie sich die Lage der Juden in Bayern andauernd verschlechterte. Der Antisemitismus komme hier von unten und sei von einer starken wirtschafltchcu Strömung getragen, die alle Parteien ergreife. 111 der Diskussion fragte unser Gesinnungsgenosse Dr. Pinkus. was denn der Vorstand des Zentralvereins gegen Herrn Professor Geigers Vorschlag tun wolle, einem Teil der deutschen Judenlieit die politischen Rechte zu entziehen. Der Vorsitzende gab zu. dass Geigers Vorschlag eine ״Unvorsichtigkeit“ sei. und plädierte ini wesentliehen nur für mildernde Umstände. (Aus welchen Gründen?? D. Red.) unternehmen werde der Zciitralvcrein gegen Geiger nichts. Der Verein zur Pflege hebräischer Musik hat den Dozcnteil. Herrn Dr. Leopold Hirschberg für einen Vortrag Kiöiüniia». ua\>a1 Thalia lautet: ״S a I o n: o n R 0 s s i, ein jüdischer Musiker am Hute zu Mantua”. Der Vortrag wird am 1. Mai d. J. Abends 8 Uhr, im grossen Fcsisaalc des Logeuhauscs. Joachimsthalcrtrasse 13. stattfiusic». Ausserdem gelangen Kompositionen von R o s s i durch den Vereinschor unter Leitung des Kapellmeisters A. Kellern! an 11 zur Auffiihrung. Billetts ä I Mark sind hei Bote & BocK Leipzigerstrassc 37. sowie an den mit Plakaten belegten Stellen zu erhalten. Das jüdische .Mädchenstift, Lothiiugerstr. 6, bietet nach seinem eben ausgegebenen 15. Jahresbericht in einem besonderen, von der Hausmutter Frau Henriette Bau geleiteten .Heim. 16 unbemittelten jüdischen Mädchen unentgeltlichen Unterhalt tnd hauswirtschaftlichc Ausbildung. Die Anstalt hat im abgelaufenen Jahre 8 und im ganzen bcrc'ts 76 Zöelit•״-' in den Dienst treten lassen und unter diesen 13 für 2—9jährige treue Pflichterfüllung hei derselben Dienstherrschaft durch eine Prämie ausgezeichnet. Zur Fortführung seiner verdienstlichen Wirksamkeit bedarf das Stift, das i!n ganzen 95-17 Mk.. d. h. pro Kopf 596 Mark ausgegehen. ein Vermögen voa rund 500 19־ Mark hat. dringend grösserer Mittel. Vorsitzende sind Waisenhaus-Direktor Dr. Strelitz und Frau Julie Neinnann. Die Oencral-Vcrsanmilung. zu welcher auch Gäste willkommen sind, findet Montag, den 27. d. Mts. 5 Uhr. Selmdowstr. 6. statt. Der .,Hilfsvereln der deutschen Juden” hat in Mannheim, in Bremen und in Magdeburg Zwcigverc.'nc gegründet. Persönliches Unsere lieben Ereundc und Gesinnungsgenossen Zahnarzt Hugo S c 11 a e 111 c I in Breslau und seine Frau Frieda, geh. Schachtel, wurden durch die am 17. April erfolgte Geburt einer Tochter Eva Ruth erfreut. Wir gratulieren herzlich und sind sicher, dass mit den unseren eine grosse Zahl der deutschen Zionisten, denen Schachtel ja kein Fremder ist, ihre Wünsche für die kleine Zionistin und deren Eltern nach Breslau senden.