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Jüdische Rundschau · 1905-04-19 · Heft 16-17 (19.4.1905) · page 17

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 16-17 (19.4.1905)
Date
1905-04-19
Page
– (sequence 17)
Language
German
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No. 16/17 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 189 staUungen lieferte die Fuxcnprüfuug ein gutes Resultat. Neun Fllxe konnten als Burschen ausgenommen werden. Zur Konzentration des Vereinslebens trug viel das neue Kasino, Gipsstr. 12 a, ,bei, wo sich au■־:!! an den nicht offiziellen Abenden häufig eine Anzahl von Mitgliedern zusammeniinden. Hier findenauch die Arbeiterkurse statt, die der Verein Jüdischer Studenten gemeinschaftlich mit der Freien Vercinigung Hasmonaca organisiert hat und die schon fetzt einen schönen Eriolg versprechen. Auch an den andern Ver* anstaltungeu zur Belehrung der Arbeiter, in der jüdischen Toynbechalie und in der Arbeiterkolonic Wcisscnsce, beteiligte sich der Verein. Neben diesen tnamiig.'achcn Arbeiten blieb dun verein Jüdischer Studenten auch noch Zeit zu gcsell.gen Kneipen und Familicnabeuden, die verschiedene Mitglieder durch Vortragen jüdischer Gedichte und Lieder verschönten. Am 2*1. Januar fand in den Fcstsfilen des Ausstellungsparkes das \v.ntenest ücs Vereins statt das zur Zutrieaeuneit alter Teilnehmer verlief. — Mit guten Aussichten tritt der Verein in das neue ben.ester ein, in dem er bereits sc.u z c 11 n j ä h r i g e s Stiftungsfest feiern kamt. Berlin. Der zweite Jüdische Turn tag. Am 23. und 24. April wird in Berlin die Jüdische Turnerschatt, der Verband der nationaljiidischen Turnvereine, ihre zweite ordentliehe Versammlung, de-1 sog. Jüdischen Turntag, abhalten. Bei der autsteigeuden Entwickelung und bei der wachsenden Ver* brcitung der jüdischen Turnvereine verdient der Jüdische Turntag ganz besondere Beachtung. Gelegentlich" der Yeran* staltuug soll ein Schau tu neu und eine ö:.entliehe Versammhing stattfinden. Ausserdem soll auf diesem Tunnage die Stellung der i ii d i s c 11 e n T 11 r 11 v c r e i n e zu in Zionismus und zu anderen Turnveremigungen festgelegt werden. Leipzig. Donnerstag, den 14. April sprach Herr Prof. Dr. 0. W a 1 b 11 r g - Berlin in der hiesigen Zionistischen Vcreinigang über das Titeina: Die wirtscnattliche Entwicklung und Zukunft J-’alüstinas. Es fanden sich zu dem Vortrage ungefähr 200 Personen, darunter viele Akademiker, ein. die gespannt den treulichen Ausführungen des Redners lauschten. Es schloss sielt zwar keine eigentliche Diskussion an. jedoch einige aus dem Publikum an den Vortragenden gerichtete Fragen wurden von diesem in gediegener und zti.riedeustcllender Weise beantwortet. Auch ein materieller Eriolg ist aiiiztiweisen, indem Mk. 30.—־ für Anpflanzung von Oelbäumea in Palästina gesammelt wurden. Cöln a. Rh. Am S. April fand eine Versammlung anlässlieh des Hcss*Gedenktagcs statt. Referent Dr. Epstein- Duisburg behandelte in ausführlicher Darlegung das philosopn.sc.1e Lcocnswerk von Hess, das inn immer wieder zu se.netn Volke führte und ihn sein ״Rom und Jerusalem“ schreiben hiess. Er war nicht nur der Vorläufer des Zionismus, er war son Begründer und cs gibt kaum eine Frage ücs modernen Zionismus, sowohl praktischer als theoretischer Art, die er nicht vorausschauend erörtert und im radikal-zionistischen Sinne gelöst hätte. Sein Buch solltt uns keine antiquarische Lyon. Eine fremde Hand hat darunter geschrieben: ״Mon enfant! Si taeuissesü 1870—1S71.“ Dann folge״ unvermittelt die Namen: A. Alillard, Too per Rejebura, Sion. Nach Ausweis des Fremdenbuches waren gleichzeitig im gleichen Jerichocr Hotel mit dem streitbaren französischen Dekan von Deutschen nur der Pastor prin1ari׳.:s von Bremen und der Oberregierungsrat A. v. Awigder aus Wiesbaden. Liebenswürdiger öussert sielt um diese Zeit der italieuisc'hc Patriotismus im Eremdenbuche: tß. 10. D. Giuseppe Vicini. Saluzzo (Italia)״, Delle fresca aqttc dcl Monviso alle ealde c torbide del Giordanoü Viva 1' Italia!... Ho peregrinato cinque volte in Palcstina in penitenza de mei peccati ......“ (Von den frischen Wassern von Monviso zu den heissen und dunkel strömenden des Jordan!! Lebe Italien! . . . Ich habe fünfmal Palästina durchwandert in Abbiissung meiner Sünden.) Versöhnlich wünscht uns die lateinische Schrift eines sizilischen Priestern ein freund- Heltes Lebewohl: ״Sacerdos Gregoritts Biuso Spitalcriusa a Brontc (Sicilia-Italia) venit huc in peregrinationeni. Vale lector mi!“ Da ״in bonis voluisse sat est,“ Kuriosität, es soll uns ein Führer sein. Der Vortrag fand lebhaften Beifall. Herr Dr. Bode ah ei 111 e r wies in seinem Schlusswort nui die praktischen Folgerungen hin. die sich für den Zionisten .aus der Lektüre des Hess’schen Buches ergeben und üie uns zwingen, immer und tu Taten für unser Volk zu streiten; Hess' Ruf verhallte, weil er keine Tatjuden fand, und er selbst war nicht der Main, eine Organisation zu schaffen, die seine Ideen hätte verwirklichen können. Hamburg. Am 2S. März sprach Dr. Ha i pc rn-München in einer von der zionistischen Ortsgruppe veranstalteten, gut besuchten Versammlung über .,Konzentration und Dezentral!- sation der jüdischen Volksmasse.•* In seinem meisterhaften und durchaus wissenschaftlich gehaltenen Vortrag gelangte er zu dem Ergebnis, dass die Konzentration das einzige erstrebens* werte Ziel ,.ei. crinial, weil mir auf diesem Wege eine Gesuiidung der ökonomischen Lage des jüdischen Volkes erreicht werden könne, und ierner. weil nur durch eine Konzentration eine kulturelle Fortentwicklung gewährleistet würde. Herr L a s k c r. der Vorsitzende des jüdischen Auswandercrkomitccs zu Hamburg, erklärte sich mit dem Prinzip der Konzentration einverstanden, erhoffte aber trotzdem viel von einer politischen Gesundung der Lage der Juden in Russland und damit eine Lösung der osteuropäischen Judenfrage überhaupt. Ihm traten von zionistischer Seite die!:lerren Dr. Halpcrn, Moritz S. Wollt. Dr. Besser. Estermann, Dr. Kahn wirksam entgegen. Die Rolle des detitschtiinielndcn Assimitamen spielte‘!11 nahezu komischer Weise ein Herr F r ä n k e 1. Hamburg. Am 10. April fand eine öffentliche Versamm- 11mg, die von ca. 500 Personen besucht war, im grossen Sial des Konvemparkes statt. Es prachen Pro:. Dr. 0. Wa rburg-Berlin über ״Die w i r t ch a! 11 ic h c Zukunft und Entwicklung Palästina s” und Dr. Franz Oppenheimer- Berlin über ״G ciiosscnscli a i t- { liehe A 11 s i e d e 1 u 11 g“. Proiessor W a r b u r g konsta-! tierte im Beginne seines Referates mit Genugtuung, dass sich! auch in der westeuropäischen Judcnhcit ein Umschwung in | den Anschauungen über die wirtschaftliche Zukunft Palästinas I vollzogen habe. Man neige sich immer mehr der durch exakte j Forschungen begründeten Ansicht zu« dass Palästina seine alte : Fruchtbarkeit wiedererlangen und eine nacli Millionen zählende Bevölkerung atifnclimen könnte. Bei der eingehenden Schil- ן derung der klimatischen Verhältnisse wies der Referent darauf I hin. dass es sich vorwiegend darum handle, die durch Regenfall zugeführten reichlichen Wassermengen die bisher zum grossteil Teil mit dem Grundwasser dem Meere zufliessen und somit verloren gehen, durch geeignete Massnahmen dem Laude j nutzbar zu machen. Interessant war der Vergleich der Geschichte Siziliens mit der eventuellen Entwicklung Palästinas, j Obwohl kleiner, übertreffe Sizilien bei weitem die Einwohnerzahl Palästinas, und obwohl dieses bessere klimatische Be- Umguiigen hierfür biete, sei ihm Sizilien auch auf dem Gebiete des Weinbaues und der Orangenkultur sehr überlegen. Daraus folge, dass man die Produktionsfähigkeit Palästinas steigern könne. Man könne ferner hoffen, der Malaria ofrrcli Bepflauso freuen wir uns, dass sein freundlicher Wille gegen uns besser ist als sein Latein. Nur eines müssen wir noch mit Verwunderung feststellen: Bei der grossen Reichhaltigkeit der freilich meist recht geistlosen Eintragungen in allen mögichen Sprachen und von allen erdenklichen Nationen fiel cs auf, dass hebräischc Eintragungen und Niederschriften in jüdischen Volksdialekten im Fremdenlutche vollständig fehlten. Und doch bilden die Juden einen nicht unbedeutenden Prozentsatz der Reisenden im Lande Israel. Die kleine schäbige Siedlung von Juden in Jericho kann ja freilich nicht den Stolz und das jüdische Selbstgefühl herausfordern. Hoffentlich freilich werden die Juden bald einsehen, dass sie überhaupt njeh; dazu geeignet sind, sich in Palästina ins Fremdenbuch einzutragen! Sie sollen dort nicht die Gäste und Fremden sondern die E i n 11 e i -! mischen uud Wirte seit!! El ja q ui m. r v t

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