Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 16-17 (19.4.1905)
- Date
- 1905-04-19
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2651273-2651394-2651411--02303-2659191- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 188 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 16/17 Berlin. Am Donnerstag, den 6. April, fand im Hotel ״König von Portugal” eine Gedenkfeier iür Moses Hess statt, Die Festrede, die dein reichen Inhalt eine besonders schöne Form gab, hielt Dr. Th. Zlocisti. Ein kurzes geselligcs Beisammensein schloss die Feier. Berlin. Am 13. April sprach Herr Rechtsanwalt Dr. Hantke in unserer Vereinigung iiber die Jüdische K o 1 o n i a 1 b a 11 k und die A ח g 1 o P a 1 c s t i יו c Compan y. Der Redner gab zunächst ein erschöpfendes Bild der Organisation der Bank und zeigt, wie diese den Interesse! der Partei entspricht, aber auch den Aktionären den notwendigen Einfluss garantiert. Er besprach sodann die in den General- Versammlungen und Kongressen beantragten Abünderungs\orschlüge zum Statut der Bank, die Abschaffung der persöul eher. Grunderaktien, die Aufhebung der Beschränkung in der Wahl der Direktoren, das Stimmrecht der Grossaktionäre uid insbesondere die notwendige Beschränkung der Tätigkeitsgebietes der Bank aui den Orient. Die geschäftliche Entwicklung dcr Bank, das Anwachsen des Aktienkapitals und der Reserven der Bank, die Art der Einnahme 1 und die verhältnismässige Höhe der Ausgaben wurden sodaim unter Vergleichung mit anderen Gesellschaften ähnlicher Art int einzelne* 1 dargelegt. Redner ging dann auf die Entwickelung der Anglo Palestiiic Company und auf die Beteiligung der Brvik an der Palästina- Handelsgesellschaft und der Deutsch I.cvantinischcn BunmvollgeselUclnft ein. um schliesslich Grundsätze für die Dividenden- Politik der Bank und ihre Beteiligung an palästinensischen Geschäften au!zus;el!en. - I! der anschliessenden Diskussion wurde fast von allen Rednern c:nc grössere Beteiligung der Bank an industriellen Unternelimunga׳. besonders im Orient, gewünscht, und ebenso, selbst auf die Gefahr einer Vergrösscrung des Risikos bin. das Erstreben grösserer Dividcnden/ahlungen. Im besonderen vertrat Dr. Hcviunnii ein*:• Erhöhung der Rentabilität durch Verringerung der Dbkont’crung russischer Wechsel, und phidierte dafür, dass der Xationalfond zum Teil Mitaktionär der Bank würde. Ausserdem cmpnehlt er Ausdehnung des Depositcuvcrkehrs und des share« holding Systems. Dr. Soskin hält vier Prozent für das Minimum. das die Bank ihren Aktionären geben muss, da sic sonst mit den immerhin als sicherer geltenden Staatsbanken picht konkurrieren könne. Er hält ebenso wie der Referent die Unkosten, mit denen die Bank arbeitet, für viel zu hoch. Dr. I inkus wünscht besonders die Beteiligung an Unteriiehiuungen in Anatolien. Herr T r i c t s c h hält cs für angcbracht, die Macht des Direktoriums der Bank 7,u beschränken. An der ־Diskussion beteiligten sich ferner Herr Eis 1101z und Dr. K a t z. Vor dent Referat von Dr. Hantke berichtete Herr Dr Sa ״dl er-Breslau über die von dem Polytechnikum in Cöthcn zusammen mit der Palästina-Kommission veranstalteten 7' c r ‘ e'י * H,r s c, *11 r k ° I o n! a 1 e T-e c h n! k“. Unsere Leser finden iiber dieses Thcnii an anderer Stelle der *,cuti^cn Nummer ein ausführliches Referat, das nicht wesentlich von dem von Dr. Sandler gegebenen abweich{, weshalb wir hier von einer Wiedergabe der gut disoon'ertcn und interessant vorgetragenen Ausführungen Dr. Sandlers abschcn. Exilierten aus Lemberg sind 13 wohl in der Regel galizische Juden. Die letzte Bemerkung aus dem Wintersemestcr 1897/9S ist eine einsame Notiz aus dem Mai. Da steht: Pauline Wieland Kathrine Wieland getauft 29. Mai 1898 am Jordan. Walther Wieland Erst am 2. September kommen neue Fremde, und unterbrechen die Einsamkeit. Denn wenn der Fremden- Zufluss nach Palästina im Ganzen und Grossen in den Sommermonaten naturgemäß ein sehr geringer ist, so ist das noch weit mehr der Fall in der Einsattelung von Jericho, wo beinahe *100 Meter unter dem Alecres- Spiegel ja selbst im Winter andauernd eine so tropische Hitze herrscht, dass man beim Verlassen de!t Gebirges und Eintritt in das Glior am Bluthiigcl des Hcrodes das Gefühl hat, man würde letzt in den Backofen geschoben. . ^״י Lehrer oder Leiter der Schweizerischen Schule in Alexandrien beginnt den Reigen: 2״. Scpt. A. Jacob-Ecolc Suisse-AIcxandric. J ai ete fort contcnt du brave gargon qui passe ses jonrs dans une belle .solitude, accueillant de son mieux Berlin. Am Dienstag, den 17. April sprach in den Kö- I nigssälcn Dr. Franz Oppenheimer über: ..Der Phi! einer Siedhmgsgenosscnsebaft.” In gedrängtester Weise gab der Vortragende e:n *B:ki seiner weitaiisschaueiidcn Ideen und begründete den Zusammenhang derselben mit den zior. stischen Bc«trcbunccn. — In grossen Zügen handelt cs s:ch um folgendes: Am* einem Rittergut weiden die Arbeiter in solcher Weise am Gewinn beteiligt, dass sie schliesslich selbst Eigentümer des Gutes werden. Die Gewinnbeteiligung soll für die Arbeiter 75 Prozent betragen, eine HöIh*. die von keinem Unternehmen bisher erreicht ist: mir 1» bloiht für das Kapital. Es werden aber durch diese Beteiligung die Arbeiter einerseits zur Mithilfe an rationeller •Bewirtschaftung (durch Sorg, alt. Sparsamkeil etc.) veranlasst, anderes ihr kulturelles Niveau gehohen, indem sic aus subordinierten Sklaven koordinierte Herren werden. Bei einer Bewirtschaftung durch ein solches Mcnsclicnmatcrial wird natürlich auch der Grund und Boden einen weit höheren Ertrag abwerfeu. — Nun hat 0. vor etwa 8 Tagen das zum Ankauf des in Aufsicht genommenen Rittergutes nötige Geld (250 01״! Mk.) ziisamtnenbekommen. Ein wcscntPclier Tel dieser Summe ist zionistisches Geld. 0. rechtfertigt diese Beteiligung zionstisclier Mine! damit, dass wir erst Erfahrungen über das für die BeseuitThg Palästinas in Aussicht genommene Sy.’tem unter uns im ׳'׳bnי—״ begannteil Verhältnissen sammeln müssen, dass wir hier ferner Vorarheiter und Beamte für Palast':1a ausbildeii werden und dass endlich, wenn das Unternehmen prosperiert, wenn die Siede- Itingsgenosscnschaiteii in Pal;־is:i:n_ das an'gewe5 ״ete Kanitii tu t 5- 6 Prozent verzinse!’. oh־׳e dass d:e Ansiedler damnter leiden dr-.s für unsere letzten Z׳ele erforderliche grosse Kapital sich auf dem Wcec des Kredites finden w:rd. Die klaren Aiisführnucen des Redners erregten lebhaft-steil Beh’all. Au der D;skass:o!1 beteiligten sieh die Herren M ordechai, Dr. Katz. Rcc'itsanwalt Pi net! 5. Berlin. Die Berliner Zionistische Vereintg u n g veranstaltet, wie alljährlich, die S e d c r a b c n d e im Restaurant B a u m a n 11. Fredrichstn.sse 5S. Das Couvert kostet pro Abend (inkl. Wein) 3.50 Mark. Um rege Beteiligung wird gebeten. Berl'a. Der Verein Jüdische Studenten zu Bx-rlin hat auch im verflossenen Winter-Semester eine rege Türgkclt entfaltet. Zunächst galt es wieder, den Kamot bei der L e s e 11 a 11 e n w a 111 aufzunehmca und den. EViuleu biilien und drüben cnteeecnzutreten. Es gelang dem Verein auch wieder zwei Kandidaten ins Direktorium zu entsenden. Aus Anlass der Wald veranstaltete der Verein eine Akademiker- Versammlung, die zur vollen Zufriedenheit der Einherufer verlief. Neben dieser äussern Tät:gkc׳t wurde aber auch die Arbeit im Innern!v'cht .vernachlässigt. Zahlreiche Vorträge, die von aktiven MitgPedern gehalten wurden, belehrten neben den Fuxenstiin ten. d'e die jüngeren Mitc'bcdcr mit den modernd indischen Fragen vertraut machten, über a'le Gelrcte iTnikeVn Wissens. Ausserdem hielt A.H. Dr. Fe׳te!bere e;ncn Kursus über praktisclic XationalöVonomie ab. der auch von Aussenstehenden rege besucht wurde. Entsprechend diesen Vcranles rares voyageurs, qui viennent ä Jcriclio en ccttc Saison.“ Nun häufen sich die Eintragungen, <Jie gegen die Zeit des Oktober und November infolge der Kaiscrreisc zu einer grossen Menge anwachscn. Aus der ungeheuren Zahl will icli nur die eines französischen Gelehrten hinsetzen, der mit einem merkwürdigem Mangel an Geschmack keinen passenderen Ort finden konnte, um seinem Preussenhass Luft zu machen, als grade das Fremdenbuch des Hotels. W'ir haben aber keineswegs unter?ucht, ob er seinem an den antisemitischen erinnernden Geschmack auch au dem vcrschwicgeilen Ort Ausdruck verliehen nat, den jene fiir die poetischen und prosaischen Ergüsse ihrer Seele mit Recht für besonders geeignet gefunden haben. Seine Eintragung lautet: 13״. Scpt. Dr. J. Condamin, doyen de la Faculte des lettres ä I’ Universite catholiauc de Lyon. tr£s satisfait otissi de la teuue du Grand HMel de Jericho inais infiniment moins content de 1' indelicatesse et de l'arrogancc des deux Prussicn« i m p e r t i n e n t s , qu’il a eu la inalchance de rencontrer ä V H‘׳tel. Vivc In France! Recht vor Macht!“ So weit der Dekan der philosophischen Fakultät der katholischen Universität zu יוידיי