Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 16-17 (19.4.1905)
- Date
- 1905-04-19
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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16/17 .סא JÜDISCHE RUNDSCHAU_Seite 167 Rednernot vieler Ortsgruppen? Und doch durchreisen unsere Akademiker viermal im Jahre und noch öfters zu äusscrst passenden Zeiten (LaubhiUtcnicst. Makkabäerfest Purim, Pesach) oft ein Dutzend von Ortsgruppen. Manche Gruppe wünscht oft einen Vortrag über ein bestimmtes Thema; in solchem Falle würden die zionistischen Korporationen sicher ihre Mitglieder. die ihren Weg üoer diesen Platz nehmen, anhalten, ein einschlägiges Reierat zu halten. Das Ausgeführte sul{jte eine erweiterte Skizzierung des von Posen aus vorgcschlagcncn Amtes (Arbeitsinfolgedessen und nicht bloss Stellenvermittelungsamtes) sein. Diese Sache soll aber nicht nur theoretisch auf dem Papier behandelt werden; sie soll auch — und zwar möglichst bald Tpraktisch ausgeiührt weiden. Warn der gegebene Plan allgemeinere Sympathien finden sollte und Aussicht auf praktische Erfolge vorhanden wäre, dann sollten die massgebenden Instanzen möglichst bald Schritte tun zur Realisierung des Projektes, das vom Schreiber dieser Zeilen bereits vor Monateu in der ,.Hasmonäa" zu.Berlin angeregt wurde. Eine Voraussetzung aber wäre es. dass die einzelnen Ortsgruppen die Arbeit der zionistischen Studenten und der Korporationen allgemein mehr als bisher unterstützen. F c 1 i x T!1 c i i h a b e r, (München). Das Blutmärchen Der grauenhafte Schwindel ist wieder da! Kein Ausspruch der Wissenschaft, kein Eid der Rabbiner, keine Verfügung der katholischen Kirche selbst konnte den Schrecken Israels aus der Welt schaffen. Wie viel jüdisches Blut est nicht schon geflossen, weil angeblich christliches gebraucht wurde! Wie ein Feuerruf in der Judengasse wirkt das Auftauchen des Märchens vom Ritualmord mit panischem Schrecken. Das ist nicht etwa unbegründete Furcht! Können wir doch auf viele Gräber und lebende jüdische Blutzeugen des christlichen Bluimarchans'mit dem Finger zeigen. Man kann sich also den Seelenzustand der Juden in Zmigrad bei Jasio ausmalen, als das Gerücht von einem Ritualniord ausgestreut wurde!und zur Verhaftung einiger Uifr schuldiger führte. Es war gerade am Purimfestei, das auf diese Art ein Schreckenstag wurde. Der Tatbestand ist toigender: Sonntag, den 19. v. M. begab sieh die im Dienste des Bauern Jakob ■B a 1 in Mijtasz bei Zmigrad stehende vierzehnjährige Magd Katarzyna Tabak zur Kirche in die Stadt. Sie kehrte erst in vorgerückter Abendstunde ohne Kleider zurück und gab folgende Erzählung zum Besten: Im Innern der Stad♦ wäre sie von einer Rotte Juden gepackt und in ein Haus geschleppt worden, wo noch andere Juden warteten. Hier hätte man ihr Kleider und Schuhe ausgezogen und sic wahrscheinlich zu einem rituellen Zwecke festgehalten* bis es ihr endlich geling, sich loszurcfssen und zu entfliehen. Auf die Anzeige des Dienstgebers an die Gendarmerie und den Bezirksvorsteher liess letzterer (Filipowicz heisst dieser österreichische Beamte!) das von der Magd bezeichncte Haus sperren und dessen Insassen, Josef Zimel. einen 70jährige!1 Greis seinen Sohn Sandor. die Frauen der beiden sowie eine Tochter verhaften. Die Verhaftung erfolgte am 20. v. M. während des Wochenmarktes und erschien der angesamnielten Menge wie die amtliche Bestätigung eines Mordes durch Juden. Die Gefährlichkeit der Situation war noch dadurch vermehrt, dass achtägige geistliche Exerzitien in der Stadt angesagt waren, bei denen sich stets viele gläubig fanatisierte Zuhörer einzufinden pflegen. Die Juden von Zmigrad übergaben die Vertretung ihrer Interessen dem Advokaten Steinhaus in Jasio und aus Wien fand sich auf telegraphische Berufung der Sekretär der öst.-ung. ״Union“ .Herr S. Fleischer, ein. Das Präsidium der ״Union“ unternahm in Wien alle Schritte zur Aufrcchterhaltuug der Ordnung in Zmigrad. Schliesslich wurden die Verhafteten dem Krcisgerichte in Jasio cingcliefcrt. Hier meldeten sich christliche Entlastung.*;- zeugen, der Müller Szulja und seine Dienstleute aus dem Dorfe Toki. welche die verleumderische Magd in der kritischen Zeit in ihrem Dorfe, gesehen habe n. Die fehlenden Kleidungsstücke wurden ain Christliehen Friedhöfe gefunden und der Totengräber Peter inhaftiert. Auch Herr Dr. A. Korn 11 ä u 5 c r war mit aller Energie bemüht, die Aufdeckung des!'alles herbeizuiühren. Den vereinigten Bemühungen gelang es schliesslich, den Verhafteten am 2ü. die Freiheit zu verschaffen. Vom Justizministerium war Bericht über die Affäre verlangt worden. Die erforderlichen gerichtlichen Schritte wegen FIrmittdung der Urheber, werden eingeleitet und die Verleumdungsklage wird überreicht werden. Jasio. ־ Simon Grün. (Aus DIE WELT.) —I Aus der Beweguijg r— Die Berliner Schekelblock-Inhaber werden ersucht die Schekelblocks nebst den darauf eingegangenen Geldern unverzüglich an Herrn J. H. Wagner, Berlin N. Prenzlauer Allee 9, einzusenden. Der Vorstand. Deinen Namen deutsch zu schreiben: Kannst in Palästina bleiben!!!“ Dazu hat der deutsche Po!et eine entsprechende Zeichnung an die Seite gesetzt, deren Ausführung es begreulich macht, dass ein anderer nicht gern als sein Landsmann und gar als sein Konnationaler angesehen werden möchte. Wenige Zeilen später findet sich von der gleichen Handschrift die Eintragung: ״Arthur Waagsci u. Frau aus A. Oesterreich." Den Fieitnatsort nicht auszuscli reiben hat der deutsche Poet im Orient offenbar in Anwendung des bessern leiles des Mutes vorgezogen. Am dritten März hat eine Hand, die ihren Eigentiimer nur durch ein E. \Y. 1898 bescheiden andcutct, ein paar schöne Engelgestaltcu eingc7.eichr.et und darunter ein Bild des alten Kaiser Wilhelm I. mit der Beischrift: ״W'o Deutsche baun Ein mächtig Heim, Da blüht der Alten Sitte Keim!“ E. W. hat sich offenbar dadurch irre führen lassen, dass der damalige Verwalter des säubern und einfachen HöteD, ein gewisser Farracli, der Neffe des nominellen Besitzers, ein Zögling der Schnellersehen Schule ist und deshalb die deutsche Sprache ziemlieh ohne Anstoss spricht. Ah freilich Farracli noch im jü. dischen Hotel Palästina des Herrn Bezalcl Kaminitz in Jaffa bedienstet war, da zog er 05 vor, seine Meisterschuft im Jüdischdeutschen und seine schwächeren Kenntnisse im Hebräischen zu zcigefi und wurde dann i dort ebenso für einen Juden gehalten, wie nachher in! Jericho von den Deutschen für einen Deutschen, von | den Engländern für einen Sohn ihrer Kolonien und von ן den Franzosen für einen südlichen Landsmann. Am! gleichen Tage hat jemand seiner Zufriedenheit Ausdruck I gegeben durch die lakonische aber genug besagende! Eintragung ״Satisfaction parfaite", worunter sich eine j armenische Unterschrift findet. Am 9. April folgte dann I eine ähnliche Aeusseriing der Zufriedenheit von Otto | Mittelstrass 6; Frau, Paul Jacnickc und Wilhelm Alirens jtitt., drei Namen ohne Ortsangabe, die mau aber ohne i weitere Formalitäten getrost der Hauptstadt der Pro- \ vinz Sachsen zuweisen kann. ן Dann folgt ein Namenloser: ״Wir waren sehr zuj frieden, auch der kleine Fast hat sich amüsiert.“ Der | Name des kleinen Fast sagt uns, dass es voraussichtlich; Württembergcr waren, die so anonym geblieben sind. Nicht mehr sagt uns eine Hand, die von sich nicht mehr J!unterlassen hat, als: ״exile Autrichc-Lcmbcrg.“ Die