Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 16-17 (19.4.1905)
- Date
- 1905-04-19
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 18(5 No. 16/17 1 1 I i I f I ‘I v i f I v t f; 3, J k f i $• M «r f־ 1■ I I I f f t 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU ganz heimisch unter diesem jüdischen Treiben K o w n o s; mir war es zu Mute gleich e'netn, der nach vieljähriger Abwcsenhe't wieder in .dem Anblick der siissen, lieben Heimats- Stätte schwelgt; tiefe Rührung ergriff mein Herz, ich glaubte mich nach Erez-Israel, in die liebe, uralte Heimat der Väter versetzt. Was soll ich's leugnen? Mein Herz hängt an meinem Volke, hängt au dem Lande, darin die Väter gelebt, geliebt und gelitten, dar'11 die Propheten ihr weltcrlcuchtcndcs und welttröstendes Wort gesprochen, dahin ich mein Angesicht richte, wenn ich bete, und wo mein Blick begegnet dem Blicke aller betenden Brüder auf dem gesamten Erdenrunde; ich habe keinen Tag so voller, auflösender, nachhaltiger Trauer, als den neunten des Ab, und hätte keinen Tag so voll uugemischter, innigwahrer Freude als den Tag, ״da iiir Zion der Erlöser käme“. Warum soll ich das nicht dürfen? Bin ich oder ist diese meine L'rheniat schlechter als die des Tscheche•!!. Magyaren, Franzosen. Engländers? Kein Feind und Gegner meines Volkes und meines Glaubens darf darin Makel noch Tadel finden und daraus folgern wollen, dass ich nun kein guter Bürger in me Her gegenwärtigen Heimat sein könne, und den! Staate, dem ich angehöre, nicht alle meine Kräfte und Fähigkeiten widmen dürfe.“ — Akademisches Arbeitsamt Der GruppenvcrbauJ Posen hat in Nr. 11־ der JÜDISCHEN RUNDSCHAU eine bemerkenswerte Anregung gegeben, die nach seinem Wunsche von dem interessierten Kreise ausgemlirt werden soll. Fs handelt sich nm die Gründung eines Stelle!!- nachweises iiir jüdische Akademiker. Der zitierte Artikel beweist wohl ziemlich schlagend die Notwendigkeit einer solchen Institution, die allerdings vorerst noch nicht allzuviel zu tun haben dürfte. Die Zahl unserer zinniMischcn Akademiker, die jährlich ihre Studien vollendet, ist noch ziemlich gering. Und von dieser hat wiederum ein grosser Teil schon ein festes Ziel, oft eine sichere Anstellung. Das Amt dürfte also voraussichtlich die Zeit haben, eine Reihe vielleicht ebenso wichtiger. ühnFcher und einschlägiger Arbeiten zu erledigen. Neben der Vermittelung einer festen Praxis für iertige Akademiker käme natürlich auch die eines vorübergehenden Postens, als Assistenzärzte. Coassistenzcn für Mediziner, praktische Betätigung besonders für unsere angehenden Landwirte sichtbar, alle in ähnlicher Kleidung, Weidmesser im Gurte! und die gespannten Gewehre in der Hand. ״Friedrich, was war das?” fragte der zuerst Erschienene. — ״Ich wollte, dass der Racker auf der Stelle krepierte. Seinetwegen können die Kühe mir die Ohren vom Kopfefressen.“ — ״Die Kanaille hat!ms gesehen,“ sagte ein anderer. ״Morgen sollst du auf die Reise mit einem Stein am Halse,“ fuhr Friedrich fort m!d stiess nach dem Hunde. — ״Friedrich, stell dich nicht an wie ein Narr! Du kennst mich und du verstehst mich auch!“ Ein Blick begleitete diese Worte, der :schnell wirkte. ״Herr Brandes, denkt an meine Mutter!“ — ״Das tu’ ich. Mast du nichts im Walde gehört? - ״Im Walde?“ — Der Knabe warf einen raschen Blick auf des Försters Oesicht. — ״Eure Holzfäller, sonst nichts.“ — ״Meine Holzf älter!“ Die ohnehin dunkle Gesichtsfarbe de» Försters ging in tiefes Braunrot über. ״Wie viele sind ihrer, und wo treiben sie ihr Wesen?״ — ‘־Wohin Ihr sie geschickt habt; ich weiss es nicht“ -- Brandes wandte sich zu seinen Gefährten: ״Geht voran, ich komme gleich nach.“ (Fortsetzung folgt.) und Techniker; für Juristen. Chemiker. Philologen usw. ganz entsprechend. Die Zahl der zionistischen Apotheker, Rabbiner usw. ist in letzter Zeit sehr gewachsen, die je nach den Umständen alle möglichen Konditionen suche!!. Für die noch studierenden Akademiker sind ständige Untcriichtsstuudcn ein heiss ,begehrtes, aber oft versagtes Ziel. Wir wissen, dass nicht nur fertige Akademiker, sondern auch die Studenten oft über nur geringe und unzureichende Geldmittel verfügen. Neben der Vermittelung von Stunden ist da selbstverständlich an alle ähnlichen Beschäftigungen gedacht: Hauslchrcrstcheii. Uebersetziingen. Anfertigung verschiedenartiger Arbeiten usw. Diese Stellen- und Arheiisvcnnittclung dürfte aber neben dem entschieden praktischen Nutzen für unsere akademische .lugend auch des Beitrages für unser grosses Ziel nicht enthehren. Ich übergehe die vielen nützlichen Impoudcrabil e!1 de:• Sache, z. B. dass ein Zionist, dem der Kampf mit den kleinen aber oft quälenden Geldsorgen und l:\isteuzsorgeu dadurch erleichtert wird, eher seinen vielen Pflichten nachkommen kann und anderes mehr. Denn das Arbeitsamt müsste auch gew isse Prozente für den überwiesenen Verdienst kassieren und dem Natioualioml zu weise!!. So könnte von den Studenten iiir durch das Arbeitsamt vermittelte Stunden vielleicht 10 Prozent, bei Anstellungen nicht all/.uhohe, entspreehende Summen imscrm eisernen Schatze zugeteilt werden. Speziell iiir Zionisten wäre es dann ein doppelter Anreiz, ihren Kindern vorzugsweise von zionistischen Studenten Privat- Unterricht erteilen zu lassen. Nach dem Vorschläge des Posener Gruppenverbandes, wie auch nach dem Gesagten müsste das Arbeitsamt in stattdiger Fühlung mit den Ortsgruppen sein. Dabei könnten die verschiedenen Orte ständig ihre jüdischen Abiturienten und Akademiker mit Angabe des gewählten Studieiiortes nominiereu. damit die Zionisten und Nationaljuden. die sich heute noch teilweise allen Verpflichtungen entziehen, zum Eintritt in die Organisation und zur Mitarbeit herangezogen werden könnten. Die unserer Bewegung indifferent gcgetüiberstcheuden Stitdenten müssten bedeutend mehr iiir den Zionismus interessiert und mit iinsern Ideen vertraut gemacht werden. Das wäre speziell eine Arbeit für unsere zionistischen und nationaljüdischen Korporationen. Des weiteren könnte iiir kleinere wie mittelgrosse Ortsgruppen mancher zionistische Student für einen Diskussiousabend ein willkommener Referent sein. Wer kennt nicht die Aus dem Fremdenbuch zu Jericho Wenn jemand interessante rassenpsyehologische Studien machen will, so seien ihm die Fremdenbücher der palästinischen Hotei י aufs angelegentlichste cmpiohlen. Er wird darin wenig Geist, aber umsomehr Versuche, Geist zu haben, finden. Heute aber wollen wir hier nur eine kleine Probe geben aus dem Fremdenbuche des New Hotel in Jericho geben, das nominell einer Firma John (wohl Jnhaimö) Schamaly & Co. gehört, und das den Fremden vielfach auch unter dem Namen Gilgallictel bekannt ist. Dieses Fremdenbuch hat seine schönsten Eintragungen aus dem Jahre 1898, als die Reise des Deutschen Kaisers bereits geplant war, die nachher auch ausgeführt wurde. In den letzten Tagen des Februar oder Anfang März hat sich, wie es scheint, ein Geschwisterpaar aus Mecklenl urg eingetragen: ״A. L. S.de Schwerin i. M.“ ״Mademoiselle S.de Schwerin i. M.“ Darunter findet sich die Eintragung: ״Siisstnanu bist gewiss ein Jud; Darum hast Du nicht den Mut זיני3