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Jüdische Rundschau · 1905-04-19 · Heft 16-17 (19.4.1905) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 16-17 (19.4.1905)
Date
1905-04-19
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 184 die es dem Laien fast unmöglich!nacht, sich hindurch zu finden. Wir erfahren als Hauptursachc der türkischen Finanz.־ und sonstigen Kote die Ueber/.ahl der Beamten, zu deren Be- Zahlung die Steuern nicht ausreichen, die sich dann ihrerseits immer an andern schadlos halten müssen. Falls cs nicht schon geschehen, möchte ich durch diese Zeilen Herrn Dr. Klee bitten, seine Abhandlung, aber dann ohne Auslassungen, allgemein zugänglich zti machen. Herr Dr. Sandler hatte das Glück, sein Thema ״Die Krankheiten des vorderen Orient“ ungekürzt vortragen zu können. Das nosoh-gische Gesamtbild Palästinas erklärte er für besonders günstig, da das Land von Krankheiten, die bei uns die grössten Ycrherungcn anrichtcu, vollständig verschont ist, nämlich von Tuberkulose und Krebs. Als cndeinschc Krankheiten Palästinas nannte er Ruhr, Alalaria und Trachom. Kitte Bekämpfung der Ruhr ist seiner Meinung nach aussichtslos, wohingegen das Trachom verhältn'smässig leicht und Malaria ebenfalls mit eiligen Auiwcnduagen ausrottbar sind. Was das Trachom anlangt, so ist nur für eine zweckmässige Behandlung und Isolierung der Augenkranken zu sorgen, damit eine L’cbertragung durch Kontakt verhütet wird. Malaria muss durch Vertilgung ihres Zwischenträgers, der Anopi1elesn.i;cke, bekämpft werden, indem man dieser die Möglichkeit der Kntwickelung raubt. Das soll je nach den örtlichen Verhältnissen durch Draini.reii. Anpflanzen, L'eberschwenunen usw. gescheiten. Die Lepra, welche mau sch immer als besonders vercre.tet in Pa'.äst.na vorsteilt, kommt nach den Angaben dos Herrn Dr. Sandler in höchstens 600 Fällen vor. Hinsichtlich der Akklimatisationsfrage wurde erwähnt, dass die Templer, eingewanderte schwäbische Bauern, der Degeneration unterworfen sind, während die jüdischen Kolonisten das Klima recht gut vertragen vor allem eine Fortpflanzung bei iluten möglich ist. Herr Dr. Sosk-in gab einen durchaus vollständigen tleberblick über ״Die wirtschaftlichen Verhaltnisse Palästinas“, der natürlich in dieser kurzen Dar- Stellung nicht wiedergegeben werden kann. Er begann mit der Besprechung der Yerkchrsverhültnisse, Wege und Eisettbahnen, und brachte dann ausführliche Angaben über Einfuhr- und Ausfuhrhandel. Nachdem er in Kürze Kredit- und Steuerwesen gestreift hatte, ging er zum wichtigsten Teile seines Vortrags, der Lage der Landwirtschaft, über. Er besprach die verschiedenen Arten des Besitzes, die Gesetzgebung, No. 16/17 Steuervcrhältnissc usw., und verbreitete sich dann ausführlich über Boden und Klima, Kulturen und Vielthaltung. Er setzte auseinander, wie weit teilweise die Entwickelung schon vor sich gegangen, aber wieviel unendlich mehr noch aus dem Boden hcrauszuholen ist. Herr Prof. Warburg sprach allgemein über den ganzen ״Orient als Kolon sat.onsgebict“, wobei also Palästina 'keine speziell ausführliche Behandlung erfuhr. Ueber d e schwierigen ethnologischen Verhältnisse Vorderasiens brachte er ausgczeichnete interessante Angaben. Im ganzen lässt sich sagen, dass jeder, der nicht eben schon ein vorzügbeher Kenner Palästinas war, hier die beste Gelegenheit zur Erweiterung seiner Kenntnisse hatte. Wir halten es für unsere Bfl.cht, dem Höheren Technischen Inst.tut Cocthen auch in diesem Blatt den herzt chsten Dank auszusprechen für seine Bemühungen und für die Bereitwilligkeit, mit der alles zur Veriügung gesteht wurde. Es muss noch erwähnt werden, dass im Lesesaal des Inst.tuts eine grosse Anzahl Bücher über Orieiukur.de ausgestellt waren, de den wissensdurstigeu Hörern die beste Gelegenheit zur Erweiterung der Kcr.ntnifse boten. Zwischen den auswärtigen Besuchern und Dozenten einer- Seits und den jüdischen Studierenden der Akademie andere:- seits hatte sich gleich in den ersten 'läge:: ein recht fretmdschriftlicher Verkehr entspannen. Wir konnten mehrere frohliehe Abende mit der ״Tch.oh" und dem Turnverein Mattaplü;״ verbr.ngen, und es sei auch ihnen nochmais Dank und Lebewohl gesagt. Julius Jacoby, canJ tecliu. Verlorene Liebesmüh’ Es ist immer eine missliche Sache, wenn eine Sprache für zwei verschiedene Begriffe nur einen und denselben Ausdruck bes.tzt. Darunter hat auch der Z.onismus schon sehr zu leiden gehabt. Denn das Wort ״Jude“ muss ja auch in alten Sprachen iiir zwei getrennte Begriffe herhalten und die GedanKcuverwirrung, welche dadurch vielerorts entstand, ist nur zu oft der Grund einer Gegnerschaft gewesen, die sich auf falschen Voraussetzungen aufbaute. Wenn ich sage: ״Ich bin Jude“, so kann dies eine Bezetclinung meines Glaubens, aber auch eine solche meiner A b - JÜDISCHE RUNDSCHAU ihre Vorgänger so weit an List und Frechheit übertraf, dass es dem Langmütigsten zu viel werden musste. Ganz gegen den gewöhnlichen Stand der Dinge, wo inan die stärksten Böcke der Herde mit dem Finger bezeichnen konnte, war cs hier trotz aller Wachsamkeit bisher nicht möglich gewesen, auch nur ein Individuum namhaft zu machen. Ihre Bcnnung erhielten sie von der ganz gleichförmigen Tracht, durch die sie das Erkennen erschwerten, wenn etwa ein Förster noch einzelne Nachzugier im Dickicht verschwinden sah. Sie verheerten alles wie die Wanderraupe, ganze Waldstrecken wurden in einer Nacht gefällt und auf der Stelle fortgcscliaiit, so dass man am andern Morgen nichts fand als Späne und wüste Haufen von Topholz, und der Umstand, dass nie Wagenspuren einem Dorfe zuiührten, sondern immer vom Flusse her und dorthin zurück, bewies, dass man unter dem Schutz und vielleicht mit dem Beistände der Schiftscigentümer handelte. In der Bande mussten sehr gewandte Spione sein, denn die Förster konnten Wochenlang umsonst wachen; in der ersten Nacht, gleichviel, ob stürmisch oder mondhell, wo sie vor Uebermüdung nachliessen, brach die Zerstörung ein. Seltsam war es, dass das Landvolk umher ebenso unwissend und gespannt schien als die Förster selber. Von einigen Doriern ward mit Bestimmtheit gesagt, dass sie nicht zu-den Blaukittcln gehörten, aber keines kennte als dringend verdächtig bezeichnet werden, seit man das verdächtigste von allen, das Dorf B., freisprechen musste. Lin Zufall hatte dies bewirkt, eine Hochzeit, aut der fast alle Bewohner dieses Dorfes notorisch die Nacht zugebracht hatten, während zu eben dieser Zeit die Blaukittel eine ihrer stärksten Expeditionen ausführten. Der Schaden in den Forsten war indes allzugross, deshalb wurden die Massregcln dagegen auf eine bisher tmeiliörte Weise gesteigert; Tag und Nacht wurde patrouillert, Oberknechte, Hausbediente mit Gewehren versehen und den Fcrstbeamtcn zugesellt. Dennoch war der Erfolg nur gcri: g, und die Wächter hatten oft kaum das eine Ende des Forstes verlassen, wenn die Blaukittet schon zum andern einzogen. Das währte länger als ein Voiles Jahr, Wächter und Blaukittel und Wächter, wie Sonne und Mond, immer abwechselnd im Besitz des Terrains und nie zusammentreffend. Es war im Juli 1756 früh um drei Uhr; der Mond stand klar am Himmel, aber sein Glanz fing an zu ermatten und iin Osten zeigte sich bereits ein schmaler gelber Streif, der den Horizont besäumte und den Ein-

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