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Jüdische Rundschau · 1905-04-19 · Heft 16-17 (19.4.1905) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 16-17 (19.4.1905)
Date
1905-04-19
Page
– (sequence 11)
Language
German
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No. 15/17 t_ Seite 183 JÜDISCHE RUNDSCHAU Ich habe selbst vun verschiedenen gehört, dass sie den Kursus gern besuchen wollten, es aber mit Rücksicht auf die ungiinstge Zeit unterliessen. Aber soweit ich informiert bin, war nicht einmal aus Anhalt oder aus Cacthcn selbst die Studentenschaft vertreten. Es ist wohl wahrscheinlich, dass dabei antisemitische Bedenken vorlicgen, da die Themen des Kurses zum grossen Teil sozusagen spezifisch jüdisch resp. zionistisch waren. Um mir die Besprechung der Vorträge zu erleichtern, erlaubc ich mir eine Einteilung vorzunehmen in 1. technische. 2. allgemein kolonialwissenschaftliche, 3. speziell zionistische Vorträge. Was nun die Vorlesungen techn scher Natur anlangt. so ist darüber allgemein folgendes zu sagen: Die Aufgabe, die den Herren Dozenten gestellt wurde, war durchaus keine ein* fache und lochte. Mit einer Ausnahme hatten sic keine Oeiegenheit gehabt, die Verhältnisse in warmen Ländern zu studieren, einige Herren haben dies ausdrücklich zu Beginn ihrer Vorträge ausgesprochen. Die Literatur über die gestellten Themen 'st auch nur eine recht spärliche. Weiter ist zu beriicks'cluigen, dass einerseits die Zc t knapp bemessen, andererseits die Vorträge auch für Laien verständlich sein sollten. Daher konnte der geistige Gewinn für Studierende der technischen Hochschulen, wenigstens für höhere Semester, kein allzu erheblicher sein. Doch glaube ich sicher, dass Laien ihre technischen Kcnntr.'sse bedeutend erweitern komiten. zum Teil sogar so weit, wie cs überhaupt für sie zwecku!ässig erscheint. Jedenfalls haben wir durchaus Ursache, den Herren Dozenten für die atügewendcte Mühe Dank zu sagen. De Vorlesungen der zweiten Reihe waren Wirtschaftliehen, juristischen und geschichtlichen Inhalts. Es war dazu eine Anzahl von Lehrkräften erschienen, die den gestellten Et Wartungen wohl durchaus entsprachen. Da ein jeder seinen Stoff vollständig und scher beherrschte, konnten s;ic ihren meist recht zahlreichen Hörerkreis durch Inhalt und Form ihres Vortrags an sich fesseln. Besonders erfreulich war es, dass die leider immer noch zu wenig bekannten Ideen der Bodenreform cn Herrn D a m a s c h k e einen glänzenden Verkünder fanden. Es erscheint mir nun angemessen, bei der dritten Kategorie von Vorlesungen, die ich zionistische nannte, etwas länger zu verweilen. Ich hätte s'e vielleicht besser als orientalische bezeichnet, da dem Zwecke des Kurses entsprechend, nicht speziell von Palästina gesprochen wurde. Das Verspreche!!, dass für die Erschliessung des Orients ein harmonischer Vortragszyklus geboten werden sollte, ist in vollem Masse erfüllt worden. Ucber die grundlegenden Verhältnisse hat man nach allen Richtungen hin ausführliche Darstellungen gegeben. Herr Dr. B l a n k e n h o r n zeigte mit seiner ״P h y s i ־ selten Landeskunde des vorderen Orients und Palästena** das Muster von Gründlichkeit. Den grössten Teil seiner Darlegungen nahm sein Spezialfach, die Geologie, ein. Dieses an sich spröde und zur iesselnden Beschreibung wenig geeignete Gebiet machte er durch eine sehr grosse Zahl von rnitgebrachten Gesteinen, Photographien, Karten usw. recht anschaulich und interessant. Um die Bedeutung des Themas, zu ermessen, braucht nur daran erinnert zu werden, in welch hohem Masse Ackerbau, kcrarosche Industrie, Bergwerksbetricb, sanitäre Verhältnisse usw. vom Boden abhängen. Hinsichtlich des Klimas sprach er ausführlich über die Niederschläge in Palästina,, dass es durchaus nicht so regenarm sei, wie vielfach angenommen würde. Sendern •uir unter der ungünstigen Verteilung des Regens auf eine Hälfte des Jahres zu leiden hätte. Herrn Dr. Blankenlinru ist es bekanntlich zu verdanken, dass in neu :ster Zeit aui mehreren jüdischen und deutschen Kolor.'cn meteorologische Beobachtungen angestellt werden. Herr Dozent Kayser aus Coethen versuchte es, seine < Hörer in die!Mysterien der arabischen Sprache einzti- [ iiVnreiu Er begann mit dem Alphabet, schriftlich und rniindsich, und ging nachher auch zu e'machen Wort- und Satzbüduugeu über. Da er selbst längere Zelt den Orient besucht hat, versäumte er cs nicht, sich in recht anregender Weise über den Charakter der Araber, Umgang mit ihnen, die Schwierigkeiten des Reiscns usw. auszulassen. Recht bedauerlich war es, dass Herr Dr. Klee bei seinen Ausführungen über ״Staatsverwaltung und Recht des osm an Ischen Reiches“ allzusehr in der Zeit beschränkt war. Er führte uns zuerst die glänzende Emwickelung des osmanischen Reiches vor Augen; wie itn Fluge eilten wir durch die Jahrhunderte des allmählichen Niedergangs zu dem heutigen Türken reich, das sich immer wieder vergebens bemüht, durch moderne Reformen zu grösserer Bedeutung emporzuste'gen. Wir hören von der Zersplitterung des Rechts, Zeit bei der Mutter hielt. Der Knabe war seitdem wie verwandelt, da* träumerische Wesen gänzlich von ihm gewichen, er trat fest auf, fing an, sein Aeussercs zu beachten und bald in den Rui eines hübschen, gewandten Burschen zu kommen. Sein Ohm, der nicht wohl ohne Projekte leben konnte, unternahm mitunter bedeutende öffentliche Arbeiten, zum Beispiel beim Wegbau, wobei Friedrich für einen seiner besten Arbeiter und überall als seine rechte Hand galt; denn obgleich dessen Körper- Kräfte noch nicht ihr volles Mass erreicht hatten, kam ihm doch nicht leicht jemand an Ausdauer gleich. Mar• gret iiattc bisher ihren Sohn nur geliebt, jetzt fing sie an, stolz auf ihn zu werden und sogar eine Art Hochachtung für ihn zu fühlen, da sic den jungen Menschen so ganz clmc ihr Zutun sich entwickeln sah, sogar ohne ihren Rat, den sie, wie die meisten Menschen, für unschätzbar hielt und deshalb die Fälligkeiten nicht hoch genug anzuschlagen wusste, die eines so kostbaren Förderungs־ mittels entbehren konnten. In seinem achtzehnten Jahre Iiattc Friedrich sich bereits einen bedeutenden Ruf in der jungen Dorfwelt gesichert durch den Ausgang einer Wette, infolge deren er einen erlegten Eber über zwei Meilen weit auf seinem Rücken trug, ohne abzusetzen. Indessen war der Mitgemiss des Ruhms auch so ziemlich der einzige Vorteil, den Margret aus diesen günstigen Umständen zog, da Friedrich immer mehr auf sein Aeussercs verwandte und allmählich anfing, es schwer zu verdauen, wenn Geldmangel ihn zwang, irgend jemand im Dorf darin nachzustellen. Zudem waren alle seine Kräfte auf den auswärtigen Erwerb gerichtet; zu Hause schien ihm. ganz im Widcrcpiel mit seinem sonstigen Rufe, jede anhaltende Beschäftigung lästig, und er unterzog sich lieber einer harten, aber kurzen Anstrengung, die ihm bald erlaubte, seinem früheren Hirtenamte wieder nachzugelicn, was bereits begann, seinem Alter unpassend zu werden, und ihm gelegentlichen Spott zuzcg, vor dem er sich aber durch ein paar derbe Zurechtweisungen mit der Faust Ruhe verschaffte. So gewöhnte man sich daran, ihn bald geputzt und fröhlich als anerkannten Dortelegant an der Spitze des jungen Volkes zu scheu, bald wieder als zerlumpten Hirtenbuben einsam imd träumerisch hinter den Kühen herschleichend, oder in einer Waldlichtung liegend, scheinbar gedankenlos und das Moos von den Bäumen rupfend. Um diese Zeit wurden die schlummernden Gesetze doch einigermassen aufgerüttclt durch eine Bande von Holzfrevlern, die unter dem Namen der Blaukittel alle

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