Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 16-17 (19.4.1905)
- Date
- 1905-04-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 179 No. 16/17 JÜDISCHE RUNDSCHAU Typus verloren haben, sodass au ihnen keine Merkmale und Züge ihrer Vorfahren 7,u erkennen wären. Das ist aber nicht der Fall. Acltere ägyptische Denkmäler zeigen uns schon Neger, Indogerniancii und Semiten, welche «eit undenklichen Zeiten nebeneinander und auch in verschiedenen Ländern unter verschiedenen Klimatcn zerstreut gelebt haben, ohne ihren ursprünglichen Typus zti verlieren. . Namentlich ist der Typus der jüdischen Rasse unzerstörbar. Den Juden kommt die Kigensehait zu. sich in allen Gegenden zu akklimatisieren. Auch die Mischehen vermögen nicht den jüdischen Typus zu vernichten. Hin Gemälde am Grabe eines Direktors der königlichen Bauten in Aegypten stellt Sklaven, die den Frolmdienst leisten, dar. In diesen Sklaven erkenne׳» wir sofort den Juden. Das Gemälde sol! zur Zeit Mosis ge׳ fertigt worden sein. Audi ägyptische Denkmäler von späteren Zeiten zeigen uns Juden, deren Aehnlichkcit mit den heutigen Juden leicht zu erkennen ist. Den besten Beweis fiir die Ursprünglichkeit der Rassen liefert aber die sehr frühe, in der Geschichte der Menschheit j vereinzelt dastehende Oiienbarnng des jikiisch.cn Geistes, In den verschiedenen Sprachen der Urvölkcr macht 5ich ebenfalls die Eigentümlichkeit der Rasse geltend. Die primitiven Religionen und Sprachen sind Rassenerzeugnisse. Unsere Zivilstic.n ist ein Produkt der Sprachen zweier Völker, die zwei primitiven Stämmen angehüvten. Diese zwei Völker sind die'Griechen und die Juden. Repräsentanten der senrtisclien und indogermanischen Stämme, in deren Kulturen der Gegensatz der Geistesanlagen und Anschauungen am aus־ geprägtesten ist. Der Ausgangspunkt der Hellenen war d:e Mnnnfgtaltigeit. der der Israeliten die Hinbeit des Lebens. Die crstercu fassten die Welt als ein ewiges Sein, die letzteren als ein ewiges Werden. Der griechische Geist betrachtete die Welt als vollendet, der jüdische als werdend, die im sozialen Leben erst anfing, als im Naturlebcn schon der Snbbath eingetreten war. Die Griechen hatten die vollendete, abgcschlosscne Natur geheiligt. Auch der Mensch galt ihnen als vollendet, harmonisch abgeschlossen, als die Spitze des orga* nischcn Lebens. Plc Juden dagegen heiligten das Werden, die Entwicklung. Selbst die kosmische und organische Lebens- Sphäre, die im gegenwärtigen Wcltalter abgeschlossen ist, werden nicht als ein ewiger abgeschlossener Kreislauf, sondcn» als eine Entwicklung gedacht. Kurz die Griechen hatten die ganze Natur einschliesslich des Menschen als vollendet he*. Lichtung. DerMond schien klar hinein und zeigte, dass hier noch vor kurzem die Axt unbarmherzig gewütet hatte. Ueberall ragten Baunistiinpie hervor, manche mciirere Fuss über der Erde, wie sie gerade in der Eile am bequemsten zu durchschueiden gewesen waren; die verpönte Arbeit musste unversehens unterbrochen worden sein, denn eine Buche lag quer über dem Pfad, in vollem Laube, ihre Zweige hoch über sich streckend und im Nachtwiude mit den noch frischen Blättern zitternd. Simon blieb einen Augenblick stellen und betrachtete den gefällten Stamm mit Aufmerksamkeit. In der Mitte der Lichtung stand eine alte Eiche, mehr breit als hoch; ein blasser Strahl, der durch die Zweige auf ihren Stamm fiel, zeigte, dass er hohl sei, was ihn wahr* seheinÜeh vor der allgemeinen Zerstörung geschützt hatte. Hier ergriff Simon plötzlich des Knaben Arm. .,Friedrich, keimst du den Baum? Das ist die breite Eiche.“ —■ Friedrich fuhr zusammen und klammerte sich mit kalten Händen an seinen Ohm. ״Sieh,“ fuhr Simon fort, ״liier haben Ohm Franz und der Htilsmeyer deinen Vater gefunden, als er in der Betrunkenheit ohne Busse und Oeiung zum Teufel gefahren war." — ..Ohm. Ohm!" keuchte Friedrich. - ״Was fällt dir ein? Du wirst dielt noch nicht fürchten? Satan von einem Jungen, du kneipst trachtet, die Juden dagegen den Menschen, mit Einschluss des Kosmischen und Organischen, als werdend. Diese beiden Gruudatjschauungeit haben keine Völker mehr als Vertreter, wohl aber Individuen: das sind Schiller und Goethe. Das Christentum hat weder den Naturkultus der Griechen noch den Gesclt'ehtskultus der Juden fcstgelialten. Das Christentum war eine Folge des Unterganges der antike« Nationalitäten und musste vom nationalen Leben abstrahieren. Hs heiligte das isolierte Individuum, es hatte hlos das Seelenheil des abgesonderten Imiividtnims im Auge. Das Christentum hat eigentlich die Fusion der Kultur angestrebt und das Historische und Typische verkannt. Die welthistorische Bercchtigung des Christentums ist, dass cs das Recht des Individmims her vorhob, es beging aber zugleich den Fehler, dass es den Menschen nicht, wie er wirklich ist. sondern abstrakt auffasste, nämlich nicht im Zusammenhang mit Natur und Geschichte, Familie• und Vaterland. Erst durch die zum neuen Heben erwachten Völker ist es dur.h einen nationalen Ge* seliiditskuhus ersetzt worden, indem man das Geheimnis des Judentums erkannt hat, dass jede Nation ihren nationalen Gescliiclitskulius haben muss. Die Einheit der historischen Kultur ist nur in dem zur Wissenschaft erhobenen jüdischen Geschichtskuhus »Möglich. Der zur Wissenschaft erhobene jüdische Geschichtskuhus ist aber nichts anderes als die zur wissenschaftlichen Genesis des kosmischen, organischen und sozialen Hebens erhobene Bibelreligiou. zu deren Ausbildung das Genie der Juden nach der Wiedergeburt des Judentums als selbständige Nationalität berufen zu sein scheint*) Später soll dies ansftirlicher dargelegt werden. Daraus ist ersichtlich, dass es ursprünglich verschiedene Rassen gibt, die ihren verschiedenen Geistesanlagen entsprechend verschiedene Anschauungen erzeugen. I>ie Einheit des Menschengeschlechtes ist demnach keine ursprügliche, von Natur gegeebne, sondern sie setzt vielmehr die Mannigfaltigkeit der ursprünglichen Stämme, ihren Kampf als Bedingung voraus; aus diesem Kampf erst geht das harmonische Zusammenwirken hervor. Kurz, die Einheit des Menschengeschlechtes ist ein Produkt der geschichtlichen Entwickelung. Die Einheit des Menschengeschlechtes setzt einen Plan in der Geschichte voraus, den unser Stamm sehr früh erkannt *) Rom und Jerusalem S. ISO. mir den Arm! lass 103, los!“ — Er suchte den Knaben abzuschiitteln. ״Dein Vater war übrigens eine gute Seele; Gott wird's nicht 50 genau mit ilun nehmen. Ich hatte ihn so lieb wie meinen eigenen Bruder.“ — Friedricli liess den Arm seines Ohms los; beide legten schweigend den übrigen Teil des Waldes zurück und das Dorf Brede lag vor ihnen, mit seinen Lehmhütten und den einzelnen besseren Wohnungen von Ziegelsteinen, zu denen auch Simons Haus gehörte. Am nächsten Abend sass Margret schon seit einer Stunde mit ihrem Rocken vor der Tür und wartete auf ihren Knaben. Es war die erste Nacht, die sie zugebracht hatte, ohne den Atem ihres Kindes neben sich zu hören, und Friedrich kam noch immer nicht. Sie war ärgerlich und ängstlich und wusste, dass sic beides ohne Grund war. Die Uhr im Turme schlug sieben, das Vieh kehrte heim; er war noch immer nicht da und sie musste aufstehen, um nach den Kühen zu schauen. Als sic wieder in die dunkle Küche trat, stand Friedricli am Herde; er hatte sich vornüber gebeugt und wärmte die Hände an den Kohlen. Der Schein spielte auf seinen Zügen und gab ihnen ein* widriges Ansehen von Magerkeit und ängstlichem Zucken. Margaret blieb