Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 16-17 (19.4.1905)
- Date
- 1905-04-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 16/17 Seite 178 JÜDISCHE RUNDSCHAU Heglc odilicsst dcslialb auch wieder mit dem Ausruf: "לע:ד« הגאך, ביחסלס Im nächsten Jahre in Jerusalem!“ Ein nationales Fest ist!,essach. Ein Fest der Erinnerung, des Gedenkens. Wir erinnern uns wieder des Anfanges unserer Geschichte, des Ausganges, von dein wir gekommen. Wir gedenken des Mannes, der es auf sich nahm, das Volk der Sklaven und Versklavten in freie Männer zu wandeln, der es auf sich nahm, dem unterdrückten Volke, das nicht mehr wusste, was Freiheit ist. die Freiheit und die Menschenwürde wieder zu geben. Ihm war es nicht vergönnt ,das Land zu schauen, das ihm die Sehnsucht vorzeichnete und das er sehr genau kannte, das Land der Freiheit, das Land, aus dem die Väter einst gekommen waren. In das Land der Väter w ollte er sie zurücktiihren, und das Land der Väter war cs, da» ihnen nach seinem Tode die Freiheit gab, und kein anderes, kein fremdes!.and. Der Mann, der einst im Lande der Midianiter eine Freistätte gesucht hatte, als die schwere Hand des Pharao am schwersten auf das Volk drückte, hatte doch nur da.» eine Land als Land; der Freiheit im Auge, das Land, das den Vätern zugeschworen war als Eigentum, solange der Hinmiel über der Erde stiindc. Pcssach N: das Fest der Freiheit, das Fest der nationalen Freiheit im Lande Israel. Heute hier auf fremdem Boden, im kommenden Jahre in Jerusalem und mir in Jerusalem! Heinrich Sach s e. Moses Hess Ein VorkSnipterder jüdischen א a t i o!1;1 li t ä t s ־ Idee und des Zionismus.; Von Dr. phil. Abraham S c!1 a p i r a. Es dürfte nicht uninteressant erscheinen, eine Darstellung der Hcs's’schcri Ansxhten über die jüdische Nationalität, das Judentum und die Wiederherstellung des jüdischen Staates zu geben, da Hess ehr deutscher Jude war und aus seinem Werk .,Rom und Jerusalem‘‘ die wichtige Tatsache zu ersehen ist, dass der theoretische Zionismus nicht so ausschücsslieh in Russland entstanden ist, wie man anzunehmen pflegt. Vielmehr tritt Hess mit nicht minderer Begeisterung und Wärme als Pinsker und d;e anderen für die jüdische Nationalitätsidce und die Wiederherstellung des jüdischen Staates ein. Hess war ursprünglich dem Judentum entfremdet. Er war Sozialist oder richtiger ist Sozialist, geblieben. Die Vorgänge in Damaskus halten den ersten Anstoss zu seinen National.־ tätsbcstrchmigen gegeben, also der Antisemitismus hat ihn wieder dem Zionismus zugeiührt. Indessen ist seih Zionismus keine blosse Folge des Antisemitismus, sondern vielmehr war der Ant'semitismus nur eine Gclegenheitsursaehe, um׳ die jüdischen Gefühle, die lauge in;lim geschlummert hatten, zu erwecken und zu erfrischen. Hess hat nämlich eine streng jüdische Erziehung genossen, und es bedurfte nur eines änssern Anstosscs, um den ״Juden” in ihm neu zti beleben. Das Buch ,Rom und Jerusalem‘‘ von Hess enthält eine Fülle philoscniitischcr Aussprüche und geistreicher Einfälle, obgleich Ich viele seiner Behauptungen nicht anerkennen kann - und seine Ansicliti-n dürften heute noch zur Klärung der Mci* nuitgeit beitragen und die ״Skeptiker“ dem Zionismus Zufuhren. Moses Hess geht in seiner Begründung der jüdischen Nationalität von der grundlegenden Ansiclu aus, dass es ursprünglicl! verschiedene Rassen und Volkstypen mit versehiodenen Anlagen und Ivgcnsehaften gäbe, die sich zwar im Vcrlaufe der geschichtlichen Entwicklung modifizieren,!:fernals vermag alter diese Entwicklung den ursprünglichen Griuiüty wesentlich zu ändern. Die Rasse erzeugt entsprechend ihren Eigentümlichkeiten und tyr'sehen Anlagen typische Lehensei!:!ichtungeii, sie זין•)- duziert somit das soziale Leben selbst. Die Lebensclnr'clituiigen bringen ihrerseits typische Lebensansciiaumigeii hervor. So war beispielsweise das biblische patriarchalische Familienleben nicht eine Erzeugung der Lehre, sondern umgekehrt, das patriarchalische Leben der jüdischen Stämme hat die Bibelrcligion hervorgebracht, welche eiten ein aus Famüieutraditiotteit sich fortentw׳!ekelnder nationaler Gescliicluskultus war. Die typischen Einrichtungen lind gegensätzliche Anschaumigen geraten im Laufe der Entwicklung in Konflikt, aus dem erst die Keime zu höheren harmonischen Lebeusgestaltungen und Anschauungen entstehen. Die Tatsachen, welche für die Ursprünglichkeit und Unveruiclitbarkcit der Rassen und Volkstypen sprechen, sind u. a. folgende: verschiedene Rassen, die noch heute existeren, leben seit Jahrtausenden im westlichen Asien, im nördlichen Afrika und Europa zusammen und vermischen sich. Wenn nun diese Rassen keine ursprünglichen wären, so müssten sie durch Kreuzungen und klimatische Einflüsse längst ihren Die Judenbuche Ein Sillengemälde aus dem gebirgigten Westfalen von Annette Freiin von Droste-Hülshof f. [3 Jetzt nahten die beiden s:ch der Stelle, des Teutoburger Waldes wo das Brcdcrholz den Abhang des Gcbirges niedersteigt und einen sehr dunkeln Grün l ausfüllt. Bis jetzt war wenig gesprochen worden. Simon schien nachdenkend, der Knabe zerstreut, und beide keuchten unter ihren Säcken. Plötzlich fragte Simon: ״Trinkst du gern Branntw ein?“ — Der Knabe antwortete nicht. ״Ich frage dich, trinkst du gern Branntwein? gibt dir die Mutter zuweilen welchen?“ — ״Die Mutter hat selbst keinen.“ sagte Friedrich. — ״So, so, desto besser! —- kennst du das Holz da vor uns?“ — ״Das ist das Brcdcrholz.“ — ״Weis»{ du auch, was darin vorgefallen ist?" ״״ Friedrich schwieg. Indessen kanten sic der düsten! Schlucht immer näher. ״Betet die Mutter noch so viel?“ hob Simon wieder an. — ״Ja, jeden Abend zwei Rosenkränze.“ — ״So? und du betest mit?“ — Der K!:abc lachte halb verlegen rrit einem durchtriebenen Seitenblick. — ״Die Mutter betet in der Dämmerung vor dem Essen den einen Rosenkränz, dann bin ich noch nicht wieder da mit den Kühen, und den andern im Bette, dann schlaf ich gewöhnlich ein." — ״So, so, Geselle!" — Diese letzten Worte wurden unter dem Schirme einer weiten Buche gesprochen, die den Eingang der Schlucht überwölbte. Es war jetzt ganz finster: das erste Mondviertel stand am Himmel, aber seine schwachen Schimmer dienten nur dazu, den Gegenständen, die sie zuweilen durch eine Lücke der Zweige berührten, ein fremdartiges Ansehen zu geben. Friedrich hielt sich dicht hinter seinem Ohm; sein Odem ging schnell, und wer seine Ziige hätte unterscheiden können, würde den Ausdruck einer ungeheuren, doch mehr phantastischen als furchtsamen Spannung darin wahrgenommcii haben. So schritten beide rüstig voran, Simon mit dem festen Schritt des abgehärteten Wänderers. Friedrich schwankend und wie im Traum. Es kam ihm vor, als ob alles sich bewegte und die Bäume in den einzelnen Mondstrahlen bald zusammen, bald von einander schwankten. Baumwurzeln und schlüpfrige Stellen, wo sich das Wasser gesammelt, machten seinen Schritt unsicher: er war einige Male nahe daran, zu fallen. Jetzt schien sich in einiger Entfernung das Dunkel zu breclicu, und bald traten beide in eine ziemlich grosse