Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 15 (14.4.1905)
- Date
- 1905-04-14
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU *Seite 172 No. 15 Ihirimbclustigungen ausgefülit. Der nicht unerhebliche Reingewinn wird für die Erhaltung der Zionistischen Volkslcsehalle und Bibliothek Verwendung finden. — Am 13. April spricht hier Prof. W a r b u r g. Leipzig. Die im Wintersemester 1904/05 an der Universitüt Leipzig gegründete Verein Zionist ischer S t u d e n t c n hat in der kurzen Zeit seines Bestehens eine reiche Tätigkeit entfaltet. 1111 Laufe des Semesters wurden folgende Vorträge gehalten: Der Materialismus im Zionismus. Die Traktionen im Zionismus. Die herrschende Stimmung im Zionismus. Die Reorganisation in der Partei. Der Zionismus und seine Gegner. Die Grundlagen des Zionismus. Ussischkins Programm. Die Wirtschaftsgeschichte des alten Israel. Die Frage der jüdischen Rasse. Die territorialistische Frage. — Ausserdem wurde am 13. Februar ein Jung- Jüdischer Abend veranstaltet, der den zahlreich erschienenen Gästen viel Anregung geboten hat. — Alie Hochschiiter. die die Absicht haben, in Leipzig zu studieren, werden auf den Verein aufmerksam gemacht. Duisburg. Am 3. April er. hat die seitens des Vorstandes der hiesigen Zionistischen Ortsgruppe emberuieue 2. Gctitral. Versammlung unter lebhafter Beteiligung der Mitglieder stattgeffmden. Nach erfolgter Berichterstattung über de Tätigkeit im abgeLoifcnen Jahre und den Stand der Kasse hat die Generalversammlung dem Vorstände Entlastung erteilt, und ihm warme Worte des Dankes für seine rührige und erspriessüchc Tätigkeit entgegengebracht. Die Wahl des Vor- Standes ergab die Wiederwahl der Herren Pr. Harre I: p s t e i n, Siegmund‘ Levy. Salem• >:1 L e v y und Eduard Gelber, während an Stelle des Herrn Siegfried Löwe Herr Dr. Sicgbert Cohn, Rechtsanwalt zu Ruhrort. ncugewählt wurde. Nach Erschöpfung der Tagesordnung entspann sich eine lebhafte Debatte über die Grundprinzipien des politischen Zionismus und das Wesen der künftigen Propaganda. Jerusalem. Die jiiüfk'hen Ausflügler, die nach dem heiligen Laude kamen, etwa 40 an der Zahl, trafen am 20. März hier ein. Ihr erster Besuch galt der Klagemaucr. worauf dann de Vertreter der verschiedenen Gemeinden empfangen wurden. Die Besichtigung der heiligen Stadt musste leider infolge anhaltciiden sehr schlechten Wetters zun! Teil unterbleiben. Erst an! 25. .klärte sich wieder der Himmel auf. Dank diesem Umstände־ konnte, die Gesellschaft einen Ausflug nach Hebron unternehmen. Am 27. gehts weiter nach Beiruth und Damaskus. Am Abend nach der Meg:lln iaud In d-m 4 Lokalitäten der vereinigten Ortsgruppen eine Festvcrsammlung , statt, an welcher auch die fremden Gesinnungsgenossen teilnahmen. — Einen sehr günstigen Eindruck haben, wie mir ver- . Schert wird, die Kolonien auf unsere Gäste gemacht. .Hoffentlich zieht derselbe praktische Folgen nach sich. . Jeruschalm i. . — Rundschau •־ Die Gemeiridestube!ה der letzten Repräsentanten -Versammlung der Berliner Jütischen Gemeinde führte abermals die Dicnstan- Weisung für den anzustcllcnden Schularzt zu einer längeren Debatte über den bekannten Streitpunkt hczgl. der häuslichen Behandlung der Schulkinder durch den Schularzt. Die Vorlage wurde schliesslich in der vorn Vorstande eingcrcichten Fassung angenommen, die sich an die Dienstanweisung, die von der Stadt Berlin erlassen wurde, auschliesst. ~ Gelegentlich der (Beratung über Abschluss bezw. Verlängerung von Mietsvcrträgen für mehrere Säle zu den hohen Feiertagen fordert ■ Repr. Weinberg eine neue Synagoge für das Hansa-Viertel bezw. Moabit. Der Vorstand erklärt, dass eine solche Vorläge wegen des notwendigeren Baues in einem anderen Stadtteile vorläufig zuriickgestellt werden musste. Es werden gemietet die Säle des Moabiter Gcsellschaitsliauses. des Tiergartenhot der Gesellschaft der Freunde, aer Brauerei Königstadt der Philharmonie, der Saal des Briider-Vcreins. des l.ogenhatises in der Joadiimsthalcrstrasse und die Spichernsäle. Bezüglich des Mietsvertrages tiir das letztgenannte Lokal entspinnt sich eine längere Debatte. Im Vorjahre war dort kein Gottesdienst abgehalten worden, weil Piickler dort einige seiner Radau-Versammlungen veranstaltet hatte. Einige Re- Präsentanten, vor allem Jmftizrat Simon, erhoben nun Ei!.- Spruch dagegen, dass in diesem Jahre dieses Lokal gemietet werde, besonders in Anbetracht der eigenartigen Begründung, die der Wirt seiner diesmal erhöhten Mietspreisforderung gegeben habe; diese Begründung stützt sich darauf, dass in diesem Jahre zwei Sonntage durch die Feiertage belegt seien, und zwar einmal auf den dadurch dem Wirt entgehenden Verdienst, andererseits darauf, dass die Juden ja n diesem Jahre durch diese zwei Sonntage, an denen die Geschäfte ohnehin eschiossen seien weniger Verlust hätten, als in 'anüeren ähren, also den höheren Mietspreis gut bezahlen könnten (!1?) Um zu zeigen, dass der Wirt durchais nicht antisemitisch sei. erhob sich sogar Herr Professor Geiger >on seinem Sitz und erzählte, dass in jenem Lokal früher immer eine studentische Verbindung gekneipt habe, der auch sein Sohn augehörte, tmJ die zu neun Zehnteln aus Juden bestand 1 (Selbst wenn, wie wahrscheinlich, zehn Zehntel Juden waren, wäre das ׳d־>ch auch dann noch kein Beweis, wenn Herr Geiger junior in jutlflicis vertrauenswürdiger sein sollte als der Herr Papa!) — In derselben Sitzung fand dam! noch die Eiuiührimg des neugcwäli'teu Ältesten - Stellvertreters Justizrat Timendorter, statt. -- Erwähnt sei noch, dass vom Vorstandstisch aus einmal lebhaft Klage geführt wurde über die mangelhafte Teilnahme der Herren Repräsentanten an den Sitzunge . derjenigen Kommissionen und Ausschüsse, in die sic gewählt sind! Es komme vor. dass von 14 Mitgliedern zwei ganze erscheinen — Ei. ci — wer ist denn da eifriger im Nichtkommen — die ,.Liberalen‘‘ oder die ,.Konservativen“? Aus Russland Petersburg. 11. April, ln Moskau hat sic!) eine Partei der . .N a t i o n a I - P r o g e s s i s t e gebildet, die eh• G e g e 11 g e w i c 11; gegen die ..liberalen Kosmopoliten•• darstelle!׳, will. --- Es wäre sehr interessant zu erfahren, wie diese nationalen Fortschrittler sich zur .1 u J e n f r a g e stellen. Wie wir der Rl’>SJ entnehmen, wird in Smolensk nachstehende auf reizt! ־de Proklamation verbreitet: ..Unsere St!dt S!m׳‘.ea.-k hat in der Vergangenheit manche schwere Zeit durchleben müssen. Gcgeuwärt'g zieht ein tu 11 es Gewitter herauf: Die Juden b e a b s 1 e h t i g c ח d : c re c!11 g 1 ä u b; g e r: Christen zu überfallen (??) und haben zu diesem Zweck zum 19. Februar eine Zusammenrottung anberaumt. Bürger! Alle, denen der orthodoxe Glauben, das Vaterland und das Leben teuer ist. mögen sich Zusammenschlüssen und den Nichtchristen nicht erlauben, uns zu verunglimpfen. Zeigt, dass wir Russen keinen solchen Glauben und kein solches Vaterland haben, wie diese vertriebenen, vo:1 allen Völkern und selbst von Gott verachteten Leute. Burger! Wenn ihr t ue Erregung unter den Juden bemerkt, versa in m eit cuc h alle und dann wollen w ir sie unba r m 11 e r z I g schlage n und weder sie noch ihre Frauen und Kinder schonen, da sie an allen Unruhen, an allen Morden und besonders an der Ermordung des Grossfürsten die Schuld haben . . . Bürger! Nicht durch Morde haben unsere Vorfahren ihre Ehre, ihre Würde und das Vaterland gerettet; ob.ne ihr Leben zu schonen, sind sic für den Zaren und das Vaterland c'rgetrctcn. Haut die Juden, diese Aufrührer und alle ihre Proletarier. Es lebe Russland!“ — Durch Logik zeichnet dieser /Aufruf sich nicht gerade aus. aber dafür durch um so ein* dtuiigcre Sprache, die ihre Wirkung leider kaum verfehlen wird. Interessante Statistik Unter dieser Spitzmarkc berichteten wir in Nr. 10 der J. R. über eine interessante statistische Untersuchung, die Rabbiner Fabian in Breslau vorgenommen hat. Herr Rabbiner Fabian bittet uns nun, niitzutcilen, dass cic dort angegebenen Ziffern ans verschiedenen Gründen unrichtig sind und seinen Ermtuhmgen nicht entsprechen; die genauen Angaben würden in dem demnächst erscheinenden Bericht der Breslauer jiidisehen Religionsscliulen enthalten sein. Wir sind diesem Ersuchen hiermit nachgekommen und bemerken noch dass unser Korrespondent erklärt, die Zahlen nach den in der Brcs'auer Repräsentarten-Versammlung genannten Zahlen angegeben zu haben, deren Bekanntgabe in jener Versammlung zu den v׳>n ihm in Nr. 10 erwähnten Schritten führte. Uebrigens werde׳! wir natürlich auf diese Frage noch zuriiekkommen. Das Nachtasyl .Major Gilibons. der mit Professor Kaiser und Dr. Wil husch das den Zionisten von der englischen Regierung angebotene Land bereist hat. teilt dem Bureau Reuter einiges über seine Erfahrungen mit. Die Expedition ging von Mortibassa aus. von w<» die Uganda-Eisenbahn zunächst bis Nairobo benützt wurde. Dort rüsteten sich die Reisenden zur weiteren Expedition aus und fuhren sodann bis Nakuru. Dies ist die Station, die dem lamde der Zionisten am nächsten liegt. Von dort bringt ein viertägiger Marsch den Reisenden in das zur Ausiedhmg reservierte Gebiet. Der Marsch der Expedition ging egst durch eine!! dichten Gürtel Urwald, der sich schnell auf Berge von 7009