Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 15 (14.4.1905)
- Date
- 1905-04-14
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 170 No. 15 JÜDISCHE RUNDSCHAU atisdrücken dürfte, würde ich sagen: Ein Land! das nach öffentlichem Rechte dem Judenvolke gehört, das aber bis zur letzten Parzelle grundsätzlich im Eigentum von Nichtjuden Ist, bedeutet die Lösung der Judenfrage für immer. Hingegen ruft das Anwachsen des privatrechtlichen Grundbesitzes in jüdischen Händen überall den Antisemitismus hervor.“. Palästina hat. ganz abgesehen von dem späteren Durchgangshandel nach Erschliessung Asiens. Platz für 5 Millionen Mensehen, die von der intensiven Landu:1d Gartenwirtschaft und einer für den Inncnbedarf arbeitenden Industrie leben können. Heute sind grosse Landstrecken dort ganz oder fast ganz unbewohnt, ihr Erwerb schädigt also keine privatrechtlichen 111teressen. An einen sofortigen Charter für das ganze Land hat wohl weder Herzl. noch sonst Jemand gedacht. Aber die Bezirksautonomie. die nach einer Andeutung desselben Redners bereits einmal in Aussicht stand, würde auch heute vollständig genügen, um die Kolonisation mit Daransetzung aller unserer Mittel betreiben zu können. Kommunale Autonomie und das Recht der autonomen Kommunen, für die gemeinsame Erledigung gemeinsamer Angelegenheiten mit einander in• Verbindung zu treten, das ist der Charter, der mir genügen würde, auf dessen Grundlage sozialliberale Gemeinwesen entstehen könnten. Für diesen Charter wäre mir auch ein ausdrücklicher Firma» des Grossherrn genügend öffentlich-rechtliche?iclicrupsr; denn ich stimme mit alle״ guten Zionisten vollständig darin überein, dass wir vor allem durch einerseits offenes, andererseits loyales Verhalten das Vertrauen des Sultans als des Oberlicrrn des! Landes erwerben müssen. Meine Ausführungen, dass die Ausscheidung der Chowewe-! Zion auf den ersten beiden Kongressen keine Schwächung, sondern eine btarkmig des Zionismus zur Fol״•' batte, sind als Herabsetzung der Chowcwc-Znon bezeichnt•! ־worden. S!o I haben ihr Arbeitsgebiet, der Zionismus das seine, und die reinliche Scheidung kann nur der Konzentration und der Energieerhaltung beider zu gute kommen. Mehr habe ich nicht behauptet. und das ist keine Herabsetzung. Der Wilnaer Beschluss einer Organisation in Palästina als Vertretung der Jüdischen Interessen ist nun einmal nicht geeignet, das oben als notwendig bezeichnte Vcrtrauensverhälnis zu fördere. Er legt in seiner vielleicht nur ungeschickten aber doch bestehenden Formulierung trotz aller Einwendungen die Auffassung nahe, dass es sich gewisserrnassen um ein Jüdisches Konsulat für Verhandlungen mit der Türkei handele. Solche Plattformen im Lande besitzen keinen Wert, weil sic die Regierung nicht dulden, keineswegs aber ihnen einen Einfluss gestatten würde. Kapitulationen mit der Türkei können die Mächte abschliessen. aber nicht die Juden. Sollte aber in Wahrheit die Absicht vorlicgen. eine derartige zusammenfassende Organisation nur nach entsprechender Vereinbarung mit den türkischen Behörden zu schaffen, so dass nur eine ungeschickte Formulierung mich zu einer imriclitigen Auffassung geführt hätte, dann wären auch die von mir geäusserten Bedenken hinfällig, und man könnte mit Ruhe und mit Interesse abwarten. was die Organisation leisten wird. Zu dem Vorschläge der Wilnaer Konferenz, ln Palästina ein zweites Jüdisches Blatt zu gründen, will ich nur bemerken, dass die Gründung eines Konkurrenzblattcs unter den gegenwärtigen Verhältnissen gleich bedeutend wäre mit einer Vernichtung von Bcnjchudas HASCHKAFAH, d ass BenJch uda mit diesem Instrumente aber 20 Jahre lang Kultur nicht geredet, sondern gearbeitet habe, indem er erzielte .dass aus den Kindern der Chalukahsclmorrer eine Generation kttitur- und chrticbcndcr Zkmstci! hcrangewachscn ist! Schliesslich muss ich noch betonen, dass ich auch unter den heutigen Verhältnissen Arbeit in Palästina wünsche, aber ich halte es für gefährlich, heute dort einen grösseren Teil unserer Kräfte aufs Spiel zu setzen. Ich dar» wohl Ja 1־au! hinweisen. dass ich schon im Januar1903 ־ im ersten rieft von PALÄSTINA für eine landwirtschaftliche Versuchsstation gesprochen habe, und im Archiv des A.-K. befindet sich ein ausführlicheres Expose über denselben Gegenstand, das ich zwischen dem V. und VI. Kongress in meiner damaligen Eigen■ schatt als Mitglied der Palästinakonimission Dr. Merz! übermittelt habe. Jüdische Jugend-Literatur hi letzter Zeit hat sich das Bedürfnis nach einer guten jüdischen Jugend-Literatur besonders fühlbar gemacht, und weite Kreise nehmen heute ein lebhaftes Inter e s s e an dieser Sache, die noch bis vor kurzem allzu seitr vernachlässigt worden war. Daher ist es gewiss mit Genugtuung zu begrüben, dass der Jüdische Verlag durch wesentliche Vergrösseruug und inhaltliche Ausgestaltung der von ihm über* iioinmenen E 1 a n t ersehen Jugendzeitschrift sich nunmehr auch diesem Gebiet zugewandt hat. Die Zc:isci!r’1׳ die seit Anfang dieses Jahres unter dem Namen J U א G ־ I S R A E L erscheint, weist schon jetzt eine grosse Mannigfaltigkeit des Inhalts nebst reicherer lüustricrung bei einer vorzüglichen A u s s t a 11 u n g aui. Zum neuen Quartal wird eine weitere Vergrösseruug des Blattes geplant. Es werden wieder eine Reihe von wertvollen Kunstbelagen dem Blatte beigegeben, und der Inhalt wird vermehrt und noch mannigfaltiger als bisher gestaltet. Es ist das Ziel der Herausgeber, unter Vermeidung jedes lehrhaften Tones, der jüdischen Jugend die so notwendige Ergänzung des allgemeinen Unterrichtes und Lesestoffes zu bieten. Eine sorgfältige Abwechselung von Erzählungen. Sagen. Märchen, biblischen Stoffen, Schilderungen vom Leben der Juden in allen Ländern und Zeiten. Gedichten. Rätseln und Spielen macht das Blatt den Kindern zu einer a 11 g enc 11 m e 11 Lektüre, wie der sichtliche Aufschwung der Zeitschrift unter dem neuen Verlage bereits gezeigt hat. Besonderes Vor- { gnügen bereiten den K udern auch die P r c i s - R ä t s e 1. die I von jetzt ab zu Beginn jedes Quartals nni t w i r k 1 i c 11 w c r t - ständigen Unterredung Simon eine Art Adoption des Knaben In Vorschlag brachte, vermöge deren er denselben zwar nicht gänzlich der Mutter entziehen, aber doch über den grössten Teil seiner Zeit verfügen wollte, wofür ihm dann am Ende des alten Junggesellen Erbe Zufällen solle, das ihm freilich ohnedies nicht entgehen konnte. Margaret liess sich geduldig auseinandersetzen, wie gross der Vorteil, wie gering die Entbehrung ihrerseits bei dem Handel sei. Sie. wusste am besten, was eine kränkliche Witwe an der Hilfe eines zwölfjährigen Knaben entbehrt, den sie bereits gewöhnt hat, die Stelle einer Tochter zu ersetzen. Doch sie schwieg und gab sich in alles. Nur bat sic den Bruder, streng, doch nicht hart gegen den Knaben zu sein. ״Er ist sehr gut,“ sagte sie, ״aber ich bin eine einsarne Frau; mein Sohn ist nicht wie , einer, über den Vaterhand regiert hat.“ Simon nickte schlau mit dem Kopf: ״Lass׳ mich nur gewähren, wir wollen uns schon vertragen, und v/eisst du was? gib mir den Jungen gleich mit, ich habe zwei Säcke aus der Mühle zu holen; der kleinste ist ihm grad recht, und so lernt er mir zur Hand gehen. Komm, Fritzchen, zieh’ deine Holzsclmir an. Und bald sah MargaVet den beiden nach, wie sie forfcsehritten, Simon voran, mit seinem Gesicht die Luft durchschneidend, während ihm die Schösse des roten Rocks wie Feuerilammen nachzogen. So hatte er ziemlich das Ansehen eines feurigen Mannes, der unter dem gestohlenen Sacke Wisst; Friedrich ihm nach, fein und schlank für sein Aller, mit zarten, fast edlen Zügen und langen blonden Locken, die besser gepflegt waren, als sein übriges Aeusseres erwarten liess; übrigens zerlumpt, sonnenverbrannt und mit dem Ausdrucke der Vernachlässigung und einer gewissen rohen Melancholie in den Zügen. Dennoch war eine grosse Familienülm- Iichkcit beider •nicht zu verkennen, und wie Friedrich so langsam seinem Führer nachtrat, die Blicke fest auf denselben geheftet, der ihn gerade durch das Seltsame seiner Erscheinung anzog, erinnerte er unwillkürlich an jemand, der in einem Zauberspiegcl das Bild seiner Zukunft mit verstörter Aufmerksamkeit betrachtet. (Fortsetzung folgt.)