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Jüdische Rundschau · 1905-04-14 · Heft 15 (14.4.1905) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 15 (14.4.1905)
Date
1905-04-14
Page
– (sequence 9)
Language
German
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No. 15 . JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 169 Die SiedelunKSgenosscnschait soll vor allem das für den Innenbedarf Notwendige produzieren, wie es schon Dr. Hcrzl in der Eröffnungsrede des V. Kongresses ausgesprochen hat: ..Unsere Ansiedler sollen auf der Scliollie. von der Schofle leben, ni.cht besorgt als kraftlose Mandler nach dem Marktpreise a u s 1 u g c n. Den Markt sollen sic nur mit den Erzeugnissen aufsuchen, die sie über den Eigenbedarf hinaus haben. Jede Ansicdiung soll sich nach den Grundsätzen, d e uns Erfahr«!: g und Wissenschaft heute schon an die Hand geben, als landwirtschaftliche Produktivgenossenschaft selbst verwalte n." Wichtig erscheint cs. mir noch, darauf hv■»zuweisen, dass cs siel» nur um durchaus gesundes Hochland handelt, und dass man aufhören müsse, dieses im Osten vom Viktoria-Nyanza liegende Gebiet mit dem nördlich des Sees gelegenen tropischen Eiebernest Uganda zu verwdiseln. Unser Urteil über die Beschaffenheit des Bodens aber und seine Eignung zum Getreidebau müssen wir. wie ich bereits in meinem Referate bemerkt habe, bis zur Rückkehr der Konij mission vertagen; denn diese Präge ist ja nicht identisch mit der des Klimas. Sollte der Bericht dam dahin lauten, dass aus irgendwelchen Gründen Getreidebau _ nicht möglich sei. Sondern vielleicht, wie in vielen anderen afrikanischen Bezirken nur Viehzucht, dann würden meine Erwartungen betreffend Entwickelung von Siedelungsgeiosscnscbaften allerdings hin׳ fällig sein, und die volkswirtschaftliche Versuchsstation könnte dort nicht entstellen. Aber auch in diesem l alle würde die Yichwirtschaft mmierliin einigen Zehntausend Unterkunit gehen können, und auch daun legt u ns die i!1 dem Angebot atisgedrückte öffentlichrechtliche Einschätzung unserer Organisation die Pflicht auf, das Land unter den offerierten Bedingungen anzuuehmen und einer Besiedelung durch die philantropischen Gesellschaften cntgcgenzufüliren. Wenn dann gefragt wird, wie man denn im Palle eines wirtschaftlichen Aufschwunges das zahlreiche Zuströmen von Engländern verhindern könne, und in diesem Zusammenhänge an das Schicksal der Buren erinnert, sa!ist zunächst darauf zu erwidern, dass der Boden ja Gemeinbesitz sein wird. Pur das. was in Ländern mit kapitalistischer Wirtschaftsstruktur das Wesen des sogenannten Aufschwungs auszumachen pflegt, die Spekulation mit Boden und anderen Monopolen, wird also dort kein Platz sein, für derartig spekulierende Einwanderer wird das Land also nichts Anziehendes haben. Wenn aber eine Anzahl von Engländern, angelockt durch den gesunden Auschwung, begehren sollte. Genossen zu werden, so wird der Zuzug solcher Elemente kein Unglück, sondern ein Vorteil sein. An Land wird es nicht fehlen, wenn die britische Regicrung erst Fruchte gesehen hat. Also schon aus diesem Grunde ist es hinfällig. Meine Schätzung der englischen Rechtsgarantien durch den Hinweis .aut das Schicksal der Buren entkräften zu wollen, ist verfehlt; denn dieser Vergleich hinkt auf beiden Behen. Die ״Es. ist mir derweil oft bitterlich gegangen mit allerlei Schicksalen.** — ״Ja, Mädchen, zu spät gefreit, hat immer gereut! Jetzt bist du alt und das Kind ist klein. Jedes Ding hat seine Zeit. Aber wenn ein altes Haus brennt, dann hilft kein Löschen.“ lieber Margarets vergrämtes Gesicht flog eine Flamme, so rot wie Blut. ״Aber ichhöre, dein Junge ist schlau und gewitzt,“ fuhr Simon fort. — ״Ei mm, so ziemlich, und dabei fromm.“ — ,.Hum. s hat mal einer eine Kuh gestohlen, der hicss auch Fromm. Aber er ist still und nachdenklich, nicht wahr? er läuft nicht mit den andern Buben?“ — ״Er ist ein eigenes Kind,“ sagte Margaret wie für sich; ״es ist nicht gut.“ Simon lachte hell auf. ״Dein Junge ist scheu, weil ihn die anderen ein paarmal gut durchgedroschen haben. Das wird ihnen der Bursche schon wieder bezahlen. Hiilsmeyer war neulich bei mir, der sagte, es sei ein Junge wie '11 Reh.“ Welcher Mutter geht das Herz nicht auf, wenn sie ihr Kind loben hört? Der armen Margaret ward selten so wohl, jedermann nannte ihren Jungen tückisch und schlossen. Die Tränen traten ihr in die Augen. ״Ja, gottlob, er hat gerade Glieder.“ — ״Wie sieht er aus?“ fuhr Simon fort. — ״Er hat viel von dir, Simon, viel.“ Simon lachte: ״Ei, das muss ein rarer Kerl sein, ich «Buren waren kulturfeindlich, ~ war doch sogar die englische Bedingung einer gesetzlichen Behandlung der Schwarzen lange Zeit ein Friedenshindernis. — und verlangter! in einer Zahl, die etwa in der Mitte zwischen der Einwohnerschaft von Schöneberg und Charlottcn'hurg lag. ein Land von der Grösse Prcussens der Kultur und dem Zusammenhänge mit der Welt- Wirtschaft zu entziehen. Unsere politischen Aspirationen könnten dagegen niemals über die Grenzen der freiwillig angebotenen k o m m u!1 a 1 e 11 Autonomie hinausgehen, die wir « zur Entwickelung sozialliberaler Gemeinwesen notwendig brauchen. Im übrigen aber wird es für diese Kolonien niemals geeignetere politische Verhältnisse geben, als unter der britischet Plagge. ״Bei den Buren waren aber die Goldfelder das verhängnisvollc Streitobjekt, und Sir Henry Johnston hat das Auffinden solcher in den! uns angeboteneu Lande in Aussicht gcstellt." Als Antwort auf diese Befürchtung reproduziere ich hier, was ich gleich nach dem VI. Kongress in der Deutschen Volksstimmc, dem Organ des Bundes der Deutschen Bodenreiormer. über diesen Punkt gesagt habe: .Nun. die Gefahr ist keine grosse, und hier würde sich der Segen der bodenrcformcrischen Verfassung zuerst bewähren. Wo der Boden Gemeineigentum ist, da kann es ja ei!: Mutungsrecht des Einzclnen nicht geben! Die Ausbeutung etwaiger Gold- und Diamantenfelder würde ebenso wie die von Kohle»!־ und Salzbergwerken Sache des Gemeinwesens sein und. könnte vor allen! niemals Spekuhtionsobjckt werden. Es müsste' mit der britischen Regierung vereinbart werden, dass eine Mutung nach Geld- und Edelsteinen etwa in den ersten 10 Jahren nicht staitzufindeu bube, bis eine genügende Bauernbevölkcrting in! Lande erstarkt u!d mit dem Boden verwachsen Sein würde. Dann allerdings wäre eurer Ausbeutung etwaiger Gold- und Diamantenfelder kein Hindernis mehr in den Weg zu legen, denn ein einzelnes Land kam! sich auf die Dauer heute nicht mehr dem Zusammenhänge mit der Weltwirtschaft entziehen wollen, wie das Beispiel der südafrikanischen Republiken lehrt. — Und wenn dann etwa der britische Löwe den Löwenantei! der Goldernte für sich in Anspruch nehmen sollte, so wird sich darum wohl kaum eine ernsthafte Diskussion entspinnen: denn wir wollen den Schatz in unserem Weinberg graben!“ Sollte wirklich jemand im Ernst behaupten, ein Charter in Palästma wäre unmöglich, weil er In die wohlerworbenen Reel*1״ der im Lande wohnenden 500000 Araber eingreife und die Pnvatbcsitzverhältnisse umstosse, so muss ich gestehen:• dieses Mass von Verständnis ist nach achtjähriger Arbeit des Zionismus allerdings C'nigerniassen entmutigend. Wo h aller Welt bat Irgend ein Zionist je eine derartige Auffassung des Charters ״räussert? Es ist bekanntlich das auch ohne besondere ״Vertiefung" verständliche A-B-C des Zionismus, dass wir die Bank als politisches Instrument haben, den NationaEond ausserdem aber als w 1 r t s c 11 a f 111 c h e s Instrument. um ausser dem Charter auch Prw.atrechie zu erkaufen Herz! lat das schon IS97 in der CONTEMPORARY REVIEW christlichen Engländern so erklärt: ..Wenn ich das paradox werde alle Tage schöner. An der Schule soll er sich wohl nicht verbrennen. Du lässt ihn die Kühe hüten? Ebenso gut. Es ist doch nicht halb wahr, was der Magister sagt.* Aber wo hütet er? Im Telgengrund? im Kod-erholze? tm Teutoburger Walde? auch des Nachts und früh?" — ״Die ganzen Nächte durch aber wie meinst du das?“ Simon schien dies zu überhören; er reckte den Hals zur Tür hinaus: ״Ei, da kommt der Gesell! Vaterssohn! Er -schlenkert gerade so mit den Annen wie dein seliger Mann. Und schau mal an! wahrhaftig, der Junge hat meine blonden Haare!" In der Mutter Züge kam ein heimliches, stolzes Lächeln; ihres Friedrichs blonde Locken und Simons rötliche Borsten! Ohne zu antworten, brach sie einen Zweig von der nächsten Heeke und ging ihrem Sohne entgegen, scheinbar, eine träge Kuh anzutreiben, im Grunde aber, ihm einige rasche, halbdrohcude Worte zuzurautien; denn sic kannte seine störrische Natur, und Simons Weise war ihr heute eirischiichtemdcr vorgekommen als ie. Doclt ging alles über Erwarten gut: Friedrich zeigte sich weder verstockt noch frech, vielmehr etwas blöde und sehr bemüht, dem Ohm zu gefallen. So kam es denn dahin, dass nach einer halb-

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