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Jüdische Rundschau · 1905-04-14 · Heft 15 (14.4.1905) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 15 (14.4.1905)
Date
1905-04-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 168 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 15 streng zionistische Interessen vertreten hat, merkwürdig an. und wir 'müssen an ihrem Leitartikel zum mindesten tadeln, dass sie, abgesehen von ihren sachtchen Einwänden, Mr. Green berg auch persönlich atigre'ft.“ Die kleine Anspieluug auf die ״nicht immer nur streng zionist'schc“ Haltung des Blattes, die durchaus nicht als Vorwurf gemacht war, scheint nun den Leiter der EGALITATEA arg verschnupft zu haben, obwohl er sich doch gar nicht getroffen zu fühlen brauchte. Er rächt sich, indem er in der No. 10 seiner Zeitung vom 11. Mürz (alten Stils) schreibt: ״Als Kuriosum notieren wir, dass sich in der JÜDISCHEN RUNDSCHAU, Berlin, einer ihrer Korrespondenten über die Artikel! der EGALITATEA über Ostafrika beklagt, dass sie . » . . . Persönliches gegen Herrn Greenberg enthalten. Es scheint, dass jener Korrespondent entweder nicht runiänisch versteht, oder dass eine offenbare mala fides vorliegt, und dass er die Gelegenheit ausnutzt, zu einem Publikum zu sprechen, das nicht welss, was tatsächlich in der EGALITATEA geschrieben war. Wir gruben, der Sache wäre besser gcnützt, wenn die Argumente angeführt worden wären, deren wir uns bedient haben.“ Eine ausführlichere Polemik lohnt ja. nicht, da die Sache selbst zu unwichtig ist. aber um dem Leser der JÜDISCHEN RUNDSCHAU ein Urteil zu ermöglichen, wer hier im Rocht ist, fügen wir wörtlich den betreffenden Passus aus No. 7 der EGALITATEA an. auf den sich unsere oben zitierte Briefstelle bezog. Er lautet: ,Wenn Herr Greenberg sich vorstellt. dass er uns irreführen (״induce in eroare") kann — uns alle, die wir in der Bewegung sind und denken — und dass wir ein grosses neues Projekt aunehmeu und auch die Palästinaarbcii fertsetzeu können, so tauscht er s'cii bitter. Übrigens verführen geschwollene Worte keinen mehr“. (,.Aitmmsiep, \orbe umflate nu mai sedue pc nimetn“.) — Dass ausserdem auch sachliche Argumente vorgebracht seien, hatten wir ja erwähnt; wozu also die Aufregung, wenn nicht aus ein wenig Rancune? Zur Ostafrikafrage Von Dr. Ernil S i m 0 n s o n. (Schluss.) Meine Ausführungen über das, was ich von der Besiedelung des afrikanischen Gebietes für den Zionismus erwarte, sind nebeif anderen Rednern besonders von einem sich mit wissenschaftlichcr Statistik beschäftigenden "Herrn angegriffen worden. Zunächst hat er mir. wie schon vorher ein anderer Redner, imputiert, ich wolle in Afrika gewonnene landwirtscliaftlichc Erfahrungen schematisch auf Palästina übertragen. Damit haben beide Herren offene Türen emgeramt; denn ich habe ausdrücklich unter Erwähnung der in Palästina bereits entstehenden landwirtschaftlichen Versuchsstation von Afrika im Gegensatz dazu a'.s Volkswirtschaftlieber Versuchsstation gesprochen. Landwirtschaftliehe Erfahrungen, die vom Boden und Klima abhängig sind, Kami man natürlich auf andersgeartete Verhältnisse nicht über• tragen, wohl aber berechtigen volkswirtschaftliche Experimente in gewissen Grenzen auch zu Schlussfolgerung(.»! in anderen Ländern. Es handelt sich hier um den praktischen Versuch einer Geselischaftsb.kluu.g aui bodeurefonnerischer, d. h. sozialliberaler Grundlage durch das Mittel der Umdwirtschaftliehen Produktivgenossenschaft. Ich habe dafür plädicit. dass die Zeit für dieses Experiment gekommen sei, weil die theoretischen Vorarbeiten von Franz Oppenheimer lückenlos vollendet seien. Das Experiment ist ja nach Vollendung der Tliconc das einzige wissenschaftliche Mittel, uni die Erkenntnismögüchkciten zu crsch.pfei’. Als Antwort auf diese Darlegungen machen mir die Herren den Vorwurf, dass ich Massnahmen vorschlage, deren Richtigkeit noch nicht ״bewiesen" sei! Am urunu emgcncnücn Muß! vrw; inrwvntvi' iiuu.ovuui Theorien im allgemeinen und der SieJelungsgomssenschaft im besondern habe ich die Überzeugung ausgesprochen, dass die aus den alten kapitalist'tchea Wirtschaftsformen a!1g־.:hV.׳ot*en Schätzungen über die pro Quadratkilometer erzielbare Bevölkcruiigdiehte in einem auf frcilüadischer Grundlage au :'gebauten Gemeinwesen durch die Wirklichkeit weit überholt werden würden.: ich habe also gesagt: Eure Eile. d. h. die aus der kapitalistischen Wirtschaft abgele.tete Eriahnr.g, ist falsch. Der genannte /־ierr hat nun trotzdem mit dieser Elle gemessen und mir daun triumphierend gezeigt, dass sie seine Behauptungen als richtig, die mehligen als falsch erweise. Es ist unbestreitbar: Wenn ein Kolonist bis zur Selbständigkeit 10 000 Eres, kostet, so kosten lüü eine Million und IC«) 000 Koloniste.!, d. i.. die Familie zu 5 Kopten gerechnet, eine halbe Million Menschen, kosten eine .Milliarde. Das ist aber auf freüändischen Boden, wo eine organische Entwicklung stattfindet, anders, als bei der bisherigen künstlich-mechanischen Art der Kolonisation. Das Wachstum würde sieh dort wie das bekannte Weizenkornexempel auf dem Schachbrett verhalten, wenn auch selbstverständlich nicht n derselben Proportion. Diese auf eine lückenlos vollendete Theorie gestützte Behauptuug kann mau nicht * durch allerlei statistische Einzelliehen a priori widerlegen, die aus den Erfahrungen der alten Wirtschaftsweise stammen. Um unsere Schlussfolgerungen aus der Theorie der Siedelungsgenossenschait zu bekämpfen, dazu muss man diese Theorie vorher erst nach allen Richtungen beherrschen. Der ״reine‘• Statistiker ist für diese Fragen ebensowenig Sach%־erständiger, wie der Geometer und der Uhrmacher für die metaphysischen Probleme des Raumes und der Zeit. in ihm zitrückgelassen, wie denn nichts so fesselt, wie die Liebe und Sorgfalt eines Wesens, das gegen alles übrige verhärtet scheint, und ..ei Friedrich wuchs dieses Gefühl mit den Jahren, durch das Gefühl mancher Zurücksetzung von Seiten anderer. Es war ihm äusserst empfindlich, wenn, solange er Kind war, jemand des Verstorbenen nicht allzu löblich gedachte; ein Kummer, den ihm das Zartgefühl der Nachbarn nicht ersparte. Es ist gewöhnlich in jetten Gegenden, den Verunglückten die Ruhe im Grabe abzuspteehen. Der alte Mergel war das Gespenst des Brederholzes geworden; einen Betrunkenen führte er als Irrlicht bei einem Haar in den Zellerkolk (Teich); die Hirtenknaben, wenn sie nachts bei ihren Feuern kauerten und die Eulen in den Gründen schrieen, hörten zuweilen in abgebrochenen Tunen ganz deutlich dazwischen sein: ״Hör' mal an, fein's Liseken," und ein unprivilegierter Holzhauer, der unter der breiten Eiche eingeßchlafen und dem es darüber Nacht geworden war, hatte beim Erwachen sein geschwollenes blaues Gesicht durch die Zweige lauschen selten. Friedrich musste von anderen Knaben vieles darüber hören; dann heulte er, schlug um sielt, stach auch einmal mit seinem Messerchefi und wurde bei dieser Gelegenheit jämmerlich geprügelt. Seitdem trieb er seiner ״Mutter Kühe allein an das andere Ende des Tales, wo man ihn eft stundenlang an derselben Stelle im Grase liegen und den Thymian aus dem Boden rupfen sah. Er war zwölf Jahre alt, als seine Mutter einen Besuch von ihrem jüngeren Bruder erhielt, der in Brede wohnte und seit der törichten Heirat seiner Schwester ihre Schwelle nicht betreten hatte. Simon Semmler war ein kleiner, unruhiger, magerer Mann mit vor dem Kopf liegenden Fischaugen und überhaupt einem Gesicht wie ein Hecht, ein unheimlicher Geselle, bei dem dicktuende Verschlossenheit oft mit ebenso gesuchter Treuherzigkeit wechselte, der gern einen aufgeklärten Kopf vorgestellt hätte und statt dessen für einen fatalen, Händel suchenden Kerl galt, dem jeder um so lieber aus dem Wege ging, je mehr er ווי das Alter trat, wo ohnehin beschränkte Menschen leicht an Ansprüchen gewinnen, was sie an Brauchbarkeit verlieren. Dennoch freute sich die arme Margaret, die sonst keinen der Ihrigen mehr am Leben hatte. ״Simon, bist du da?“ sagte sie, und zitterte, dass sie sich am Stuhle halten musste. ״Willst du sehen, wie es mir geht und meinem schmutzigen Jungen?“ — Simon betrachtete sie ernst und reichte iitr die Hand: ״Du bist alt geworden, Margaret!“ — Margaret seufzte:

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