Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 15 (14.4.1905)
- Date
- 1905-04-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Ho. 15 gehen, sehr schlecht verwaltet werden, dass insbesondere die Annen in diesen beiden Städten־ von dieser Institution keinen Vorteil haben. Wir haben uns deswegen an die zuständige Stelle um Aufklärung gewandt und werden den Bericht veröffentlichen. A. Die Verlagsbuchhandlung Louis Lamm feilt uns mit, dass das Hess-Gedenkbuch am 1. Mai d. J. zum Versand gelangt. Brief aus Rumänien In ihrem letzten Leitartikel konstatiert die Wochenschrift CRON'ICA ISRAELITA ungefähr Folgendes: Die jetzt zur Regicrung gelangte konservative Partei hat in ihrer Programmrede versprochen, der seit dem russisch-türkischen Kriege zu Rumänien gehörigen Dobrudscha die vollen Rechte zu gewähren, wie sic die übrigen Rumänen besitzen (nur die inländischen Juden ausgenommen) und •wie sie ihr nach dem internationalen Recht von selbst gebühren. Diese auch uns Juden interessierende Angelegenheit wurde jedoch aus noch unbekannten Gründen in der Kronrcde des Königs bei Kröfinung des Parlamentes nicht erörtert. — Die Bevölkerung der Dobrudscha besteht zumeist aus Bulgaren, Türken, Russen (Lipowauer), Griechen und Tartare.:, deren Vaterlandsliebe von den rumänischen Reg'erungskreisen vielleicht nicht mit Unrecht angzweifeh worden ist. Trotzdem muss sich die Regierung dem internationalen Rechte fügen und in der Tat besitzen schon lange die zur Zeit der Angiiederung an Rumänien in derDrobrudscha ansässigen Einwohner ohne Unterschied der Nationalität Zivilrechte, die sich von denen der übrigen Rumänen nicht wesentlich unterscheiden. Jetzt sollen diese offenen Feinde von gestern absolut vollberechtigte Rumän-.i werden, und nur die seit ungleich mehr Jahrzehnten und sogar Jahrhunderten im Lande wohnenden Juden sollen auch ferner hin als ״Fremde“ gelten! — Die rumänischen Staatsmänner haben eben zum Mindesten eigenartige Begriffe von Recht und Gerechtigkeit. — . Wir haben schon in unserem letzten Berichte gezeigt, dass die rumänischen Juden keinerlei Aussicht haben, die Bürgerrechte zu bekommen. Und betrachtet man das I.os der wenigen vom ״Glück“ begünstigten Juden, die sich nach vielen Demütigungen und noch mehr Kosten bereits im Besitze derselben befinden, so erscheint ein sehnsüchtiges Seite 167 Streben darnach eigentlich nicht einmal gerechtfertigt. Der ganze Vorteil der ״naturalisierten“ Juden ihren übrigen Stammcsgenossen gegenüber besteht nur im unbeschränkten Wohnrecht int Lande. Von sämtlichen Staats- und Gemeindeämtern aber, zu denen sie als Bürger ein gutes Recht hätten, bleiben sie nach wie vor ausgeschlossen und sie sind noch mehr wie die Juden der westlichen Länder Staatsbürger zweiter Ktasse. Wir halten an unserer früher bereits geäusserten Ansicht fest, indem wir behaupten, dass cs eine Unkenntnis der jüdischen Geschichte' im letzten Jahrhundert beweist, wenn man sich von der Emanzipation der Juden in Rumänien -- von der wir noch sehr weit entfernt sind -״ überhaupt die Lösung der Judenfrage in diesem Lande verspricht. Der rumänische Staat hat doch für diesen Fall gar zu gute Lehrmeister! Unterdessen erregt das Geistesprodukt eines Juden im ganzen Lande besonderes Aufsehen. Das Theaterstück ״Manasse" (au! das wir noch zurückkommcu) mit jüdischem Sujet von Ronetti R o in a n wird seit Wochen im rumänischen Natioualtheater zu Bukarest mehrmals wöchentlich aufgeführt und selbst das Königspaar zollt den! Autor seine Bewunderimg. Der schon von früher her als feiner Dichter geschätzte Ronetti Roman (eigentlich ein galizischer Jude), der der rutnä-!!:sehen Literatur zur Zierde gereicht, war, wie die grosse Mehrzahl seiner Stammcsgenossen, neulich in der Lage, 'in seiner Audienz beim König auf dessen Frage zu antworten, dass er das Bürgerrecht nicht besitze. — Und wie viele Juden gibt es in Rumänien, die dein Lande mehr leisten und leisten konnten, als der Staat von einem Bürger fordern kann! — Freilich teilen wir Herrn Roma/ns Ansicht von der Lösung der Judenfrage keineswegs, denn die Assimilationsbewcgung, der er das Wort spricht, hat überall und ganz besonders bei uns längst bankrottiert. Aber trotzdem freuen wir uns über seine schriftstellerischen Fähigkeiten und Erfolge, da er unseres Stammes ist. Nun noch einige Worte in eigener Sache, die freilich in diesem Falle auch eine Sache der Leser ist. In unserem letzten ״Brief aus Rumänien“ (Nb. 11 der J. R.) hatten wir u. a. geschrieben: ..wenngleich die EGAL1TATEA in ihrem letzten Leitartikel das Projekt verwirft und sich sogar soweit versteigt, Mr. L. J. Greenberg beabsichtigte ״Irreführung“ vorzuwerfen. Dieser Ton mutet uns ganz besonders bei der EGALITATEA, die ia nicht immer seit ihrem Bestehen nur JÜDISCHE RUNDSCHAU Hülsmeyer tot im Holze gefunden sei und jetzt in der Küche liege. . Sobald Margaret wieder zur Besinnung kam, suchte sie die fremden Leute los zu werden. Der Bruder blieb bei ihr, und Friedrich, dem bei strenger Strafe im Bett zu bleiben geboten war, hörte die ganze Nacht hindurch das Feuer in der Küche knistern und ein Geräusch wie von Hin- und Herrutschen und Bürsten. Gesprochen ward wenig und leise, aber zuweilen drangen Seufzer herüber, die dem Knaben, so jung er war, durch Mark und’ Bein gingen. Einmal verstand er, dass der Oheim sagte: ״Margaret, zieh’ dir das nicht zu Gemüt; wir wollen jeder drei Messen lesen lassen, und um Ostern gehen wir zusammen eine Bittfahrt zur Mutter Gottes von Werl.“ Als nach drei Tagen die Leiche fortgetragen wurde, sass Margaret am Herde, das Gesicht mit der Schürze verhüllend. Nach einigen Minuten, als es still geworden' war, sagte sie in sich hinein: ״Zehn Jahre, zehn Kreuze. Wir haben sie doch zusammen getragen ,und jetzt bin ich allein!“ Dann lauter: ״Fritzehen, komm’ her!“ — Friedrich kam scheu heran; die Mutter war ihm ganz fremd geworden mit den schwarzen Bändern und den verstörten Zügen. ״Fritzchen,“ sagte sie, willst du jetzt auch fromm sein, dass ich Freude an dir habe, oder willst du unartig sein und lügen, oder saufen und stehlen?“ .— ״Mutter, Hülsmeyer stiehlt.** — ״Hülsmeycr? Gott bewahre! Soll ich dir auf den Rücken kommen? wer sagt dir so schlechtes Zeug?“ — ״Er hat neulich den Aaron geprügelt und ihm sechs Groschen genommen.“ — Hat er dem Aaron Geld genommen, so hat ihn der verfluchte Jude gewiss zuvor darum betrogen. Hülsrneyer ist ein ordentlicher angesessener Mann, und die Juden sind alle Schelme.“ — ״Aber, Mutter, Brandes sagt auch, dass er Holz und Rehe stiehlt.“ — ״Kind, Brandes ist ein Förster.“ — ״Mutter, lügen die Förster?“ Margaret schwieg eine Weile, dann sagte sie: ״Höre, Fritz, das Holz lässt unser Herrgott frei wachsen und das Wild wechselt aus eines Herten Lande in das andere; die können niemandem gehören. Doch das verstehst du noch nicht; geh׳ jetzt in den Schuppen und hole mir Reisig.“ Friedrich hatte seinen Vater auf dom Stroh gesellen, wo er, wie man sagt, blau und fürchterlich ausgcschen haben soll. Aber davon erzählte er nie und schien ungern daran zu denken. Ueberhaupt hatte die Erinnerung an seinen Vater eine mit Grausen gemischte Zärtlichkeit