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Jüdische Rundschau · 1905-04-14 · Heft 15 (14.4.1905) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 15 (14.4.1905)
Date
1905-04-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 166 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 15 gibt natürlich in einer unterdrückten und zerstreuten Nation viel mehr welke Blätter, die sich vom Sturme der Weltgeschichte losrütteln lassen, als in grossen Volksstammen die in stetiger Geschichtsentwicklung auf dem angestammten Boden seit Jahrhunderten und Jahrtau־ senden wohnen. Aber um so bewunderswiirdigcr ist die eiserne Volkskraft, die von einem zweitausendjährigen Exil und einer zweitausendjährigen Verfolgung nicht gebrochen wurde. Freilich werden wir, solange wir im כלות sind, auch die bezeichnenden גלות -fehler behalten, w erden die Juden in unserer Mitte haben, die das eigene Volkstum verraten und sich glücklich wähnen, wenn ihnen ein Nichtjude zugesteln, dass matt ihnen den Juden nicht ansieht. Der Rabbi, der die jüdischen Gesetze und Bräuche als jüdischnational durch deutsch- oder czechiscluiationale ersetzen will und der Mann mit dem Profcssortitd, der sich zum Angeber jiidischnationaler Gesinnung macht, spielen dabei die Rolle des polnischen Juden der Anekdote, der im Kupec antisemitischen Sticheleien gegenüber mit dem besseren Teile der Tapferkeit ״sich nicht zu erkennen gibt.“ Aber so wenig er von irgend welcher Bedeutung ist, wenn es gilt die Volkskratt der Juden zu schätzen, ebensowenig sind seine Pendants auf dem Boden der Mark Brandenburg, in der Grafschaft Ravensberg oder dort, wo der Märker Eisen reckt, zu beachten; denn sie sind nur symptomatisch für die Anschauung der Schwächlinge, die sich stark glauben. Auch die Priester Jason und Menelaus hielten sich für Griechen und fiir stark, als sie das Judentum syrisch gräzisieren wollten, und waren doch nur schwache Assimilanten. Das Jüdische Volk aber war stark genug, sie auszuscheiden, wie ein gesunder kräftiger Organismus noch immer die schädlichen und giitigen Stoffe ausscheidet, die nur einem schwachen Körper gefährlich werden. Der jüdische Volksorganismus ist heute nicht minder gesund wie zu den Zeiten, wo er die Griechlinge ausscheiden musste, die sich für Griechen hielten, die Brandfackel in das eigene Volkstum werfen wollten und doch nur der Verachtung derer anheimfielen, denen sie zu gleichen glaubten. Das Jüdische Volk ist über sie zur Tagesordnung übergegangen, als• hätten sie nie existiert und doch hielten sie sich zu ihrer Zeit für die Männer des Fortschritts und der freien Gesinnung. Eine wunderliche freie Gesininnig, die der Brandfackel gleiclikonunt für das eigene Haus, eine wunderliche freie Gesinnung, die vor allem hinlief zum syrischen Staatsoberhaupt, um die Juden als Staatsverräter zu denunzieren, die nicht ihren Worten ein feierliches Amen zu riefen. Unbekümmert um dieses freisinnige Gesindel haben die Makkabäer das Jüdische Volk zur Freiheit geführt und haben ihm die Zukunft erkämpft und die Existenz und Volkskratt, die es noch bis auf den heutigen Tag besitzt. Darum dürfen wir au׳:!! hoffen, dass der jüdische Stamm alle Widerstände im eigenen Innern überwindet, die allein einer Lösung der Judenfrage im Wege stehen. Und die Judenfrage wird gelöst werden, nicht im Sinne des Unterganges. Sie wird gelöst werden und zugleich wird die Zukunft des Judentums .sich tmvergüng• lieh aufbauen. Das Jüdische Volk hat nicht darum die herrlichste ethische Kultur im eigenen Lande geschaffen, nicht darum Jahrtausende lang gelitten und gekämpft, nicht darum die Völker überdauert, um endlich sich 1111• rühmlich und verächtlich selbst atifzulösen. Trotz einer Welt in Waffen und trotz aller Feinde im eigenen Innern wird das Judentum und das Judenvoik bleiben und leben und wird sich seine Zukunft selber schaffen, die Zukunft eines Kulturvolkes in Palästina. Heinrich Sachse. Mitteilungen des .Zentralbureaus der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. 1. Die Sammelstelic für Materialien (Frau Dr. Joel, Lübeck, Beckergrube 58) bittet um Einsendung der in den einzelnen Gruppen gesammelten Materialien. 2. Wir bitten diejenigen Ortsgruppen, welche bisher die Schekelgelder und Landesbeiträge noch nicht ab* gesandt haben, dies umgehend zu tun. Wir machen aber darauf aufmerksam, dass Schekelgelder und Landesbeiträge ausschliesslich an unseren Schatzmeister, Herrn Max W 011 s t e i 11 e r, Berlin NW. 23, Holsteiner Ufer 10, zu schicken sind. 3. Durch die Presse gehl die Nachricht, dass die Volksküchen in Saffed und Jerusalem, für die auch aus zionistischen Kreisen jährlich grössere Stimmen ein* Die Judenbuche Ein Sittengemälde aus dem gebirgigten Westfalen von Annette Freiin von Droste-Hülshof f. [2 Friedrich ward still; er horchte noch ein Weilchen und schlief dann ein. Nach einigen Stunden erwachte er. Der Wind hatte sich gewendet und zischte jetzt wie eine Schlange durch die Fensterritze in seinem Ohr. Seine Schulter war erstarrt; er kroch tief unters Deckbett und lag aus Furcht ganz still. Nach einer Weile bemerkte er, dass die Mutter auch nicht schlief. Er hörte sie weinen und mitunter: ״Gegriisst seist du, Maria!“ und ״bitte für uns arme Sünder!“ Die Kugeleben des Rosenkranzes glitten an seinem Gesicht hin. Ein unwillkürlicher Seufzer entfuhr ihm. — ״Friedrich, bist du wach?“ — ״Ja, Mutter.“ — ״Kind, bete ein wenig *— du kannst ja schon das halbe Vaterunser —, dass Gott uns bewahre vor Wassers- und Feuersnot.“ Friedrich dachte an den Teufel, wie der wohl aussehen möge. Das mannigfache Geräusch und Getöse im Hause kam ihm wunderlich vor. Er meinte, es müsse etwa/5 Lebendiges drinnen sein und draussen auch. — ״Hör’, Mutter, gewiss, da sind Leute, die pochen.“ — ״Ach nein, Kind; aber es ist kein altes Brett im Hause, das nicht klappert.“ — ״Hör’! hörst du nicht? es ruft! hör’ doch!“ Die Mutter richtete sich auf; das Toben des Sturmes Hess einen Augenblick nach. Man hörte deutlich an den Fensterläden pochen und mehrere Stimmen: ״Margaret! Frau Margaret, heda, aufgcmaclit!“ Margaret stiess einen heftigen Laut aus: ״Da bringen sie mir das Schwein wieder!“ Der Rosenkranz flog klappernd auf den Brettstuhl, die Kleider wurden herbeigerissen. Sie fuhr zum Herde und bald darauf hörte Friedrich sie mit trotzigen Schritten über die Tenne gehen. Margaret kam gar nicht wieder; aber in der Küche war viel Gemurmel und fremde Stimmen. Zweimal kam ein fremder Mann in die Kammer und schien ängstlich etwas zu suchen. Mit einemmal ward eine Lampe iieringcbracht; zwei Männer führten die Mutter. Sie war weiss wie Kreide und hatte die Augen geschlossen. Friedrich meinte, sie sei tot; er erhob ein fürchterliches Oeschrei, worauf ihm jemand eine Ohrfeige gab, was ihn zui Ruhe brachte, und nun begriff er nach und nach aus den Reden der Umstellenden, dass der Vater vom Ohm Franz Semmler und dem *1p®1 T־w»

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