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Jüdische Rundschau · 1905-04-14 · Heft 15 (14.4.1905) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 15 (14.4.1905)
Date
1905-04-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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t/ üBo libhäb Mv A'oonncmentsprcls (Zusendung inbegriffen) vierleljlKrtlch: 1 durch dlo Etpeditlon: a) In Berlin —,90 Mark, b) nach aus- *ärts!,— Mark, c) für das Ausland 1.50 Mark: . 2. Im Poilabonnement 1,25 Mark. Insertlonsprels die vlergespaltcne Petit-Zeile oder deren Raum 25 Pfennig. Alle Rechte Vorbehalten. & Organ der Zionistischen Vereinigung für Adresse I3r Geldsendungen and Bestellungen: Verlas Jüdisch# Rundschau, E. 0. m.b.H, Berlin N.54, Aujusütr. 491. Getchiftsstuaden der Expedition! täglich (ausser Sabbat und Sonnug) vormittags 10—1, nachmittags 3—7 Uhr. Deutschland. Abdruck aus der jUEDlSCHEM RUNDSCHAU Adresse der Redaktion: J. Berlin N W. 62; Melanchihonstrttaa 4 nur bei voller Quellenangabe gestattet. Nummer 15 Berlin, 14. April 1905 — 9. Nissan 5665 X. Jahrgang Gibt es eine Judenfrage 111. Wenn wir auch zugeben!missen, da>s da.? Judenmm eine so herrliche Vergangenheit hatte, w ie nur irgend ein Volk der Welt, wenn ‘auch seine Kulturleistuugen in alter Zeit so grosse w aren, dass noch heute ein grosser 1'ei! der gesitteten Welt seine Anschauungen von Sittlichkeit und Humanität auf jüdischen Geruudlagen basiert, so Lu damit ’ wohl die Existenzbereehtigung des Judentums i» einer eklatanten •Weise bewiesen, aber noch nicht die Möglichkeit einer Existenz in Zukunft gegeben, wenn die jüdische Stammesgemein־ sehm't jetzt nicht mehr die Kräfte hat, die zu einem Dasein als Gesamtheit unbedingt notwendig sind. Wenn es wahr wäre, was die Feinde der Judenschaft behaupten, das? die jüdische Nation nur den Abschaum der Menschheit darstclle, die kein anderes Interesse habe, als nur das Eigenwohl des einzelnen, unbekümmert um die Mittel, die zu diesem Wohl führen, w enn es wirklich der Wahrheit entspräche, dass die Juden nur an das selbstische Wohl und Interesse des einzelnen Juden sich gebündelt erachten, und dass das Judentum keinerlei produktive kulturelle Arbeit vollbringen könne, so müsste man billigerw eise zweifeln, ob das Judentum noch fortexistieren könne. Es hiessc uns auf ein zu niedriges Niveau zu stellen, wenn wir die antisemitischen Vorwürfe widerlegen wollten. Es w ird genügen, zu konstatleren, dass die Judcnheit in keinem Lande, in dem sie lebt, hinter der umgebenden Bevölkerung an produktiv leistender Kultur zuriickbleibt. Jedes Kuhurelement findet im heutigen Jiidcntmne genügend Nährboden. Der Jude in Deutschland hat in dem verflossenen neunzehnten Jahrhundert bewiesen, dass nur ein Strahl der Freiheit geniigte, um seinerseits allen Schmutz der Unfreiheit abzuschütteln, den die Jahrhunderte ingrimmigste.* Vcrfolgung über ihm angesammelt hatten. Dasselbe gilt von den meisten Juden westeuropäischer Länder in mehr oder minder starkem Masse. In Amerika gehört das Judentum zu den kulturellsten und aufstrebendsten Elementen. In den Ländern des ehemaligen Königreichs Polen, wr0 die Juden von den verschiedenen Regierungen und von der polnischen Bevölkerung in gleicher Weise sozial schwer bedrängt werden, . gehört das Judentum nicht zu den rückständigen Bevölkcrungsklasscn. Es ist charakteristisch, dass die Juden im Gegensätze zu der umwohnenden Bevölkerung sich allmählich aus dem Bann einer nach Klcrikalismus ausgehenden Verfassung losrcisseii lind eine neue geistige Biiite licrvorbringen, deren Regsamkeit .die Riesenerfolge der deutschen Juden in den ersten zwei Dritteln des vergangenen Jahrhunderts beinahe hinter sich lassen werden. Dass sie auch friilier iiiJn wie die grosse Masse der Russen und Polen zu den Analphabeten gehörten, ist dabei nicht nötig . hervorzuheben. In Rumänien, das sich eben anschickt, dem Judentum den Garaus machen zu wollen, indem man den Hungertod von Hunderttausenden unter dem Schlagwort der ״liberalen Regierung“ dekretiert, hat die Feindschaft gegen das Judentum ausser den üblichen religiösen und rasseuhaften Gründen, vor allem die Ursache, dass der zur Faulheit neigende Rumäne den fleissigcn jüdischen Arbeiter beneidet, und dass die rumänische Regierung eben die kulturelle Ueberlegenheit der Juden zum Ausgangspunkte ihrer Angriffe macht. Ueberhaupt gibt es wohl Länder, in denen die Juden infolge der Jahrhunderte langen ununterbrochenen Verfolgungen einen Teil ihres frohen Mutes eingebüsst haben, aber kein Land, in dem sie ihrer Umgebung an Kulturwcrten und Kulturkräften minderwertig gegenüberstellen. Wenn heute zufällig alle Juden aller Länder sich an einem Orte geeint zusammenfänden, so würden zwar die augenblicklichen Verschiedenheiten zu grosse sein, um sofort ein gesundes Kulturleben zu bedingen, aber es wäre ein so gebildetes und gesundes Volk beisannnen, wie nur irgend in einem Winkel der Erde. Die Zahl der Analphabeten würde im Prozentsätze sicher nicht grösser sein, als bei den Dänen, die bekanntlich die allerbeste Volksschule ihr eigen nennen. Das Einzige, was vielleicht die Juden im Vergleiche mit anderen Nationen schwächer erscheinen lässt, ist die überall beobachtete geringere Fortpflanzungsfähigkcit der Juden im Vergleiche mit den sie umgehenden Stämmen, die freilicli durch die grössere Fürsorge wieder aufgewogen wird, welche die Juden ihren Kindern zuwenden. Jedenfalls ist diese geringere natürliche Vermchrung kein Grund, ihnen die Lebenskraft abstreiten ZU wollen. Sie haben nicht nur das Recht und die Pilicht, sondern auch die unbedingte Möglichkeit, als Gesamtheit fortzuexistieren. Wenn aber die physische Möglichkeit geboten ist, die Existenz des Judentums fortzufuhren, die psi'chische Existenzmöglichkeit ist selbst von den grössten Gegnern unserer Nation niemals angezweifclt worden. Es

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