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Jüdische Rundschau · 1905-04-07 · Heft 14 (7.4.1905) · page 16

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 14 (7.4.1905)
Date
1905-04-07
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 160 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 14 aus tiefster Seele, und wo er sie gerade als Juden einmal zahlreich fand, in Karlsbad, da hat er sich noch speziell über sie geärgert. Es war ihm stets zuwider, das ״Hohle, Phrasenhafte. Lügnerische. Hochmütige. Hartherzige des B o a r r c o i s - Standpunktes.” ״das von Schiller spricht und Gerson meint.“ Aber damals aus Karlsbad schrieb er an seine Tochter u. a.: .,Liest man die Uadclistc durch, so findet mau. dass bis aui Australien, Uruguay, Buenos-Ayres ind Kapstadt alle Lfmdcr hier vertreten sind; bei näherer UntersuchuiiR (glücklicherweise nur der Namen) findet mau aber freilich, dass sie alle RleichniässiR aus Jerusalem stammen und sich God save the Queen und Yankee d״״dle nur Vorspielen lassen, um auf diese Weise fremde Nationalität zu heucheln. Die Juden können froh sein, dass Leute wie Ahlwardt und Paasch den Antisemitismus in die Hand rcndmiiicu haben; die ciRcntlichen antisemitischen Prediger sind sie selbst.“ Heilsarmee und Unheilsarmee in Jerusalem fu Jerusalem hat General Booth, wie der KRIKGSRUB mit־ teilt, im März Versammlungen der Heilsarmee abRchaitcu. 28 Seelen sollen zur Bussbank gekommen sein, darunter ״drei jüdischen Glaubens". Du General Booth englisch spricht, so können das weder spanische noch arabische oder polnische Juden sein, sondern nur solche, die englisch sprechen. Die einzigen dieser Art sind aber in Jerusalem die getauften Juden der englischen Mission. Schlimmer aber ist die Wirksamkeit der russischen Post, die ebenso reale Zw ecke im Orient verfolgt wie General Booth trotz vieler realer Licbeswcrke auf nicht irdischem Boden wandelt. Die russische Post, die von Juden geleitet wird, die dem türkischen Staate ihm allein ztistehende Gelder entzieht und sich dabei einer recht schmutzigen, mtkmtcren Konkurrenz bedient. ward von dem Juden Solomiak geleitet, der dazu dienen muss, die Juden, die im He ligcn Laude vor den russischen Liebcsausbröchen eine Zuflucht gefunden haben dem russischen Einfluss dienstbar zu machen, der allein der Kolonisation P,tlästinas wirklich feindlich entgegenarbeitet. Jetzt wurde auch Herr Bcntüuwim dort angestellt, als Belohnung wohl fiir d e Lanze, die er in der DEUTSCHEN ISRAELITISCHEN ZEH UNO. im ISRAELIT und andern Blättern, bei denen er sich als ״frommer" Jude eingeiührt hat. für die russische Post in Jcruealem brach und für den Bittgottesdienst, mit dem er für den Sieg der russischen Waffen die Synagoge beleidigt hat. Er war es auch dessen ״E'nfluss“ es zu verdanken war. dass unser ehrenweiter Mitbürger E. Sachowolsky von russischen Pol'zcischergeu auf offener Strasse vergewaltigt wurde. Also Herr Bcntüuwim hat jetzt endlich den gewünschten Eingang in d^c russische Post gefunden. Sehr bald danach ist der HACHABAZELETH. der uns seiner ganzen Tendenz mich ja nicht gerade lieb Ist, von der .Behörde verboten, weil er erfreute Berichte über die siegreichen Rückzüge Kuropatkius in'Ostasiens gebracht hatte. Jetzt ist. w ie wir hier in Jaffa erfahren, auch der HASQIKAPHA eine Verwarnung zugeguigen. wonach sic sich schlechter Nachrichten über die Lage in ־Ostasien zu enthalten hat. Wenn sie noch w eiter von rus־ s'schcn Niederlagen in Ostisien zu berichten wenss. .ר wird auch ihr das weitere Erscheinen verboten werden. Wie man sieht, ist die Verwaltung der russischen Post wirklich russ’sehpatriotisch. Wie sagt d<x*h ein deutscher Dichter: .Der grösste . . . im ganzen Land — — das ist und bleibt ״der russische Patriot!” Der Enkel eines Polen .... Aus L o n d o n w ird der BRANKPURTER ZEITUNG berichtet: ..Im Polizeigericht von Westmiuister wurde heute der 50 jährige Moses Levy aus Holland zu zwe'monatlcher Zwangsarbeit verurteilt, weil er ein Eenster im Hause des Sir Sydney W a t c r l o w . früheren Lord-Mayors der City von London, mit einer steinernen Ehsehe eiugeworien hatte. Levy hatte das Wohnhaus des Sir S. Waterlow in Chcsham PUce für de russische Botschaft gehalten. Er sagte, er sei der E 41 k e I e i 11 c s P o I e 1; 11 u d ha b c a 11 s H a s s gegen Russland die russische Botschaft beschädigen wollen. Brüher hat er das Türschild des hiesigen russischeu Konsulats abgerissen." Vielleicht hätte der Mister Moses Levy seinen 'lass gegen Rnslanj •auch aus anderer Quelle beziehen können. Denn es ist doch etwas eigentümbeli. sich gerade aui einen Pole 11 als Ahnen zu berufen, wenn man * je nun - - es ist peinlich - ~ wenn man halt mal Moses Levy heisst . . . Antisemitisches,׳ Bubenstück Ein Bubenstück wurde kürzlich verübt, indem auf dem am Roehusberg bei Bing e 11 gelegenen Pricdhot der jüdischen Gemeinde an mehreren Grabsteinen die Urnen abgehoben und weggeworfen wurden. — Es vergeht keine Woche, in der nicht eine derartige antisemitische Grabschändung gemeldet w ird. Wie können die intellektuellen Urheber solcher Roheiten es wagen, ihre von den niedrigsten Instinkten beherrschte ״Bewegung” mit dem Judentum auch nur zu vergleichen. Abermals^eine Grabschändung Aus Neu-Ruppin wird gemeldet: In den letzten Tagen sind auf dem altcvt jüdischen Ericdhofc hinter dem Weinberg Beschädigungen an Gräbern und Grabdenkmälern ausgeiiihrt worden. Die later konnten leider noch nicht festgestellt werden. Hinter den Kulissen Der Antisemitismus, der gegenwärtig mit Hilfe der neuen deutschen ,.Mittelstandsvereimguiig" die Gemüter in Stadt und Land mobil macht, hat eine Änderung zu verzeichnen, deren Tragweite sieh auf den ersten Blick nicht übersehen hisst. Das Hauptorgan der ,.unentwegten" Antisemiten, die STAATS- BÜRGER-ZEITUNG, wurde bisher von de!!1 früheren Lehrer \\ ilhclm B r u 11 n heraiisgegcbcii. Neuerdings figuriert mm :!eben ihm noch als Mitherausgeber ein Herr Hans Brey tag Was das bedeutet, weiss man nicht sicher, aber es lässt sich ■vermuten. Anscheinend ist Brey tag ein üeldmaim. Neulich liiess cs nämlich. Brulm wolle eine reiche Heirat tun. Dann meldeten se־> :e Antipoden, cs sei nichts daraus geworden. Wenn das richtig ist. dann ist die Vermutung, dass das Blatt in den Besitzverhälmissen eine Änderung hat uiirchmaciien müssen, schon begründet. - - Brulm aber kann nt::!, nachdem cs mit der reichen Partie nichts war. mit frisch gefestigter Überzeugung gegen den jüdischen Geldgeist herziehe!!, der das deutsche Volk bereits soweit vergifte! hat. dass sogar er. der Antisemitenhauptling Brulm, im Rausch dieser Vergiftung fast eine reiche Brau geheiratet hätte - im letzten Moment besam! er sich dann noch — natürlich hat er sich besonnen! Pücklers Abgang Die Zeitungen berichten: ,Der streitbare Grat hat jetzt enagiltig den Berliner Staub voi seinen Bussen geschüttelt: er will sich vom politischen Leben zuriiekzieheu. Nachdem ihm das icchthch sehr anfechtbare polizeiliche Redeverbot die Abh?lttmg von Versammlungen I י Berlm unmöglich gemacht hatte, wollte Graf Piickler bekanntlich seine Ideen in allwöchentlich erscheinenden Blugblüttern unter das Volk bringen. Eine dieser ..ungehaltenen Reden” ist auch tatsächlich in kleiner Auflage verbleitet worden. Der Ton seiner weiteren Elugblättcr wurde?bir Immer blutrünstiger; er setzte schliesslich direkt Prämien lür Embrccher und Bombenwerfer aus, die ihr edles Gewerbe bei den Berliner Juden ausüben sollten. Bür diese Brandreden fand er mm aber keinen Drucker. Das hat den Grafen sehr verschnupft. Er erklärte seine hiesigen preunde für ״schlappe Kerls", die sich vor e n p!ar Jahren Getaigiüs fürchteten, ln beschaulicher Ruhe will er nun für den Rest seines Lehens seinen Kohl hauen — Welchen K״hl?, Der antisemitische Gentleman Um nachzuweiseu. dass die jüdische B e v ö 1 k e r u n g I r sonders unlustig zum Militärdienst sei. hat sich der Abg. Uchcrina 11 n v. S 11 ״ n e n b c r g h der Reichstagss Dung mihi 23. März auf e'ue Statistik von I) r. P a 11 1 N a 111 0 11 berufen aus der sieh ergebe, das• .״־ der Zeit von 12<א b.s 1892 •11 Hg) Juden wegen Verletzung der Wehrpflicht le «traft seien, während es nach der Höhe ihrer Bevölkerungs- >if»cr nur 2-h׳s hätten sein dürfen. D e Zahlen hat Herr Liebeikmn v. Somienbcrg richtig zitiert, aber natürlich in echt antisemitischer Art. tiämbch unvollständig. Der Abgeordnete hat näm' th ..vergessen", die Bemerkungen zu keriickHchtIgcii. die :1 der Natlir :׳scheu Statistik sie ist enthalten in der Schritt ״Die Kiimiiudltät dir Juden" ־ an die betreuenden Daten ecknüoit süid. und d esc Bemerkungen sind von ganz besonderer Wichtigkeit. Es wird dort der Kommentar abgedruckt, mit dem die amtliche Statistik des Deutsche•:! Reiche••• die Best- Stellungen über die Verletzungen der Wehrpflicht versieht. Hier werden gewisse Bedenken zerstreut die au die holte Zahl von 202 299 Verurteilungen im Laute von ־zehn JaUre•!' geknüpft werden könnten. Unter den in contumaciam Verurteilten befinden Geh sehr viele Personen, de im frühesten Kiudcsalter mit ihren Angehörigen das Vaterland verla sen haben, und möglicherweise gar nicht mehr unter den Lebeude׳! weilen. Die grosse Zahl der Verurteilten hängt mit der starken Auswanderung in den vorliergegangencn Jahren zusammen, und die amtliche Statistik erklärt ausdrücklich: ״Hiernach dürfte cs klar sein, dass an die jährlichen Zahl.11 die• er Verurteilen Schlussfolgerungen auf die Krimiualität In dem Sinne, wie es bezüglich der anderen Delikts- PPP!׳..1י״ 1 י

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