Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 14 (7.4.1905)
- Date
- 1905-04-07
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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No. M JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 159 so glühend heiss waren, dass mau siel» ihnen nicht mehr nähern konnte, tfin Poliziit. der zwanzig Personen rettete, wurde selbst schwer verletzt. Kr trug Leute über ein Brett, a4$־ er als Brücke von dem brennenden Hause nach einem Nachbarhause gelegt hatte, und führ dam't selbst dann noch fort, als das Brett brannte. Schliesslich brach das Brett u!d der tapfere Polizist stürzte in dett Hof hinunter, wo man Hut mit zerbrochenen Rippen und mit gebrochenem* Schlüsselbein bcwusstlos fand. — Nach einem Telegramm des DAILY LriRO- NICLK. war das Gebäude ein alter, leicht brennbarer Bau. in dem 22 jüdische Familien wohnten. Auch der Korrespondent des DAILY CHRONICLF '.rkliirt, dass die Inrassen ihre Rettung selbst dadurch unmöglich machten, dass sic Körbe mit Kleidern und wertlose Dingo aller Art zu retten versuchten. In vielen Fallen ergriffen die flammen die schreiend an den Fenstern stehenden Leute, che man sie mit Leitern erreichen konnte. Die von den Flammen Krgrineneti fiele t dann schreiend in den brennenden Raum zurück. Viele zogen es vor. einen Sprung zu wagen, und wurden dabei zum Teil so schwer verletzt, dass an ihrem Aufkommen gezwc'felt wird hin K;»d. das aus einem der obersten Kcnster geworfen wurde, fiel auf einen Schneehaufen und blieb unverletzt. Fs w:rJ behauptet, dass cs sieb um eine Brand- Stiftung 11 and eit. Merkwürdig genug, um zu dieser Behauptung Anlass zu geben. .y!׳d allerdings die y.alilre'chci Brände im New-Vorker Judcuvicrtel. 1 ei Menschenleben zu beklagen sind. Dar % die das Rettungswerk durch ihre Unheholfcnhe: verwt• *Jerlich und kommt hei Unglücks*‘;!: Häusern immer vor; wer nur wenig!; ..wo. eigen nennt, den packt eben die Angst um Moment der Gefahr genau so wie den Angst uiii seine Wertpapiere, die noch!!• sich befinden. * Vidieicht führt di•• L neuesten Katastrophe e'nmil zur Aufklärung leuerbrünste. denen last immer Ärmsten oft seihst ’. hindern, ist nicht e!1 in .Armelem"-. tlose Sachen” sein dieses Wenige im Reichen etwa die iu »m Banktresar :1tersudiuiig dieser öicser mysteriösen Aus Russfand j Petersburg. I. April. Hier geht das Gerücht, in Jen I nächsten Tagen werde ein Aufruf י ב das Volk veröffent-! licht werden, worin ganz bestimmte Freiheiten gewährt : werden sollen, nicht aber die Aufhebung der Juden gei 5 e t z e. - Wozu auch, die Juden lässt man doch viel ein-! l'acher totschiessen, und wenn das so minimale Frgebnissc \ ze tigt. wie untenstehende Meldung aus Warschau besagt, wozu gibt es daun noch die ..Pogroms?” j Warschau. Montag, .?..April. Gestern abend um 7 Uhr kam! es zu emem Zeyammenstoss zwischen einer Ansammlung von ‘ etwa IikM Juden, die sich angeblich zur Beerdigung eines | Sozialisten auf den Kirchhof begaben, mit der Polizei und; dem Militär. Die Menge stürzte s־'-h unter Hurra rufen 3״»; die Truppen (?) und feuerte Revolverschüsse auf sie ab. l>ic 1 Truppen antworteten irit Silvenfeuer; ein Jude wurde getötet. י — Natürlich ist das die offizielle Meldung der Rius'schcn Tele- ' graphcu-Agcntur. Nach privaten Mitteilungen hat sich die Sache ganz wesentlich anders zugetragen und es sollen auch •ücht einer sondern fünfzehn Juden getötet worden sein. Christliche Liebe — jüdischer Rachegott Moskau Ist der Zcntralpunkt für die aus dem Kriege zuriickkehrcndci! kranken und verwendeten Soldaten. Der grösste Te l von ihnen wird in den dortigen Militär- und Privatkraukcnhäioern mitgenommen. Nun gthört Moskau nicht zu den Städten, in denen den Juden das Wohnrecht gewährt ׳,st. Die Acrzte behandeln die jüdischen Soldat!u in den Krankenhäusern human. Dagegen halten die russisch^.. Verwaltungsbehörden die Praxis der Ausnahmegesetzgehmig gegen die Juden auch mit voller Strenge gegen die unglücklichen Opfer des Krieges. d׳e Kranke 1. Verwundeten und Sterbenden aufrecht. Die jüdische׳! Frau e u werden nicht zu den Krankenbetten ihrer Männer gelassen.. da sie üas heilige Moskau nicht bwtreten dürfen, und die Männer, mögen sie auch zu Krüppeln geschossen und arbeitsunfähig oder siech sein, werden in ׳!e1:׳ Augenblick, wo sie das Krankenhaus verlassen, a u s M o s k a u ausgewiesen. Man sicht aus den angetünrtcn Tatsachen, d?ss Russland nicht einmal Wert darauf legt, im jetzigen Augenblick wenigstens die (jeiühlc jener zu schone.1, die ihre Gesundheit tiir das russische Reich geopfert haben. Wozu auch Rücksicht ־mit die Juden! Aller wenn in irgend einem dieser mit Füssen getretenen Juden dann einmal der Groll aufsteigt und er;׳: eaier revolutionären Demonstration aktiven Antc'i nimmt, dann schreit das Aiuisemitenpack des ganzen Westcuropa in schöner Eintracht mit den russischen Brüdern; ..Der Jude wird verbrannt!" Angesichts solcher widerlichen H e 11 e h c! e i bedauern w.'r manchmal dass auch der ״jüdische Rachegott" leider mir in der Fantasie dieser modernen Van!־ jn re existiert . . . Verband der deutschen Juden Der im Frühjahr 19!M begründete Verband der deutschen Juden dem nunmehr fast ausnahmslos alle grösseren jüdischen Gemeinden und «rostigen Verbände beigetreten sind, litt in Bt 1 litt einen ständigen Ausschuss gebiluet. Seine Tätigkeit erstreckt sich u. 3. auf Wahrung der Rechte dar Juden bei der für Preusscn vorbereiteten Schulreform; ferner ist. eine int ganze. 1 Reich veranstaltete Umfrage im Gauge über Zurücksetzungen, die Juden ihres Glaubens halber in den verschiedenen Zweigen der Staats- und Gemeindeverwaltung, im Zivil- und Heeresdienst erleiden. Besonders ins Auge gefasst ist hierbei auch eine aktemnäss'ge Feststellung des Aus- Schlusses jüdischer Bürger vom Schöffen- und Geschworenendienste. Der Verband plant für den Oktober 1905 eine Orient- Fchc Hauptversammlung. Fontane und die Assimilationsjuden Zu Unrecht wird behauptet, der alte Theodor Fontäne, dessen Briefwechsel eben publiziert wird, sei ein Antisemit gewesen. Der war wirklich zu vornehm und zu gerecht dazu. Aber eine Sorte von Menschen hasste er einem Sohne, man kamt nictit sagen erfreut, denn Margaret soll sehr geweint haben, als man ihr das Kind reichte. Dennoch, obwohl unter einen! Herzen voll .Gram getragen, war Friedrich ein gesundes hübsches Kind, das in der irischen Luft kräftig gedielt. Der Vater hatte ihn sehr lieb, kan! nie nach Hause, ohne iluu ein Stückchen Wecken oder dergleichen mitzttbringen. und man meinte sogar, er sei sei! der Geburt des Knaben ordentliche.־ geworden; wenigstens ward das Lärmen im Hause geringer. Friedrich stand in seine n ..eitntet! Jahre. Fs war um das Fest der heilig־׳!! drei Könige, eine rauhe, stürmische Winternacht. Hermann war zu einer Hochzeit gegangen und hatte sich schon beizeiten am* den Weg gemacht, da das Brauthaus dreiviertcl Meilen entfernt lag. Obgleich er versprochen hatte, abends wiederzttkommen, rechnete Frau Mergel doch um so weniger darauf, da sich nach Sonnenuntergang dichtes Schneegestöber eingestellt hatte. Gegen zehn Uhr schürte sie die Asche an! Herde zusammen lind machte sich zum Schlafengehen bereit. Friedrich stand neben ihr, schon halb entkleidet, und horchte auf das Geheul des Windes und das Klappern der Bodenfenster. ״Mutter, kommt der Vater heute nicht?“ fragte er. ״Nein Kind, morgen.“ -- ״Aber warum nicht, Mutter? er hat's doch versprochen.“ ~ ״Ach Gott, wenn der alles hielte, was er verspricht! Mach, mach voran, dass du iertig wirst.“ Sie hatten sich kaum niedergelegt, so erhob sich eine Windsbraut, als ob sie das Haus mitueluueu wollte. Die Betcuatt bebte und in! Schornstein rasselte es wie ein Kobold. — ״Mutter, es pocht draussen!“ -- ״Still, Fritzchen, das ist das lockere Brett im Giebel, das der Wind jagt.“ -- ״Nein, Mutter, an der Tür!" — ״Sie schliesst nicht: die Klinke ist zerbrochen. Gott, schlaf doch, bring mich nicht tun das armselige bisschen Nachtruhe.“ -- ״Aber wenn nun der Vater kommt?" — Die Mutter drehte sielt heftig im Bett tun. — ״Den hält der Teufel fest genug!“ — ״Wo ist der Teufel, Mutter?” -- ״W'art, du Unrast! er steht vor der Tür und will dich holen, wenn du nicht ruhig b׳s!!** (Fortsetzung folgt.)