Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 14 (7.4.1905)
- Date
- 1905-04-07
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2651273-2651394-2651409--02246-2659141- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 158 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 14 ן 1 I! I Schließung Palästinas und die Möglichkeit des 1.andkau.es. Die nächste Versammlung findet am 10. April ab Gedenkfei er für Moses Hess statt. G. ii. Köthen. Am Sonntag, dem 26. März, wurden hier durch einen Pestkommers, an dem zahlreiche Ehrengäste Dilnahmen die von dem Lchrköiper nncres Polytechnikums im Verein mit der zionistischen Palästinakommission in Berlin und einer Reihe auswärtiger akademischer Lehrkräfte veranstaltet'! E e r i c n k 11 r s c f ii r kolonial c T c c h 11 i k eröffnet. Es sind über IW) Studierende der verschiedensten H<'ch*chulc11 Deutschland.• und Oesterreichs ab Hörer ckigeschr elicn. Der Herzog vor. Anhalt hat sich, wie verlautet, für diese Naic'nrichtuug. die liisher auf keiner deutschen Hochschule existiert lebhaft interessiert und sch vom Rektor Dr. E'öhr eingehend Vertrag liaiten lassen. Am Erönmingsabcnd hielten An?prael!e:1 Herr Ohcrl.iirgermeistcr Schulz. Herr Rektor Dr. bohr, der namentlich auch die M'.tarlcit der Palüstiuakomin'ssion anerkennend und dankbar hervorhob. Herr Prof. \Y a r b u r g Berlin. Herr Korvettenkapitän S 111 b e 11 r a u c!1. Herr Dr Klee-Berlin. Herr Doz. Ing. Dr. Kai sc r bö t h e 11 und mehrere Herren nanens der Ketliener Studcnteuscliaft. Hamburg. Die Zionistische Ortsgruppe Hamburg- Altona publiziert in heutiger Nummer ihren Rechnungsabschluss pro Ende März 19« ö, auf den wir hiermit verweisen. Faris. Am 12. März 905 sprach Dr. Alexander M a r ־ in o r e k in der j ii d i s c h e n V n I k s 11!1 i v e r s i t ä t in Baris über die heutige Lage des Z i 11 ״ i s in u s. Durch die jüngsten Voriälle in Russland sagte er ist bei vielen die Hoffnung auf Besserung der Lage der russischen .luden wach geworden. Indessen wird bestenfalls die Situation der galizisciien Juden resultieren körnen, deren Lage die Notwo ubgkeit des Zionismus scimn durch die hohe Znh! der jährlichen Auswanderer (22סייס) dokumentiert. Ich erkenne den Nutzen gesellschaftlicher Reformen liir die Juden an. allein dennoch bezeugt die lirfalrur.g. dass eine < iesanJung unserer L:׳ge nur durch Ansammlung einer jüdischen .Majorität in einem jüdischen Lande geschehen kann. Und diese Gesundung kann .!ach in e i!1 e r A lisch;< u 1111 g sich nur in Palästina vollziehen, weil dieses Land allen Juden heilig und lieb ist. nicht nur den ruhelosen Wanderern. Palästina ist nicht mir die Lösung der Öko:::.- mischen JeJcnfrage. sondern auch der Frage der Eihuiumg unserer nationalen Individualität. Die Zionisten sind nicht imstande, aus eigener Kraft die Besiedlung eines unku'tivierteil Landes durchzufiihre.i. wem! nicht auch die Liebe verhauden ist. die zu grossen Opfern befähigt. Hut man doch weder von den Zionisten noch vru der Jca auch nur die Spesen der Uganda-Expedition autbringeu können! Zu allen Oeifihlsmnmenten, die für Palästina sprechen kommt auch das zutrüg־ lichere Klima, die günstige Lage, die billige Ueberfahrt.• Wendet man ein. dass die Besiedlung von Erez Israel zu lauge dauert daun muss man sich v״r Augen halten, dass auch eine Kolonisation Ugandas Jahrzehnte dauern wird. Und schliesslich bringen wir eine N e 11:11! f 1 a g c <1 e r argentinischen Kolonien zustande . . . Nur in Palästina wird sich das Volk mit Liebe. Opt'eri ereitschaft und Glauben an seine Zukunft eine neue Heimat schaffen. lenden. Vor einigen Tagen sind die Mitglieder des A.-K.. I) r. B o d e n 11 c i 111 er- Köl 1 und D r. K o k c s ch - Wien hierher gekommei׳. um die Legalisation des N'atioualfonds zu Ende zu führe!). Das Statut, welches in einigen Wochen genchmigt wird, trägt den Naticnaüomj als Company ein, deren Mitglieder die auf dem Kougtesse gewühlten Inhaber der Ciünderakt'cn der Kolonialbank sind. Es wird so die oberste Kontrolle des Kongresse.- gewahrt. Immerhin xv'rd der Nationalfoi'd auch nach seiner Legalisation nicht t!!1!1:;tteibar Boden in Pulüst'ua kanten können, da der Bodenbesitz nur Einzelnerst neu zustellt. Es wird d«־r Landkmit' demnach durch Vertrauciisninnner besorgt, w elche ihrersc ts das LanJstiick nach englischen Gesetzen der Nati«>11aliond-Compauy abtreten. Dieser komplizierte Vorgang wird auch von den Konsuln der Mächte beobachtet, wenn sie für eine Korporation ihres Landes Boden aiikatu'en. In der nächsten Zeit soll au! den Namen Lewo!1t n>. de: Leiters der Anglo-Palcstiiie-Compauy, um 111,01111 Pfund Sterling ein Landstrich gekauft werden. Die Londoner Zionisten 11 i erreichten ihren Gästen eine Adresse mit d.-m Ersuchen, es möge 1! der Sitzung des Grossen. A.-K. im April •.׳•!! M u 11 i i es t ן Z 11 r Kl;i r 11 11 g der g e g c 11 w ä r t i g 11 ג Lage des! Z : o n i s in 11 s hc'C'ilosseu w erden. 1 «•״״ Rundschau **■*; Aus dem modernen Ghetto j In einem iimiVtöckigeii Geb.'iiue i m i i; d i s c 1; e ה V i e 1 - j te! New Yorks verbrannter, wir >cht>’!-.1:rz gemeldet | wurde, in der Nacht vom ld. :1!:::!׳-i. März zv anzig Men- ' sehen, während weitere zwanzig schwer verietzt wurden. : Das Eeuer brach im untersten Stockwerk aus. während die j me'stcti der 201» Insasse:; d**s Hauses schliefe:!. Es verbreitete ' sicli mit grosser Geschwindigkeit. Als die Bewohner geweckt i wurden, erst:׳ d eine furclitbare Verwirrung. Die Leute, fast alle polnische Juden versuchten zunächst i!1re Hub-! Seligkeiten zu retten. Als sie entdeckten, dass die Treppen . 1 rannten, vernichtet! sie, ihre Möbel durch d:e an dem Hause augel r ichten Reuungseliirichtimgeii zu schleppe•«. lind ver-; gassei!. dabei zum Teil sogar ihre Kinder. Die Polizei war ausser‘turdc. die schreienden u1׳d sich wie v a!u;s'!1uig ge-!׳erdenden Menschen zu verhindern, die Rettungsschläuclie mit ihren Möbeln zu verstopfen. Diesem Umstande ist es z.iizu-! schreiben dass soviel•;‘ Menschenleben den Manuneu zum Opfer fiele:!. Die Feuerwehr machte zusammen mit der Polizei die verzweifelteste.! Rettungsversuche. Die Feuerwehrleute klet* terten auf einander und bildeten auf diese Weise lebendige Leitern. Mau fuhr mit dem Rettungswerke fort, bis die Mauern den Ihrigen rennen, alle ihre guten Kleider und neues Hausgerät im Stich lassend. Das war freilich ein grosser Skandal und Aerger für Mergel, der allerdings Trostes bedurfte. So war denn auch am Nachmittage keine Scheibe in seinem Hanse mehr ganz, und man sali ihn noch b'1; spät in der Nach! vor der Türschwelle liegen, einen abgebrochenen Flaschenhals von Zeit zu Zeit zum Munde führend und sich Gesicht und Hände jämmerlich zerschneidend. Die junge Frau blieb bei ihren Eltern, wo sie bald verkümmerte und starb. Ob nun den Mergel Reue quälte oder Scham, genug, er schien der Trostmittel immer bedürftig.r und fing bald an.־ den gänzlich verkommenen Subjekten zugezälilt zu werden. Die Wirtschaft verfiel; fremde Mägde brachten Schimpf und Schaden; st. verging Jahr auf Jahr. Mergel ward und blieb ein verlegener, und zuletzt ziemlich armseliger Witwer, bis er mit einemmal wieder als Bräutigam auttrat. War die Sache an und für sich unerwartet, so trug die Persönlichkeit der Braut noch dazu bei. die Verwunderung zu erhöhen. Margaret Summier war eine brave, anständige Person, so in den Vierzigen, in ihrer Jugend eii c Dorfschönheit und noch jetzt sehr klug und wirtlich geachtet, dabei nicht uuvermögend; und so musste es jedem unbegreiflich sein, was sic zu diesem Schritte getrieben. Wir glauben den Grund eben in dieser ihrer selbstbewussten Vollkommenheit zu finden. Am Abend vor der Hochzeit soll sie gesagt haben: ״Eine Frau, die von ihrem Manne übel behandelt wird, ist dumm 1111J taugt nicht; wenn’s mir schlecht gellt, so sag!, es liege au mir.“ Der Frfolg zeigte leider, dass sie ihre Kräfte überschätzt hatte. Aufang; imponierte sie ihrem Manne; er kaut nicht nach Haus oder kroch in die Scheune, wenn er sich überncmmeii batte; aber das Joch war zu drückend, um lange getragen zu werden, und bald sali man ihn oft genug quer über die Gasse ins Maus taumeln, hörte drinnen sein xxTistes Lärmen und sah Margaret eilends Tiir und Fenster schliessen. An einem solchen Tage — keinem Sonntage mehr - sah man sic abends aus dem Hause stürzen, ebne Haube und Halstuch, das Haar wild tun den Kopf hängend, sich im Garten neben ein Krautbeet niederwerfen und die Erde mit den Händen aufwiihlen, daun ängstlich um sich schauen, rasch ein Bünde! Kräuter brechen und damit lang-am wieder dem Hause zügelten, aber nicht hinein, sondern in die Scheune. Es hiess, an diesem Tage habe Mergel zuerst Hand an sie gelegt, obwohl das Bekenntnis nie über ihre Lippen kam. Das zweite Jahr dieser unglücklichen Ehe ward mit i]MfA |«f JPP ״a— pypnjm mm» ן ■ו "י *''r *״