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Jüdische Rundschau · 1905-04-07 · Heft 14 (7.4.1905) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 14 (7.4.1905)
Date
1905-04-07
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Sette 135 No. 14 JÜDISCHE RUNDSCHAU In der Frage des ״Verticfungsziomsmus•‘• ist es ganz selbstverständlich, dass die ausgiebigste wissenschaftliche Ertorschtmg und KUirung aller für das Gelingen unserer Arbeit in Frage kommenden Verhältnisse zu fordern. Bekämpfen wollte ich nur die Methode, die die Idee von dem materiellen Substrat abstrahiert und mit ihr als selbständigem Objekt weiter arbeitet, sic mit Hilfe einer formalen Logik zerrt, knetet,!ungestaltet, bis sie in direktem Gegensatz zu jener Idece steht, die mit dem materiellen Substrat noch eine Einheit bildete. Diese Methode trug noch immer die Schuld, wenn ckte alternde Wissenschaft auf Irrwege geriet. Mögen die Mediziner und vor allem die Juristen in unserer Mitte nur an die Geschichte ihrer Wissenschaft denken! Ein juristischer Diskussionsredner hat ja hervorgehoben, dass das geschriebene Recht nur eine Kodifizicrung der tatsächlich gewordenen Verhältnisse, also der Reehtsanschautmg des Volkes sei. So soll es in der Tat sein. Aber die Wirklichkeit zeigt uns etwas anderes, zeigt uns den täglichen feindlichen Zusammcnprall zwischen dem Recht, das der juristisch gedrillte Verstand aus den vom Lehen losgelösten abstrakten Begriffen gescharten hat. und den Reehtsbcgriuen des Volkes. Wie hätte auch sonst das Wort ..Summtim jus summa injuria'‘ 50 allgemeine Geltung in der Ucberzeuguiig der Völker gewinnen können! Nur die hervorragenden Köpfe linier den Juristen retten sich aus diesem Begriiisdril! noch ein gewisses Bedüf.nis, die Wirklichkeit zu studiere!!, während das Gros der Herden}»risteu sich selbstzufrieden wie des Färbers (lau! nur im Kreise herumdreht. Irgend jemand hat einmal den Sachverständigen als .eitlen Menschen definiert, der den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht. ־ - Atii dem W ege derartiger ...Vertiefung’*, — das'hervorzuheben war der Zweck meiner diesbezüglichen Ausmhrungen -- ist auch die in ihrer Erhabenheit so einfache Grundidee des Zionismus bereits in! Begriff, sich imme mehr von ihrem MutterboJeu zu entferne!!. Die ursprüngliche einfache Grundidee s11 •׳ nun in das Prokrustesbett der dur:h ״Vertiefung” ihr entfremdeten ..Idee" hincinpassen. und zu diesem Zwecke wird hier eins ihrer Glieder gezerrt, dort em anderes abgehackt oder verstümmelt. Diese Methode führt zur V e r a r m u » g unserer Anschauung, und diese V e r armu n g wollte ich als im Anzüge b e fi n d l i r h k e n 1! z e i c h!1 e n . w e n!! eine \v a r tu h'e r z’j g e Jugend bereits vor lauter F u r c 111, die P a i ii - s t i 11 a i d c c k ö n u e a!1 g e g r i!' f c t! oder verdunkelt werden, den gleichwertigen Faktor, das Volk, durch künstliche ..B g r i t i s d i c h t u 11 g e 11“ a 11 s 7. u s c 11 a 1 t e » auf dem Wege ist. Sie erschöpfen sielt im'Hüten der Idee, wie der Geizhals, der auf der Truhe sitzt und ganz vergisst, dass das Geld nur den relativen Wert hat uns Lcbensgiiter zu verschaffen. Ist das nun ein...Vorwuri“. wenn ich den durch solche ״Vertiefung" entstandenen auffälligen und unnatürlichen Gegensatz zwischen der reichen, tihcrquclleudcn Jtmco.d und der drohenden Verarmung im Denken U’d Fühlen hervorhefce? Sie handeln ja, wie jener Kouleurstudent, der im Theater eiiischliei und durch den Beifall am Schluss geweckt, vor allem seinen Leibfuchs fragte: Konzert Rothstein Der bekannte deutsch-russische Komponist James Rothstein veranstaltete im Kammermusiksaal der Kgl. Hochschule ein Konzert mit eigenen Kompositionen. Das Programm enthielt nicht weniger als 31 Lieder und mehrere Klavier- und Violiustiicke. Besonderes Interesse fanden zwei ״Jüdische Oesänge", Dichtungen des tinserm Leserkreise wohlbekannten Lyrikers Adolph Donath (aus dem Zyklus: ״Judenlicder“): ״War ein stilles, kleines Haus“, welches vom Sabbatfricden, vom ״Scita'.öm *aKchcm mal’Achö bach-schäret" von den ״fernen Zcderbäumeif* erzählt und so an die zionistische Idee anklingt, und ״Mirjam, hast du die Mutter gesehen." ein kleines, packendes jüdisch-soziales Lied. ־ - Das dritte der einen kleinen Zyklus bildenden Gesäuge, das offenbar den dramatischen Abschluss bringt (״War ein Jude") musste leider wegen einer Indispositiou des Kouzertsäugers Herrn Leo Gollanin, der sich itn übrigen seiner Aufgabe mit Meisterschaft entledigte, fortfallen. Immerhin war aus diesen beiden Proben zu ersehen, mit welch künstlerischer Feinheit Rothstein es verstanden hat. altjüdische und synagogale Motive mit den Elementen des modernen Liedes zu verschmelzen, und wir glauben, tu diesen Gesängen (sowie auch in den bereits früher bekannt gewordenen glücklichen Versuchen von Ignaz Brüll und H. Lüwschitz) die verlieisstmgsvollen Anfänge zur Schaffung einer jüdisch-weit« liehen Vokal-Musik zu erblicken. - Hoffentlich erscheine» diese Lieder Rothstein* bald im Druck. Jakob Beimei. .Hat mich inzwischen jemand fixiert?" Die ״Idee" seiner Spezialehre füllte ihn vollständig aus. So haben auch unsere Vertiefungszionistcn nur immer zu sorgen, dass niemand ״die Idee" fixiert für das gewaltige Drama aber, das sich inzwischen auf der Weltbilhne abspielt, in dem ihr Volk der leidende Held ist. haben sic keine Zeit übrig, das können sie verschlafen, das mögen sich die ..Rachmoncs-Zionisten" ansehett. — Mag das, was ich sagen musste, auch bitter klingen, aber Angriffe sind es nicht. Man kann Gletscherspalten nur umgehen, wenn man sie abtastet und erkennt. Wieweit die .,vertiefte Idee" von der Wirklichkeit abführt, das zeigt die von einem Redner in der Diskussion vorgebrachtc Behauptung, das Volk im Osten habe keine Liebe zum Lande. Das ist kein unbeachtliches Kuriosum, er wagt nur konsequent bis zum Ende seiner Anschauung zu folgern. Die unbestreitbare Tatsache, dass das Volk in seiner überwiegenden Mehrzahl auf Seiten der jasager steht, muss die Veriechter der ״reinen Idee" ja ganz, folgerichtig zu solchen Anschauungen führen, ebenso wie die ״reine“ Idee eine Gruppe folgerichtig zu der Behauptung geführt hat der Zionismus sei keine Lösung der Judenfrage. Seit meinem Referat haben sich zwei gewichtige Stimmen erhoben, die meine Anschauungen bestätigen. Wenn Zloetsti Bismarcks Wort ׳zitiert: ״Es ist nicht so oder so. Es ist 5 0 und s d." wenn er sagt: .Der Z i 0 ד ismus steht im A u g e 11 b i c k vor der grossen Gefahr, eine Partei zu werden.“ dann will er damit denselben Befürchtimgen Ausdruck geben, wie ich. Ebenso sind Pasmaniks Äusserungen sehr eindeutig: .,Mau will die anderen g lft c k 1 ic h tu achc.1t, ohne sie zu frage 11" — — ״E s steckt darin viel weniger Despotismus als Ideologie: man stellt sich die Sache vor. als ob der Einzelne : - der v 0 1 Oottesgnadcn A uscr w ä h 11 e -- sicher alles besser vers t e 11 t. als die Masse s e I b s t." -- So sieht die Demokratic derer aus. die sich für die berufenen Hüter unserer demokratischcn Einrichtungen halten! Als einen Abfall von der Idee hat der gekennzeichnete Radikalismus auch meine Ansicht empfunden, es wäre im Interesse des Zionismus wünschenswert. 10 Millionen Juden erst einmal zu Ruchmoncs-Zio 'isten werden zu sehen, und dass ein Nützlichkeitsenolg in Airika ein ״utes Mittel zur Förderung dieses vorläufigen Zieles wäre. Wenn der Arzt an das Krankenbett eines Kindes gerufen wird, das sich gegen die; Untersuchung und das Eigentum sträubt, so wird er kaum darauf bestellen, dem kleinen Patienten solange die diagnostisehen und pharmakody.!amischcn ״Ideen" vorzupredigen, bis es die Notwendigkeit der Untersuchung und des Einnehmens einsieht. Die Hauptsache ist nämlich, dass der Junge gesund wird, nicht aber, dass er die letzten Grunde des ärztlichen ־ Handelns einsieht. Das kann er später tun. wem er erwachsen ' ist oder gar Neigung zum ärztlichen Beruf haben wird, aber nur dann, wenn es auf •'rgend einem Wege gelingt ihn durch Dulden der notwendigen Untersuchung und Einnehmen der rettenden Die Judenbuche Ein Sittengemälde aus dem gebirgigten Westfalen von Annette Freiin von Droste-Hülshoff. Wo ist die Hand so zart, dass ohne Irren Sic sondern ma j beschränkten Hirnes Wirren. So fest, dass ohne Zittern sie acn S ein .Mag schleudern auf ein arm verkümmert Sein? Wer wagt es, ei!l.*n Blutes Drang zu messen, Zu wägen jedes Wort, das un ermessen, In junge Brust dtc zähen Wurzeln trieb, Des Vorurteils geheimen Scelend eb? Du O ücklichcr, geboren und gehegt ר Im lici!ton Raum, von frommer Hand ccpflcgt, Leg hin die Waeschaf — nimmer dir erlau'.t! Lass ruhn den Stein — er trifft dein eignes Haupt! — Friedrich Mergel, geboren 1738, war der Sohn eines sogenannten Halbmcicn» oder Grundeigentümers geringer Klasse int Dorfe B., das, so schlecht gebaut und rauchig es seift mag, docli das Auge jedes Reisenden fesselt durch die überaus malerische Schönheit seiner Lage in der grünen Waldeehlucht eines bedeutenden und geschichtlich merkwürdigen Gebirges. Das Läudchcn, dem es angehörte, war damals einer jener abgeschlossefien ErdNvinkel ohne Fabriken und Handel, ohne Heerstrassen, wo noch ein fremdes Gesicht Auisehen erregte, und eine Reise von drei?sig Meilen selbst den Vor-

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