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Jüdische Rundschau · 1905-04-07 · Heft 14 (7.4.1905) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 14 (7.4.1905)
Date
1905-04-07
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 154 No.׳ H JÜDISCHE RUNDSCHAU hänge aber lassen sich nicht in einem Programm vorschreiben j Bild in grossen Versammlungen predigen. Aber sic lassen sich! in langsamer Erziehung eitwickeln und durch stetige Auffrischung festigen und vermehren. j Je mehr wir an Palästina denken, desto mehr werden wir! dort arbeiten, und je näher wir Palästina stehen» j desto näher wird Palästina uns kommen. Dann werden die Männer unserer Kommission zur Erforschung I Palästinas in Wahrheit die Kundschafter sein, die wir zur Landnahme vor uns hergesandt haben. Elias Auerbach. Zur Ostafrikafrage*) j Vou Dr. Emil Sinionson. \ < (Jeher den ״reinen Territorialisrnus' herrscht wohl Ueberc&i- ן Stimmung in dein Sinne, dass die Ausführung der Koi־״ , nisatiou in dem ostafrikanischen Gebiete nicht Sache der zionistischen Partei als solcher sein könne. | Den schärfsten Gegensatz dazu stellt die Anschauung \ dar. dass, wer das britische Angebot auch nur diskutiert, schon; ein Territorialist sei und im Zionismus nichts zu suche.! habe, j Aber gerade gegen diese seit dem V|. Kongress sich immer I wiederholenden. Übergriffe richteten sich meine Äusserungen, i dass eine Verständigung nur auf dem Boden der öleichbereclui- , gütig möglich sei. dass nicht e i!1 e Gruppe sich a priori das Recht 1 vindiziere. zu entscheiden, was a.’s echter Zimrstmis zu gelten J habe. Mit einer gewissen Schärie. die ab ־־ uurcli diese, nach! meiner Ueberzeugung schädliche Verschit-Mmg der Einfluss-! und Machtverhältnisse geboten war habe ich allerdings herj vorgehoben, dass die eine Richtung sich nicht vai der anderen ' den auch ihr gebührenden Anteil am Einfluss auf den Gang [ des Zionismus durch schwächliches Nachgeben ä tout prix. ״um des Friedens willen" aus den Händen nehmen lassen dürfe. Ei!1 Redner hat allerdings mittelst eines kühnen (Husaren־ rittes den Versuch gemacht, die Tatsachen aui den Kopf zu stellen. Nicht die Afrikagegner hätten mit ihren Angriffen auf die Jasager begonnen, sondern diese Angriffe seic 1 nur eine Reaktion gegen den Hohn und Spott, mit dem die Wort- «ihrer der Jasager schon aui dem Kongress die anderen überschüttet hätten. Der Herr, der dies behauptet, soll uns aus dem Kongressprotokoll ein einziges Wort des Hohnes und des Spottes herausfmdciu das von einem Pro-Redner gegen die Neinsager ausgesprochen wäre, und ich will mich verpflichten. ) Diese Bemerkungen sind durch den Gang uer Diskussion über meinen gleichnamigen Vortrag in der Berliner Zionistischen Vereinigung veranlasst; sie sind jedoch möglichst allgemein gehalten, um auch den bei dem Reierat unu der Diskussion nicht zugegen gewesenen Lesen! verständlich zu sein. zu glauben, dass El-Arish das wasserreichste Land der hr׳le sei. — Wer dem denkwürdigen 6. Kongress beigewohnt hat der weiss. dass die Reden allei Jasager von einem heiligen Ernst und ehern tiefen Vcrantwortlichkeitsgcfiihl durchdrungen waren, dass Hohn, und Spott dabei gänzlich ausgeschlossen waren. Unser aller Stimmung, die wir nach bester Uebcr- Zeugung für die Entsendung der Kommission cintraten, hat wohl am treffendsten I) r. Leopold Kahn in den Anfangs- Worten seiner Rede ausgedrückt: ״Ich habe vielleicht nie in meinem Leben die Tribüne niit solcher Angst betreten, wie heut׳ und goredc d׳׳.s s Moment Cer -!'.,׳,st. welches sich in mir so gewaltig geltend macht, gibt mir mehr Mut, nämlich den Mut der Pflicht, zu Ihnen zu sprechen.״ Dagegen musste D r. Awinowitzky als Pro-Redner schon den Vorwurf zuriiekweisen. dass diejenigen Verräter seien die sicli fiir eine Kommission aussprcchcn. Aber Holm und Spott sucht man in scher Rede vergebens. Mail wird also keinen Schwurzeugen für jene Behaupiurg finden. Wenn ich dann in diesem Zusammenhänge darauf hinwies, dass die den einseitig radikalen und unduldsamen Stand- Punkt vertretende Richtung h der Mehrzahl aus den jüngeren Mitgliedern bestehe, so ist nicht erfindlich, wie man aus diesen Ausführungen herauslescn konnte, dass ich diesen Mitgliedern ihre Jugend ..zum Vorwuri mache“. In Wall!heit habe ich nur die tatsächlich bestehende Verschiedenheit im Denken der verschiedenen Lebensalter hervorgehoben. Die Jugend sieht mm * einmal nur Schw arz und Weiss. Gut 1u!d 1’. ׳.-e. Richtig und ha!sch, während das Leben tausend Schattierungen und Nuancen hervorbringt, tausend Mittelwege und verbinde! L• Seitenstrassen schafft. Wenn ich hierbei Du Bnis-Rey>::ds Ausspruch zitierte, dass der Radikalismus ein Denkfehler sei der besonders der Jugend eigne, so liegt darin d׳׳ch kei.tes- Wegs ein Vorwuri. sondern nur die Kons; uieru: g naturge-!nässer Vorgänge. Die erste Nahrung, die die studierende und lesende Jugend in sich auinknmt ist eine gebildete Sprache und ein Extrakt des üedankeninhalts unserer Zeit, zunächst uitver-!!!eidlicher Weise in mehr oder minder schematischer Form. Bis diese Nahrung zu eigenem Fleisch und Bit!t assimiliert wirJ. dazu gehört nun einmal unbeschadet der hervorragendsten Anlagen eine Verdaimugsfrist von 10 Jahren. Nur aus diesem Gedankengange heraus exemplifizierte ich auf das Ges et/ der Evolution, der historischen Entwicklung, das mancher oft im Munde führe, ohne dass cs ihm bereits innerlich zu eigen gew orden sei. Unsere Organisation ist mit Recht auf denn »knticher Grundlage fest verankert. Denn auf diesen! Wege allein kam! das Parallelogramm der Kräfte aller Richtungen und aller Lebensalter erzielt werden, das einen stetigen Gang unserer Arbeit sichert und ebenso vor einseitigem Radikalismus wie vor Stillstand schützt. Aber deswegen ist es auch eine Lebensfrage dass die Furcht vor Zwiespalt nicht einen Teil der Zionisten zum Verzicht auf Geltendmachung ihrer Anschaumigen und aui ihren Anteil an E/nfluss auf den Gang der Dinge verleite. Ein so zustande bekommener Friede wäre ein Kirchhofsfricdc. Babel und Bibel Friedrich Delitzsch hat seinen dritten Vortrag über Babel und Bibel veröffentlicht. Der Vortrag hat wenig Aufsehen gemacht, ist auch kein buchhäiidlerischcr Erfolg: dem Leoncavallo der Assyriologic fehlt eben diesmal der Resonanzboden der Orient Gesellschaft und des kaiserlichen Intercsscs. Wenn Prof. Delitzsch seinerzeit denjenigen seiner Gegner, welche seine Ausführungen nicht neu gefunden habcie triumphierend die Frage vorlegte, wodurch dann das Aufsehen zu erklären sei. welches er durch seine Vorlesungen erregt habe, so dürfte er inzwischen genügend belehrt sein, woher dieses Aufsehen kam. Sachlich auf den dritten Vortrag einzugehen, welcher Einschläge von Rasseuidcen ä la Chamberlain enthält, liegt keine Veranlassung vor: was dara.1 richtig ist oder nicht, sollen die Assyriologeu unter einander ausmachen. Im übrigen ist es ein alberner Gedanke, dass wir 150 Jahre nach Lessing und 50 Jahre nach Darwin unsere Weltanschauung davon abhängig machen sollen, ob einige ausgebuddelte assyrische Tontafeln von einem Philologen richtig oder falsch übersetzt worden sind. Zugleich ist der erste Vortrag von Friedrich Delitzsch in fünfter Auflage erschienen. Delitzsch sagt im Vorwort von dem Inhalt des Vortrages: ״Dieser bleibt vielmehr in allen Hauptsachen unantastbar zu Recht bestehen.״ Delitzsch hätte vielleicht richtiger geschrieben, dass er durch seine Kritiker nicht überzeugt sek Das ״Jahrbuch fiir jüdische Geschichte und Literatur" ist soeben erschienen mit dem üblichen Anhänge über die literarische Tätigkeit der jüdische« Literaturvereinc itn Berichtsjahre 190-1. Mau erseht daraus, dass der Zionismus immer mehr Interesse in Deutschland gewinnt; in 21 Vereinen sind 22 Vorträge über das Wesen unserer Bewegung von Freunden und Gegnern gehalten worden. Anbei folgt eine Auf- Zählung der Städte mit den Namen der Redner. Die Leser dieser Zeitung werden wohl aus den Namen sehen, ob die Redner Zion'sten oder Antizionisteu waren. Allcustcin (Fabrikhes. Ladendorff). Beuthcu (Dr. Zlocisti). Cassel (Lattdrabb. Dr. Prager), Essen (Rabb. Dr. Samuel). Geestemünde (Ass. öronemaun), Gelnhausen (Lehrer Stramin). Graudenz (Bankier Boiau). Krotoschii! (Dr. Goldbcrg-Berlin). Lippstadt (Frl. Marta Bacr-Ham'burg). I.issa (Dr. Sandler- Breslau). Metz (Dr. Elias-Mülhausen). Myslowiiz (Dr. Kassel- Ratbor). Ncustettin (Dr. Freundlich), üstrowo (Dr. Goldborg). Pless (Dr. Sandler). Prenzlnii (Dr. Klee), Rosheim (Dr. Dannenberg). Stolp (Dr. Klee). Tilsit (Dr. ZlocLsti). Wongrowitz (cand. Zucker-Berlin. Rcf. Dr. Dobrzynski-Posen). Wreschen (Dr. Goldberg). Als Folgen des Zionismus kann man es w־ol!| betrachten, wenn in den Kreisen der deutschen Judenheit sich jetzt auch ein grösseres Interesse für unser Heimatland geltend macht; st• sind in 10 Vereinen Vorträge über Palästina gehalten worden: in 3 Städten (Ludwigsliafen. Mainz, Mühlheim) lrat unser Dr. Priedemaiui-Wiosbaden über seine Palästinareise berichtet. v״׳r dürften wohl auch nicht feh.lgchen. wem! wir amiehmcn. dass die Vorträge, die Dr. Arthur Kahn-Berlin (״Altes und neues Ghetto”) in Coburg, Hamm. Wiirzburg und Dr. Moses Berlin (״Zeitgeuüisse Betrachtungen"), in Siegburg und Coburg gehalten haben, den Zionismus zu ihrem Gegenstände gehabt haben. B. T.

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