Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1905-04-07 · Heft 14 (7.4.1905) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 14 (7.4.1905)
Date
1905-04-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2651273-2651394-2651409--02241-2659136
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

No. 14־ J Ü DJ S C H F RUNDSCHAU Belte 153 führen nach Zion, und wir sind uns nur selbst liiudeiiiö wenn wir uns auf eine einzige Strasse zusannnendrängen. Besser und nachdrücklicher als lauge theoretische Ausfiihrungcn zeigt die dauernde Berührung mit den Tatsachen und Forderungen palästinensischer Arbeit einen schweren Fehler in den zionistischen Anschauungen der letzten Jahre: Die masslosc Überschätzung der Möglichkeiten und Erfolge diplomatischer Tätigkeit zu ungunsten jeder andern. Man kann wohl sagen, dass nicht Herzl seihst, zum mindesten in seiner letzten Zeit, diesen Fehler so sehr begangen hat als jene, die sich im Gefolge jeder starken und überragenden Persönlichkeit stets als die Allergctrcucstcn hervortu־', jene, die seine Leitsätze zu Dogmen, seine Walirwortc zu Bibel- Sprüchen gemacht haben, jene, die hcrzlianischer waren als Herzl. Fs ist kein Zweifel: Fs gibt tausend dringende Arbeiten, die man nicht •mit Diplomatie machen kann, sondern rar mH Geduld, Geld und Kleinarbeit, cs gibt tausend Pforten, durch die wir schon jetzt beginnen können cin/uzichcn, tausend Vorncreitungvn tvd Stützen, die der politischen Arbeit von anderen Seiten 11er zugeführi werden müssen. Schliesslich ist d׳>cl1 das Ziel des Zionismus: Die fuklsclie Besitzergreifung Palästinas durch das jüdische Volk. Daraus allein folgt schon, dass die diplomatische Arbeit nicht vor oder ü her der.! schrittweisen Vorrücken im Lande selbst stellt, sondern dass sie im Dienste dieses Vorttickens eines der Mitte! zu seiner Krinöglieiuing und Beschleunigung sein muss. Halt! Ich sehe ich verliere mich immer weher in nachdenkiiehen Betiachtunge 1 über die Arbeitsmethoden des Zionismus, während der Jahrgang von ALTNEULAND auigeschlagen vor mir liegt. Aber so geht es wohl vielen, und das ist die Bedeutung dieses Buches. Es regt zum Nachdenken über den Zionismus an, es lehrt nicht aufdringlich, aber cs erzieht. Die geräuschlose und langsame Revolution der Geister, die es vollzogen hat. zeigt sich dann i!1 ihren» starken Ergebnis: Der Zionismus fängt an, die Arbeit tu Palästina als eine seiner direkten und nächsten Aufgaben zu betrachten. Unter diesem Gesichtspunkt, als vorzügliches Werkzeug zur Vertiefung unserer Anschauungen, verdient vor allem der Aufsatz von Dr. Soskin: ״Gross- und Kleinkolonisation“ warme Anerkennung. Die anderen grösseren Artikel des Buches bieten i! einer glücklich gewählten Mittelstellung zwischen wissenschaftlichcr Exaktheit und populärer Leichtigkeit eine Fülle des Anregenden und Wissenswerten. Da sind eine ganze Reihe von Arbeiten zur Landeskunde von Palästina und Syrien, über hygienische und volkswirtschaftliche Fragen, eine systematische Darstellung der bisherigen Kolonisation des Landes aus der Feder Prof. Marburgs. Es wäre zwecklos, im einzelnen auf all das cinzugchen. was uns hier geboten wird. Man kann ruhig sagen, dass nirgends bisher für Zionisten eine solche Fülle von Material über Palästina und seine Bcwoli ier seine Gegenwart und seine Zukunft, gesammelt worden 1st. Und was hier unschätzbar ist, das Material ist objektiv zusammcngcstellt und verwertet. Es sind weder die schoniärbcnden Berichte von Kolonisatioiisvereincn noch die hyperkritischen von Reisenden, sondern die ruliigc Sachkenntnis von Männern, die nur den Foitschritt der Arbeit wollen und an ihm tatkräftig beteiligt sind. Gerade am Beispiel der jüdischen Kolonicea wird cs klar, wie wertvoll eine solche Berichterstattung für uns ist. Was wir bis jetzt von Berichten darüber haben, ist zum Teil Feuilleton, zum Teil vorgefasstes Urteil iiir oder gegen die bisherigen Arbeiten. Fiir denjenigen aber, der nicht Gelegenheit zu mündlicher Erkundigung über diese Dinge hat. bestand keine Mögichkeit, sich snebgemäss zu unterrichten. Gerade deshalb haben viele von uns ALTNEULAND freudig begrüsst und mit emsigem Interesse gelesen. Es hat einen. gewissen pikanten Reiz, wenn man über eine Kolonie in ALTNEULAND Berichte gelesen hat, über dasselbe Kapitel eine der anderen Schriften zu befragen. Dann lernt man erst recht würdigen, was wir in dieser neuen Zeitschrift gewonnen haben. Der speziell wirtschaftliche Teil entzieht sich meiner Beurteilung. 1111 ganzen betrachtet wird kaum etwas so sehr geeignet sein,'uns noch fernstehende Männer von dem Ernste und de! Zukumtsmöglichkeiten unserer Bewegung zu überzeugen, als unsere Palästinazcitschrift. . Es werden vielleicht nicht zahlreiche, aber es werden wertvolle Kräfte sein, die wir auf diesem Wege gewinnen. Weit wichtiger aber erscheint mir die Rolle, die ALT- NEULAND für den einzelnen von uns und für die zionistischen Vereine zu spielen berufen Ist. Der Fortschritt unserer Bewegung beruht darauf, dass wir gewisse schlummernde Gefühle wieder, wachrufen, ihre Innere Kraft darauf, dass wir uns selbst in immer lebensvolleren Zusammenhang mit Palästina und seiner Zukunft setzen. Solche gefühlsmässigcn Zusammen- und seine Nachfolger Bedeutung erlangt. Fs handelt sich rieht ] um eine Gemeinde, die mau des Gesetzes wegen hegt, sondern : um ein Gesetz, welches mau fiir die nationale Zukunft fiir; notwendig erachtete. Das wesentlichste Moment der Ge- : schichte nach Kyros und seit Esra und Necliemja ist gewiss; eine stetige Kolonisation in Palästina gewesen, die durch die; makedonische Katastrophe des Orients eine Zeit lang u; :er-; brachen wurde, die aber früher oder später sicher zu einer י Makkahüererhebung führen musste. Aber um das nationale J Element der jüdischen Geschichte zu würdigen, muss sie von ' Historikern und nicht von Theologen dargestellt werden. Innerhaib dieser Bedenken, und unter der Voraussetzung dass : ieder Leser erst einmal die Bibel zur Hand nimmt, tun sie zu j lesen und sich ein Urteil aus den Quellen zu bilden, über das. , was er hier findet, ist die kleine Darstellung sehr 7.u empfehlen, j Vielleicht trägt das Büchlein dazu bei. dass der eine oder! andere doch wirklich die Bibel in die Hand nimmt und sch I an dieser großartigen Natio״a||itcratur labt, uid dann hat j es gewiss einen nicht zu gering zu veranschlagenden Wert. Heinrich Sachsej Lieder und Zähren. Von Otto Glogau-Nikolsburg. Mit 1 einer Umschlagszcichnung von E. M. Lilien. 2. Auflage. BerBi j N. 24. Verlag js.ee sinit“. 112 S. 8. Die erste Auflage dieser Gedichte, die unter dem allein dem Dichter verständlichen Titel: .,Und lechzen nach dem Weibe” erschien, ist bereits in diesen Blättern eingehend besprochen worden, Was der Rezensent dort schrieb, kann nur wiederholt werden. Wunderbare Gedichte hat uns Glogau- Nikolsburg beschert und mit tiefer Inbrunst sind seine Gedichte; ״Der jüdische Student, Ostern, und Gebet vor der Schlacht” ihm aus der jüdischen Seele gedrungen. Aber nicht minder gross ist sein kleines Versehen, das wir unter das Strucksche Herzibiid In unserer Herzlgedenknummcr setzten. Solche Gedichte, wie .,Fr!, stud. tticd.“ wollen nicht bloss gedichtet, sie wollen erlebt sein. Und wir können es dem Dichter nachfiihlen. wenn er den Wunsch ausspricht, dass er das schy t-ste seiner Lieder möchte gesungen wissen, von einem reinen Mädchen, das noch nicht lernte küssen. Es ist auch viel Spreu unter dem Weizen. Aber Im grossen und ganzen können wir mir unser Urteil über die erste Auflage wiederholen und den Wunsch hinzinügeu. dass noch recht viele reife Früchte der Ologau-Nikolsburgschcn Muse uns beschert sein mögn. Sein jüdisch-nationales Lied ist keine Verstandskunst, sondern inniges Gefühl in schönster Form. Eljaqfm. Hugo Hoppe: Hervorragende Nicht jaden über den Zionis* mus. Eine Sammlung von Urteilen hervorragender Personticlikcitcn aller Länder. Königsberg I. Pr.: Ostdeutsche Buchhandhing 1904. (98 S.) 8 (F.) Dem Andenken Theodor Herzts ist die kleine Sammlung gewidmet. Sie hat den Wert für die Propaganda, den ihr keiner absprechen kann und nicht minder historischen Wert. Der letztere ist freilich dadurch fraglich geworden, weil sich einer der unfreiwilligen Mitarbeiter an diesen» Buche bereits als apokryph erwiesen hat. Wir meinen den Artikel der ZEIT, der angeblich von Pfarrer Friedrich Naumann ist, wobei der Herausgeber irrte, indem er der falschen Angabe der WELT folgte. Es scheint aber, dass die andern Zitate sich einer besseren Gewahr ihrer Genauigkeit erfreuen, hu allgemeinen können wir das Buch zur Agitation bestens.empfehlen. EI J a q I m,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.