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Jüdische Rundschau · 1905-04-07 · Heft 14 (7.4.1905) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 14 (7.4.1905)
Date
1905-04-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 152 JÜDISCHE nach etwa drei Monaten, ist sie nicht als erloschen zu bczeichnen. Woran liegt dies? Teils an der grossen Armut, indem bekanntlich die Chalukah lange nicht mehr ausreicht, der Not zu steuern. Bei seinem kümmerlichen Gnadengchalte — wenn man so sagen dari — kann der Arme es sich nicht leisten, eine anständige Wohnung zu mieten. Kleine Löcher, hart aneinander gedrängt, stellen ihre Wohnungen dar. Bricht nun eine Epidemie aus, so ist ihr, den Umständen entsprechend, ein weites feld zu ihrer Verbreitung geboten. Schuld zum Teil ist aber auch daran, dass die Leute, in Unwissenheit erzogen, die nötigen Massregeln unbeachtet lassen. Anstatt also eine Epidemie im Keime zu ersticken, wird ihr im Gegenteil aus Unkenntnis immer irische Nahrung geboten. Bekanntlieh hält das Chalukah-System die Jugend vom Schtilbesuche fern. Wie weit aber die Beschränktheit geht, bezeugt folgender Umstand, ln jedem Elementar-Ereignis erblicken die Leute die Strafe Gottes für einen sündhaften Lebenswandel. Um die Siiudcr ausfindig zu machen und nach Gebühr zu bestrafen, tagt eine Kommission, der die nötigen Handlanger — alle für gute .Besoldung — zur Verfügung stehen. Wird ein Sünder ausfindig gemacht, schleppt man ihn ohne Erbarmen vor das .zuständige” Forum. wo er iörmlicli zu einem Bekenntnisse ge- /,willigen wird. Su ward erst dieser Tage gegen einen Mann Verfahren. Der Arme beteuerte zwar, sich keiner Sünden bcwusst zu sei״; allein was half ihm das? Wissen es ja die Häscher besser, als er. Und er entging der -- Bastojiadc Hiebt. — Soll dieser Zustand, diese mittelalterliche Inquisition jüdischer Observanz noch lange »״dauern? Soll Geschlecht nach Geschlecht so hinsiechen? Was wollen wir befördern, die Geist und Körper tötende Clialukali, oder das zum gesunden Leben anspornende Gewerbe? Ich glaube, dass hier eine Wahl z.u treffen nicht schwer fallen dürfte! ־— Zum Schlüsse sei noch erwähnt, dass mit dem Plane in der heiligen Stadt Teppich-Webereien zu errichten, sich bereits der verstorbene Willi .Bambus befasst bat. Im Winter 1902 kam er — zum letzten Male - nach Palästina in Begleitung eines Teppichwebers, um die Sache an Ort und Stelle zu studieren. Er fand, dass alle Vorbedingungen auf ein gedeihliches Gelingen des Unternehmens hinwiesen. Als Lokal war c|n Raum im Waisciihause vorgesehen, da das Unternehmen dem Waisenhause angcgliedert werden sollte. Wir wären dadurch der Frage, was mit den Zöglingen a.izufangen sei, zum Teil übeihoben gewesen. Leider aber wurde er von dannen RUND SCH A U ._.;____No. M abberufen, ehe er seinen Liebiiiigspl.m zu verwirklichen vermochte. Hoffentlich ist der Plan nicht mit ihm zugleich ins Grab gesunken! J e r 11 s a lern, im Februar 1905. D r. G r ii 1111111. ALTNEULAND und seine Arbeit Ein J a 11 res r ü c k 1» 1 i c k. Seit dem VI. Kongress befand sich der Zionismus in einer gefahrvollen Erschütterung seiner Fundamente. in einer kritischen Verwirrung, die vorbereite; war durch allerlei U11- Zufriedenheit, die law inenartig anw uchs durch das Ostafrika-; projekt, die ״kut und lebensgefährlich wurde durch den Tod des «turmhewährten Steuermanns, v1!״ fast fanatischer Leiden- Schaft getragen seit dem Auftreten der Lnndsuciier, noch verschlimmer! durch das stürmische Drängen nach innerer Arbeit auf der eine 11 Seite und die Vers:ü!tdnis!<>s;gkeit für solche Arbeit auf der andern. Zur festen Achse fiir die wiedererstarkei:Je Einheit wurde die Palastinakuinmissain, eine junge Institution des VI. Kongresses; denn sie stellte gegenüber dein C!1..״s der Mciilimge•! die uni eirrtc Arbeit dar, die Leir.e Unterbrechung duldete und als festeste Grundlage des Zionismus auch leidlich unabhängig war von der gerade herrschenden Lelunieimuig. Und die Arbeit dieser Kommission, die ihre übersichtücliHe Dar- Stellung in dein abgeschlossenen Jahrgang der Zeitschrift ALTNEULAND hat, ging doch licht nur liehen der Krisis her. sondern sie war richtunggebend. Sie verkörperte ein ganzes Programm gerade in ',.m Kernpunkte der zionistischen Frage: der Stellung des Zionismus zu Palästina. Nur ganz allmählich und aui Umwegen kommen wir zu einer klaren und bleibenden Anschauung von der Tätigkeit die wir jetzt und später in Palästina zu \ errichten haben. Und das ist erklärlich, denn das Verhältnis unserer nationalen Bewegung zu Palästina ist ein verwickeltes. Wir haben dort nicht nur politische und Mandcisinteressen wie England, .nicht’ nur religiöse wie Russland, kolonisatorische und wirtschaftliche wie Deutschland, nationale wie die Türkei selbst oder kulturelle wie Frankreich — sondern wir haben gleichzeitig kulturelle, nationale, kolonisatorische, kommerzielle und religiöse Interessen an diesem Lande. Fs kann nicht eine Methode geben, die all diesen Notwendigkeiten gerecht wird. Hundert Wege — - ■ ־ ־ . 1-— Literatu rbericht Bücher der einschlägigen Literatur, welche der Redaktion xugesandt werden, finden eingehende Besprechung ... Sammlung Göschen (Nummer 231). Geschichte Israels bis auf die grlcliiscbe Zeit von Lic. Dr. J. Bcnziiiger. Leipzig: G. J. Göschen J91H. 15S S. 8. (F.) In Göscbenleinenband 0,80 Mark. ״Die Geschichte des Volkes Israel beginnt für unsere Kenntnis mit dem Königtumc Sauls.” So beginnt das Biiclilein und gibt damit sofort im Anf.uigssatze den Standpunkt, den es ciunimmt. Mit nicht geringerem Rechte würde ein japanischer Gelehrter, der europäische Gescliichtsqucllen mit dem Lexikon und der Grammatik notdürftig liest, einen grossen Teil der deutschen Geschichte fiir Sage erklären. Aber das ist' nicht der Fehler Benziiigers. sondern der ganzen Riehtung. die seit mehreren Me isclieiialtern die Bibelkritik bcherrscht. . Sie wird wieder positiver in dein Masse, als aus dem Boden des Orients Quelknmaterial hervorwäclBtt ,an das die moderne freilich bereits veraltete Bibelkritik nicht gedacht hat. Diese gewisse Rückkehr z.1׳ positiveren Rcsu’.t itcn. freilich dann nicht auf Grund von dogmatischen Voraussetzuugen. sondern iniolge wissenschaftlicher Erkenntnis, kommt auch schon in der vorliegenden kleinen populären Geschichte des israelitischen Stammes zum Ausdruck, wenn cs auch noch unendlich weit von dem positiven Kritizismus entfernt ist, in dessen'Richtung sich Spiegelbergs kürzlich erschienene Schriit über Lsrael und die ägyptischen Denkmäler bewegt. Bcuzingers Darstellung ist innerhalb der ihm durch die bii>elkritische Dogmatik gestatteten Grenzen sorgsam zu Werke gegangen. Sic ist geläufig gcsclirjeben. fasst in Kürze das Wissenswerte zusammen und stellt in ihrem engen Rahmen bcsonders die spätere Königsgesciiiclitc. also Benziiigers besouderes Feld, interessant dar. Zum Schluss ist eine übersiehtliehe Zusammenstellung der wichtigsten Daten gegeben. Dagegen ist die am Anfang gegebene Uebersicht der Literatur mehr als dürftig. Die Art. wie Gractz’ Geschichte der Juden zitiert ist, fordert direkt die falsche Auffassung heraus, dass das grosse Werk mit •I Bänden abgeschlossen sei. während es elf /.um Teil noch geteilte Bände umfast. Wenn aber B. mir den Teil anführe 1 wollte der die hier behandelte Geschichte betrifft so hatte er wieder nicht schreiben dürfen ¬ו Bände, da ja der vierte Band bekanntlich mit dem Abschluss des Babylonischen Talmuds endet d. 11. beinahe ein Jahr tausend weiter geht in der Darstellung, als sie liier gegeben ist. Von nicht-deutschen Werken nur Renans Histoirc du peiipie Israel zu nennen, unter deutschen Werkel aber Well- Hausens Geschichte Israels (Pro'.egomeua) nicht anzin'üiireii. ist doch eine Einseitigkeit, die man Bcnziiiger nicht hätte z.utrauen sollen. Auch eine andere Einseitigket hat er mit andem Zimitgenossen mitgemach!. Indem er die Bücher R״t und Jona in eine sehr späte Zeit verweist, kommt er zu dem Satze, dass nicht ..wer z.u den Geschlechtern der <»01a gehörte, sondern wer unter dem Gesct/e stand, jetzt ein Mitglied der jüdischen Gemeinde" war. Da Bcnziiiger nämlich ebenso wenig wie andere seiner Faelikollegen im letzten Grunde von dem theologischen Wert der jüdischen Geschichle loskommt hat er kein Verständnis fiir das nationale Element in der jüdischen Geschichte, das mehr als vorher durch Esra

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