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Jüdische Rundschau · 1905-03-31 · Heft 13 (31.3.1905) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 13 (31.3.1905)
Date
1905-03-31
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 144 JÜDISCHE RUNDSCHAU die Einigkeit geht angeblich dahin, dass dieses Projekt, selbst den glänzendsten Bericht der Kommission vorausgesetzt, im Qrtuide' genommen eine grosse Torheit rst. denn ,,es beruht auf Unkenntnis der Tatsachen, von der Kolonisierung Ost* afrikas eine merkbare Minderung der Judennot im Lauf der nächsten Jahrzehnte zu erwarten." O nein. Herr Auerbach! Darüber sind wir uns keineswegs einig. Ich könnte Ihnen, wenn damit überhaupt etwas bewiesen wäre, eine ganze Reihe bekannter Persönlichkeiten unter den Zionisten aller Länder nennen, die anders darüber denken und dem Zionismus bei der eventuellen Inangriffnahme der Besiedelung eine viel aktivere Rolle zuweisen möchten, als Sic es gestatten. Und auch darüber sind wir uns nicht einig, dass zur Gewinnung Palästinas vor allem die wirtschaftliche Eroberung des Landes sofort in Angriff zu nehmen ist. Als Hcrzl noch lebte, galt es für den politischen Zionismus gcrj.1de.zu als Axiom, dass die wirtschaftliche Arbeit in Palästina, namentlieh die Investierung von ^Kapitalien im Lande, che die üiient- Hch-rechtlichen Grundlagen geschaffen sind, die Erreichung des Endzieles erschwert und daher unterbleiben muss. (Vcrgl. die Polemik Herzl-l'ssischkin.) Dass in der Kurzen Zeit seit Hcrzls Tode bereits allgemein eine so radikale Wandlung der Anschaumigen stattgefunden hat. wie sie im Leitsatz 2 zum Aus* druck gelangt, muss erst noch bewiesen werden. Energischen Widerspruch fordern auch der erste und der letzte der Auerhachsche״ Leitsätze heraus. Es kann nicht zugegeben werden, dass eine Minderheit, die etwas anderes erstrebt als die Mehrheit, aus der Partei hinausgeworfen werden muss, selbst wenn es sich um eine so wichtige Erage handelt wie die. ob w ir c i 11 Land oder d a s Land erstreben. Wir können und müssen verlangen, dass die Minderheit, wenn sie in der Partei bleiben will, sich den Beschlüssen der Mehrheit fugt, aber nicht mehr. Wäre der Leitsatz des Herrn Auerbach schon zur Zeit des letzten Kongresses geltendes Recht, dann hätten ja sämtliche ..Neinsager” und mit ihnen ׳ auch Herr Auerbach (falls er dabei war) binausfüegen müssen. Dem letzten der Leitsätze muss widersprochen werden, i falls er so zu verstehen ist, dass Bestrebungen auf Abänderungen des Programmes in diesem oder jenem INuikte un/.ulässig sein sollen. Da dies aber aus dem Wortlaut des Leitsatzes nicht sicher hervorgeht (mit dem ״Boden" könnte vielj leicht auch die Grundidee gemeint sein), so will ich hierauf nicht weiter ciiigcheu. L. Ester 111 a 11 n. » —-- Zur Entgegnung Es ist bereits in meinen Ausführungen zugestandeu worden, dass wir nicht alle und nicht in allen Punkten uns einig sein werden. Aber die Grundlinien der gemeinsamen Arbeit könneu gezogen werden, der ..Block" kann sich konstituieren. Herrn Ester 111 a 1111 drückt, wenn mau seine Gegenargumente zusammenfasst, im wesentlichen ein Punkt: die scharfe Zurückweisung der territoriaiistisehcii Minderheit. Er gibt stillschweigend zu, dass cs die Minderheit ist. Bei einzelnen Beschlüssen w׳ird man eine Minderheit immer dulden und respektieren können. Hier handelt cs sich aber um die prinzipiellen Grundlagen des Programms. Wie der politischnationale Zionismus die mildtätigen Kolonisatoren gewaltsam von sich abgesondert hat. so wird er die Laudsucher gewaltsatn absondern — wenn sic sich nicht entschlossen, da.s Baseler Programm anzuerkenr.cn. das wirklich nur das Land erstrebt. Es wäre nicht klug, abzuwarten, bis die Laudsucher etwa einen Augenblick der N'ot und Verwirrung zur Erringung der Majorität benutzen. Herr Estermann möge keine Schlüsse aus den! Z thlcnvcrhältnis der ..Jasager" und ..Neinsager" auf dem VI. Kongress iiir sich zielten. Er trage doch bitte bei den 50 deutschen Delegierten, die mit .•Ja" gestimmt halten, herum, wieviele seinen prinzipiell territorialistisehcn Standpunkt teiien. Leber Ostafrika. Herr Estennann, ist wirklich Einigkeit. Die Gegenpole Nord;u1. Grecnberg. Ussiscbkiu sagen ziemlich thsseme. Zangui!l wünscht ja, wie Herr Estennann. ..aktivere" Beteiligung des Zionismus, aber das ist eben die kleine Son* dergruppe der Landsnelier. Der Schlusssatz des Herrn Estermann dürfte auf einem Missverständnis beruhen. Elias Auerbach. Theodor Herzl’s Sämtliche Zionistische Schriften Der JÜDISCHE VERLAG (Bcrlin-Chartottenburg. Herder- Strasse 3 •0 veranstaltet neben den wohlfeilen Ausgaben eine Separat-Ausgabe von Theodor Hcrzls sämtlichen Schriften, die auf Büttenpapier in gediegenem Prachtband hergcstcllt werden wird. eriste sölbstvers'tändlicLc Anfang einer Rückkehr v.u der äusseren Form der früheren gleichnamigen Monatsschrift gemacht worden. Die vornehme Ausstattu ׳g des fle.tes wäre nicht besonders zu erwähnen, wenn nicht das ganze Jahresabonnement nur zwei Mark betrüge. H. S. Humoresken aus der jüdischen Leben. Von Oskar Klei n. 3. vertu. Aull. Berlin \V. 35. Carl Duncker i01»-t. 20t S. S". (E.) Die vorliegenden Humoresken sind in dem Genre, wie sie Löwentbals ״Am Ereitag Abend". .,Wamlersteins Tochter" und besser Onkel Jonas Memoire 1 darstetlcn. Wer an dem posener NovcHeiitone dieser Humoresken überhaupt Gefallen findet, wird die Klcinschcn Humoresken nicht ohne Befriedigung ans der Hand legen. Ein besserer Geschmack wird sieh dagegen vielfach geradezu abgestosseu finden. Es kommt also darauf an. dass das Buch dem Publikum auch findet, für das es passt. Heinrich Sachse. Spinoza über die Juden Was den Umstand betrifft, dass sie trotz jahrelanger Zer- Streuung und ohne eigenen Staat sich erhalten halten, so k 11m man sich darüber nicht wundern, wenn man bedenkt, dass sie sich von allen Vökern in einer Weise absonderten, welche ihnen den Hass aller Völker ziizichcn musste: und zwar bestand diese Absonderung nicht bloss in äusserlichen Bräuchen, welche denen anderer Völker schnurstracks entgegen sind, sondern auch in» Zeichen der Besclmeidung, die sie gewissenhaft beobachte•». Dass der Hass der Völker es ist. welcher sie vorzugsweise erhält, das hat die Erfahrung gelehrt. Als der König voi Spanien einst gegen die Juden mit Zwang vorging und ihnen die Wahl licss, entweder die Stuatsreligion anzunehmen oder in die Verbannung zu gehen, nahmen sehr viele Juden die Religion der Päpste an. Da nun diese!׳, welche die ‘Staatsrdigion atnahmen, alle Rechte der eingeborenen Spanier gewährt und sie iiir alle Ehrenstellen tat!glich erklärt wurden, vermischten sie sieh bald dergestalt mit den Spaniern, dass nach kurzer Zeit keine Spur und kein Andenken ihrer Herkunft mehr vorhanden war. Das Gegenteil war bei denen der Fall, welche der König von Portugal zwang, die Relig'on seines Landes auzuaelmien: diese blichen auch nach ihrer Bekehrung zur Staatsreligion von den übrigen Einwohnern stets abgesondert: ganz natürlich, weil ihnen die Fälligkeit. Ehren׳ teilen zu bekleiden, nicht zuerkannt wurde. Das Zeichen der Beschneidung ist meines Erachtens in dieser Hinsicht von so grossem Belang, dass ich gaubeii möchte, es allein sei fähig, dieses Volk für alle Zeiten zu erhalten, ja ich halte cs für sehr möglich, dass die Juden vorausgesetzt, dass die Grundlagen ihrer Religion sie nicht verweichlichen, wenn einmal die Gelegenheit günstig sein sollte, — die menschlichen Verhältnisse shd ja den» Wechsel unter- W’oifen — ihr ehemaliges Reich wieder auirichten werden und Gott sie wieder von neuem erwählen werde. Baruch Spinoza: Theologisch - politischer T r a k t a t.

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