Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 13 (31.3.1905)
- Date
- 1905-03-31
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 13 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 143 richtig, dass der Tag an dem wir dies erleben mussten, c:11 schmachvoller Tag in der Geschichte unseres deutschen Judentnms sein wird, und dass wir viel, viel zu tun haben werden, um durch aller gemeinsame Arbeit das gutzumachen, was c:n Einzelner gesündigt hat. Aber diesmal soll cs nicht so gehen, wie sonst, wo d״: Sünde des Einen dem gesamten jüdischen Volke zum Vorwurf gemacht wird! --- Wir wissen, dass jener anfängliche Versuch niit Lachen überall auig'enomcn werden wird. Hat ja hoch zuguterletzt der Herr Professor verstanden, ein Enistuchmen seiner Darlegungen unter allen Umstünden zu vermeiden, wenn er wehmütig klagt, wie viele Lehrstühle für Wissenschaft des Judentums mit dem Oelde der Kolonialbank errichtet werden könnten! Das Gefühl einer allgemeinen und erlösenden Heiterkeit muss, wenn man das liest, den Leser erfassen. — Aber uns geht die Sache näher! Uns,berührt die Schmach, d:e uns angetan, indem ein Jude das schrieb, tief im Herzen! — Wir haben nur ehic Hoffming, die Hoffnung, dass dieser krasse!־all Tausenden, die abseits standen, die Augen öffnen wird * dass sic einschcn, wohin jener Weg führt, und dass sic fortan mit uns dc;t Weg gehen werden, dem wir aufrecht und starken Schrittes folg׳■!!, We׳\ unendlich weit über die Grenzen unserer Partei klingt der Scltrei der Hntriistuug! — Möge er nicht verhallen, sondern möge man sich dieser Schrift Geiger s erinnern und die Warnung, die darin liegt, beherzigen. - Mögen jene, welche lau unserer grossen Sache gegenüberstehen, sich an ihre Brust schlagen und sich gestehen, dass sie mitschuldig an dieser Schmach sind. — Dann werden künftig Männer vom Schlage dieses Mannes nicht!!:-ehr sich als Vertreter deutscher Juden geberden können, dann wird '* nicht mehr unter der Flagge des Liberalismus die finsterste! Reaktion gepredigt werden dürfe. j Wenn cs so kommt, dann wird diese Schrift Geiger s j statt Fluch — Segen gebracht haben. j Heute aber legen wir feierlich Verwahrung gegen dieses j Wort des Professors Geiger ein — nicht als Parteilcutc allen j ־־ denn die Schmach trifft nicht uns als Zionisten, sondern ' als Freunde wahrer Freiheit und Duldung, ohne Rücksicht aui unsere Stellung zur Frage des Zionismus. Wir verwahren uns gegen diese Kampfcsart. Wir verurteilen sie als unwürdig eines Juden, eines Deutschen und eines freiheitlichen Mannes. Wir verlangen, dass ein solcher Mann für immer ausgeschaite: werde, da, wo ernste Menschen um Wahrheit ringen, tun Recht und um Freiheit. Worüber wir nicht einig sind In einer kleinen jüdischen Gemeinde Russisch-Lithaucns herrschte einst zwischen den Anhängern zweier Rabbinen grimme Fehde. Nachdem der Kampf zwei Jahre angedauert und die Gemeinde an den Rand des Verderbens gebracht hatte, entschloss fiel! der Führer der einen Partei, der Gegenpartei die Hand zur Versöhnung ztt reichen. Er begab sich zum Führer der Gegenpartei und redete ihn folgendertnasscn an: Rabbi Chami! W ie lange noch soll der Bruderzwist in unserer Gemeinde wüten? Seien wir doch einig! Sagen ja unsere Weisen: .,Es gibt kein Gctass, das so viel Segen für Israel enthält wie der Friede." Also erkennen Sie doch meinen Rabbiner als den alleinigen au. damit wieder Friede herrsche in der Gemeinde, wie ehedem! .... An diese Anekdote wurde ich erinnert, als ich in der letzten Nummer der RUNDSCHAU den Artikel von Elias Auerbach las: ״Worüber wir einig sind.*‘ Geleitet von dem Bestreben, die schwere Krise des Zionismus nicht unnötig zu verlängern, steiit Herr Auerbach e'ne Reihe von Leitsätzen aui, deren Annahme bei gleichzeitigem Hinauswerfen (euphemistisch: ..Ausscheiden") der andersdenkenden Minderheit die Einigkeit in der Partei wiederherstellen wird. Man sollte gar nicht glauben, wie leicht eigentlich so eine Parteikrisis zu überwindeu ist. wenn mir erst das rechte Mittel gefunden ist! Aber einen kleiner. Haken hat die Sache doch. Leicht ist nämlich in Wirklichkeit mir das Hinauswerfen der Minderheit, während die Feststellung, wer Minderheit und wer Mehrheit ist, mitunter recht schwierig sein kann. Bei dem für unsere Kongresse herrschenden Wahl verfahren kann ich es mir sehr gut denken, dass unter Umständen selbst eine Abstimmung auf einem Kongresse noch keine klare Antwort darauf zu gehen vermag, wie die Mehrheit der Zionisten im Lande über die betreffende Frage denkt. Gar so leicht darf man sielt die Sache daher nicht mache!!, dass man einfach, wie Herr Auerbach, seine Ansicht für die der Mehrheit erklärt, die anders Denkenden als die Minderheit, die nur durch ein Miss- Verständnis in den Zionismus gekommen ist, aus der Partei ,.ausscheidet” und auf dieser •Basis die Einigkeit wieder herstellt. Was berechtigt denn Herrn Auerbach zu der Annahme, dass seine Leitsätze die Meinung der Mehrheit der Zionisten } zum Ausdruck bringen? ,Ucber nichts sütd wir so einig — | sagt Herr Auerbach — wie über die Frage Ostafrika". und Pilgerzüge bei, die seit der Verbindung mit Jerusalem durch eine Eisenbahn jährlich die Zahl 20 000 erreichen und noch immer in rapider Zunahme begriffen sind. Wenn man so sieht, wie heute jenes selbe Jaffa, das seit der Eroberung durch Mcük-il-Adil im Jahre 1196 beinahe zu einem bedeutungslosen Dorfe hcrabgC'tinkcn war. sich von neuem erhebt, tun in der Reihe der mittelländischen Hafenstädte eine bedeutungsvollere Stelle einzunehmen, so erinnert man sich gern, dass schon die Thntmosische Dynastie in Aegypten zur Zeit Mosc's und triilter die Stadt ״Jcpu“ rühmend unter den bezwungenen Nölkerschafteu erwähnt. Wenn sieh nun heute Jaffa aus seinen Trümmern neu erhebt, so legt cs damit Ztiguis nb, dass die Kultur zwar zeitweilig zuriiekgedrüngt, nie aber dauernd vernichtet werden kann. Heinrich L 0 e w e. Literaturbericht BDcher der einschlägigen Literatur, welche der Reaktion xugesandt *erden, finden eingehende Besprechung ... DER JÜDISCHE STUDENT. Vicrtcljahrsschrift der Vereine Jüdischer Studenten (im Bunde Jüdischer Korporationen). Heruusgcgebcii von Dr. Emil Cohn. Berlin. II. Jahrgang. No. 1, Märzheft. Das vorliegende Heft gibt wie die früheren nur Originalartikel von Mitgliedern der Vereine Jüdischer Studenten. Es ist das ein Grundsatz der Redaktion, über den man verschieden urteilen kann, der aber dem Blatte von vornherein eine ganz bestimmte Richtung und ein ganz bestimmtes Niveau vorschreibt. Aus der vorliegenden Nummer ist die Mitteilung aus Hebbels Tagebüchern durch den Redakteur des Blattes hervorzultcnen. Sie registriert Friedrich Hebbels Äusserungen über Juden und Judentum. Eugen*Zlocistis Artikel über David Friedrich Strauss und dessen Stellung zur Judenuuterdrückung und Jiidcncmanzipation ist sehr lesenswert, er gipfelt in dem Satze, ״dass nur die Juden selbst die unbedingte Freiheit und Gleichheit (für die Juden) verteidigten.” Udo Moses behandelt die Entstehung und Geschichte der Sekte der Sabbatharier in Siebenbürgen. Der Leitartikel von Richard Asch: ..Zur Jüdischen Rassenfrage’’ ist dagegen weniger dazu angetan, den neuen Jahrgang zu eröffnen. Der Schlusssatz, wonach sich der Zionismus als Postulat der jüdischen Rasse ergeben würde, ist wohl mehr der Grund des Artikels, als die vermeintlichen wissenschaftlichen Voraussetzungen. Wo in aller Weh hat de: Yeiiasser die ..rothaarigen Edomiter" aufgegriffen? Ehe der Verfasser das iiicdcrschrieh. hätte er sich überlegen sollen, dass er sein Manuskript zum Druck bestimmte. Der Mystizismus, wie er in der heutigen Rassenu!d Rassentnischungstheone zum Ansdruck kommt, grenzt sehr :iahe an den Hexcnglaubeu und ist nur dazu angetan, vernünftige Forschungen auf diesem Gebiete in den Augen ruhiger Forscher und besonnener Kritiker von vornherein verdächtig zu machen. Es sollten daher nur Fachleute in ganz streng methodischer Arbeit sich an diese Probleme heranwagen. Am Ende des Heftes ist in einer Rubrik .Studentisches” der C \ ץ