Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 13 (31.3.1905)
- Date
- 1905-03-31
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 13 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 139 Wie beschämend ist das doch für einen Juden mit | etwas Selbstbewustscin, von sich sagen zu lassen: wir wollen sie zwar nicht, aber.sie müssen crtiagcn werden. Das Wort sollte euch gellend in die Ohren klingen. — Und wenn eine entschlossene Majorität euch einmal nicht mehr ertragen wollte-? Aber wie soll ein liberaler Jude so weit denken! ib. Mitteilungen des Zentralbureaus der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. 1. Die Geschäfte des N a t i 011 a I f o!1 d s und der Zen tralb u rcau-Kasse haben einen derartigen Umfang erreicht, dass unser Schatzmeister Herr Max! Wolist einer die Arbeit nicht mehr allein bewäij tigen kann. Derselbe sucht daher einen freiwilligen Mit-! arbeiter, der mit Bureauarbeiten Bescheid weiss. Die | Arbeit dürfte zwei Abende in der Woche beanspruchen, i Meldungen von Gesinnungsgenossen werden an Herrn j Max W o 11 s t e i n e r. Berlin N.W. 23, Hol־: steincr Ufer 10, erbeten. 2. Die Ortsgruppen werden dringend ersucht, am; Todestage von Moses Hess, also am 6. April 1905! j Versammlungen abzuhalten, in denen über das Wirken l dieses Mannes gesprochen wird. 3. Die Sammelstelie für Materialien (Frau D r. Joel. Lübeck. Beckergrube 5$), bittet um Einsendung der in den einzelnen Gruppen gesammelten Materialien. Zionismus und Deutschtum Eine Antwort an Herrn Professor Geiger. Vortrag, gehalten in der Berliner Zionistischen Vereinigung \on Rechtsanwalt Gronemann, Hannover. (Schluss.) Von mancher Seite haben wir bisweilen gehört: Ihr wollt ja gerade dasselbe wie die Antisemiten, den Exodus der Juden. — Da war unsere Idee nicht als Gegenströmung gegen den 1 Antisemitismus aufgefasst, sondern als eine nach derselben Richtung sich bewegende Kraft, — parallel oder als Fort- Setzung gehend. — Auch diese Auflassung ist natürlich unzutreffend, — unzutreffend nach den Voraussetzungen, dem Ziel und den Wegen. -- Voraussetzung des AntlsemiFsmus ist: die Juden sind eine kulturell schädliche Gemeinschaft, — die des Zionismus: die Juden bilden einen eminent wichtigen, lebenskräftigen Kulturfaktor. Das Ziel des Antisemitismus ist: Ausrottung alles Jüdischen aus der Gcffellschaft, — das des Zionimus: Schaffung eines. Kraftzentrums für alles Jüdische! — Der Weg des Antisemitismus Ist: Beschränkung der Bewegunesfreiheit der Juden, Einschränkung ihrer Entwichelungsfäfvgkeit, — der des Zionismus: Förderung der freien von hemmenden Schranken losgelösten jüdischen Fntw׳ckelung. — Man begeht oft noch heute den ungeheuren Fehler, — in dem Antisemitismus nichts anderes als eine ephemere Erscheinung zu erblicken hervorgerufen durch einige törichte oder bösart’gc Menschen. Nichts ist falscher als das. Eine Strömungvon der so ungeheure Mengen erfasst sind, muss tieferen Ursprung haben, — kann nicht durch das Kieselsteinwerfen ci-ncer ungezogener Buhen entstanden sein. Umgekehrt haben auf ihren Vorteil bedachte schlaue SnekuUntrm in önentlieher Meinung cs verstanden. S'cii d:e vorhandene Strömung nutzbar zu machen. — Der Zionismus, sagt Geiger, wird aufhören, wenn der Antisemitismus schwindet. —- Darin steckt etwas wahre־•. Beide werden näniFcii pVchzcitig enden: in den! Momente, wo der Zionismus sein Ziel crrerM .. wird, wird auch dem Antisemitismus seine Grundlage entzogen seht. Denn. — und das ist des Pudels Kern — Zionismus und Antisemitismus stehen n;cht im Verhältnis von Ursache und Wirkung zu einander, sondern sie haben dieselbe Ursache. Jenes Unglück des jüdischen Volkes, das Golus. das Exil. — hat hei Freunden und Feinden als ein naturwidriger unmöglieher Zustand eine Reaktion, den Wunsch auf Acnderung hervoreermen. — Während nun die einen sagen: Schlagt die Heimatlosen tot! — sagen die anderen: Gebt Ihnen eine Heimat!! In der Tat Ist die eigentliche Ursache des Antisemitismus nichts als die Anomalie unserer Existenz als ein. rein Volksturn instinktiv festhaltendes, über die ganze Erde zerstreutes Volk. Durch die Aeusserungen der Antipathie. — worunter ich die Metzeleien. Judenverbrennungen, Ausnahmegesetzgebungen etc. verstehe, — wurde dann die jüdische Masse einen Unterbau aus Sandsteinen, während der obere Teil aus Backstein aufgeführt, gekalkt und blau getüncht ist. Wenn auch der Fahrdamin umgepfln stert ist, so geben doch die mit bunten Kacheln belegten Trottoirs und die in die Augen fallende Sauberkeit der Strasse ein gewissen aristokratischeres Ansehen. Hier ist es, xvo sich die meisten Hotels und das einzige cinigernrssen europäisch ausschende Kaffeehaus befinden. Von den Häusern, ihren Balkons und Terrassen bat man den Blick auf einen mitten in der Stadt gelegenen inuhammedanischen Kirchhof, sowie über das tiefblaue Meer, das mit seiner stürmischen, weissen Brandung einen geradezu erhebenden Eindruck macht. Hier ist auch der einzige Stadtteil, der den herrlichen Anblick, den die Felsenstadt den vom hohen Meere kommenden Schiffen bietet, wenigstens teilweise auch im Innern der Stadt rechtfertigt. Hinter den Häusern dehnen sich weite Gärten, über die der Blick erfreut hinüber schweift nach der einen Seite bis zur deutschen Kolonie, andererseits nach der Strasse nach Jerusalem, wo wiederum das deutsche Konsulat mit den weithin sichtbaren Flaggen- Stangen ׳sich besonders herausliebt. Die deutsche Kolonie, die im Jahre 1868 gegründet wurde, verdankt einer religiösen Bewegung ihre Ent- Stellung. Es wurde damals von dem Herrn Hoffmann in Württemberg unter dem Namen ״Der Deutsche Tempel“ eine Sekte gegründet, die sich zuerst im Jahre 1860 unter dem Namen ..Jcrusalemsfreunde“ sammelten. Indem sie von dem Gedanken ausgingen. dass die Aufgäbe des Christentums sei. das Reich Gottes auf Erden aufziirichten, glaubten sie zu sehen, dass seit den zweitausend Jahren seines Bestandes die vorausgesagte Zeit des allgemeinen Friedens nicht eingetreten sei. und sie liielten es für unmöglich, die christliche Idealgemeinde i»> einem anderen Orte erwachsen zu lassen als im Heiligen lande. Sie waren überzeugt dass es ihre Aufgäbe sei. die Wiederkunft Christi in Palästina erwarten 7n seilen, und so gründeten sie ausser einigen' andern Gemeinden in Snrona. Haifa und Jerusalem diese jetzt mit Jaffa verschmolzene Vorstadt. Es mutet 1ms so sonderbar an. .in dieser fremdländischen und fremdsprachigen Umgebung nlötz.Hch den Dialekt des srlnväbisehen Oberlandes zu hören, den uns Hebel so lieb und wert gemacht bat. Hier ist alles europäisch, alles deutsch, vom KInM1an.se bis zur Kirche, und von der Scheune bis zur Schilfe, Hier liegt auch der herrliche Garten des Baron Ustinoff. dessen prachtvolle Anlagen ein beredtes Zeugnis davon ablegen, was aus diesem \