Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 12 (24.3.1905)
- Date
- 1905-03-24
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 130 JÜDISCHE RUNDSCHAU 12 .סא heilige Feuer stets fortglühte. Wo kein Funke glimmt, kann kein Blasebalg Feuer erzeugen. ־ Es ist ganz richtig und soll durchaus nicht geleugnet werden, dass durch den Antisemitismus gar mancher sich erinnert hat, dass er Jude ist. ־ dass der Antisemitismus so als ein Teil der Kraft erschien, welche stets das Be-e will und doch bisweilen auch (lutes schallt. Die Definition einer Nation als einer Menscltengruppc mit gemeinsamen Feinde », trifft vor allem gerade auf uns Jude!• zu! Aber wie kommt es. dass gerade die besseren Elemente, — das gibt auch (feiger zu, — diese Konsequenz gezogen und sich um unsere Fahne gesammelt haben?! — Wie kommt cs, dass die blosse Airwehr Scliiiibruch gelitten hat und dass aus dem Nichts, aus der blossen. Negation, cm positives Ganzes geworden ist? Und weiter, - hat diese Idee nur die erfasst welche vom Antisemitismus bedrückt sind? - Hat er nicht gerade aus den Keilet: Jener, welche dtre:! .bteliung oder sonstige glückliche Momente ganz seinen Folge- Wirkungen entzogen sind, stärksten Zuzug und die heften Führer erhalten? Und sind es andererseits nicht gerade jene, welche eine verständliche Furcht vor den antisemitischen Neigungen ihrer Mitbürger hege ״, welche den Zionismus I: c ־ kämpfen. so dass geradezu der AntiseiniUsums. die Angst vor den hö>cn Antisemiten, die schwerste <׳e1:«hr fiir den Zionismus bildet? Kann inan nicht mit viel mehr Keclu. als der (kigcrschct! These znhomim. sagen: Der Aut:- zi •in ismus!)rieht mit der inneren Entw ickehmg des Juden• turns: er ist eine Folgeerscheinung des Antisemitismus!? Und dann, wie kann der Autor hier dem Zionismus einen Vorwurf daraus mache■:», dass er vom Antisemit'smus erzeugt sei, während er einleitend, indem er die Berechtigung der zionistischen Idee für Russland etc. anerkannt, gerade umgekehrt sagt, dass er den Zionismus nur da s c!1 ä t z e . wo er eine Folg <: des Antisemitismus sei. (Schluss folgt,) Worüber wir einig sind Es hat den Anschein, dass die schwere und notwendige Krise des Zionismus nach dem Tode Theodor Herzls tm wescutliehen überwunden ist. Um sie nicht unnötig zu verlängern, ist cs gut. in den wichtigsten Punkten diejenigen Ansichten zusammenzufassen, die durchgedruigen oder im Siege begruben sind. So wird die Verständigung beschleunigt. I. Palästina. 1. Palästina ist nach wie vor das einzige Ziel des Zionismus. Wir erstreben nicht ein‘ Land, sondern das Land Palästina. Wer das nicht zugibt, ist durch ch. Missverständnis in den Zionismus gekommen und muss jetzt als Minderheit ausscheiden. 2. Zur Gewinnung Palästinas muss neben den politischen Verhandlungen und durch sie vor allem die wirtschaftliche Eroberung des Landes als direkte Aufgabe des Zionismus sofort in Angriff genommen werden. Sie ist eine notwendige Voraussetzung für das Gelingen unserer Pläne. Alle Arbeit in Palästina muss auf dem Boden des Rechtes stehen. II. O s t a f r i k a. Ueber nichts sind wir so einig, wie über die Frage Ostafrika. Wir setzen voraus dass der Bericht der Expedition glänzend ausfallcn wird. 1. Die Besiedlung Ostafrikas soll in keine Beziehung zum Programm des Zionismus gesetzt werden. Sie ist eine Nots»andsarbeit. . 2. Es beruht auf Unkenntnis der Tatsachen, von der K<»lo־ nisierimg Ostafrikas eine merkbare Minderung der Jtidenuot im!.auf der nächsten Jahrzehnte zu erwarten. Line Massen- Jiilfe ist es nicht. 3. Ais Notstandsarbeit hat nicht der Zionismus die Be- Siedlung Ostafrikns in die Hand zu nehmen. Er hat das Projekt den bestehenden oder zu gründenden philanthropischen Gesellschaften zur Ausführung anzubicten. Seine Fonds bleiben unberührt. Der Zionismus soll nur versuchen, sehie kolonisatorischen Prinzipien bei der etwaigen Besiedlung zur Gelting 7u bringen. 4. Versagen die jüdischen Gesellschaften ihre Mitarbeit, so ist das Projekt von seiten des Zionismus fallen zu lassem III. Innere Arbeit. Hier liegt der unmittelbare Angriffspunkt der ״Reiorin" für die nächste Zeit. L Die Hauptaufgabe der ch »/.einen Organisationen (Ortsgruppen) ist die nationale Erziehung ihrer Mitglieder. Die Vernachlässigung dieser inneren Arbeit war der schwerste Fehler der bisherigen Organisation. 2. Die Erziehung der Zionisten zu nationalem Fühlen und politischem Verständnis ist nur durch regelmässige und systematische• Vcreä'sarbeit möglich. Umfang und Inhalt dieser Arbeit muss planmässig festgelegt und den örtlichen Verhältnissen angepasst werden. ״Ich bin ein unwissender Hebräer; auch ein Cäsar muss selche Unwissenheit verzeihen. Bei uns galt es stets für eine grössere Wohltat, den gefährlichen Feind dem Tode sogleich zu übergehen, als ihn gefesselt dem Pöbel zu zeigen, mit ihm zu prunken und ihn dann ... zu schlachten. Doch w ir sind rohe Barbaren nach eurer Sprache.“ ״Solchen verzeihe ich auch die Sprache des Spottes. (Ich, du bist zu deiner Bestimmung reif.“ Die Pforte des Cänaculums schloss sich hinter mir, und die Pforte des Ociängnis öffnete sieh vor mir. 8. Ein. heller Morgen steht über der Erde, da ich das römische Kriegsschiff betrete, welches mich im Gefolge des Cäsars nach Alexandrien bringen soll, und von da au»; nach der Herrscherin der Welt, nach Rom. In zahlloser Menge sind die Schiffe versammelt, die in ihrem Schosse die Trümmer .luda’s bergen, den goldenen Leuchter, den l isch der Schaubrode. Gesetzrollen und unzählige Kostbarkeiten, dass der römische Pöbel sein lästerndes Auge daran weide, und seine Knechtschaft vergesse vor dem Glanze -?eitler Herrscher. — Die Mor- ' gensonne überschüttet mit ihren Strahlen die ehernen j Schnäbel der Schifte, und glänzt silbern von den Wellen 1 zurück, welche die Ruder .schlagen. Ein frischer Wind י schwellt die kurzen Segel, und kräuselt das 1\ker. Aber nicht lange, so geleitet man mich hinab in den Bauch des Schüfe?, und scitliesst mich mit Fesseln in eine enge Kammer. Eine vergitterte Luke gestattet mir noch die Aussicht auf die nahe Küste, der das Schiff enteilt. £o stein ich aufrecht, w em! auch von den Fesseln gedrückt, gelehnt au die Scliiüsw and, die mich von den Wegen des Meeres trennt, und schaue hinaus. Hat man mir diese Fernsicht gestattet. da*s ich Abschied nehme von dir, teures Heimatland? dass ich dir Lebewohl sage. Land meiner Fremden und Schmelzen? Schon legt sich der Nebel um die zurückw eichenden Ufer, das Einzelne verschwindet, und mir als weiter Kranz um das Gewässer bist du sichtbar. Jetzt cnst trenne ich mich von dir, Gebirge Judas, jetzt verlasse ich dich, tauiger Mertuoti, dich Jordan, und dich, murmelnde' Duelle des Siloah.. Jetzt erst bist du mir entrückt. Wüste von Jericho, und ihr, schattige Haine Hebrons. Jetzt erst fühle ich, dass ich fern von euch bin, 111.d mein Auge euch nie wiederholten wird. Ich .bin verlassen, verlassen von Vater tmd Mutter, Geschwistern und Freunden, ihr aber seid noch mehr verlassen. Das ־Schweigen der Wüste ן hat sich über euch gelegt, der Tod eines Volkes hat sein j Leichentuch über euch gebreitet: wann werdet ihr wie- . jer erwachen? Rasttag habt ihr für die Ruhetage, die י nicht gehalten Morden, Bruchjahre mehr denn alle Jubel-