Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 12 (24.3.1905)
- Date
- 1905-03-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 12 0 Seite_ 126_;... ..._־ __ ... _ J 0D ISCH[E tums gefährdet ist, wenn ־es in dem alten Schlendrian fortgeht. Wenn die Väter noch das Notdürftigste wussten, was ein Jude vom Judentum wissen sollte, so haben die jungen Leute nur noch die Erinnerung an einige Wörter aus dem früheren Judendeutsch und das Bewusstsein, als Juden zurückgesetzt zu sein. Die Enkel aber werden, weil sie nichts mehr mit dem Jndcntume verbindet, reif sein, durch die Taufe zu verschwinden. » 4. So betrübend diese Aussicht für die deutschen Juden ist, so sicher ist sie! Denn die Enkel, in manchen Familien die Urenkel, die nichts, ja gar nichts haben, was sie mit dem Judentum verbindet, die keine jüdischen Ideenkreise mehr kennen, die nichts, rein gar nichts von dem überlieferten Erbteile wissen werden, haben kein Band, das sie an ein Judentum knüpft, um dessen willen sie wohl leiden, aber von dem sic auch nicht das Geringste haben, das ihnen die Fahnenflucht als nicht wünschenswert erscheinen liesse. Und wenn einige wenige Zurückbleiben, welche alte Gesetze aus Gottesfurcht weiter beobachten, so muss man bedenken, dass cs eine fromme Selbsttäuschung ist, zu glauben, dass die Beobachtung des alten Gesetzrituals im Zunehmen begriffen sei. Das Judentum aber selbst wird zu einer bedeutungslosen Sekte herabsinken, so weit es überhaupt tortexistieren kann. Ist das nicht ein Stück Judenfrage? Beschämend aber ist es. dass im allgemeinen die Nichtjnden in ihrem christlichen Religionsunterricht mehr von der jüdischen Geschichte lernen, als die meisten jüdischen Kinder. Wer von den Juden in Deutschland, der nicht Rabbiner oder Religionsichrer ist, kennt dann auch nur die Elemente der jüdischen Geschichte, von der hebräischen Sprache ganz zu schweigen? Gilt nicht bei uns der als gebildet, der alles andere weiss, nur nichts von der Sprache und Geschichte des eigenen Stammes? Ja. je unjüdischcr jemand ist. und je weniger er über das Judentum unterrichtet ist, für um so gebildeter wird er gehalten. Es gibt auch eine ideelle Judenfrage, die nicht minder bedeutend und wichtig ist, als die materielle und politische Seite dieser Frage. Diese Frage soll uns demnächst noch weiter bc- RUNDSCHAU schattigen. Es ist die Frage nach d e 1 Forte x i s t c n z des Judentums! Denn wichtiger als die Frage des Antisemitismus muss uns die Frage des Judentums sein. Wir beant- Worten sic durch einen Wunsch, durch den Herzensw unsch nach einer Zukunft des Judentum s. Heinrich Sachse. Mitteilungen des Zentralbureaus der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. 1. Die Ortsgruppen werden dringend ersucht, am Todestage von Moses Hess, den 6. April 1905, Versammhingen abzuhaltcn. in denen über das Wirken dieses Mannes gesprochen wird. 2. Die ersten 1000 Nationalfonds-Büehsen sind vergriffen; neue Gesuche um Uchcrlassimg von Büchsen können a u g c n b I i c k I i c 11 nicht berücksichtigt werden. Die Herstellung der Büchsen No. 1001-1500 wird ungefähr drei Wochen dauern. Bestehungen von Ortsgruppen und Vertrauensmännern werden an unseren Schatzmeister, Herr Max Wollsteiner, Berlin N.W. 23, Holsteiner Ufer 10, erbeten. 3. Die Sammelstelle für Materialien (Frau Dr. Joel. Lübeck, Beckergrube 5>). bittet um Einsendung der in den einzelnen Gruppen gesammelten Materialien. *1. Wir bitten diejenigen Ortsgruppen, welche bisher die Schekclgelder und Landesbeiträge noch nicht abgesandt haben, dies umgehend zu tun. Wir machen aber darauf aufmerksam, dass Scliekclgclder und Laudesteiträge ausschliesslich an unseren Schatzmeister, Herrn Max Wollsteiner. Berlin NAV. 23, Holsteiner Ufer 10, zu schicken sind. 5. Fräulein Martha Bacr hat am 1*1. März in Mühlheim a. Ruhr und am 15. März in Düsseldorf gesprochen. In Nürnberg hat am 16. tl. M. die erste grosse Agitationsversamtnlung stattgefunden. Der Flüchtling aus Jerusalem Von Ludwig P h i 1 i p p s o n. , (Nachdruck verboten.) 6. Wir standen am Sterbelager des ältesten Bruders Selnilamitlt’s, dem im Kampfe eine Lanze eine tätliche Wunde gebracht. Einsam waren wir an demselben, denn die Nu haue selbst die engen Bande der Gemeinde gelöst, und welche Familie hatte nicht ähnlichen Verlust? Scltulamith hatte das Haupt ihres sterbenden Bruders an ihre Brust gelegt. Fs w׳ar sein Wunsch gewesen, in ihren Armen seine Seele auszuhauchen, und mitten im Kampfe des Todes mit der ungebrochenen Jwgcndkrah blickte er eit dankbar in ihr tränenleeres Auge, das des Schjuerzes desto voller war. Der alte Macseja war durch die Schrecken und Aengste, durch die Entbehrungen und Schmerzen, welche die letzten 'Lage gebracht, zu einem krafttoseu Greise geworden, der sich mit Mühe noch trug. ״Amncn, wirst du bei mir bleiben?“ sprach der Greis, als der Sterbende in einen kurzen Schlaf verfallen. ״Ich habe bald •keinen Erstgeborenen mehr, mein Joseph und Hillel sind noch schwache Jünglinge: auf wen soll sich meine zitternde Hand stützen?“ Ich bleibe, wo ich bin, erwiderte ich, und wo mau mich nicht von sich stösset. ״Du vergisst, Vater, fiel Schulamiih ein, dass Amnon in Antiocheia nicht sicher ist, man kennt und vorfolgt ihn hier.“ ״Antiocheia! sprach der Greis. Habt ihr gehört, welcher neue Frevel geschehen? Als der Cäsar in das Amphitheater trat, empfing ihn der laute Jubelruf der Syrer. Aber als er freundlich gedankt, traten abermals Abgeordnete der Stadl vor seinen Stuhl, und baten, w enn die Juden bleiben sollten in Antiocheia, ihnen wenigstens die ehernen Tafeln zu nehmen, auf denen ihnen Gleichheit der Rechte mit den Syrern zugesichert, und die am Eingänge der grossen Synagoge aufgehängt sind. Titus blieb standhaft, und verweigerte es ihnen. Da stiegen Frevler in der Nacht durch die Bresche in das verlassene Gebäude, töteten die alten Diener, welche darin wohnten, und zerschlugen die Tafeln mit Aexten. Kein Jude wagt es, Vor Titus zu treten, und ihm dies kund zu tun." Wir schlafen über einem Erdbeben, das losbrechen wird, wenn Titus abgezogen. .Ich habe heute die Gemeinde rufen lassen, um die Ethnarchcnwiirde niederzulegen. Mein Haupt und mein * ■יסיי,"