Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 11 (17.3.1905)
- Date
- 1905-03-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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% Seite 116. JÜDISCHE RUNDSCHAU. No. 1!. canisnuis sind, wenn die Weissagung des Prolipeten in Er- IftHung geht, wenn Knochen an Knochen rückt, sich der Mensch aus seinen TeUcn wieder zusamnicnsetzt gleich wie wenn er sich auirafft vom Krankenlager und seine Organe in neuer Kraft Zusammenwirken. Wenn die Juden das erreicht haben, wenn die einzelnen Glieder wirklich zusanmienrücken und sich aufs neue zu gemelnsamer Arbeit zusanimenfinden. dann wird der Jüdische G esa rn t Organismus auch die Kraft haben, seine Glückterechtigung im Rate der Völker durchzusetzen. Dass dies geschieht, hängt von den Juden ah. Mögen sie danach streben, das ist der rechte Weg! .ישלבה Brief aus Rumänien Vor einiger Zeit ist bei uns an Steile der!■bcralen Partei die konservative init Herrn Gr. G. C a n t i c u 7.1 n o an der Spitze zur Regierung gekommen. Früher war ein Regierungs־ Wechsel für die rumänischen Juden ein Ereignis von dem sic eine Aendcrung ihrer Lage zum Besseren oder Schlechteren erwarteten und das sic daher in eine gewisse Aufregung vorsetzte. Manche Juden, besonders die wohlhabenden und assimilatorisc!! angehauchten, erhofften bei solchen Anlässen gewohnlich eine entschiedene Besserung, ja bisweilen eine definitive Lösung der Judenfrage in ihrem Sinne. Aber jene Honnungen haben sich stets als trügerisch erwiesen, denn die ohnehin schiechte Lage der Juden verschlimmert sich immer mehr und mehr. — Jetzt hat man endlich in allen jüdischem Kreisen einzusehen begonnen, dass an eine wirkliche ,Besserung hier im Lande überhaupt nicht zu denken ist. So kommt cs. dass fast alle rumänischen Juden diesem jüngsten Regicrungs- Wechsel kalt gegenüberstehen. An Erlangung von wohlverdienten und bei Erfüllung sämtlicher Bürger pflichten, natürlich auch des Militärdienstes, selbstverständlichen Bürgerrechten, wie sie namentlich die Organisation der jüdischen Reservisten amtrebt, wagt man heute im Ernst nicht-mehr zu denken, und man scheint sich allmählich an den gegen• wärtigen rechtlosen Zustand zu gewöhnen — bleibt doch eine andere Wahl einstweilen nicht übrig. Die wenigen Abgeordneten, wie z. B. der frühere Premier- Minister P. Car p, die vor Jahren ihre Stimme zu Gunsten der unterdrückten Juden erhoben, sind diesen längst nicht mehr so freundlich gesinnt, wie man sich früher selbst cinzureden pflegte. Kommen diese Judenfreunde dereinst an’s Ruder und befindet sich der rumänische Staat in Geldnot, so haben diese Politiker ja Zeit, sich wieder einmal als Philosemitcn auszugeben. Inzwischen aber schweigen sie sich aus. ln den Programmreden der neuen Regierung wurde im ganzen Grossen der Juden nicht oft gedacht, was immer noch besser ist, als wenn mau neue Schikanen für sic in petto hätte. Einen Dienst hat ins der Regierungswechsel — freilich ohne direktes Zutun der Konservativen — doch geleistet: Mit dem Fall der ,.Liberalen” ist auch deren für die Juden gefährliches Gcsctzcsprojckt, betreffend die nichtstaatlichen Seimlen gefallen, sodass wir wenigstens eine Zeit lang in dieser Hinsicht weniger besorgt sein dürfen. Die glcichbieibendc Haltung der Regienngeu den Juden gegenüber und der Antisemitismus, von dem die g a n z e Bevölkerung durchdrungen ist, dank der erfolgreichen Agitation der Presse, verschiedener Universitätsprofessoren (so besonders A. Cu za i:1 Jassy), des Klerus, der Studentenscbatti sämtlicher Zivil- und Militärbehörden. Italien den rumänischen Juden I: ־igsani doch zum Bewusstsein gebracht, dass sic nicht von der Regierung, welche im ganzen Jahre 190-1 neunzehn Juden (von den 2.0ר .tr01יי10־ das Bürgerrecht verliehen hat. eine Besserung der Lage erwarten können, sondern nur von der Arbeit für das zionistische Ideal, welches uns den Mut gibt, auszuhalteu und mchi zu verzweifeln. So sehen wir dein ganz, besonders in (1:11a tz. Bra'tla Bukarest und .lassy die Zionisten wacker an der Arbeit, während andere Organisationen, wie /. B. die vorhin erwähnte der jüdischen Reservisten. Infolge der sicheren Aussichtslosigkeit ihrer Bemühungen ihre Arbeit fast ganz eingestellt haben. Trotz der heurigen .Missernte, welche sich auf Schritt und Tritt fühlbar macht, wird für den jüdischen N'ationalfoud fleissig gesammelt und d e verhältnismässig y:!hlreichen Eintragungen ins Goldene Buch desselben sind ein guter •Beweis, dass — leider nicht überall glclclimässig — gearbeitet wird. Während aber die gesamte jüdische Bevölkerung und Presse des Auslandes zum Ostafrika-Projekt Stellung nimmt, verhalten sich die rumänischen Juden dieser wichtigen Frage gegenüber fast neutral, was grade für sic kein rühmliches Zeugnis ist. Im allgemeinen scheint aber der grössere Teil für das Projekt eingenommen zu sein, wenngleich die KGALITATEA in ihrem letzten Leitartikel das Projekt verwirit und sich sogar soweit versteigt. Mr. L. J. Greenb e r g beabsichtigte *.Irreführung" vorznwerfen. Dieser Ton mutet uns ganz, besonders bei der F1GALITATEA. die ja nicht immer seit ihrem Bestehen nur streng zionistische Interessen Eine sanfte Hand legt sicli auf meine Schulter. Dt! , bist cs. Scttlainith. ..Der Retter wird kommen.“ flüstert j sie zu mir. ״David, der Gesalbte, der den Stuhl auf י Zijon wieder auirichtet. Ein Spross wird ausgehen aus j Jischai’s Stamm, und zum Szepter werden über die! Heiden. Weisst du das nicht?“ Ja. Sehulamith, morgen j kommt der Erlöser: wir werden morgen sterben, j Morgen gen Abend w erden die Mauern sinken, und ן Römer und Syrer über sie cinziehen. ״Und was liegt! daran, wenn*wir sterben? Sind wir Israel? Erkühnst J du dielt, dich zu halten iiir eine Säule Judas? Ja, wir; werden sterben, — aber Israel ist des Herrn Volk auf j ewig, wie Sonne und Sterne des Herrn Leuchten auf I immer. Israel lebt stets.“ Ja, es lebt. Aber ein Leben J de;s Sklaven, den der Herr mit Füssen tritt, ein Leben י des Jocliticrs, das die Stachel des Treibers fühlt, mit i verbundenem Maule, das Leben des Hundes, der den Speichel lekt dess, der ihn schlägt. So Israel ist ein Volk von Krämern und Wanderern, was kann der Herr aus ihm machen? Aus Felsen schlug Mosche Wasser, aber welch' Lcbensstrom kann üiossen aus geknechteten, niedergedrückten und zerschlagenen Menschen? — ״Amncn. aus dem Sande wächst das Gold; aus den dunkelsten Wolken fährt der Blitz. Amnon, der Mensch ist gross, nicht in Purpur und auf den Stühlen des Glücks, sondern im Gewände des Elends. Schlage dein Volk nicht selbst mit eigener Rute. Der Wanderer Abraham ward zum Fürsten der Erkenntnis, der verknechtete Joseph zum Herrn der Völker, der Hirt David 7.11m Sänger des Glaubens. In Israel stirbt die Kruft des Geistes nicht. Immer :׳erbricht sie die Busseln, ersteht aus dem Staube, und erhebt ihr Haupt zu den Sternen. Sielte, der Kluge verteilt sein Gut hierhin und dorthin, so er cs nicht bergen kann bei einander. Wird das Eine geraubt, bleibt das Andere ihm wohlverwahrt. Es kommt eine stürmische Zeit über die Welt, aber Israel überdauert sie. weil cs nicht getroffen wird an einem Orte. Dann, wenn die Zeit voll ist. w ird der Herr kommen. Willst du verlangen, bf.s dahin zu leben? . . Sehulamith, Eriedcnsbotia, auch du sollst sterbet!? Rette dich. Jungfrau, durch den Gang, den wir gewandelt. Der Hain der Daphne ist jetzt verlassen, du kannst ihn sicher durchschreiten. — ״Jener Gang ist entdeckt und verschüttet. Als man dich *suchte, fand man ihn. Dies befürchtete ich, und Hess ihn vermauern.“ — 0, vermocht’ ich dielt zu retten! Mein Blut soll willig fliesF.cn, meine Hand nicht erlahmen, mein Buss nicht ermüden. Meine Marianne sah ich sterben, soll